Der vorliegenden Arbeit wird die These zugrunde gelegt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Europäischen Integrationsprozess und den rechtspopulistischen Tendenzen besteht. Um diesen Zusammenhang analysieren zu können, werden in Kapitel zwei und drei die Grundlagen für die Untersuchung gelegt. Das zweite Kapitel umfasst den Themenblock der Europäischen Integration. In einem kurzen Abriss werden die Etappen des Integrationsprozesses skizziert und die zunehmende Qualität der Europäischen Einigung verdeutlicht. Desweiteren soll auch die Zunahme der euroskeptischen Einstellungen in der Bevölkerung aufgezeigt werden. Die steigende Euroskepsis ist nicht unbedeutend für die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Erstarken des Rechtspopulismus und der Intensität des EU-Integrationsprozesses, da rechtspopulistische Parteien im Wahlkampf unter anderem mit euroskeptischen Parolen für sich werben.
Im dritten Kapitel liegt der Fokus auf dem Phänomen des Rechtspopulismus. Zuerst wird der Versuch einer begrifflichen Eingrenzung und vor allem einer Abgrenzung zum Rechtsradikalismus unternommen. Es folgt eine Charakterisierung rechtspopulistischer Bewegungen, welche helfen soll, diverse Parteien in das rechtspopulistische Spektrum
einzuordnen. Diese Charakterisierung ist in erster Linie grundlegend für die Untersuchung in Kapitel 5.2.3.
Das vierte Kapitel thematisiert den Rechtspopulismus in Europa. Zuerst wird ein Überblick über die Konjunkturen des Rechtspopulismus in Europa seit 1945 gegeben. Der Überblick dient als Basis für die Feststellung eventueller Parallelen zu der Dynamik des Europäischen Integrationsprozesses. Desweiteren sollen in Kapitel 4.2. die Kritikpunkte der Rechtspopulisten an der EU und deren Europa-Konzept skizziert werden.
Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und dem Europäischen Integrationsprozess. Dazu wird zuerst eine theoretische Annäherung an die Erfolgsbedingungen des Rechtspopulismus gewagt. Im Mittelpunkt dieser theoretischen Darstellung steht die Threat-Theorie. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen steigenden Bedrohungsgefühlen in der Bevölkerung und der Tendenz zu rechtspopulistischen Parteien. Diese Annahme soll grundlegend für die darauffolgende Untersuchung sein. Aus diesem Grund findet anschließend eine Darstellung der Bedrohungsgefühle statt, welche durch den Europäischen Integrationsprozess ausgelöst wurden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemaufriss und Fragestellung
1.2 Darstellung des Aufbaus der Arbeit
1.3 Der Stand der Forschung
2 Die Europäische Integration
2.1 Etappen der Europäischen Integration
2.2 Der wachsende EU-Skeptizimus
3 Rechtspopulismus allgemein
3.1 Erläuterung des Begriffes Rechtspopulismus
3.2 Charakterisierung rechtspopulistischer Bewegungen
4 Rechtspopulismus in Europa
4.1 Konjunkturen des Rechtspopulismus seit 1945
4.2 Europa-Konzeption der Neuen Rechten
5 Rechtspopulismus und Europäische Integration
5.1 Erfolgsbedingungen des Rechtspopulismus – eine theoretische Annäherung
5.2 Die vertiefende Integration von 1999 bis 2009 und ihre Auswirkungen auf die Bürger und deren politische Einstellung
5.2.1 1999 bis 2009 als ausgewählte Zeitspanne der Europäischen Integration
5.2.2 Die Entwicklung der Ängste und Bedrohungsgefühle in der Bevölkerung
5.2.3 Die Wahlergebnisse rechtspopulistischer Parteien bei nationalen und europäischen Wahlen
5.2.3.1 Die Erfolge rechtspopulistischer Parteien bei nationalen und europäischen Wahlen an ausgewählten Länderbeispielen der „alten“ EU-Länder
5.2.3.2 Die Erfolge rechtspopulistischer Parteien auf National- und EU-Ebene an ausgewählten Länderbeispielen der Beitrittsländer
5.2.4 Vergleichende Betrachtung der Untersuchungsergebnisse
6 Fazit: der Europäische Integrationsprozess als Auslöser rechtspopulistischer Tendenzen?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den potenziellen Zusammenhang zwischen dem europäischen Integrationsprozess, den daraus resultierenden Ängsten in der Bevölkerung und dem Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen in Europa seit 1945.
- Analyse der Etappen der europäischen Integration und der wachsenden Euroskepsis.
- Charakterisierung des Rechtspopulismus und der "Neuen Rechten".
- Anwendung der "Threat-Theory" auf die Erfolgsbedingungen rechtspopulistischer Parteien.
