Monetäre Integration in Westafrika. Das Potenzial der UEMOA als optimales Währungsgebiet

Eine detaillierte Betrachtung der wirtschaftspolitischen Situation der UEMOA-Staaten im Rahmen der OCA-Theorie sowie eine empirische Clusteranalyse der Staaten der ECOWAS im Hinblick auf deren währungspolitische Zukunft


Diplomarbeit, 2011

117 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

1 Einleitung

2 UEMOA – Währungsunion Westafrikas
2.1 Regionale Bedingungen in Westafrika
2.2 Historische Entwicklung
2.3 Regionale Integration
2.4 Außenhandelsstrukturen und politische Situation der Mitgliedsstaaten
2.5 Wirtschaftliche Entwicklung

3 OCA-Theorie und ihre Anwendung auf die UEMOA
3.1 Auswahl bestimmter OCA-Kriterien für Afrika
3.1.1 Korrelation im Fall exogener Schocks
3.1.2 Faktormobilität
3.1.3 Diversifikations-/ Offenheitsgrad
3.1.4 Makroökonomische Konvergenz
3.1.5 Intra-regionaler Handel
3.2 Ist die UEMOA ein OCA?

4 Clusteranalyse der Länder Westafrikas
4.1 Ziel der Untersuchung
4.2 Einbettung der UEMOA in den westafrikanischen Kontext
4.3 Abgrenzung zu bisherigen Studien
4.4 Wissenschaftliche Anwendung der Clusteranalyse
4.4.1 Daten und Variablen
4.4.2 Vorgehensweise und Methoden
4.5 Resultate der Clusteranalyse
4.5.1 Empirische Ergebnisse
4.5.2 Vergleich mit Resultaten ähnlicher Studien
4.5.3 Kritische Würdigung der Ergebnisse
4.6 Einschätzung der aktuellen Situation in Westafrika

5 Schlussbetrachtung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

“If there were no nominal frictions, so that wages and prices were perfectly flexible, then it would surely be optimal from an economic perspective to have but a single, world currency.” [1]

Wären Löhne und Preise vollständig flexibel, dann wäre aus ökonomischer Sichtweise eine globale Einheitswährung optimal. Da diese Anforderungen jedoch nicht der Realität entsprechen und die Existenz von Lohn- und Preisrigiditäten Raum für die Wirkungsweise geldpolitischer Maßnahmen schafft, können Staaten auch vom Einsatz eigenständiger Währungen profitieren. Weltweit werden mehr als 170 verschiedene Währungen gehandelt, welche nicht nur auf der Basis volkswirtschaftlicher Theorien eingeführt wurden, sondern teilweise schon seit Jahrhunderten bestehen. Die Wissenschaft setzt sich im Rahmen der OCA-Theorie seit etwa 1960 intensiv mit der Frage auseinander, ob eine Region mit der Einführung einer Gemeinschaftswährung anstelle von mehreren parallel existierenden Währungen eine Pareto-Verbesserung erzielen kann.

Natürlich lässt sich die (ursprünglich auf europäischer Basis entwickelte) OCA-Theorie nicht auf alle Länder gleichermaßen anwenden. Kleine offene Volkswirtschaften stehen vor der Problematik, dass internationale monetäre Transaktionen und Gütertransaktionen in der Währung führender Industrieländer abgewickelt werden. Folglich ist die Wahl eines angemessenen Wechselkurssystems gerade für diese Volkswirtschaften von elementarer Bedeutung, denn es beeinflusst Fiskal-, Geld- und Handelspolitik sowie die Finanzmärkte. Vom Export von Rohstoffen und Primärgütern abhängige Entwicklungsländer erfahren durch Schwankungen der am Weltmarkt gehandelten Preise schwerwiegende Störungen ihrer Terms of Trade. Zudem ist für Entwicklungsländer fundamental bedeutend, ihre Kreditwürdigkeit durch eine stabile Währungspolitik zu erhöhen. Denn die geforderte Integration in die Weltwirtschaftlich und wirtschaftliches Wachstum werden durch Investitionen beschleunigt.

Die Mehrzahl der westafrikanischen Volkswirtschaften ist seit über fünfzig Jahren in der Währungsunion UEMOA integriert. Trotz unterschiedlichen wirtschaftlichen Strukturen und Entwicklungsstände existiert das ursprünglich in der Kolonialzeit gegründete Währungsbündnis über einen bemerkenswert langen Zeitraum. Die Anwendung der OCA-Theorie auf die acht Mitgliedsländer beleuchtet die speziellen Bedingungen, die monetäre Zusammenarbeit auf dem afrikanischen Kontinent zu einer besonderen Herausforderung machen. Armut, politische Instabilität und eine unübersichtlich Bündnispolitik addieren sich zu extrem schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Da die im Zentrum dieser Arbeit stehenden Länder Westafrikas in ihren Wirtschaftsstrukturen extrem auf die Produktion und den Export weniger Primärgüter und natürlicher Ressourcen konzentriert sind, sind sie unumgänglich starken Schwankungen der Terms-of-Trade ausgesetzt. Traditionelle Schockabsorber wie Arbeits- und Kapitalmobilität haben sich als relativ ineffizient in der bestehenden westafrikanischen Währungsgemeinschaft UEMOA erwiesen. Somit stellt sich die Frage nach der Optimalität der Währungszone und ob die Mitgliedsländer mit einem anderen Wechselkurssystem eine bessere ökonomische Performance realisieren könnten.[2]

Im Vergleich zu anderen Regionen Afrikas ist die monetäre Integration in Westafrika überdurchschnittlich weit fortgeschritten und fungiert als Vorbild für den ganzen Kontinent. Die Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS ist ein geeigneter Repräsentant für andere regionale ökonomische Blöcke, da sie sich aus Volkswirtschaften verschiedener Größen zusammensetzt. Die beteiligten Staaten gehören fast ausschließlich zu den ärmsten Volkswirtschaften der Welt und sind überwiegend vom Rohstoffexport abhängig.[3] Sie dient als „afrikanische Referenz für die übrigen Integrationsgemeinschaften“ und der weitere Verlauf der Integrationspolitik wird aufmerksam verfolgt.

