Konfliktlöser oder weitere Quelle potenzieller Konflikte?

Die Wasserpolitik Israels im Fokus


Hausarbeit, 2012

34 Seiten, Note: 2,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zum theoretischen Rahmen dieser Arbeit: Konfliktpotenzial ungleicher Wasserverteilung
2.1 Water crisis vs. water conflict
2.2 Gewaltpotenzial von Wasserkonflikten: Kooperation oder Eskalation?
2.3 KonfliktkategoriennachSPILLMANN
2.3.1 Konflikte um die absolute Wasserverteilung
2.3.2 Konflikte um die relative Wasserverteilung
2.3.3 Konflikte aufgrund grenzuberschreitender Wasserverschmutzung und Degeneration von Flussen
2.3.4 Konfliktintensitat und Kategorisierungen

3 Wasservorkommen auf israelischem Gebiet
3.1 Grundwasserspeicher
3.2 See Genezareth und Jordan
3.3 Meerwasserentsalzung
3.4 Nutzung und Verfugbarkeit des Wassers
3.4.1 Israel
3.4.2 Palastinensische Autonomiegebiete

4 Rechtliche Bestimmungen im Umgang mit den Wasserressourcen
4.1 Internationales Wasserrecht und die Rechtsbeziehungen der involvierten Staaten
4.2 Rechtslage im Umgang mit den Palastinensischen Autonomiegebieten
4.2.1 Das Interimsabkommen uber das Westjordanland und den Gazastreifen als Status Quo
4.2.2 Das Joint Water Committee als institutionalisierter Versuch einer Zusammenarbeit

5 Kennzeichenisraelischer Wasserpolitik
5.1 Bezug von Wasser aus Territorien auBerhalb der Grenzen von
5.2 Politik aufkurzeSicht
5.2.1 Ubernutzung der naturlichen Ressourcen
5.2.2 Blockade und Umgehung des Joint Water Committee
5.2.3 ungleiche Verteilung des Wassers in Israel und den Palastinensischen Autonomie­gebieten
5.2.3.1 Israelischer Anteil am Ungleichgewicht
5.2.3.2 WeitereFaktoren

6 Folgen von Wassermangel: dustere Prognose fur beide Seiten
6.1 kurz- und mittelfristige Folgen
6.2 langfristige Implikationen der israelischen Wasserpolitik
6.3 Nexus von Wasser- und Nahostkonflikt
6.4 Notwendigkeit politischer Losungsansatze zur Reduktion von Wasserknappheit
6.5 Gefahr eines Wasserkriegs im Nahen Osten?

7 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Annex

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

,,If the wars of this century were fought over oil, the wars of the next century will be fought over water — unless we change our approach to managing this precious and vital re- source1, warnte Ismail Serageldin im August 1995 in seiner damaligen Funktion als Vize- prasident fur sozial und okologisch nachhaltige Entwicklung bei der Weltbank. Erscheint dies angesichts des weit verbreiteten Bildes unseres Blauen Planeten zunachst paradox, so zeigt es doch den Stellenwert einer Ressource auf, die unabdingbare Voraussetzung jegli- chen Lebens ist und durch nichts ersetzt werden kann.

Wenngleich der grofite Teil der Erde von Wasser bedeckt ist, so ist dieses nur zu 2,5% als Sufiwasser vorhanden und zu gerade einmal 0,77 % unmittelbar zuganglich.2 Hinzu kommen regionale Unterschiede von Wasserangebot im Verhaltnis zur Bevolkerungszahl. Insbesondere der Nahe Osten gilt als chronisch wasserarme Region, hier haben 5% der Weltbevolkerung Zugriff auflediglich 1% der weltweiten Frischwasserressourcen.3

Schlusslicht bildet hier die Bevolkerung der palastinensischen Autonomiegebiete mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von lediglich 123 Litem taglich (teilweise auch deutlich weni- ger) - gerade etwas mehr als die von den Vereinten Nationen empfohlene Menge von 100 Litem.4 Der Besatzungsmacht Israel hingegen stehen 544 Liter zur Verfugung,5 welche zu grofiem Teil auch aus besetztem Gebiet abgeleitet werden. Konflikte erscheinen vorpro- grammiert, eine Untersuchung des Faktors Wasser als Teil des Nahostkonflikts liegt daher nahe - wird doch bereits fur den Sechs-Tage-Krieg 1967 ein israelisches Interesse am Zu- gang zum Jordan als ein Teilfaktor des Konflikts angenommen6.

