Menschen sind verschieden und Konflikte daher vorprogrammiert. Konflikte waren immer schon ein Teil unseres gesellschaftlichen Lebens und müssen es auch offenbar sein.
Die rasanten Veränderungen der letzten Jahre in unserer Gesellschaft haben die Konfliktbereitschaft in der Bevölkerung zusätzlich gefördert. So engt z.B. eine Flut von Gesetzen und Verordnungen unsere persönlichen Handlungsspielräume ein und nimmt dadurch auch wesentlichen Einfluss auf unsere Lebensabläufe. Die Bürger sind immer weniger bereit, diese Einwirkung auf ihre Interessen kritiklos hinzunehmen.
Die zunehmende Bereitschaft, die Austragung von Rechtsstreitigkeiten auch finanziell abzusichern - z.B. durch den Abschluss privater Rechtsschutz-versicherungen - trägt dieser gesteigerten Konfliktbereitschaft Rechnung. Zugleich ist zu beobachten, dass immer mehr Agenden des persönlichen Bereiches an Fachleute delegiert werden, so auch die Konflikte. Wenn sich nun die Fronten zwischen den Konfliktpartnern verhärten und erstarren, werden außenstehende Dritte angerufen, um zu helfen. Sehr oft wird dann in dieser scheinbar ausweglosen Situation auf unser Rechtssystem zurückgegriffen, und so enden viele dieser Konflikte vor Gericht.
Ob Schuldspruch oder Vergleich, gerichtliche Entscheidungen führen in den seltensten Fällen zur Befriedung der Situation - ganz im Gegenteil - meist führen sie sogar direkt in eine Eskalation. Das Interesse am Fortbestand der Beziehungsebene zwischen den Streitparteien ist dann zerstört und ein weiteres gesellschaftliches Zusammenleben wird sehr schwierig. Gerichtsentscheidungen sind Streitentscheidungen, die den Konflikt nicht wirklich beenden.
Sie fragen sich nun: „Gibt es überhaupt Wege, Streitigkeiten anders zu regeln?“
Die Antwort lautet: „Ja! Es gibt Wege, Strategien und Möglichkeiten nämlich mit
Mediation!“
Inhaltsverzeichnis
Aus meiner Sicht (Vorwort)
Die ÜberSicht
Die EinSicht (Wozu Mediation?)
Aus historischer Sicht
Aus theoretischer Sicht
1. Die KonfliktSicht
1.1 Konflikte
1.2 Konflikt und Mediation
2. Mediation - „Die Sichtung“ (Was ist Mediation?)
2.1 Die AbSichten (Ziele der Mediation)
2.2. Die rechtliche Sicht
2.3. Die grundsätzliche Sicht und Vorgehensweisen in der Mediation
2.4 Die DurchSicht der Beteiligten:
2.4.1. Der Blick auf die Klienten
2.4.2. Der Blick auf den Mediator
2.4.3. Die Sicht auf Raum und Zeit
Aus praktischer Sicht (Der Mediationsprozess)
3. Mediationsablauf
3.1. Der Blick auf die Konzepte der Mediation
3.1.1. Die prämediative Phase
3.1.2. Die mediative Phase
3.1.3. Die Postmediative Phase
3.1.4. Der Blick auf die Werkzeuge des Mediators
4. Die AnwendungsSicht der Mediation:
4.1 Die Sicht auf Ehepaare und Familien (Scheidungs- und Familienmediation)
4.2. Die Sicht auf die Wirtschaft (Wirtschaftsmediation)
4.3. Die Sicht auf die Umwelt (Umweltmediation)
4.4. Die Sicht auf die Politik (Politische Mediation)
4.5 Die Sicht auf die Schüler (Schulmediation)
Resümee und Blick in die Zukunft
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, einen umfassenden Einblick in das Feld der Konfliktbeilegung durch Mediation zu geben und deren Sinnhaftigkeit in einer zunehmend komplexen Gesellschaft aufzuzeigen. Die Arbeit fungiert dabei nicht als starre Anleitung, sondern als Reflexion über professionelle Herangehensweisen, Rahmenbedingungen und die Rolle des Mediators.
- Grundlagen des Konfliktverständnisses und theoretische Einordnung der Mediation.
- Analyse der notwendigen Rahmenbedingungen (Raum, Zeit) und der Rolle des Mediators.
- Detaillierte Darstellung des Mediationsprozesses und seiner verschiedenen Phasen.
- Diskussion über den Einsatz von Mediationswerkzeugen wie Fragetechniken und Reframing.
- Überblick über spezifische Anwendungsfelder wie Familien-, Wirtschafts-, Umwelt- und Schulmediation.