Um der Frage nachgehen zu können, ob die UEMOA als optimaler Währungsraum angesehen werden kann, wird zunächst die Entstehungsgeschichte und regionale Einbettung der UEMOA betrachtet, danach die wirtschaftliche Performance der Mitgliedsländer mit besonderem Augenmerk auf den Außenhandelsstrukturen. Eine Überprüfung der westafrikanischen Währungsunion im Bezug auf ihre Optimalität als Währungszone muss berücksichtigen, dass seit Beginn eine Fixierung des Wechselkurses nach außen besteht. Dies beeinflusst die wirtschaftliche Entwicklung der Währungszone maßgeblich. Da der Effekt der Ankerwährung nicht isoliert betrachtet werden kann, unterscheidet sich der westafrikanische Währungsraum von anderen Währungsräumen, die im Fokus vergleichbarer Analysen stehen. Anhand speziell für Afrika relevanter Kriterien aus der OCA-Theorie werden die einzelnen Mitgliedsstaaten der UEMOA im Hinblick auf ihre Eignung als optimales Währungsgebiet überprüft.

Um zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten der bestehenden Währungsunion beurteilen zu können, erfolgt im weiteren Verlauf der Arbeit eine Clusteranalyse, die die UEMOA-Staaten zusammen mit anderen westafrikanischen Staaten auf ihre ökonomische Ähnlichkeit hin untersucht. Planungsgemäß soll die UEMOA mit den anderen Staaten aus dem regionalen Wirtschaftsbündnisses ECOWAS fusionieren, so dass sich die währungspolitische Zusammenarbeit über die gesamte Region erstreckt. Doch die Subregion Westafrika erweist sich aufgrund geographischer, demographischer und historischer Ursachen als stark fragmentiert. Die Analyse der Ähnlichkeitsstrukturen der Wirtschaftskennzahlen lässt ein Urteil über die Zusammensetzung der UEMOA sowie die Pläne zur Erweiterung der Währungsunion zu. Denn die Anpassung der Integrationspolitik an die ökonomischen Rahmenbedingungen ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der währungspolitischen Situation in Westafrika.

Abbildung 1.1: Mitgliedsländer der ECOWAS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 UEMOA – Währungsunion Westafrikas

„Union Économique et Monétaire de l’Ouest Africaine“[4] ist die offizielle Bezeichnung des Zusammenschlusses von acht souveränen, westafrikanischen Staaten zu einem einheitlichen Währungsgebiet, in dem der CFA Franc als offizielles Zahlungsmittel verwendet wird. Definitionsgemäß entspricht die UEMOA den Kriterien einer Währungsunion, wobei entweder eine Einheitswährung im Umlauf sein muss oder die Wechselkursrelationen zwischen mehreren Währungen absolut und endgültig fixiert sind und uneingeschränkte Konvertibilität bestehen muss. Als weitere Merkmale für Währungsunionen werden angeführt: ein gemeinsames Zentralbanksystem, die Zusammenlegung der Währungsreserven, eine gemeinsame Wechselkurspolitik nach außen und Geldpolitik im Inneren.[5] Nach dem klassischen Modell stellt eine Währungsunion die letzte Form monetärer Integration nach der Wirtschaftsunion dar, wobei letztere zusätzlich eine Koordinierung der Wirtschaftspolitiken beinhaltet. Eine Währungsunion ist jedoch keine klar einzuordnende Integrationsstufe, denn es können Währungsunionen existieren, ohne dass die Staaten bereits durch eine Wirtschaftsunion vereint sind. In den west- und zentralafrikanischen Staaten der UEMOA bzw. der CEMAC[6] wurde nur der Geld- und Kapitalverkehr liberalisiert und die entsprechenden Politiken harmonisiert, so dass eine gemeinsame Marktordnung für den Kapitalverkehr vorliegt.[7]

Die beiden Währungsunionen UEMOA und CEMAC, die zusammen die CFA Franc Zone bilden, heben sich in einem weiteren wichtigen Punkt von anderen einheitlichen Währungsräumen ab: Ihr Wechselkurs schwankt nicht frei anderen Währungen gegenüber, sondern ist fest an den Euro gekoppelt. Die Ankerrolle des Euros, einer global bedeutsamen Währung, zeigt sich als prägend für die wirtschaftliche Entwicklung des Währungsraumes und spielt somit eine entscheidende Rolle für die weiteren Betrachtungen.

