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Begriff, Funktion und Praxis des interkulturellen Lesergesprächs zwischen Leseerfahrung, wissenschaftlicher Interpretationspraxis und interkultureller Didaktik

Eine Analyse am Beispiel von Aphorismen über die Deutschen

Title: Begriff, Funktion und Praxis des interkulturellen Lesergesprächs zwischen Leseerfahrung, wissenschaftlicher Interpretationspraxis und interkultureller Didaktik

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Bachelor of Arts Ida Blick (Author)

Didactics for the subject German - German as a Foreign Language
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Wenn man davon ausgeht, dass fremdsprachliche und -kulturelle Perspektiven den Verstehens- und Rezeptionsprozess eines Lesers unabdingbar beeinflussen, dann spricht man von interkultureller Literaturwissenschaft. In diesem Rahmen will die fremdsprachliche
Literaturdidaktik eine Annäherung an das Fremde erreichen, indem die eigene Identität durch eine bewusste Unterscheidung von Innen- und Außensperspektive sowie einer Perspektivenübernahme hinterfragt werden.
Im Zusammenhang der vorliegenden Arbeit stellt sich zunächst die Frage, wie ein Muttersprachler deutsche Texte rezipiert und interpretiert. Daraus resultierend wird untersucht, in welchem Maße sich die Rezeption und Interpretation beim Deutsch-als-Fremdsprache-Lerner unterscheidet, da die interkulturelle Germanistik davon ausgeht, dass Angehörige verschiedener Kulturen auch verschiedene
Wahrnehmungen und Wirklichkeitsauffassungen haben. An diese These wird in vorliegender Arbeit angeknüpft, indem auf das Thema „Aphorismen“ näher eingegangen wird. Denn diese Form der Kurz-Prosa wird häufig als prägnanter Satz, der die Wahrheit sagt, bezeichnet. Deswegen werden Aphorismen zunächst generell und dann am Beispiel der „Aphorismen über die Deutschen“ sowohl literarisch und sprachlich als auch funktional im Kontext des interkulturellen Lesergesprächs untersucht. Ziel der Arbeit ist es,
herauszufinden, welchen Einfluss der fremde Blick auf die Interpretation deutscher Literatur hat und ob sich „Aphorismen über die Deutschen“ als didaktische Umsetzung für den interkulturellen DaF-Unterricht eignen. Dies lässt sich in der Arbeit bestätigen.
Aphorismen lassen sich sei jeher als grundsätzlich didaktische Form der Wissensvermittlung bezeichnen, weil sie provokativ sowohl die Kreativität und Produktivität, als auch einen Standortwechsel beim Leser bzw. Schüler herausfordern. Diese Funktionen von Aphorismen können als Basis für ihren interkulturell didaktischen Effekt betrachtet werden. Aphorismen führen durch ihre Überspitztheit und Provokation zum Einen zu angeregten Diskussionen, die bei Angehörigen verschiedener Kulturen noch kontroverser ausfallen können. Zum Anderen zeigen sie auf, wie Vorurteile entstehen und können so beim Leser eine Reflexion über Stereotype und einen Perspektivenwechsel bewirken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Leseerfahrungen im Kontext der interkulturellen Germanistik

2. Das interkulturelle Lesergespräch

2.1 Der Leseprozess und die literarische „Wirklichkeit“

2.2 Definitorische Unterscheidung von Rezeption und Interpretation

2.3 Interkulturelle Rezeption und Interpretation

2.3.1 Leserpositionen im Kontext kultureller Fremdheit und Distanz

2.3.2 Funktion des Lesergesprächs: interkulturelle Hermeneutik und Dialog

3. Praxis: Aphorismen über die Deutschen

3.1 Definition und Bestimmung des Aphorismus‘

3.1.1 Literarisch und philosophisch

3.1.2 Sprachlich und grammatikalisch

3.2 Analyse des Untersuchungsgegenstands

3.3 Aphorismen im interkulturellen Lesergespräch

4. Resümee und Ausblick: Das interkulturelle Lesergespräch und Aphorismen in seinem Kontext

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Dynamik des interkulturellen Lesergesprächs und analysiert, wie Leseerfahrungen im Kontext der interkulturellen Germanistik durch kulturelle Fremdheit beeinflusst werden. Das primäre Ziel ist es, den Einfluss des „fremden Blicks“ auf die Interpretation deutscher Literatur zu erforschen und zu evaluieren, inwiefern Aphorismen über die Deutschen als didaktisches Mittel im interkulturellen Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht (DaF) fungieren können.

  • Rezeption und Interpretation literarischer Texte unter kultureller Distanz
  • Strukturmerkmale und Funktion des Aphorismus
  • Interkulturelle Hermeneutik als Grundlage für den Dialog
  • Einsatz von Klischees und Stereotypen als Diskussionsanlass
  • Didaktische Potenziale der Kurzprosa im DaF-Kontext

Auszug aus dem Buch

3.2 Analyse des Untersuchungsgegenstands

Dietrich Krusche (1992a) hat in seinem Werk „Aufschluss. Kurze Prosa im Unterricht Deutsch als Fremdsprache.“ besonders Aphorismen behandelt. Diese unterteilte er nach Themenbereichen, wie beispielsweise „Deutschland und die Deutschen“ (ebd.:66-71). Von jenem übersichtlichen Korpus, der 29 Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg, Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul, Franz Grillparzer, Heinrich Heine, Friedrich Hebbel, Hugo von Hofmannsthal, Karl Kraus und Kurt Tucholsky enthält, sollen einige Beispiele im Rahmen dieser Arbeit analysiert werden.

