Wenn man an Western denkt, so kommt einem zuerst ein männlicher Protagonist, der durch die ungezähmte Landschaft des Wilden Westen reitet, in den Sinn. Auch unter dem Publikum, das sichWestern ansieht, stellt man sich ein vorwiegend männliches Publikum vor. Daher ist der Western, so wie das Genre in unserer Fantasie geprägt ist, ein männliches Genre. Häug fällt es schwer, sich vorzustellen und daran zu erinnern, dass auch Frauen in vielen Western bedeutende Rollen zukommen.
Der Western ist das Filmgenre, das am engsten mit den Vereinigten Staaten von Amerika verknüpft ist. Zum einen spielt er meistens auf dem amerikanischen Kontinent und zum anderen nimmt er für sich in Anspruch, Teile der amerikanischen Geschichte, nämlich die Zivilisierung des Landes, auf die Leinwand zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Frauen und Western
1.2 Überblick
2. Definition
2.1 Geschichte des Western
2.2 Was ist der Western?
2.3 Der klassische Western
3. Frauenrollen im Western
3.1 Die Prostituierte
3.1.1 Stagecoach
3.1.2 McCabe Mrs. Miller
3.1.3 Filmbeispiel: Bad Girls
3.2 Die Frau aus dem Osten
3.2.1 Sonderform: Gesellschaftsfrauen
3.2.2 Stagecoach
3.2.3 High Noon
3.2.4 The Ballad of Little Jo
3.3 Die Revolverheldin
3.3.1 Sonderform: Das verzogene Gör
3.3.2 High Noon
3.3.3 Johnny Guitar
3.3.4 El Dorado
3.3.5 Bad Girls
3.3.6 The Quick and the Dead
3.4 Die Pionierin
3.4.1 The Searchers
3.4.2 The Ballad of Little Jo
3.5 Zusammenfassung
4. Frauenrollen am Beispiel von klassischen und modernen Western
4.1 Rolle der Frau in Stagecoach
4.2 Rolle der Frau in The Missing
4.3 Rolle der Frau in Open Range
4.4 Zusammenfassung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Entwicklung weiblicher Rollenbilder innerhalb des Western-Genres, sowohl in klassischen als auch in modernen Filmproduktionen, um aufzuzeigen, wie sich stereotype Frauenfiguren im Laufe der Zeit wandelten oder bestanden blieben.
- Analyse der vier zentralen weiblichen Stereotypen: Prostituierte, Frau aus dem Osten, Revolverheldin und Pionierin.
- Untersuchung der filmischen Darstellung von Weiblichkeit und Unabhängigkeit im maskulin geprägten Genre.
- Vergleichende Untersuchung der Entwicklung von Frauenrollen an ausgewählten Filmbeispielen (Stagecoach, The Missing, Open Range).
- Hinterfragung der Verknüpfung von Geschlechterrollen mit historischen oder sozialen Gegebenheiten des Wilden Westens.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Prostituierte
Ein im Western verwendeter Stereotyp ist der Prostituierten. Unter diesem Stereotyp werden nicht nur Rollen gefasst, die dem Gewerbe der Prostitution nachgehen. Zusätzlich werden hierunter auch weibliche Charaktere gefasst, die allgemein nicht dem Idealbild der Frau im Kontext eines Western entsprechen. Hierzu zählen unter anderem die Rolle der Tänzerin, der Sängerin oder einfach nur das Barmädchen im Saloon. (Weidinger (2006) S. 107 ff)
Bei der Rolle der Prostituierten handelt es sich um eine der aktiveren und freien Rollen, die Frauen im Western spielen können. Häufig erlangen sie diese Freiheit dadurch, dass sie bereits von der Gesellschaft moralisch vorverurteilt wurden und daher nicht mehr unter dem Zwang der gesellschaftlichen Konventionen stehen, denen andere weibliche Charaktere unterworfen sind. Oft versucht diese Rolle jedoch im Verlauf eines Westerns aus ihrem Charakter auszubrechen, um ein neues Leben zu beginnen und sich dadurch in einen anderen Archetyp zu verwandeln.
Prostituierte treten sowohl in klassischen als auch in modernen Western auf, wobei sie in modernen Western deutlich häufiger Verwendung finden als andere weibliche Stereotype. Durch ihre Professionalität genießt die Rolle der Prostituierten eine Unabhängigkeit, die anderen Rollen nicht zuteil wird und dadurch kann sie sich mehr Aktivität und mehr Freiheiten leisten, als dies anderen Rollen möglich ist. Dennoch ist die Prostituierte bemüht, sich in die Gesellschaft einzugliedern, was sie sich allerdings oft auf Kosten ihrer Unabhängigkeit erkaufen muss.