Demgegenuber steht die Erklarung Israels im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses, die palastinensischen Wasserrechte im Westjordanland anzuerkennen. Die vorliegende Ar­beit soll somit Theorie und Praxis der Wasserversorgung in Israel und den Palastinensi­schen Autonomiegebieten vergleichen und deren Konfliktpotenzial abschatzen. Hierbei gilt es, die Hypothese zu uberprufen, dass die aktuelle Vorgehensweise Israels in der Wasserpo- litik in mehrfacher Hinsicht Konfliktpotenzial fur die Zukunft in sich birgt.

Als theoretischer Rahmen dieser Arbeit soil hierbei die Kategorisierung der Konflikt- kategorien in der Wasserpolitik von Kurt R. SPILLMANN dienen, welcher drei Typen von Wasserkonflikten unterscheidet.7 Dem folgt eine geologische Beschreibung der Wasservor- kommen auf israelischem Gebiet8 und deren Nutzung durch Israel und die Palastinensi- schen Autonomiegebiete. Anschliefiend wird die gultige Rechtslage im Umgang mit den Nachbarstaaten und in Bezug auf das Westjordanland und den Gazastreifen erlautert, um im Folgenden die Kennzeichen israelischer Wasserpolitik aufzuzeigen. Darauf aufbauend werden die Folgen des Wassermangels in den Palastinensischen Autonomiegebieten fur beide Seiten aufgezeigt, um Ruckschlusse vom Wasser- auf den Nahostkonflikt zu ziehen. Schlussendlich wird die Gefahr eines Wasserkrieges knapp diskutiert.

Die Forschung auf dem Gebiet der Wasserkonflikte erfuhr Anfang der 1990er Jahre durch die Begriffsschopfung des water war einen Aufschwung und fand in der Folgezeit reges Interesse auf unterschiedlichen Zugangswegen.

Der politikwissenschaftliche Erkenntnisstand aus jener Phase stellt hierbei den auch noch heute gultigen dar. Insbesondere die amerikanische Forschung mit Peter H. GLEICK und Aaron T. WOLF tat sich hier hervor. Auch in Schweden fand die Thematik grofien An- klang, insbesondere Leif OHLSSON leistete hier seinen Beitrag. Kurt R. SPILLMANN und das schweizerische Environment and Conflicts Project (ENCOP) sind hierbei auch zu erwahnen. Hillel SHUVAL spezialisiert sich insbesondere auf den Wasserkonflikt als Teil des Nahostkonflikts.

Auf geografischer und geologischer Zugangsebene findet seit diesem Zeitraum eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Forschung statt, wobei sich das Interesse hier zu- meist aufFallstudien internationaler Flusssysteme richtet.

Problematisch zeigt sich die Datenlage, zu eindeutig scheinen im konkreten Fall Be- richte von NGOs Partei pro Palastina zu ergreifen. Verlassliche Daten wurden daher, so- weit moglich, aus dem Datensatz der World Bank ubernommen, welcher auch online abruf- bar ist.9

2 Zum theoretischen Rahmen dieser Arbeit: Konfliktpotenzial ungleicher Wasserverteilung

2.1 Water crisis vs. water conflict

Wolf unterscheidet zwei Arten von Wasserproblematiken im Einzugsgebiet des Jordan, an die im Folgenden der Ubersicht wegen angeknupft wird. Zum einen versteht er unter Unter water crisis ,,too little water supply for too much demand“10. Dies trifft auf die Situation in Israel und den Palastinensischen Autonomiegebieten zu, wo Wasser Mangelware ist. Dieser Punkt wird in Kapitel 5.2.3 mit seinen Folgen ausfuhrlich behandelt werden.