Begonnen werden soll mit einem Aphorismus von Lichtenberg, der als „Umkehrung einer Wendung“ bezeichnet werden kann: „Sag, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase eher rümpfen lernt als putzen?“ (Krusche 1992a:66)

Der Leser hat es hier mit einem Wortspiel zu tun, das sich durch die syntaktische Gleichstellung der Verbkonstruktionen „Nase rümpfen“ und „Nase putzen“ zeigt, wobei zugleich zu bemerken ist, dass die beiden Verbkonstruktionen zwar eine sprachliche, jedoch keine inhaltliche Übereinstimmung haben. Eine inhaltliche Logik der Verknüpfung beider Formulierungen lässt sich also nicht erkennen.

Eine ähnliche Konstruktion, eine „Assoziation von Wörtern“ lässt sich bei Friedrich Hebbel finden:

„Selbst im Fall einer Revolution würden die Deutschen sich nur Steuerfreiheit, nie Gedankenfreiheit zu erkämpfen suchen.“ (Krusche 1992a:69)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Leseerfahrungen im Kontext der interkulturellen Germanistik: Einführung in die Thematik der Rezeption fremdsprachlicher Literatur und die Bedeutung des interkulturellen Verstehens.

2. Das interkulturelle Lesergespräch: Theoretische Auseinandersetzung mit Leseprozessen, der Differenz von Rezeption und Interpretation sowie der Rolle der interkulturellen Hermeneutik.

3. Praxis: Aphorismen über die Deutschen: Empirische Analyse von Aphorismen zur Untersuchung kultureller Stereotype und zur Anwendung im didaktischen Kontext.

4. Resümee und Ausblick: Das interkulturelle Lesergespräch und Aphorismen in seinem Kontext: Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über das Potenzial von Aphorismen zur Förderung der interkulturellen Diskurskultur.

Schlüsselwörter

Interkulturelle Germanistik, Lesergespräch, Aphorismus, Rezeption, Interpretation, Kulturtransfer, Deutsch als Fremdsprache, Literarische Didaktik, Stereotype, Fremdheit, Hermeneutik, Interkulturelle Kompetenz, Textverständnis, Kulturhistorische Prägung, Sprachdidaktik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Grundlegung und praktischen Anwendung des interkulturellen Lesergesprächs im Kontext der Germanistik.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die literarische Rezeption unter kultureller Distanz, die Bedeutung von Aphorismen und deren didaktischer Nutzen im Fremdsprachenunterricht.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu ergründen, wie der „fremde Blick“ die Interpretation deutscher Texte beeinflusst und wie Aphorismen über die Deutschen Reflexionsprozesse bei Lernenden anstoßen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung des Leseprozesses sowie auf eine exemplarische Analyse eines aphoristischen Korpus nach Dietrich Krusche.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der interkulturellen Hermeneutik und eine praktische Analyse von Aphorismen bekannter deutscher Autoren auf ihre interkulturelle Wirksamkeit hin.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind interkulturelle Germanistik, Rezeption, Hermeneutik, literarische Didaktik, Stereotype und Aphoristik.

Warum sind gerade Aphorismen für das interkulturelle Lernen geeignet?

Aufgrund ihrer Kürze, ihrer Provokation und ihrer oft klischeebehafteten Aussagen über „die Deutschen“ bieten sie einen idealen Anlass, um über Stereotype und kulturelle Selbstbilder kritisch zu diskutieren.

Welche Rolle spielt die „Umkehrung einer Wendung“ bei der Analyse?

Dies ist eine spezifische sprachliche Strategie, die Lichtenberg nutzt, um durch syntaktische Parallelen inhaltliche Widersprüche zu erzeugen, die den Leser zur Reflexion über das Dargestellte zwingen.

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Details

Title
Begriff, Funktion und Praxis des interkulturellen Lesergesprächs zwischen Leseerfahrung, wissenschaftlicher Interpretationspraxis und interkultureller Didaktik
Subtitle
Eine Analyse am Beispiel von Aphorismen über die Deutschen
College
University of Bayreuth  (Interkulturelle Germanistik)
Course
Lektüre und kulturelle Differenz
Grade
1,3
Author
Bachelor of Arts Ida Blick (Author)
Publication Year
2012
Pages
21
Catalog Number
V205084
ISBN (eBook)
9783656315179
ISBN (Book)
9783656316626
Language
German
Tags
Interkulturelle Germanistik DaF Deutsch als Fremdsprache interkulturelle Literaturwissenschaft Literatur Literaturwissenschaft Lesergespräch interkulturelle Hermeneutik interkulturelle Didaktik Interpretation Rezeption Rezeptionsästhetik Leseerfahrung Leseprozess Aphorismen Aphorismen über die Deutschen Krusche Aphorismus Esselborn Wierlacher kulturelle Fremdheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts Ida Blick (Author), 2012, Begriff, Funktion und Praxis des interkulturellen Lesergesprächs zwischen Leseerfahrung, wissenschaftlicher Interpretationspraxis und interkultureller Didaktik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205084
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