Auszug aus dem Buch
2.4.2. Der Blick auf den Mediator
Wie bereits schon vorher erwähnt, versteht sich der Mediator als Manager der Verhandlungen, der allerdings nicht für Inhalt und Ergebnis des Mediationsverfahrens verantwortlich zeichnet. Seine Aufgabe ist es, auf die Einhaltung von Fairness und die Aufrechterhaltung der Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit zu achten. Er arbeitet zukunftsorientiert und sorgt dafür, dass keiner der Konfliktparteien in eine Verliererposition gerät. Er bestimmt, wie der Mediationsprozess abläuft und achtet darauf, dass die Konfliktpartner miteinander reden, im speziellen dadurch, dass er Interaktionsregeln festlegt und interveniert, wenn diese Regeln gebrochen werden. Er behält die Redezeit der einzelnen Konfliktparteien im Auge und sorgt für Ausgewogenheit. Eine wesentliche Grundhaltung des Mediators besteht in seiner Allparteilichkeit, das heißt, er hält zu beiden Konfliktparteien die gleiche Distanz und verhält sich aus einer neutralen Position heraus. Nur dadurch kann er das Vertrauen und die Akzeptanz beider Parteien erreichen, und somit die Voraussetzung für seine Tätigkeit wahren.
Die Arbeit des Vermittlers im Konfliktregelungsprozess sehe ich als eine sehr anspruchsvolle. Ich habe mir mittlerweile mein eigenes (Ideal-)Bild - sofern es überhaupt Ideale gibt - von der Rolle des Mediators gemalt, das so aussieht:
„Der Mediator führt seine Klienten gleichermaßen liebevoll durch den Prozess mit Fragen. Empathisch und mit Herz ist er bei den Parteien und hört ihnen zu. Er bewertet nicht, sondern wiederholt das Gesagte so, dass die anderen Streitparteien die positive Botschaft dahinter erkennen können. Er verfügt über einen guten, optimistischen Willen, den Klienten Möglichkeiten zu eröffnen, dass sie ihren Konflikt selbst regeln können. Er ist humorvoll und spontan. Wenn es notwendig ist, bringt er die Klienten von der strittigen Inhaltsebene zurück auf die Prozessebene. Mit Intuition und Erfahrung versucht er stets, die hinter den Positionen stehenden Bedürfnisse und Wünsche seiner Klienten zu erkunden und versucht den "Kuchen" für die Beteiligten zu vergrößern, indem er versteckte Ressourcen der Klienten an die Oberfläche bringt.“
Zusammenfassung der Kapitel
Die KonfliktSicht: Definiert den Begriff des Konflikts aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven und erläutert dessen Eskalationsstufen nach Glasl.
Mediation - „Die Sichtung“ (Was ist Mediation?): Erläutert die Begriffsbestimmung der Mediation, ihre rechtlichen Grundlagen sowie die Bedeutung der Neutralität und Allparteilichkeit.
Mediationsablauf: Beschreibt die Phasen eines Mediationsprozesses von der Vorbereitung bis zur Umsetzung sowie die zentralen Werkzeuge des Mediators.
Die AnwendungsSicht der Mediation: Beleuchtet die unterschiedlichen Einsatzgebiete wie Familien-, Wirtschafts-, Umwelt-, Politische Mediation und Schulmediation.
Schlüsselwörter
Mediation, Konfliktregelung, Allparteilichkeit, Konfliktmanagement, Mediationsprozess, Interessensausgleich, Kommunikation, Scheidungsmediation, Wirtschaftsmediation, Umweltmediation, Schulmediation, Harvard-Konzept, Konfliktstufenmodell, Konfliktlösung, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Instrument der Mediation als Methode zur stilvollen und effektiven Konfliktregelung in einer zunehmend komplexer werdenden Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Konflikten, die Rolle und Haltung des Mediators, der Ablauf des Mediationsprozesses sowie die Anwendung der Mediation in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Sinn und die Notwendigkeit von Mediation aufzuzeigen und zu vermitteln, wie Konflikte durch professionelle Vermittlung in tragfähige, gemeinsame Lösungen transformiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller Mediationsmodelle, fachspezifischer Literatur und der praktischen Reflexion der Ausbildungserfahrungen des Autors.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Konfliktmanagements, die praktische Darstellung des Mediationsprozesses und die Analyse unterschiedlicher Anwendungsfelder von der Familie bis zur Politik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Mediation, Allparteilichkeit, Konfliktregelung, Interessensausgleich, Kommunikation und Kooperation.
Warum ist das Konfliktstufenmodell nach Glasl für Mediatoren wichtig?
Es hilft Mediatoren, den Eskalationsgrad eines Konflikts richtig einzuschätzen und zu prüfen, ob das Selbsthilfepotential der Parteien für eine Mediation ausreicht oder ein Eingriff von außen notwendig ist.
Welche Bedeutung hat die "Allparteilichkeit" für den Mediator?
Allparteilichkeit ist ein Fundament der Mediation; sie ermöglicht es dem Mediator, zu allen Konfliktparteien die gleiche Distanz zu wahren und so das nötige Vertrauen für den gemeinsamen Verhandlungsprozess aufzubauen.
- Citar trabajo
- Heinz Zwettler (Autor), 2004, AusSicht der Mediation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205309