Zunachst soll der -water conflict unter den Anrainerstaaten des Jordan betrachtet wer­den, welchen Wolf definiert als "political tensions brought about by a water crisis in the particular international water basin, which is shared by riparians who have deep and long­standing enmity towards each other"11. Johannsen sieht die Ursachen fur einen Konflikt in diesem Einzugsgebiet auf drei Ebenen: zum einen bedingt durch die Problematiken inter­national Grenzverlaufe und Waffenstillstandslinien (Ausnahme Israel/Jordanien), zum anderen durch die politische Umstrittenheit der Territorien, wo das Recht der Macht den Vortritt lassen musse und schliefilich durch die Interpretation des Konfliktes im Sinne eines "Sicherheitsdilemmas", was zu strategischem Nullsummenspiel auf aufienpolitischer Ebene fuhre und von der Vorstellung eines worst case-Szenarios lebe.12

2.2 Gewaltpotenzial von Wasserkonflikten: Kooperation oder Eskalation?

Demnach stellt sich an diesem Punkt die Frage nach dem Eskalationspotenzial eines sol- chen Wasserkonflikts. Hier findet sich auch in der gangigen Literatur kein allgemeiner Konsens. Eine Reihe von Autoren legt Wert auf die empirische Feststellung, dass es einen solchen Wasserkrieg noch nie gegeben habe und Kooperation vorherrsche.13 Andere wie- derum betonen, dass Wasser als Mitgrund in gewalttatigen Konflikten bereits vorge- kommen sei, diese aber nicht notwendigerweise eskalieren mussten.14 Eine Minderheit sieht die grundsatzliche Moglichkeit einer Eskalation.15 Bis heute ist ein solcher Fall nicht vorgekommen, sodass hier keine qualitativen Aussagen getroffen werden konnen.

Breiter Konsens findet sichjedoch darin, dass im Falle einer solchen Eskalation Kon- flikte tendenziell auf regionaler oder lokaler Ebene gewaltsame Formen annehmen denn auf zwischenstaatlicher.16 Jedoch darf nicht vergessen werden, dass "while conflicts often remain local, they can also impact stability at the national and regional levels"17.

Ebenso konne eine Eskalation mittelbar erfolgen uber Migrationsbewegungen, bei- spielsweise aufgrund mangelhafter Wasserqualitat, welche in der Folge Destabilisierungs- effekte am Zielort hervorrufen. Diese Bewegungen konnen auch uber den Faktor Landwirt- schaft (verschlechterte Bedingungen durch schlechte Wasserqualitat) die Armut erhohen und somit zusatzliches gesellschaftliches Konfliktpotenzial darstellen.18

Letztendlich scheinen die Kausalzusammenhange hier noch nicht abschliefiend ge- klart zu sein. Mehr wird sich erst in Zukunft sagen lassen, wenn sich einige Konfliktsitua- tionen weiter zuspitzen, denn "future conflicts are increasingly likely"19. Die grundsatzliche Moglichkeit einer Eskalation besteht weiterhin.

2.3 Konfliktkategorien nach SPILLMANN

Da sich das Interesse der Forschung fast ganzlich auf die Untersuchung von Fallstudien konzentriert, sind verallgemeinernde Aussagen rar. Daher soll an dieser Stelle die knappe und dennoch prazise Konflikteinteilung von Kurt R. SPILLMANN, welche auch Anspruch auf Allgemeingultigkeit erhebt, als Grundlage der folgenden Arbeit dienen.

SPILLMANN teilt Wasserkonflikte qualitativ in drei Kategorien ein. Er unterscheidet zwischen absolutem und relativem Verteilungskonflikt sowie der Verschmutzung und De­generation von Flussen. Auf Basis politischer und soziookonomischer Uberlegungen zeigt er anschliefiend vier Konflikttypen auf, welche auch Aussagen uber die Wahrscheinlichkeit von Gewaltanwendung treffen sollen.

