In dieser Master-Thesis wird „WISSEN“ als Forschungsgegenstand aufgegriffen.
Drei Wohngemeinschaften freie Träger der Jugendwohlfahrt werden thematisch auf ihren Umgang mit Wissen in den Wohngemeinschaften hin untersucht. Die Wissenskultur der Wohngemeinschaften steht damit im Vordergrund dieser Untersuchung. Dabei nimmt die von Richard Günder 2011 in der Monografie „Praxis und Methode der Heimerzeihung“ veröffentlichte Erkenntnis, dass das Ausbildungswissen der Mitarbeiter der stationären Einrichtungen der Jugendwohlfahrt nicht auszureichen scheint, einen erheblichen Einfluss auf diese Arbeit.
In Bezugnahme des im Wissensmanagements entwickelten „Baustein-Modells“ von Gilbert Probst (2010) wird mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring untersucht, wie Wissen in den Wohneinrichtungen identifiziert, erworben, entwickelt, verteilt, genutzt, bewahrt und bewertet wird und ob die Wohneinrichtungen klare Wissens-ziele definieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Zielstellungen der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Auseinandersetzung mit dem Forschungsgegenstand
2.1. Wissensdimensionen
2.2. Daten, Informationen und Wissen
2.3. Implizites Wissen, explizites Wissen
2.4. Organisationswissen, individuelles, kollektives Wissen
2.5. Volatilität des Wissens
2.6. Wissensmanagement
2.6.1. Management
2.7. Entwicklungslinien des Wissensmanagements
2.8. Wissensmanagement und Organisationales Lernen
2.9. Organisationales Lernkonzept von Senge (1996)
2.9.1. Personal Mastery
2.9.2. Die Mentalen Modelle
2.9.3. Gemeinsame Vision
2.9.4. Team-Lernen
2.9.5. Systemdenken
2.10. Wissen und Organisationskultur
2.11. Wissens-Bausteine
2.11.1. Wissensziele definieren
2.11.2. Wissen identifizieren
2.11.3. Wissen erwerben
2.11.4. Wissen entwickeln
2.11.5. Wissen verteilen
2.11.6. Wissen nutzen
2.11.7. Wissen bewahren
2.11.8. Wissen bewerten
2.12. Zusammenfassung der bisherigen Themen
3. Die Jugendwohlfahrt in Kärnten
3.1. Leistungen gemäß den Jugendwohlfahrtsgesetzen
3.2. Koordination der Jugendwohlfahrt
3.3. Die stationären Einrichtungen für Kinder und Jugendliche
3.4. Die Leistungen in Wohngruppen und Wohngruppenverbänden
3.5. Das pädagogische Personal
3.5.1. Ausbildungsprobleme der Mitarbeiter in stationären Einrichtungen
3.5.2. Rollenidentifikation der Pädagogen
3.6. Teamarbeit/ Teamsitzung
4. Fazit: Wissensarbeit in stationären Einrichtungen
5. Erarbeitung eines Forschungsrahmens für drei stationäre Einrichtungen
5.1. Methodischer Zugang
5.2. Auswahl und Vorstellung der Wohngruppen
5.3. Auswahl und Vorstellung der Interviewpartner
5.3.1. WG(1)
5.3.2. WG(2)
5.3.3. WG(3)
5.4. Durchführung der Interviews (Entstehungssituation)
5.5. Frageleitfäden
5.6. Auswertung
6. Ergebnisse: Wissenskultur in stationären Einrichtung der Jugendwohlfahrt in Kärnten in der Praxis
6.1. Die Herausforderung der Arbeit
6.2. Wissen erwerben
6.2.1. Wissen über den neuen Mitarbeiter erwerben
6.2.2. Wissenserwerb durch interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung
6.2.3. Konklusion
6.3. Wissen entwickeln und teilen
6.3.1. In Fortbildungen Wissen entwickeln
6.3.2. Wissen in Supervisionen und Mentoring entwickeln
6.3.3. Teamsitzungen als Zeit der Wissensvermittlung
6.3.4. Mentoring als Möglichkeit der Wissensentwicklung
6.3.5. Wissen im Geschehen entwickeln und im Team teilen
6.3.6. Multiplikation und Speicherung von Wissen über die neuen Medien
6.3.7. Konklusion
6.4. Wissensziele
6.4.1. Konklusion
6.5. Wissen bei den Mitarbeitern identifizieren
6.5.1. Der Schlüsselmitarbeiter
6.5.2. Gruppenwissen bewerten
6.5.3. Konklusion
6.6. Wissen nutzen
6.6.1. Differenzierte Nutzung des Wissens
6.6.2. Konklusion
6.7. Wissen bewahren
6.7.1. Konklusion
7. Schlussteil
7.1. Fazit
7.2. Kritische Auseinandersetzung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, wie in Wohngruppen der freien Träger der Jugendwohlfahrt in Kärnten mit dem Wissen der Mitarbeiter umgegangen wird, wobei das Baustein-Modell von Gilbert Probst als theoretischer Rahmen dient und die Professionalität der Arbeit kritisch beleuchtet wird.
- Analyse der Wissenskultur in stationären Jugendwohlfahrtseinrichtungen.
- Untersuchung von Prozessen wie Wissenserwerb, -entwicklung, -verteilung und -bewahrung.
- Einfluss der Organisationskultur auf den Umgang mit implizitem und explizitem Mitarbeiterwissen.
- Rolle von Fortbildungen, Teamarbeit und Supervision für die Wissensgenerierung.
- Evaluierung der praktischen Anwendung von Wissensmanagement-Instrumenten.
