Keie erfüllt als Truchsess das höchste Amt am Artushof. Ihm wird im Roman jedoch keine Heldenrolle zuteil, sondern nur die Nebenrolle des unhöfischen Ritters, der keine Möglichkeit auslässt, sich entgegen die höfischen Konventionen zu benehmen. Schon zu Beginn der Er-zählung wird sein bösartiges Wesen in einem Dialog mit Kalogreant, einem anderen Artusritter und der Königin Ginover aufgezeigt. Durch das ehrerbietige Verhalten Kalogreants ärgert sich Keie über sein eigenes Versagen und kommentiert dies in einer aggressiven Aussage, in der er ihn beschimpft und tadelt. Er will dadurch sein Fehlverhalten entschuldigen und seinen eigenen Standpunkt als den richtigen darstellen. Die Königin allerdings missbilligt sein Verhalten und deklariert es als negative Angewohnheit, deren Konsequenzen jeder kennt. Durch seinen Neid auf die Anderen und seinen Hass schade er nur sich selbst.
Inhaltsverzeichnis
1. Charakterisierung der Rolle Keies im Iwein
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Funktion und Charakterisierung der Figur Keie in Hartmanns von Aue Werk "Iwein". Dabei steht insbesondere die Frage im Vordergrund, wie Keie durch sein unhöfisches Verhalten als Kontrastfigur zu den idealisierten Artusrittern fungiert und welche Bedeutung diese Rolle für die gesellschaftliche Struktur am Artushof einnimmt.
- Analyse des unhöfischen Verhaltens von Keie
- Konflikt zwischen individuellem Charakter und höfischer Erwartung
- Die Funktion von Keie als Mahnfigur und Negativbeispiel
- Kalogreants Einschätzung und der symbolische Gehalt von Keies Handlungen
- Die Stellung des Truchsess innerhalb der Artusrunde
Auszug aus dem Buch
Charakterisierung der Rolle Keies im Iwein
Kalogreant setzt die Ausführung der Königin über das Herz Keies fort und stellt fest, dass seine beleidigenden Reden seiner Zunge, durch sein Herz geschehen und sein Wesen nicht mehr änderbar ist. Die Worte (zunge), sein Wesen (herze) und seine Selbstdarstellung in der Gesellschaft (êre) stehen in einem Konflikt zueinander. Sein Körper bildet keine Einheit, sondern teilt sich in innen und außen, wobei das „Böse“, das seinem Herzen entspringt, allem überlegen, sozusagen allumfassend ist. Des Weiteren illustriert Kalogreant Keie nochmals mit drei negativen Bildern aus der Natur. Er bezeichnet ihn als stechende Hummel, stinkender Misthaufen, sowie brummende Hornisse und verdeutlicht so, dass sein Verhalten naturgegeben und unabänderlich ist. Er lehnt das Freundschaftsangebot Keies ab, weil dieser nicht lernfähig ist. Er weigert sich weiterhin mit ihm zu reden und schließt ihn von seiner Erzählung aus.
Keies Missgunst und sein unangemessenes Gebaren werden am nur Hof geduldet, weil niemand ihn anders kennt. Er stellt, im Gegensatz zu den anderen idealisierten Artusrittern, eine Kontrastfigur dar, die sich durch Verhaltensdispositionen, die man am Artushof nicht erwartet, profiliert. Trotz seiner Funktion als Truchsess und seiner engen Beziehung zum König ist er ein Außenseiter, bei dem sämtliche Auseinandersetzungen auf die Ehre und die Stellung in der höfischen Gesellschaft zurückzuführen sind. Die Figur Keie tritt insgesamt lediglich durch seine negativen Charakterzüge in Erscheinung. Andere Wesenszüge werden ihm nicht zugestanden oder spielen zumindest kaum eine Rolle. Er erfüllt damit eine mahnende Funktion und stellt ein Negativbild dar, das verdeutlicht, wie sich ein Artusritter keinesfalls zu verhalten hat. Dabei ist allen klar, dass sein niederträchtiges Benehmen einzig und allein seinem bösen Herzen entspringen kann, sodass für ihn keine Hoffnung auf Besserung besteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Charakterisierung der Rolle Keies im Iwein: Diese Arbeit analysiert Keie als unhöfische Kontrastfigur am Artushof, deren Fehlverhalten durch Neid und ein böses Herz motiviert ist, wodurch er eine dauerhafte Rolle als Außenseiter und Negativbeispiel einnimmt.
Schlüsselwörter
Iwein, Hartmann von Aue, Keie, Truchsess, Artushof, unhöfisch, Charakterisierung, Kontrastfigur, höfische Konventionen, Kalogreant, Ehre, Literaturanalyse, Mittelalter, Negativbild, Sozialstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Figur des Truchsess Keie im Artusroman "Iwein" von Hartmann von Aue.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Analyse des unhöfischen Benehmens, die gesellschaftliche Stellung innerhalb der Artusrunde und die Funktion der Figur als Kontrast zu den idealisierten Rittern.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, die Rolle Keies anhand von Textstellen zu charakterisieren und seine Bedeutung als Mahnfigur im höfischen Kontext herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse zentraler Textstellen, um die Charakterzüge und die symbolische Darstellung der Figur Keie zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil untersucht Dialoge und Beschreibungen, insbesondere das Verhältnis zwischen Keie, der Königin Ginover und Kalogreant, um die Unabänderlichkeit seines bösen Wesens aufzuzeigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Iwein, Keie, Artushof, unhöfisch, Kontrastfigur, Ehre und höfische Gesellschaft.
Warum wird Keie als "Außenseiter" bezeichnet, obwohl er ein hohes Amt innehat?
Obwohl er als Truchsess eine hohe Position am Artushof bekleidet, isoliert er sich durch sein ständiges aggressives Verhalten und seine Missachtung höfischer Konventionen von der Gemeinschaft der idealisierten Ritter.
Welche Bedeutung haben die Naturmetaphern in der Beschreibung Keies?
Bilder wie die stechende Hummel oder der stinkende Misthaufen dienen dazu, Keies Verhalten als naturgegeben, niederträchtig und für andere Mitglieder der Gesellschaft als abstoßend und unabänderlich zu markieren.
- Quote paper
- Katharina Steffen (Author), 2011, Die Rolle des Keies im Iwein Roman, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206125