2.3.1 Konflikte um die absolute Wasserverteilung

Die Entstehung von absoluten Verteilungskonflikten ist abhangig vom tatsachlichen Bedarf eines Anrainers an Wasser. Dieser Art von Konflikt liegt "der endgultige Konsum [...], der das Wasser jeder weiteren Verwendung endgultig entzieht"20 zugrunde. Dies bedeutet, dass der Unteranlieger - aufgrund der unveranderlichen Fliefirichtung - injedem Fall benachtei- ligt ist, da ihm das vom Oberanlieger verbrauchte Wasser fehlt. Je nach Situation kann hierdurch eine existenzielle Bedrohungssituation entstehen, zudem kann der betroffene Staat von einer Absicht des Oberanrainers (Intentionalitat) ausgehen. Somit lasst sich aus­sagen, dass "die grundsatzliche Bereitschaft von Regierungen, gegenuber anderen Staaten militarische Mittel einzusetzen oder mit deren Einsatz zu drohen, [...] in diesem Fall hoher sein [durfte] als bei Problemen, die sich notfalls auch durch alternative Substitutionsstrate- gien beheben lassen"21.

Mogliche Grunde sind eine entsprechend dem Bevolkerungswachstum steigende Nachfrage der Ressource Wasser oder eine bewusst herbeigefuhrte ungleiche Verteilung. Sie sind haufiger in Gegenden zu erwarten, in denen aufgrund der Klimabedingungen und/oder eines hohen Bedarfs Wasserressourcen knapp sind. Ein typischer Indikator ist hierbei die Nutzungsintensitat. Eine weitere Eigenschaft dieser Art ist die leichte Vermeng- barkeit mit anderen Konflikten politischer Natur, beispielsweise uber territoriale Herr- schaft.

Da absolute Wasserkonflikte tendenziell als Nullsummenspiel verstanden wurden und Wasser nicht anderweitig ersetzt werden kann, seien diese "der am schwierigsten zu losen- de[n] Typ von Wassernutzungskonflikten".22

2.3.2 Konflikte um die relative Wasserverteilung

Beim Typus relativer Wasserverteilungskonflikt wird die Ressource Wasser nicht qualitativ beeinflusst und auch nicht konsumtiv verwendet, sondern "der Abfluss des Wassers wird zeitlich oder ortlich verandert"23. Diese Veranderung kann uber den Zeitraum einer Saison, eines Jahres oder auch mehr entstehen. Realisiert wird sie durch den Bau von Staudam- men, wodurch sich auch die Moglichkeit ergibt, die Wasserkraft des Flusses zur Stromge- winnung einzusetzen. Andere Motive fur den Bau von Staudammen konnen die Vorbeu- gung von Fluten und Uberschwemmung durch kontrollierte saisonale Regulierung oder die Aufrechterhaltung der Schiffbarkeit sein.

Der Unteranlieger kann hierdurch profitieren - Beispiel Flutkontrolle - oder aber ge- schadigt werden, wenn ihnen beispielsweise eine geeignete Moglichkeit fehlt, selbst Was- ser zu speichern. In diesem Fall gleicht die Konfliktsituation der des endgultigen Konsums. Auch Uberschwemmungen, die Zunahme des Salzgehalts des Wassers durch steigende Verdunstung, das Absetzen von Schwebe- und Nahrstoffen im Wasser und die Beeintrachti- gung der Schifffahrt konnen als negative Folgen auftreten.

Dementsprechend kann bezuglich des Eskalationspotenzials keine generelle Aussage getroffen werden, diese ist immer fallbezogen zu treffen. Auch hier kann von der Intentio- nalitat des Verursachers ausgegangen werden. Allerdings sind die Moglichkeiten, Probleme auf technischer Ebene zu losen, zahlreicher als die des Typus absoluter Wasserkonflikt, so- dass "zwischenstaatlich abgestimmte Staudammprojekte an internationalen Flussen [...] deshalb oftmals eine Chance fur regionale Kooperation [bieten]"24.

2.3.3 Konflikte aufgrund grenzuberschreitender Wasserverschmutzung und Degeneration von Flussen

Verschmutzungskonflikte unterscheiden sich von den vorhergehenden Verteilungskonflik- ten dahingehend, dass sie "nicht die quantitative Verfugung uber die Ressource selbst be- treffen, sondern deren Qualitat"25. Hierbei sieht sich der Unteranrainer immer im Nachteil, denn er findet nur noch in begrenztem Umfang sauberes Wasser vor. Um Entstehung und Verlauf dieses Typus zu verstehen, ist eine differenziertere Betrachtung der Unterschiede erforderlich.