2.1 Regionale Bedingungen in Westafrika

Die derzeitige wirtschaftliche und währungspolitische Situation in Westafrika findet ihren Ursprung in der Kolonialzeit, welche eine „tiefe Umgestaltung der sozioökonomischen Strukturen mit sich gebracht“ hat.[8] Die europäischen Mächte definierten im Rahmen der Kolonialisierung ihre Grenzen scheinbar willkürlich auf dem afrikanischen Kontinent und konkurrierten dabei um wirtschaftliche Autarkie, den Zugang zu Rohstoffen, die Öffnung von Märkten, um Schutz von Handelsrouten und um die Ausübung kultureller Hegemonie. Infrastrukturnetze wurden an den Interessen der Kolonialmächte ausgerichtet und erschwerten wirtschaftliche Integration in der nachkolonialen Phase.[9]

„Die naturräumliche Ausstattung der Region Westafrika hält große wirtschaftliche Vorteile wie auch Nachteile bereit.“[10] Reichhaltige mineralische und landwirtschaftliche Rohstoffvorkommen sind ungleich auf die einzelnen Länder verteilt und bescheren ihnen einerseits großes Entwicklungspotenzial, andererseits schwerwiegende Hemmnisse für ein positives wirtschaftliches Wachstum. Südliche Ausläufer der Sahara erschweren die landwirtschaftliche Nutzung genauso wie Sumpfgebiete, tropisches Klima und unwegsame Regenwälder. Dass Geographie und Klima die Staaten Westafrikas mit sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung bedacht haben, zeigt sich bei näherer Betrachtung der ökonomischen Kennzahlen.[11] Bevor detailliert auf die makroökonomische Entwicklung der einzelnen Länder eingegangen wird, werden diese anhand bedeutender wirtschaftlicher Eckdaten präsentiert.

Sechs der insgesamt acht UEMOA-Mitgliedsstaaten, nämlich Benin, Burkina Faso, Guinea-Bissau, Mali, Niger und Togo, zählen gemäß der Einteilung der Weltbank zu den low-income-economies [12] mit einem Pro-Kopf-Einkommen unter 995 US$[13]. Einzig Côte d‘Ivoire und Senegal werden der nächst höherliegenden Stufe der lower-middle-income-economies zugeordnet. Der Klassifizierung der UNO zufolge gehören Benin, Burkina Faso, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal und Togo zu den ärmsten LDC, einzig Côte d‘Ivoire zählt als Entwicklungsland mit einem besseren Status.[14] Zudem erfahren Burkina Faso, Mali und Niger durch ihre Binnenlage als LLDC besonders starke Nachteile in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung.

Tabelle 2.1: ökonomische Merkmale der UEMOA-Staaten 2007

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: World Development Indicators, World Bank

Alle Länder der Währungsunion platzieren sich beim HDI-Ranking von 2009 zwischen Rang 159 und 182 von 182 berücksichtigten Ländern.[15] Ein weiterer aussagekräftiger Indikator ist der Gini-Index, welcher das Ausmaß der Abweichung der Einkommensverteilung eines Landes von einer vollständigen Gleichverteilung misst, wobei eine kleinere Zahl eine größere Abweichung repräsentiert. Die betrachteten acht Staaten liegen relativ eng beieinander mit Werten zwischen 35 und 49.

Auch die Daten, die Angaben zur Bevölkerungsdichte und Größe der Länder machen, sind höchst unterschiedlich. Côte d’Ivoire hat mit über 20 Mio. Einwohnern eine fast 14 mal größere Bevölkerung als das kleinste Land der UEMOA, Guinea-Bissau. Was die Fläche der Länder betrifft, zeigt sich ebenfalls ein extrem heterogenes Gesamtbild. Wie sich Westafrikas Währungsunion innerhalb dieser wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickeln konnte und zukünftig kann, wird im Folgenden betrachtet.

2.2 Historische Entwicklung

Die währungspolitische Situation Westafrikas entwickelte sich aus der Kolonialzeit heraus und dem Wunsch Frankreichs, in seinem Kolonialreich monetäre Homogenität zu schaffen. Der kurz vor Beginn des zweiten Weltkriegs formell geschaffene CFA Franc – Franc des Colonies en Afrique – sollte den Lebensstandard in den Kolonien durch Stärkung des Binnenhandels erhöhen und wirtschaftliche und politische Beziehungen Frankreichs zu seinen Kolonien in West- und Zentralafrika sichern. „Durch die Kopplung der afrikanischen Währungen an den französischen Franc erhoffte sich Frankreich, die Wettbewerbsschwächen der französischen Wirtschaft durch die Schaffung einer protektionistischen Handelsregion zu kompensieren.“[16] Die französische Kolonialpolitik steht oft im Fokus der Kritik. Frankreich wird vorgeworfen, ökonomische Interessen über die politischen Verantwortlichkeiten als internationaler Akteur gestellt zu haben.[17] Folglich war Rohstoffreichtum primär für Frankreichs Interesse an den afrikanischen Staaten verantwortlich.

Außer Guinea, Madagaskar und Mauretanien sind bis heute alle ehemals französischen Kolonien Afrikas Mitglieder der Franc-Zone.[18] Im Zuge der Dekolonialisierung veränderte sich im Wesentlichen nur der Name der gemeinsamen Währung: CFA Franc stand ab jetzt für Franc de la Communauté Financière Africaine. Der Unabhängigkeit der ehemals unter französischer Herrschaft stehenden Gebiete wurde durch die Schaffung zweier Zentralbanken Ausdruck verliehen, welche zukünftig die Geldpolitik der zwei eigenständigen Währungsräume steuern sollten. Die zu diesem Zeitpunkt gegründete westafrikanische Währungsgemeinschaft UMOA – Union Monétaire Ouest-Africaine – war zusammen mit der 1973 gegründeten Wirtschaftsgemeinschaft CEAO – Communauté Économique de l’Afrique de l’Ouest – Vorläufer der UEMOA, welche erst 1994 im Zuge der 50%igen Abwertung des CFA Franc ihren heutigen Namen erhielt. Ziel bei der Zusammenlegung beider Gemeinschaften war, die Ressourcen des frankophonen Westafrikas in einer Organisation zu bündeln, um spezielle Entwicklungsbedürfnisse und –interessen besser vertreten zu können und makroökonomische Stabilität zu fördern. Gründungsmitglieder waren die allesamt ehemals französischen Kolonien Benin, Burkina Faso, Côte d‘Ivoire, Mali, Niger, Senegal und Togo. Guinea-Bissau kam als achtes Mitgliedsland 1995 dazu.[19]

