In Anbetracht der nach wie vor existierenden Dominanz von Schulbüchern im Unterricht, sie werden als die „heimlichen Lehrpläne“ oder als die „zum Leben erweckten Lehrpläne “ , tituliert, widmet sich der zu analysierende Artikel in erster Linie einer Untersuchung von 27 Geschichteschulbüchern der Sekundarstufe 1. In diesem Kontext stellt Elfriede Windischbauer die zentrale Frage nach der gendergerechten Darstellung in Geschichteschulbüchern. Die Autorin versuchte diese Fragestellung anhand dreier Bereiche (Familienstruktur und Familienbilder, Frauenwahlrecht, Sexistischer Sprachgebrauch) zu dokumentieren beziehungsweise einer kritischen Reflexion zu unterziehen. Ferner setzt sich der Artikel mit Maßnahmen auseinander, die zu einem geschlechtergerechten Geschichteunterricht führen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beispiel: Familienstrukturen und Familienbilder
3. Beispiel: Frauenwahlrecht
4. Beispiel: Sexistischer Sprachgebrauch
5. Resümee
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die Repräsentation von Frauen und geschlechtergerechten Inhalten in österreichischen Geschichtsschulbüchern seit den 1960er Jahren, um Defizite in der Darstellung aufzuzeigen und Ansätze für einen geschlechtersensiblen Unterricht zu diskutieren.
- Darstellung von Familienstrukturen und Rollenbildern
- Aufarbeitung des Frauenwahlrechts in Schulbüchern
- Kritik am sexistischen Sprachgebrauch in Lehrmitteln
- Einfluss von Geschichtserzählungen und Bildmaterial auf Stereotype
- Wirksamkeit bildungspolitischer Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
Beispiel: Sexistischer Sprachgebrauch
Im Zusammenhang mit den Aktivitäten der Frauenbewegung und der Etablierung feministischer Wissenschaftsrichtungen wurde seit den 70er Jahren Kritik am sexistischen Sprachgebrauch geübt. Frauen lehnten es in zunehmendem Maße ab, von sich selbst im Maskulinum zu sprechen. Die Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch spricht in diesem Kontext von einer sprachlichen Vernichtung der Frauen und dokumentiert diese anhand eines Beispiels:
„Wenn Ute Schülerin ist und Uwe Schüler, dann sind Ute und Uwe Schüler, nicht Schülerinnen – denn Ute verträgt das Femininum nicht. Es geht und geht nicht an, ihn mit der Bezeichnung „Schülerin“ zu kränken, selbst wenn –zig Schülerinnen seinetwegen zu Schülern werden müssen. Da bereits ein Knabe mittels seiner Allergie beliebig viele Mädchen sprachlich ausschalten kann, kann Frau sich leicht ausrechnen, was die männliche Hälfte der Bevölkerung gegen die weibliche ausrichten kann.“
Sprachwissenschaftler gehen von der Prämisse aus, dass Sprache das Denken beeinflusst. Durch Sprache können auch Bewusstseinsstrukturen verändert werden. Das Festhalten am traditionellen sexistischen Sprachgebrauch steht einer Veränderung der Denkweise entgegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der "heimlichen Lehrpläne" ein und stellt die Untersuchung von 27 Schulbüchern hinsichtlich ihrer Gendergerechtigkeit vor.
2. Beispiel: Familienstrukturen und Familienbilder: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Schulbücher über lange Zeit gesellschaftliche Veränderungen wie Patchworkfamilien ignorierten und stattdessen an einem traditionellen Ideal der "heilen Kleinfamilie" festhielten.
3. Beispiel: Frauenwahlrecht: Die Analyse offenbart, dass die Einführung des Frauenwahlrechts in vielen Schulbüchern entweder verschwiegen oder historisch unpräzise dargestellt wird, ohne die vorausgegangenen gesellschaftlichen Konflikte zu beleuchten.
4. Beispiel: Sexistischer Sprachgebrauch: Hier wird die Kritik an männlichen Kollektivbezeichnungen erörtert und aufgezeigt, wie Sprache Herrschaftsverhältnisse festigt, wobei auch neuere Richtlinien zur geschlechtergerechten Sprache thematisiert werden.
5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass trotz gesellschaftlicher Fortschritte und gesetzlicher Leitfäden nur geringe Veränderungen in den Unterrichtswerken feststellbar sind, was vor allem auf didaktische Defizite zurückzuführen ist.
Schlüsselwörter
Geschichtsschulbücher, Geschlechtergerechtigkeit, Gender Mainstreaming, Frauenwahlrecht, Familienbilder, Sexistischer Sprachgebrauch, Geschlechtersensibilität, Schulbuchanalyse, Österreich, Geschichtsdidaktik, Rollenverständnis, Bildungsforschung, Feminismus, Sprachkritik, Historische Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Darstellung von Frauen und Geschlechterverhältnissen in österreichischen Geschichtsschulbüchern seit den 1960er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Analyse konzentriert sich auf drei Hauptbereiche: Familienstrukturen und -bilder, die Darstellung des Frauenwahlrechts sowie den Einfluss von sexistischer Sprache auf das Lernumfeld.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die geschlechtersensible Aufarbeitung historischer Inhalte in Schulbüchern zu bewerten und zu hinterfragen, inwieweit moderne Richtlinien tatsächlich in den Unterrichtsmaterialien angekommen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse von insgesamt 27 Geschichtsschulbüchern der Sekundarstufe 1, die deren Inhalte und Sprachgebrauch über mehrere Jahrzehnte hinweg betrachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die oben genannten drei Themenbeispiele detailliert anhand von Textbeispielen aus den Lehrwerken analysiert und mit geschlechtergeschichtlichen Standards konfrontiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Geschichtsschulbücher, Geschlechtergerechtigkeit, Gender Mainstreaming, Sprachkritik und Geschlechtersensibilität gekennzeichnet.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Bildmaterials in Schulbüchern?
Das Bildmaterial wird als oft unreflektiert stereotyp bezeichnet; es festigt tradierte Rollenbilder, indem es beispielsweise Frauen meist in häuslichen Kontexten und Männer in aktiven, anstrengenden Arbeitsumfeldern zeigt.
Warum zeigen politische und gesetzliche Maßnahmen bisher nur geringe Wirkung?
Der Autor führt dies auf den hohen Anteil rein politischer Geschichte, die Vernachlässigung von Sozial- und Alltagsgeschichte sowie das Fehlen von Genderexperten in Autorenteams und Approbationskommissionen zurück.
- Citar trabajo
- Mag. Wolfgang Bilewicz (Autor), 2012, Geschlechtersensibler Geschichteunterricht? Die Rolle österreichischer Geschichtsschulbücher von den 1960er Jahren bis heute, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206537