Ein wichtiger Aspekt ist hier die Tatsache, dass Verschmutzungskonflikte nicht als Nullsummenspiel zu verstehen sind. Scheinbare kurzfristige Nutzen werden vom langfristi- gen Schaden fur alle Anlieger in den Hintergrund gedrangt. Somit handele es sich ,,nicht um ein teilbares, sondern um ein 'offentliches Gut'“26. Hierdurch werden allerdings auch Win-Win-Situationen ermoglicht, aus denen alle Partner Nutzen ziehen konnen - auf dann moglicherweise auch langfristiger Basis.

Ein weiterer Punkt ist das Fehlen des Faktors Intentionalitat, denn Verunreinigungen lassen sich nicht immer zweifelsfrei einem Verursacher zuordnen. Insbesondere aber ist dieser dann in der Regel nicht als staatlicher Akteur zu verstehen. Das bedeutet, dass die Schadigung „eher als 'kumulativer Effekt' von unabhangigen Einzelhandlungen“ zu verste­hen ist, wodurch solche Konflikte im Regelfall ,,ein geringeres und weniger direktes zwi- schenstaatliches Eskalationspotenzial besitzen als einzelne klar definierbare staatliche Pro- jekte“. Nicht selten seien erst hierauf folgende soziale Effekte wie beispielsweise Migrati­on far eine Eskalation verantwortlich zu zeichnen.27

Letztlich baut sich Wasserverschmutzung nicht ohne Vorwarnung auf, sondern kann schon fruh erkannt und in ihren verschiedenen Folgen aufgrund vorhandener technischer Losungen grofier Reichweite gelost oder gemindert werden. An dieser Stelle sind Wasser- aufbereitungsanlagen zu nennen. Ebenso kann einmal verwendetes Wasser oftmals weiter- verwendet werden, so beispielsweise in der Landwirtschaft.28

Wasserverschmutzung entsteht generell durch eine Modernisierung der Landwirt­schaft - im Besonderen der Mechanisierung und des verstarkten Dungemittel- und Pestizi- deinsatzes -, Urbanisierung und durch Prozesse in Industrie und Bergbau. Daher sind ins­besondere die sich mit grofier Geschwindigkeit entwickelnden Schwellenlander und vor al- lem deren Grofistadte - beziehungsweise deren Umgebungen - gefahrdet. Generell lasst sich sagen, dass dieses Problem aufgrund der verschiedenen Entstehungsfaktoren immer regional differenziert zu sehen ist.

Alles in allem seien Verschmutzungskonflikte ,,eher als Konflikte um die Verteilung wirtschaftlicher Kosten dar als um die - politisch viel symboltrachtigere - physische Ver- fugung uber eine Ressource“29. Sind Moglichkeiten technischer wie finanzieller Natur vor- handen, was insbesondere auf Industrienationen zutrifft, sollte bei vorhandenem politi- schen Willen eine Losung zu finden sein. Denn ,,es ist einfacher, die Qualitat des Wassers zu verbessern, als die Quantitat zu vergrofiern“30.

2.3.4 Konfliktintensitat und Kategorisierungen

Die Konfliktintensitat sieht SPILLMANN funf verschiedenen Variablen ausgesetzt.31 Dem- nach schwache das institutionelle Gelge die Intensitat ab, wahrend die Machtverteilung und der Grad der hydrologischen Abhangigkeit einen komplexe Wirkung auf diese hatten. Die allgemeine Konfliktlage und der soziookonomische Problemdruck bewirkten eine Ver- starkung der Intensitat. Letzterer Faktor wiederum werde durch oben beschriebene Varia- blen absolute Verknappung, relative Verknappung und Verschmutzung sowie durch das Be- volkerungswachstum verstarkt, wahrend die Handlungskompetenz abschwachend auf die- sen wirke.

Anschliefiend zeigt er vier Konflikttypen auf, welche auf Basis politischer und sozio- okonomischer Faktoren Aussagen uber das Gewaltpotenzial von Konflikten um internatio­nal Flusssysteme treffen sollen.