Ein Beispiel für eine Prostituierte, die versucht, sich ein bürgerliches Leben zu erkaufen, findet sich in dem Italo-Western C'era una volta il West (1968) von Sergio Leone, in dem Jill McBain, gespielt von Claudia Cardinale, zugibt, dass sie vor ihrer Heirat mit einem Farmer als Prostituierte gearbeitet hat und zu ihrem Schutz eine mögliche Rückkehr in diesen Beruf erwähnt. Auch in dem Film Stagecoach (1939) von John Ford kann man diesen Versuch in Person der Prostituierten Dallas, gespielt von Claire Trevor, beobachten. Diese setzt in dem Film alles daran, zusammen mit Ringo Kid, gespielt von John Wayne, ein neues Leben zu beginnen. Zum Abschluss des Films fährt sie mit ihm zu seiner Farm, wo sie ein gemeinsames Leben erwartet. (Leone (1968))
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die männliche Dominanz des Western-Genres und führt in die Fragestellung ein, welche Rolle Frauen in dieser filmischen Erzählwelt einnehmen.
2. Definition: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe sowie die geschichtliche Entwicklung des Western-Genres dargelegt, um einen theoretischen Rahmen für die Analyse zu schaffen.
3. Frauenrollen im Western: Hier werden vier zentrale Stereotypen – Prostituierte, Frau aus dem Osten, Revolverheldin und Pionierin – anhand zahlreicher Filmbeispiele definiert und auf ihre Charakteristika hin untersucht.
4. Frauenrollen am Beispiel von klassischen und modernen Western: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Entwicklung weiblicher Rollenbilder anhand der drei Filme Stagecoach, The Missing und Open Range.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass sich Frauenrollen im Western zwar gewandelt haben, jedoch häufig weiterhin in ein Spannungsfeld zwischen Unabhängigkeit und männlicher Hilfe eingebettet bleiben.
Schlüsselwörter
Western, Frauenrollen, Filmwissenschaft, Stereotype, Geschlechterrollen, Prostituierte, Pionierin, Revolverheldin, Stagecoach, The Missing, Open Range, Filmgeschichte, Weiblichkeit, Wildwest, Filmanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung von Frauenrollen im Western-Genre und untersucht, wie weibliche Charaktere in diesem traditionell als männlich wahrgenommenen Genre inszeniert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Definition und Einteilung weiblicher Archetypen (wie Prostituierte oder Pionierin) sowie deren Wandel im Vergleich zwischen klassischen und modernen Western.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Stereotype für Frauen im Western genutzt werden und inwieweit diese Rollen im Laufe der Filmgeschichte eine Entwicklung hin zu mehr Aktivität und Unabhängigkeit durchlaufen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, bei der ausgewählte Fallbeispiele (Stagecoach, The Missing, Open Range) unter Einbeziehung von Fachliteratur untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der vier Haupt-Stereotypen und eine anschließende detaillierte Film-Analyse, in der diese Typen in spezifischen Produktionen auf ihre Anwendung hin geprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Western, Frauenrollen, Stereotype, Geschlechterrollen, Filmanalyse und die spezifischen Filmtitel wie Stagecoach.
Wie verändert sich die Rolle der Prostituierten im Vergleich zwischen klassischem und modernem Western?
In modernen Western ist die Rolle der Prostituierten präsenter und wird oft als unabhängiger dargestellt, wenngleich sie häufig weiterhin versucht, sich in die bürgerliche Gesellschaft einzugliedern.
Welche Rolle spielt das "verzogene Gör" innerhalb der Kategorie der Revolverheldin?
Das "verzogene Gör" stellt eine Sonderform dar, die zwar gewisse Freiheiten genießt und oft keine traditionellen weiblichen Attribute aufweist, jedoch meist stark von der Autorität eines Vaters oder männlichen Beschützers abhängig bleibt.
Warum wird die Rolle der Frau in "The Missing" als besonders wandlungsfähig beschrieben?
Magdalena Gilkeson vollzieht im Laufe des Films eine Entwicklung von der Pionierin hin zur Revolverheldin, wobei sie ihre passiven Anteile zugunsten einer aktiven und wehrhaften Rolle aufgibt, um ihre Familie zu retten.
- Citar trabajo
- Carolin Rychlik (Autor), 2012, Frauen im Western, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205471