Die offiziellen im Vertrag der UEMOA verankerten Ziele sind die folgenden:

- Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsstaaten bei wirtschaftlichen und finanziellen Aktivitäten im Rahmen eines offenen und konkurrenzfähigen Marktes und innerhalb eines rationalisierten und harmonisierten juristischen Umfelds
- Sicherstellung der Konvergenz der Wirtschaftspolitik und wirtschaftlichen Leistungen der Mitgliedsstaaten durch die Einrichtung eines multilateralen Überwachungsmechanismus
- Bildung eines gemeinsamen Marktes mit freiem Personen-, Kapital-, Güter- und Dienstleistungsverkehr, Niederlassungsfreiheit sowie das persönliche Recht auf selbständige oder abhängige Beschäftigung, gemeinsamer Außenzoll und gemeinsame Handelspolitik
- Koordination der regionalen Wirtschaftspolitiken durch gemeinsame Aktivitäten in den folgenden Bereichen: Humanressourcen, Raumordnung, Umwelt, Transport und Telekommunikation, Energie, Industrie und Bergbau
- Harmonisierung der Gesetzgebung und des Steuersystems der Mitgliedsstaaten zur verbesserten Funktionalität des gemeinsamen Marktes[20]

Das System, durch das die afrikanischen Länder der Franc Zone, kurz PAZF (Pays Africains de la Zone Franc) an den Franc gekoppelt waren und heutzutage an den Euro gekoppelt sind, zeichnet sich durch folgende Grundprinzipien aus: eine fixe Parität zur europäischen Währung, freie Konvertibilität zum Euro sowie freier Geld- und Kapitaltransfer innerhalb der Zone und mit Frankreich. Weiterhin kennzeichnend ist die unbegrenzte Deckung der Zahlungsbilanzdefizite der PAZF durch das französische Schatzamt, den Trésor français; als Gegenleistung für die Deponierung von 65% der Devisen der Mitgliedsländer. Letztlich bestehen bevorzugte Entwicklungshilfevereinbarungen.[21]

Durch die Einführung des Euro änderte sich zwar die Ankerwährung, aber nicht die Funktionsweise der Franc Zone. Die Verantwortung für den CFA Franc ging nicht etwa zur EZB über, sondern blieb bei Frankreich.[22] Die vereinbarten Grundprinzipien gelten weiterhin und sollen Geldwertstabilität und Budgetdisziplin in den PAFZ sichern.

2.3 Regionale Integration

Die aktuelle Entwicklung der UEMOA kann nicht ohne Kenntnis über ihre Einordnung in andere wirtschaftliche Integrationsprojekte auf dem westlichen Teil des afrikanischen Kontinents erfolgen. Alle Mitgliedsländer der UEMOA sind gleichzeitig Mitglieder der 1975 gegründeten Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS - Economic Coummunity of West African States -, welche alle westafrikanischen Staaten in einer Zollunion verbindet.[23] Die anglophonen ECOWAS-Staaten Nigeria, Ghana, Gambia, Liberia und Sierra Leone sowie Guinea als einziges frankophones ECOWAS- und Nicht-UEMOA-Mitglied beabsichtigen, ebenfalls eine Währungsunion zu gründen (WAMZ – West African Monetary Zone), welche zu einem späteren Zeitpunkt planmäßig mit der UEMOA zusammengeführt werden soll, so dass langfristig eine einheitliche Währung für alle ECOWAS-Staaten existiert.[24] Die Einführung der WAMZ-Währung war ursprünglich für 2003 vorgesehen, wurde anschließend auf 2005 verschoben und später auf 2009. Aufgrund der Wirtschaftskrise und unzureichender Einhaltung der makroökonomischen Konvergenzkriterien einigte man sich auf eine weitere Verschiebung auf 2015. Als Startjahr der Einheitswährung der ECOWAS wurde das Jahr 2020 festgelegt.

Überlappungen der Mitgliedschaften in wirtschaftlichen Bündnissen der einzelnen Länder sind typisch für den afrikanischen Kontinent. Das verwirrende System regionaler Bündnisse ist als „spaghetti bowl“[25] bekannt und steht häufig in Kritik, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass trotz der Vielzahl an Abkommen das intraregionale Handelsvolumen verschwindend gering ist[26]. Die wichtigsten Regional Economic Communities (REC), die ihrem Entstehungsgrund zufolge meist politischen Ursprungs sind, werden in Abbildung 2 präsentiert, wobei die gelb dargestellten Ellipsen währungspolitische Bündnisse sind. Die Vielfalt der Organisationen und die sich überlappenden Mitgliedschaften werden oftmals kritisiert. Cernicky merkt jedoch an, dass es zunächst kein grundlegendes Problem sei, wenn ein Staat mehreren regionalen Organisationen angehört. Zu Ineffizienzen komme es erst, wenn sich deren Ziele ähneln, so dass „Dopplungen in der Programmatik“ entstehen. Zudem stehen oftmals kleinere, auf eine Hegemonialmacht ausgerichtete Gruppen mit ähnlicher kolonialer Vergangenheit wie die UEOMA den größeren Integrationsgemeinschaften wie der ECOWAS im Weg. Cernicky bezeichnet sie als „existenzielles Hindernis“, da sie meist homogener und effektiver sind. Auch in Westafrika steht „ein Block recht homogener frankophoner Staaten eher verstreuten und historisch weniger verbundenen anglophonen Staaten gegenüber, die aber mit Ghana und Nigeria die wirtschaftlich bedeutendsten Staaten darstellen.“[27] Zusammen bilden diese Staaten die Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS, die sich zum Ziel gesetzt hat, nicht nur monetäre, sondern auch wirtschaftliche Integration in Westafrika voranzubringen.