Auszug aus dem Buch
2.1. Wissensdimensionen
Unsere Umwelt befindet sich im Wandel. Wir leben heute in einer Wissensgesellschaft und das im Informationszeitalter. Der Umbau vom Industriezeitalter zum Informationszeitalter verlief parallel zu der Entwicklung und dem Aufbau unserer Computer- und Kommunikationstechnologien. Das Informationszeitalter begann zu dem Zeitpunkt, als die Technologien der Kommunikation so weit entwickelt waren, dass die Vernetzungen untereinander praktikabel und kostengünstig wurden. Wirtschaftliche Aspekte und Macht sind historisch eng verknüpft. Unsere heutige Technologie schafft uns den Zugang zu breiten Informationsdiensten und ermöglicht uns zugleich neue Informationsfähigkeiten und –möglichkeiten (Alberts, 2009, S.47). Das aus der Flut der verfügbaren Daten und Informationen generierbare Wissen erfährt einen ständigen Wertezuwachs.
Im Vergleich zwischen der Produktion und der Handhabung der Informationen und der Produktion und der Vervielfältigung der materiellen Güter schneiden die Informationen wirtschaftlich bei Weitem besser ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die professionelle Arbeit in stationären Einrichtungen der Jugendwohlfahrt als Wissensarbeit und begründet die Relevanz der Untersuchung des Wissensmanagements.
2. Theoretische Auseinandersetzung mit dem Forschungsgegenstand: Es werden grundlegende Wissensbegriffe sowie Konzepte wie Wissensmanagement, organisationales Lernen und Organisationskultur erläutert und das Baustein-Modell nach Probst eingeführt.
3. Die Jugendwohlfahrt in Kärnten: Dieses Kapitel verortet die stationären Einrichtungen im System der Jugendwohlfahrt in Kärnten und beschreibt die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie das pädagogische Personal.
4. Fazit: Wissensarbeit in stationären Einrichtungen: Eine erste Zusammenführung zeigt, dass die pädagogische Arbeit aufgrund ihrer Komplexität bereits eine Form der Wissensarbeit darstellt, auch wenn dies nicht explizit als Wissensmanagement betrieben wird.
5. Erarbeitung eines Forschungsrahmens für drei stationäre Einrichtungen: Der methodische Teil beschreibt die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, die Auswahl der drei untersuchten Wohngruppen und das Vorgehen bei der Interviewführung.
6. Ergebnisse: Wissenskultur in stationären Einrichtung der Jugendwohlfahrt in Kärnten in der Praxis: Die empirischen Ergebnisse werden detailliert entlang der Probst-Bausteine dargestellt, wobei der Fokus auf dem tatsächlichen Umgang mit Wissen in der Alltagspraxis der Wohngruppen liegt.
7. Schlussteil: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse, Reflexion der Ergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich des Wissensmanagements in der Jugendwohlfahrt.
Schlüsselwörter
Jugendwohlfahrt, Kärnten, Wissensmanagement, Wissenskultur, Baustein-Modell, Gilbert Probst, stationäre Erziehungshilfe, Mitarbeiterwissen, organisationales Lernen, Wissensbausteine, Sozialpädagogik, Teamarbeit, Wissensentwicklung, Wissensvermittlung, qualitative Inhaltsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Master-Thesis untersucht die Wissenskultur in Wohngruppen freier Träger der Jugendwohlfahrt in Kärnten, basierend auf der These, dass die pädagogische Arbeit in diesen Einrichtungen eine Form von Wissensarbeit darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind der Umgang mit Mitarbeiterwissen, die Wissensbausteine nach Gilbert Probst, die Organisationskultur in Jugendhilfeeinrichtungen sowie die Methoden des organisationalen Lernens und der Wissensentwicklung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist es zu erheben, wie in der täglichen Praxis stationärer Wohngruppen mit Wissen umgegangen wird, ob klare Wissensziele existieren und welche Faktoren den Wissenserwerb sowie die Wissensweitergabe innerhalb der Teams beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Hierfür wurden Leitfadeninterviews mit insgesamt 12 Personen in drei verschiedenen sozialpädagogischen Wohngruppen geführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Wissensbegriffs, eine Darstellung des Kontextes der Jugendwohlfahrt in Kärnten sowie eine detaillierte empirische Auswertung der Interviews hinsichtlich der Wissensbausteine nach Probst.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem Kernbereich der Jugendwohlfahrt sind Wissensmanagement, Wissenskultur, stationäre Heimerziehung, Baustein-Modell und organisationales Lernen maßgebliche Begriffe.
Welche Rolle spielt die Ausbildung der Mitarbeiter für das in der Arbeit untersuchte Wissen?
Die Untersuchung verdeutlicht, dass die formale Ausbildung vieler Pädagogen als nicht ausreichend für die spezifischen Anforderungen der Heimerziehung wahrgenommen wird, was dazu führt, dass die Wissensentwicklung primär durch "Learning by Doing" im Team erfolgt.
Welche Bedeutung haben Teamsitzungen für die Wissensverteilung in den untersuchten Gruppen?
Teamsitzungen werden als eines der vordringlichsten Instrumente identifiziert, um Informationen auszutauschen, Erfahrungen zu reflektieren und neues Wissen zu generieren, auch wenn ihr Fokus oft auf organisatorischen Aspekten liegt.
Wie unterscheidet sich die Nutzung von moderner Technik in den Wohngruppen?
Während einige Einrichtungen neue Computersysteme für die Dokumentation und den Informationszugriff einführen, wird die Nutzung von Intranets oft nur für einseitige Informationen (z.B. als "Magazin") verwendet, statt als aktives Werkzeug für den Wissensaustausch.
- Citation du texte
- Michael Pietrowski (Auteur), 2012, Wissen und nichts darüber wissen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205338