Die Finanzierungstheorie ist bislang nicht im Stande, die Existenz von Finanzintermediären deutlich zu erläutern. Diese Theorie setzt an einem vollkommenen Markt ohne Transaktionskosten an und verdeutlicht den Unterschied zu einem unvollkommenen Markt.
Die folgende Arbeit befasst sich mit der Theorie der Finanzierungsgeschäfte, welche am Fall der Metallgesellschaft erläutert wird, der 1993 einen Verlust in Milliardenhöhe erlitten hat. Die Tochtergesellschaft MGRM Inc. der MG AG, zuständig für die Ölgeschäfte in der USA, welche als Finanzintermediär zwischen Ölmarkt und Einzelhändler fungieren sollte, fiel in eine große Finanzkrise und setze den Auslöser für das darauffolgende Dilemma.
Im letzten Abschnitt wird erläutert, welche Ereignisse unter Ausübung von Terminintermediation im Allgemeinen hervor treten können. Die aufgeführten Beispiele sollen hierbei verdeutlichen, dass durch den Einsatz von Derivaten sowohl positive als auch negative Ergebnisse erzielt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Intermediation
2.1.1 Kassaintermediation
2.1.2 Finanzintermediation
2.1.3 Terminintermediation
2.2 Terminintermediation am Beispiel der Fall der Metallgesellschaft 1993
2.2.1 Entwicklung
2.2.2 Krise
3 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen von Finanzierungsgeschäften und analysiert diese anhand des historischen Falls der Metallgesellschaft aus dem Jahr 1993, um die Auswirkungen von Terminintermediationsstrategien auf Unternehmenskrisen zu verdeutlichen.
- Grundlagen der Intermediation (Kassa-, Finanz- und Terminintermediation)
- Struktur der Öltermingeschäfte der Metallgesellschaft
- Analyse der Liquiditätskrise durch Marktentwicklungen (Contango vs. Backwardation)
- Rolle von Hedging-Strategien und Margin-Verpflichtungen
- Managemententscheidungen und Unternehmenskultur
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Entwicklung
Durch den Zusammenbruch des OPEC-Kartells kam es zu starken Ölpreisschwankungen, wodurch dich die Metallgesellschaft Refining & Marketing Inc.Tochtergesellschaft der MG AG den Erfolg durch originelle Verträge verschaffen wollte. Der Gedanke war durch fixe Festpreisgarantien Verträge langfristig anzubieten, um hohe Gewinne/Einnahmen zu erzielen. Den Kunden wurden Optionen bereitgestellt, Preisgarantien bei einer Laufzeit von 5 bis 10 Jahren zu erhalten, falls sie einwilligen. Bei Ölpreisrückgängen würden die Einnahmen von MGRM steigen, jedoch kam es zu Ölpreissteigerungen und zu niedrigeren Margen, wodurch Liquiditätsschwierigkeiten entstanden. Das hierdurch für MGRM hervorgerufene Risiko von Ölpreisveränderungen sollte mit Einführung von Termingeschäften reduziert werden. Zur Sicherung der Abwicklung der Termingeschäfte unterbreitete die MGRM individuelle Verträge wie Firm-Fixed-Verträge, Firm-Flexible-Verträge, als auch Guaranteed-Margin-Verträge.
Firm-Fixed-Verträge beinhalten festgelegte Gütermengen mit langfristigen Lieferverträgen von 5 bis 10 Jahren zu festen Preisen. Nebenbei erhielten die Kunden eine Blow-Out-Option, eine Abtretung vom Liefervertrag, falls der Futures Preis den kurzfristigem Futures-Kontrakt übersteigen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die theoretische Problematik von Finanzintermediären dar und führt in den Fall der Metallgesellschaft 1993 ein, um die Risiken von Terminintermediationen zu beleuchten.
2 Hauptteil: Dieses Kapitel definiert verschiedene Formen der Intermediation und analysiert detailliert die operative Strategie der MGRM sowie die daraus resultierende Liquiditätskrise.
3 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Ursachen des Scheiterns, wobei insbesondere die fehlerhafte Hedging-Strategie und Managementprobleme als Hauptfaktoren identifiziert werden.
Schlüsselwörter
Finanzmanagement, Intermediation, Metallgesellschaft, Terminintermediation, MGRM, Öltermingeschäfte, Liquiditätskrise, Hedging, Futures, Arbitrage, Festpreisgarantien, Margin, Contango, Backwardation, Risikomanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Einordnung von Finanzintermediation und deren praktischer Anwendung im Kontext der Öltermingeschäfte der Metallgesellschaft in den 1990er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf den verschiedenen Arten der Intermediation, der Funktionsweise von langfristigen Lieferverträgen und den Gefahren, die aus derivateinduzierten Strategien entstehen können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch den Einsatz von Derivaten sowohl positive als auch negative Ergebnisse erzielt werden können und welche Faktoren zur massiven Finanzkrise bei der Metallgesellschaft führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Intermediationsformen in Verbindung mit einer Fallstudienanalyse des Unternehmenskollapses der Metallgesellschaft 1993.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Kassa-, Finanz- und Terminintermediation sowie eine detaillierte Aufarbeitung der geschäftlichen Entwicklung und der anschließenden Krise bei der MGRM Inc.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Terminintermediation, MGRM, Liquiditätskrise, Hedging, Margin-Verpflichtungen und Marktentwicklungen wie Backwardation und Contango.
Was war der entscheidende Auslöser für die Liquiditätskrise bei der MGRM?
Ein entscheidender Faktor war die Verschiebung der Marktverhältnisse von einem Backwardation-Markt in einen Contango-Markt, was zu unvorhersehbaren Roll-Over-Verlusten und hohen Nachschusspflichten bei den Margin-Konten führte.
Welche Rolle spielten die unterschiedlichen Vertragstypen bei der Strategie der MGRM?
Verträge wie Firm-Fixed und Firm-Flexible dienten dazu, Kunden langfristige Preisgarantien zu bieten, schufen jedoch für die MGRM ein hohes Preisrisiko, das durch komplexe Hedge-Geschäfte an der Terminbörse abgesichert werden sollte.
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- Serdar Yalcinkaya (Author), 2012, Terminintermediation und der Fall der Metallgesellschaft 1993, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206858