Abbildung 2.1: Regionale Integration in Afrika

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Asche (2009), S. 70

2.4 Außenhandelsstrukturen und politische Situation der Mitgliedsstaaten

Anhand der geographischen Voraussetzungen und Exportstrukturen lassen sich die einzelnen Mitgliedsstaaten in Anlehnung an Van de Boogaerde und Tsangarides in drei Gruppen kategorisieren, anhand welcher die UEMOA-Länder dargeboten werden.[28] Tabelle 2.2 zeigt die Hauptexportgüter der UEMOA-Staaten und den daraus resultierenden Diversifikationsindex, die Verteilung des erwirtschafteten Einkommens über die verschiedenen Sektoren sowie eine Einschätzung der politischen Stabilität.

Die zwei größten Länder Côte d‘Ivoire und Senegal erwirtschaften den größten Teil des BIP der gesamten Region und haben die am meisten diversifizierte Exportstruktur. Während Senegal politisch stabil ist und sich schon über einen langen Zeitraum hinweg aktiv an internationaler Friedensbewahrung beteiligt, ist der tropische Agrarstaat Côte d’Ivoire von einer lange andauernden politischen Krise geprägt. Senegals Wirtschaft kennzeichnen eine starke Importabhängigkeit, ein breiter informeller Sektor, Defizite in Energieversorgung und Infrastruktur sowie Korruption. Das Land ist extrem anfällig für exogene Schocks, Klimaprobleme und Auswirkungen politischer Konflikte in den Nachbarländern.[29] Die durch den Militärcoup 1999 und der durch den Verfall der Kakaopreise akzentuierten Krise in Côte d’Ivoire eskalierte 2002 eskalierte in einen Bürgerkrieg zwischen den Rebellen des Nordens und der Regierung.[30] Die politische Instabilität verringerte vor allem die Attraktivität des weltweit größten Kakao-Exporteurs als Einwandererstaat. Wirtschaftlich überstand das Land die Krise überraschend gut und erwirtschaftet relativ konstant einen bedeutenden Anteil am BIP der gesamten Region.[31]

Die drei relativ kleinen Staaten Guinea-Bissau, Togo und Benin profitieren vor allem von ihrer Küstenlage, welche zumindest die beiden letztgenannten zu regional wichtigen Handelspartnern macht. Der stark von der Landwirtschaft abhängige Staat Togo erlebte eine Phase politischer und wirtschaftlicher Isolation auf internationaler Ebene aufgrund politischer Unruhen nach der Präsidentschaftswahl 2005. Seit 2007 hat sich die Lage deutlich verbessert. Das tropische Agrarland verfügt über eine relativ diversifizierte Produktionsstruktur und erzielt dank eines Reformprogramms der Regierung beachtliche makroökonomische Fortschritte nach langen Zeiten der Misswirtschaft.[32] Guinea-Bissau ist seit dem Bürgerkrieg von 1998/99 instabil. Die Wirtschaftsstruktur wird von Landwirtschaft und Fischerei dominiert, wobei es trotz des hohen Agraranteils, relativ viel Regens, guter Böden sowie umfangreicher Nahrungsmittelimporte regelmäßig zu Versorgungsschwierigkeiten kommt. Der Exportsektor ist extrem abhängig vom Verkauf von Cashewnüssen. Zuverlässige Daten über die Wirtschaft Guinea-Bissaus sind nur schwer erhältlich.[33] Benin dagegen gilt als politisch und auch makroökonomisch sehr stabil und ist wirtschaftlich geprägt durch seine Rolle als Transitland für Güter nach Nigeria, Burkina Faso, Niger und Tschad. Der informelle Sektor spielt eine große Rolle für die beninische Wirtschaft, Schätzungen zufolge werden bis zu 90% aller Transaktionen nicht erfasst. Strukturelle Schwäche des kleinen Küstenstaates ist die extreme Abhängigkeit vom Baumwollsektor, wobei der beninische Anteil an der Baumwollproduktion auf dem Weltmarkt nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt.[34]

In die dritte Kategorie fallen die drei Binnenländer Burkina Faso, Mali und Niger, die wirtschaftlich unter der ungünstigen geographischen Lage leiden. Die Exportsektoren sind extrem auf eine einzige Ressource konzentriert. Auch andere vergleichsweise ungünstige Produktionsfaktoren wie sehr hohe Transport- und Energiekosten, geringes Ausbildungs- und Produktivitätsniveau und der schlechten Gesundheitszustand der produktiven Bevölkerung wirken sich negativ auf die sahelischen Binnenstaaten aus. Mehr als 80% der Erwerbspersonen des Agrarlandes Burkina Faso sind im primären Sektor (Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei und Forsten) beschäftigt, wobei es an Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte fehlt. Trotz erheblicher eigener und internationaler Anstrengungen lebt fast die Hälfte der burkinischen Bevölkerung unter der absoluten Armutsschwelle.[35] Wichtigste Exportgüter des Sahellandes Mali, das zu 65% aus Wüste und Halbwüste besteht, sind Baumwolle und Gold, welche starken Preisschwankungen unterliegen. Trotz erheblicher Finanzzuschüsse der internationalen Gebergemeinschaft der letzten Jahrzehnte und einer relativ stabilen Demokratie gehört Mali noch immer zu den ärmsten Ländern der Erde.[36] Durch die weitgehend agrarisch geprägte Wirtschaftsstruktur in Niger ist der Landeserwerb der ländlichen Bevölkerung, welche 80% der Gesamtbevölkerung ausmacht, stark von den schwankenden klimatischen Bedingungen abhängig. Der nigrische Außenhandel wird durch Uranexporte dominiert. Seit Ende 2009 wurde das Land wegen Verletzungen des ECOWAS-Zusatzprotokolls über Demokratie, Wahlen und gute Regierungsführung von der Wirtschaftsgemeinschaft suspendiert.[37]