Kategorie A als Kombination von Wasserverschmutzungs- und relativem Verteilungs- konflikt liegt zwischen Industriestaaten vor in Regionen, welche eine starke politische Inte­gration vorweisen konnen. Aufgrund der gegebenen technischen Mittel sei eine Regulie- rung zumeist auf politischer Ebene moglich, „die Wahrscheinlichkeit von zwischenstaatli- cher Gewaltanwendung ist sehr gering“32.

Kategorie B, ebenfalls Kombination von Wasserverschmutzungs- und relativem Ver- teilungskonflikt -jedoch hier in Entwicklungs- und Schwellenlandern in Regionen mit nur schwacher politischer Integration - sei ,,potenziell gewalttrachtig“, aufgrund weitgehender technischer Gegebenheiten sei allerdings auch eine kooperative Losung denkbar. ,,Die Wahrscheinlichkeit zwischenstaatlicher Gewaltanwendung ist insgesamt gering.“33

Kategorie C betreffe politische Krisenregionen, in denen neben dem Faktor Wasser noch weitere Konfliktursachen existieren und die Grenzen dieser miteinander verschwim- men. Hier liege eine Kombination von absolutem und relativem Verteilungskonflikt vor. Zwischenstaatliche Gewaltanwendung sei potenziell moglich, ,,bei innerstaatlichem Aus- trag solcher Konflikte ist die Wahrscheinlichkeit von Gewaltanwendung grofi“ - Stichwort Nullsummenspiel.34

Kategorie D finde sich in Armutsregionen und entstunde ,,primar aus soziookonomi- schem Problemdruck“. Hier gesellten sich Wassermangel und -verschmutzung, Bodenero- sion und Desertifikation zu extremer und dauerhafter Armut, Migration und auf substaatli- cher Ebene gegenwartiger Gewalt. Dieser Konflikttypus habe ,,fur die betroffenen Dorfer und Familien existenziellen Charakter“ und konne daher „Entscheidungen zwischen Flucht und Kampf erzwingen“.35

[...]


1 Zitiert auf Serageldins personlicher Homepage, http://www.serageldin.com/water.htm [07.09.2012].

2 Zahlen entnommen aus: United States Geological Survey (Hrsg.) (2012): Where is Earth's water located?, http://ga.water.usgs.gov/edu/earthwherewater.html [07.09.2012].

3 Sutherland, Ben (2003): Water shortages 'foster terrorism', in: BBC News Online vom 18. Marz 2003, http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/2859937.stm [04.09.2012].

4 World Bank (2009): West Bank and Gaza. Assessment of Restrictions on Palestinian Water Sector Deve - lopment. Washington, D.C.: The World Bank., http://siteresources.worldbank.org/ INTWESTBANKGAZA/Resources/WaterRestrictionsReportJuly2009.pdf [05.09.2012], S. 13.

5 Ibid.

6 Vgl. exemplarisch Johannsen, Margret (2006): Der Nahost-Konflikt. Wiesbaden: VS Verlag fur Sozialwis- senschaften, S. 25f.

7 Spillmann, Kurt R. (2000): Wasser als Thema der Weltpolitik, in: Kaiser, Karl/Schwarz, Hans-Peter (Hrsg.): Weltpolitik im neuen Jahrhundert. Baden-Baden: Nomos, S. 150-172.

8 Unter dem Begriff ,,israelisches Gebiet“ ist im Folgenden das defacto besetzte Gebiet zu verstehen.

9 Zu finden unter http://data.worldbank.org.

10 Wolf, Aaron T. (1995): Hydropolitics along the Jordan River: Scarce water and its impact on the Arab- Israeli conflict. Tokio/New York/Paris: UnitedNations University Press, S. 139.

11 Ibid.

12 Johannsen, Margret: Das Konfliktkonglomerat im Jordanbecken, in: Barandat, Jorg (Hrsg.) (1997a): Wasser - Konfrontation oder Kooperation. Okologische Aspekte von Sicherheit am Beispiel eines weltweit begehrten Rohstoffs. Baden-Baden: Nomos, S. 55-94 [55f].