- Empirische Untersuchung von Eurobarometer-Daten zu Ängsten und Wahlergebnissen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemaufriss und Fragestellung
Die Gründung der Europäischen Gemeinschaft war eine Art Versprechen, sowohl an die eigenen Bürger als auch an die restliche Staatenwelt: In Europa sollte zukünftig Frieden herrschen und jeglicher Nationalismus und Rassismus verbannt werden. Auch wenn dieses Ziel in der Nachkriegszeit größtenteils erreicht werden konnte, ist vor allem seit den 80er Jahren erneut die Herausbildung einer rechtspopulistischen Parteienfamilie in den etablierten europäischen Demokratien bemerkbar. „Die Führer sind wieder da, mit alten Inhalten, aber in neuem Outfit“, charakterisiert Scharsach die rechtspopulistische Bewegung und ihre Repräsentanten. Die Voraussage des Soziologen Dahrendorfs, dass die westlichen Demokratien mit negativen Folgen der Modernisierung zu rechnen hätten und das 21. Jahrhundert von autoritären Tendenzen gekennzeichnet sein würde, wurde durch das Erstarken rechtspopulistischer Parteien bestätigt.
Wiederer argumentiert, dass die Modernisierung die Gesellschaft in zwei unterschiedliche Richtungen treibt. Die eine Richtung führt zur Globalisierung der Ökonomien und zur Herausbildung einer Weltgesellschaft. Der andere Weg läuft hingegen auf einen Prozess der Fragmentierung hinaus.
„Der drohende Bedeutungsverlust regionaler Kulturräume löst diffuse Ängste aus und äußert sich mitunter in kulturellen Schließungsprozessen, die den Boden für Fremdenfeindlichkeit und Fundamentalismus bereiten.“
Die Rechtspopulisten bedienen sich dieser Ängste und erlangen die Gunst des Wählers, indem sie die Verantwortlichen dieser Entwicklungen kritisieren. Die EU und der Europäische Integrationsprozess gehören dabei zu ihren wichtigsten Mobilisierungsthemen, da der sehr abstrakte Prozess der Globalisierung in der Europäischen Union einen konkreten Schuldigen findet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema, Darlegung der Forschungsfrage und des methodischen Vorgehens.
2 Die Europäische Integration: Überblick über die historischen Etappen der europäischen Einigung und die Zunahme euroskeptischer Einstellungen.
3 Rechtspopulismus allgemein: Begriffliche Einordnung und Charakterisierung rechtspopulistischer Bewegungen.
4 Rechtspopulismus in Europa: Analyse der Entwicklung rechtspopulistischer Parteien seit 1945 und der spezifischen Europa-Konzeptionen der Neuen Rechten.
5 Rechtspopulismus und Europäische Integration: Theoretische Herleitung mittels Threat-Theory und empirische Untersuchung von Eurobarometer-Daten sowie Wahlergebnissen.
6 Fazit: der Europäische Integrationsprozess als Auslöser rechtspopulistischer Tendenzen?: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und kritische Reflexion der Ergebnisse.
Schlüsselwörter
Rechtspopulismus, Europäische Integration, Euroskepsis, Threat-Theory, Europawahl, Europäische Gemeinschaft, neue Rechte, Modernisierung, politische Einstellung, Eurobarometer, Wahlverhalten, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, EU-Osterweiterung, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob und inwieweit der europäische Integrationsprozess und die damit verbundene wachsende Euroskepsis das Erstarken rechtspopulistischer Parteien in Europa begünstigt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Geschichte der europäischen Integration, die Definition und Charakterisierung des modernen Rechtspopulismus sowie die psychologische Analyse von Bedrohungsgefühlen in der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen empirischen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Intensität der europäischen Einigung, den wahrgenommenen Ängsten der Bürger und den Wahlerfolgen rechtspopulistischer Akteure in verschiedenen europäischen Ländern aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretischer Rahmen, basierend auf der "Threat-Theory", mit einer empirischen Analyse von Eurobarometer-Umfragen und Wahlergebnissen verknüpft, um mögliche Parallelen zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Bedrohungswahrnehmung sowie eine detaillierte Analyse der Wahlergebnisse in "alten" EU-Ländern und Beitrittsstaaten im Vergleich zur Entwicklung von Ängsten in der Bevölkerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rechtspopulismus, Europäische Integration, Euroskepsis, Threat-Theory und politisches Wahlverhalten.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen alten und neuen EU-Mitgliedstaaten?
Die Arbeit analysiert die Wahlerfolge und Bedrohungsgefühle getrennt für etablierte Demokratien und Transformationsstaaten, um länderspezifische Dynamiken im Umgang mit EU-Skepsis aufzuzeigen.
Welche Rolle spielt die „Neue Rechte“ in der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet die Europa-Konzeption der "Neuen Rechten", insbesondere deren Kritik an der EU als Bedrohung für nationale Identität und Souveränität.
- Citation du texte
- Maria Henk (Auteur), 2009, Die Renaissance des Rechtspopulismus in Europa - Eine Folgeerscheinung der Europäischen Integration und der steigenden Euroskepsis? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206829