Der in Tabelle 2.2 gezeigte Index für politische Stabilität ist ein Aggregationsindikator der World Bank und drückt das Empfinden aus, zu welcher Wahrscheinlichkeit die Regierung eines Landes mit ungesetzmäßigen oder gewaltsamen Mitteln aus dem Gleichgewicht gebracht oder umgestürzt werden kann und berücksichtigt politisch motivierte Vergehen und Terrorismus.[38] Bemerkenswert ist hier Benin, welches sich als einziges Land durch eine positive Kennzahl politischer Stabilität auszeichnet und somit mit Abstand führend in dieser Kategorie ist.

Außerdem interessant ist die Struktur der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten, da der Entwicklungsstand der Länder abhängig ist von der relativen Bedeutung der einzelnen Wirtschaftssektoren. Unterschieden wird hierbei zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärsektor. Der Primärsektor setzt sich zusammen aus Bergbau, Rohstoffgewinnung, Land- und Forstwirtschaft und Fischerei und umfasst somit alle Betriebe, die Güter direkt aus der Natur gewinnen. Hierin begründet sich auch die Zurechnung des Abbaus von Rohstoffen zu Primärsektor, was nicht immer eindeutig ist, da diese wirtschaftliche Aktivität oft zum Sekundärsektor gezählt wird. Der Primäre Sektor, vor allem Rohstoffabbau und Landwirtschaft, macht den bedeutendsten Teil für viele Länder der UEMOA aus, was deren niedrigen Entwicklungsstand zeigt.

Tabelle 2.2: Ökonomische und politische Kennzahlen der UEMOA-Länder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: African Development Indicators 2010 / UN Comtrade Database / African Economic Outlook

Länder, welche im Allgemeinen einen überdimensional großen Primärsektor aufweisen, sind zudem besonders gefährdet für externe Schocks, die durch Klima oder Natur verursacht werden. Starke Trockenheit oder Überschwemmungen führen beispielsweise leicht zu Ernteausfällen und damit zu riesigen wirtschaftlichen Verlusten, welche existenzielle Bedrohungen für viele Menschen darstellen und sich im BIP eines Landes niederschlagen. Ist der Primärsektor zudem wenig diversifiziert, das heißt dominieren wenige Produkte die Produktionsstruktur, so steigt das Risiko der dadurch verursachten Schwankungen des Outputs sogar. Besonders auffällig ist der extrem hohe Anteil des Primärsektors in Guinea-Bissau, aber auch in Mali, Niger und Togo. Der material- und kapitalintensive Sekundärsektor umfasst alle Betriebe, die sich mit der Verarbeitung von Gütern aus dem Primärsektor beschäftigen, also Industrieproduktion und Handwerk. Mit zunehmender Industrialisierung der Länder verringert sich die Abhängigkeit vom Primärsektor und damit vom Klima. Die Verarbeitende Industrie liegt bei geringen 13,3% in Mali und 21,5% in Côte d’Ivoire mit Ausnahme von Niger, wo der Sekundäre Sektor sogar nur einen Anteil von 9,7% am Einkommen hat. Côte d’Ivoire und Senegal heben sich hier deutlich von den übrigen Ländern ab, da sich das Einkommen beider Länder nur zu insgesamt einem Drittel aus Primär- und Sekundärsektor zusammensetzt, wobei letzterer die Verarbeitung der Rohstoffe umfasst. Der Tertiäre Sektor besteht aus arbeits- und somit personalintensiven Dienstleistungen wie Handel, Verkehr und öffentlichem Dienst und ist in den Industrienationen am stärksten ausgeprägt.[39]

Senegal als relativ weit entwickeltes Land hat einen verhältnismäßig großen Dienstleistungssektor und weist somit den mit Abstand höchsten Diversifikationsgrad auf. Danach folgen mit beträchtlichem Abstand zu Senegal drei weitere Küstenstaaten: Côte d’Ivoire, Benin und Togo. Guinea-Bissau mit seiner sehr einseitig strukturierten Wirtschaftsstruktur, die fast völlig auf den Anbau von Cashewnüssen spezialisiert ist, weist das niedrigste Diversifikationsniveau auf. Burkina Faso, Mali und Niger sind nur zu geringem Ausmaß diversifizierter in ihren Exportstrukturen.

