In Anbetracht der Professionalisierung Sozialer Arbeit stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Ethik als eigene wissenschaftliche Disziplin auf das sozialarbeiterische Verständnis und Praxisfeld ausübt. Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e. V. beschreibt in seinen Berufsethischen Prinzipien Soziale Arbeit als „Institution der beruflich geleisteten Solidarität mit Menschen“ (vgl. DBSH: 359). Dies impliziert, dass Menschen in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander leben und deshalb Verantwortung füreinander tragen. Staub Bernasconi hingegen tituliert die Profession als „Menschenrechtsprofession“. Dieser Ansatz wiederum betont sowohl den Menschen als Mitglied einer Gesellschaft, als auch das Individuum als eigenständige und einzigartige Persönlichkeit mit unbedingten Rechten. Soziale Arbeit als Profession, die sich mit komplexen zwischenmenschlichen und institutionellen Beziehungen beschäftigt und sich innerhalb dieser Systeme bewegt, bedarf zur Unterstützung der Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit ethischer Prinzipien, die sich mit der Frage „sittlicher Phänomene“ auseinandersetzt, deren Gegenstand die rechte Normierung menschlichen Handelns ist (vgl. Kostka: 15). Sie bietet den Sozialarbeitern insbesondere aufgrund der Konflikthaftigkeit sozialer, institutioneller, politischer und wirtschaftlicher Situationen unterstützende praxisbezogene Handlungsrichtlinien.
Inhaltsverzeichnis
1 Ethik und Soziale Arbeit?
2 Ethisch Handeln und Entscheiden in der Sozialen Arbeit
2.1 Werte und Normen als bestimmendes Moment ethischer Leitbilder
2.2 Sozialethische Prinzipien der Sozialen Arbeit
2.2.1 Personalität - Der Mensch als oberste Priorität
2.2.2 Verantwortungsübernahme als Konsequenz der Freiheit
2.2.3 Toleranz als Lösung für den Umgang mit Differenzen
2.2.4 Gerechtigkeit in und durch die Soziale Arbeit
2.2.5 Solidarität
2.3 Ethisch Handeln nach dem Entscheidungsmodell der Verantwortungsethik
3 Ethisch entscheiden in der Sozialen Arbeit - mit Fallbeispiel
3.1 Die Abwägung von Gütern
3.2 Die Abwägung übler Folgen
3.3 Das Gesetz der Gradualität
4 Ethisch verantwortliches Handeln als Grundhaltung in der Sozialen Arbeit
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Warum braucht Soziale Arbeit eine eigene Ethik?
Da Soziale Arbeit in komplexen zwischenmenschlichen und politischen Konfliktfeldern agiert, bieten ethische Prinzipien notwendige Handlungsrichtlinien für schwere Entscheidungen.
Was bedeutet „Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession“?
Dieser Ansatz von Staub-Bernasconi betont, dass jeder Mensch als Individuum unbedingte Rechte besitzt und die Profession die Aufgabe hat, diese Rechte zu schützen.
Was sind die zentralen sozialethischen Prinzipien?
Dazu gehören Personalität (der Mensch als Priorität), Verantwortungsübernahme, Toleranz, Gerechtigkeit und Solidarität.
Was ist das Entscheidungsmodell der Verantwortungsethik?
Es ist ein Modell, bei dem Handlungen nicht nur nach Absichten, sondern primär nach ihren voraussehbaren Folgen und der Abwägung von Gütern beurteilt werden.
Was besagt das „Gesetz der Gradualität“ in der Ethik?
Es beschreibt die schrittweise Annäherung an ein ethisches Ideal, besonders in Situationen, in denen eine sofortige perfekte Lösung nicht möglich ist.
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- Nicole Lindner (Author), 2011, Ethik in der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206359