13 Vgl. Wolf, 1995, Hydropolitics', Spillmann, 2000, Wasser, Frohlich, Christiane (2006): ZurRolle derRes- source Wasser in Konflikten, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 25/2006, S. 32-37; auch Bahouth, Chadi (2010): Der Konflikt um Wasser in Israel und Palastina. Konfliktstoff trotz Friedensquells - die vergebe - ne Chance einer nachhaltigen undgerechten Losung. Potsdam: Universitatsverlag (Horizonte 21, Bd. 2).

14 Vgl. Ohlsson, Leif (Hrsg.) (1995): Hydropolitics. Conflicts over Water as a Development Constraint. Dhaka/London/New Jersey: Zed Books; Gleick, Peter H. (1993): Water and Conflict. Fresh Water Re­sources and International Security, in: International Security 18:1, S. 79-112.

15 Vgl. Waterbury, John (1997): Between Unilateralism and Comprehensive Accords: Modest Steps toward Cooperation in International River Basins, in: International Journal of Water Resources Development, 13:3, S. 279-290; Lindholm, Helena (1995): Water and the Arab-Israeli Conflict, in: Ohlsson, 1995, Hydropolitics, S. 55-90.

16 Vgl. grundsatzlich Bachler, Gunther/Boge, Volker/Klotzli, Stefan/Libiszewski, Stephan/Spillmann, Kurt R. (Hrsg.) (1996): Kriegsursache Umweltzerstorung. Okologische Konflikte in der Dritten Welt und Wege ihrer friedlichen Bearbeitung (Bd. 1). Chur/Zurich: Verlag Ruegger, S. 122; Frohlich, 2006, Ressource Wasser; Carius, Alexander/Dabelko, Geoffrey D./Wolf, Aaron T. (2004): Water, Conflict, and Cooperation. Policy Brief der Environmental Change and Security Program (ECSP) der Vereinten Nationen, Nr, 10, New York: United Nations, http://www.unep.org/dnc/Portals/155/dnc/docs/ecp/ ecspr10_unf-caribelko.pdf [06.08.2012].

17 Carius/Dabelko/Wolf, 2004, Water, Conflictand Cooperation, S. 60.

18 Vgl. ibid., S. 61.

19 Gleick, 1993, Waterand Conflict, S. 11, vgl. auch Spillmann, 2000, Wasser.

20 Spillmann, 2000, Wasser, S. 160.

21 Bachler/Spillmann, 1996, Kriegsursache Umweltzerstorung, S. 127.

22 Vgl. ibid.

23 Spillmann, 2000, Wasser, S. 161.

24 Bachler/Spillmann, 1996, Kriegsursache Umweltzerstorung, S. 130.

25 Ibid., S. 132.

26 Ibid.

27 Vgl. ibid., S. 133.

28 Vgl. ibid.

29 Ibid.

30 Spillmann, 2000, Wasser, S. 161.

31 Vgl. hierzuBachler/Spillmann, 1996, Kriegsursache Umweltzerstorung, S. 158-165.

32 Spillmann, 2000, Wasser, ibid., vgl. zur Kategorisierung der Konflikttypen auch Bachler/Spillmann, 1996, Kriegsursache Umweltzerstdrung, S. 164f.

33 Vgl. ibid.

34 Vgl. ibid., vgl. hierzu auch Frohlich, 2006, Ressource Wasser, S. 32.

35 Vgl. Spillmann, 2000, Wasser, S. 162,vgl. auch Bachler/Spillmann, 1996, Kriegsursache Umweltzerstdrung, ibid.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Konfliktlöser oder weitere Quelle potenzieller Konflikte?
Untertitel
Die Wasserpolitik Israels im Fokus
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
PS Innenpolitik Israels
Note
2,00
Autor
Jahr
2012
Seiten
34
Katalognummer
V206083
ISBN (eBook)
9783656332930
ISBN (Buch)
9783656333128
Dateigröße
746 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Israel, Palästinensische Autonomiegebiete, Palästina, Wasser, Wasserkonflikt, Wasserverteilung, Nahost-Konflikt
Arbeit zitieren
Patrick Wagner (Autor), 2012, Konfliktlöser oder weitere Quelle potenzieller Konflikte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206083

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