Obwohl die EU nach wie vor Haupthandelspartner für die Länder der UEMOA ist, so ist ihr Anteil am Gesamthandel kleiner geworden. Zugenommen hingegen hat der Austausch mit asiatischen Staaten und der intra-afrikanische Handel. Was den intra-regionalen Handel betrifft, so ist dieser innerhalb der westafrikanischen Währungsunion weitgehend konstant bei 11% geblieben. Bemerkenswert ist, dass im Vergleich zu anderen afrikanischen Regionen nirgendwo sonst vergleichsweise viel intra-regionaler Handel betrieben wird (siehe hierzu auch Abschnitt 3.2.5). Insgesamt wird der westafrikanische Außenhandel von den Industrieländern beherrscht, da die Industrien der Ökonomien Westafrikas nicht ausreichend für intra-regionale Arbeitsteilung entwickelt sind. Die landwirtschaftlichen und mineralischen Rohstoffe werden aufgrund ihrer Attraktivität als Energieträger oder für die Weiterverarbeitung auf den Weltmärkten teuer gehandelt und deshalb in Industrieländer exportiert, anstatt innerhalb der Region gehandelt.[40]

Zusammenfassend ist die Mehrzahl der Länder der UEMOA stark abhängig von sehr wenigen Exportgütern. Agrarwirtschaft spielt eine bedeutende Rolle, wobei Hauptexportpflanzen Kakao, Kaffee, Nüsse und Baumwolle sind. Weitere Exportgüter sind Diamanten und Metall.[41] Öl macht bei der UEMOA als Nettoölimportregion einen bedeutend geringeren Anteil der Gesamtexporte aus als im Vergleich mit der CEMAC. Ölexporteure mit einem Anteil von Öl an der Gesamtexportstruktur zwischen 13 und 21% sind Senegal, die Elfenbeinküste, Togo und Benin. Im direkten Vergleich zur CEMAC weisen die Mitgliedsstaaten einen höheren Grad an Entwicklung und Diversifikation auf, dennoch herrschen schwache Regierungen vor und Korruption ist weit verbreitet.[42]

2.5 Wirtschaftliche Entwicklung

Untersuchungen der makroökonomischen Performance der CFA-Franc Zone während der postkolonialen Zeit bis etwa Mitte der 80er Jahre werfen ein positives Licht auf die wirtschaftliche Entwicklung der Währungszone. Im Vergleich zu anderen Ländern Sub-Sahara-Afrikas kennzeichnen die PAFZ gemeinhin stärkere Zuwachsraten beim Einkommen und niedrigere Inflationsraten.[43] Dies ist auf die steigende Nachfrage nach Rohstoffen und Agrargütern kombiniert mit zunehmenden Investitionen durch solides Vertrauen in die sehr stabile Währung zurückzuführen. Konvertierbarkeit und Transferierbarkeit innerhalb der Währungszonen steigerten die Attraktivität der PAZF für private Investoren gegenüber anderen afrikanischen Ländern, welche unter Handelsbarrieren und -kontrollen und weniger geöffneten Finanzmärkten litten.[44] Positive Terms of Trade gingen einher mit steigenden $-Preisen der Exportgüter und einer Abwertung des Francs gegenüber dem $, was sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit der PAFZ auswirkte.[45]

Mitte der 80er Jahre kehrte sich der positive Trend dann um. Es folgte eine Periode der Abschwächung der Wirtschaft, welche durch kontinuierlich steigende Preise der Importgüter und fallende Rohstoff- und Agrargüterpreise verursacht wurde. „Die tendenzielle Rezession der Weltwirtschaft gekoppelt mit der Aufwertung des FF haben die Wachstumsmöglichkeiten der Franc Zone zunichte gemacht.“ Die Terms of Trade in den Nicht-Erdölnationen Afrikas verschlechterten sich um ein Drittel zwischen 1977 und 1993[46], wodurch die Länder nicht mehr in der Lage waren, ihre negativ gewordenen Leistungsbilanzen auszugleichen. Während die anderen afrikanischen Länder auf die Rohstoffkrise erfolgreich durch Abwertung ihrer Währungen agierten, entstand in den PAZF ein starker Abwertungsdruck. Das Aufrechterhalten der Parität verteuerte sich zunehmend für Frankreich. Zusammen mit der durch den unbegrenzten Anspruch auf Konvertibilität bedingten Disziplinlosigkeit der CFA-Länder in Bezug auf ihre Außenverschuldung führte der Druck schließlich zur 50%igen Abwertung des CFA-Francs gegenüber dem FF. Damit wurde die Reduzierung des Haushaltsdefizits durch Zunahme der Leistungsbilanz, die Wiederbelebung des Wachstums durch Ankurbelung des Exportsektors und Zurückgewinnung des Vertrauens seitens potenzieller Investoren bezweckt. Ferner wurde auf die Zunahme der Binnennachfrage durch Verteuerung der bisher zumeist aus Frankreich importierten Güter sowie ein florierender Beschäftigungssektor als Resultat des Konjunkturaufschwungs abgezielt. Ob der danach beobachtete Aufwärtstrend der Terms of Trade und Wachstumsraten der Abwertung oder aber dem internationalen Konjunkturaufschwung, welcher die Preise der Exportgüter günstig beeinflusste, zuzuschreiben ist, ist umstritten.[47]

Abbildung 2.2: Bruttoinlandsprodukt der UEMOA-Staaten 1980-2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

gemessen nach Kaufkraftparität zu aktuellen Preisen in US$, Angabe in Milliarden US $

Quelle: African Development Indicators, World Bank

Abbildung 2.3: Terms of Trade der UEMOA-Staaten 2003-2011

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Index: 2000=100; Quelle: World Development Indicators, World Bank

Abbildung 2.4:Preisentwicklungen wichtiger Exportgüter der UEMOA von 1960-2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: UNCTADstat

Offensichtlich ist die UEMOA eine sehr heterogene Einheit, zusammengesetzt aus außenhandelsmäßig verhältnismäßig offenen Ländern, aber mit sehr eingeschränktem internem Handel, hohen Abhängigkeiten von einer limitierten Anzahl an Primärgütern, einer begrenzten industriellen Basis und demnach höchst anfällig für externe Schocks. Volatile Weltmarktpreise der exportierten Commodities führen zu starken Terms of Trade-Schwankungen. So litt der für einige Länder extrem wichtige Baumwollsektor beispielsweise für viele Jahre unter einem bemerkenswerten Preisverfall und gleichzeitig unter ineffizienten Interventionsversuchen der Regierung. Baumwolle als ein sehr wichtiges Exportgut für die UEMOA ist problembehaftet: schwindende Nachfrage durch Subventionen der Industrieländer für eigene Anbauregionen und verstärkte Wettbewerbsbedingungen durch Konkurrenzmärkte in China und Brasilien. Besonders gravierend ist der Rückgang der Nachfrage nach Baumwolle in den letzten fünf Jahren, da hiermit das Hauptexportgut von Benin, Burkina Faso, Mali und Togo betroffen ist.

Abbildung 2.5: Leistungsbilanzsalden der UEMOA-Staaten 1990-2006

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angabe in % zum BIP; Quelle: African Development Indicators, World Bank

Importgüter der UEMOA sind vorrangig Öl, Getreide, Fahrzeuge und Maschinen aus Europa[48] und werden meist in der Währung der Handelspartner abgewickelt, wohingegen die Exporte der Region für gewöhnlich in US Dollar gehandelt werden. Somit besteht eine Asymmetrie bezüglich der Preisentwicklungen im Export gegenüber dem Importsektor, wenn sich der Euro-Dollar-Wechselkurs verändert. Die lang anhaltende Aufwertung des Euro der letzten Jahre verschlechterte die Wettbewerbssituation des CFA Franc dramatisch. Der starke Anstieg des globalen Ölpreises sowie der Verlust an Profitabilität vieler wichtiger Exportgüter führten zu einem kontinuierlichen Anstieg des Außenhandelsdefizits von 3% in 2002 zu 8% in 2006. Nur Côte d‘Ivoire als einziges Nettoölexportland der Region konnte vom ansteigenden Ölpreis profitieren, alle anderen Staaten litten unter der Verteuerung der Ölimporte. Senegals Defizit ist zurückzuführen auf Schwierigkeiten in Fischerei- und Phosphatbranche.[49]

Abbildung 2.6: Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts der UEMOA-Staaten 1990-2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angabe in %; Quelle: African Development Indicators, World Bank

Ab 2000 lag das Wirtschaftswachstum der UEMOA meist unter dem Durchschnitt der Staaten Sub-Sahara-Afrikas. Dies ist zu einem Teil auf die ivorische Krise zurückzuführen, bedenkt man den wichtigen Stellenwert Côte d‘Ivoires innerhalb der UEMOA als größte Wirtschaftsmacht und zentralen Handelsknoten. Daneben wirkten sich politische Instabilitäten in Togo und Guinea-Bissau nachteilig auf das ökonomische Wachstum der Währungsunion aus. In den übrigen Ländern lag die Wachstumsrate trotz Volatilität über dem Durchschnitt Sub-Sahara-Afrikas.[50]

Abbildung 2.7: Inflationsraten der UEMOA-Staaten (1990-2008)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gemessen anhand des jährlichen Durchschnitts des Verbraucherpreisindexes; Quelle: African Development Indicators, World Bank

Die Inflationsraten der UEMOA-Mitgliedsländer lagen währen der letzten fünf Jahrzehnte deutlich unter dem durchschnittlichen Niveau von Sub-Sahara-Afrika. Durch die Abwertung von 1994 stiegen „die Verbraucherpreise in der CFA-Zone drastisch an, da sich nicht nur die Preise für Importwaren verdoppelten, sondern auch die Ausfuhr von in der Region hergestellten Gütern, i.d.R. Lebensmittel, lohnender wurde.[…]Nur mit massiver externer Unterstützung gelang es den Staaten der Franczone die Inflation zu mindern und dabei Budgetdisziplin zu wahren.“[51] Cernicky zufolge ist diese Erfahrung der frankophonen Länder also ausschlaggebend für das Bewusstsein und die Überzeugung, dass eine enge währungspolitische Kooperation, wie sie seit einigen Jahren stattfindet, nötig ist.[52]

3 OCA-Theorieund ihre Anwendung auf die UEMOA

Grundlegend geht die OCA-Theorie der Frage nach, ob durch Zusammenschluss mehrerer Länder zu einer Währungsunion eine Pareto-Verbesserung stattfindet gegenüber dem Status Quo vor der monetären Integration. Dazu werden in diesem Kapitel die zahlreichen Kriterien betrachtet, die positiven oder negativen Einfluss auf die Auswirkungen der Währungsgemeinschaft haben. Welche Kriterien ausschlaggebend für die speziellen Anforderungen des afrikanischen Kontinents und seiner Ökonomien sind, wird im Anschluss erläutert.

Eine Gemeinschaftswährung bringt im Wesentlichen den Vorteil mit sich, dass Transaktionskosten verschiedener Art gespart werden. Im Gegenzug geben die beteiligten Länder im Gegenzug jedoch die Möglichkeit auf, eine eigenständige Geldpolitik als Antwort auf asymmetrische Schocks einsetzen zu können. Die Höhe der eingesparten Kosten hängt vom aktuellen Handelsvolumen ab und zudem auch von potenziellem Handel, wenn dieser durch die gemeinschaftliche Währung angeregt wird. Sind die einzelnen Mitgliedsstaaten in unterschiedlicher Weise von externen Schocks betroffen, kann eine eigenständige Geldpolitik die negativen Folgen solcher Schocks abschwächen. Wären alle an der Währungsunion beteiligten Länder in gleichem Ausmaß von den Schocks betroffen, so wäre eine gemeinsame Geldpolitik optimal. Diese Kosten können minimiert werden, je flexibler die einzelnen Volkswirtschaften sind, präzise gesagt je höher Arbeitsmobilität, Lohn- und Preisflexibilität sind. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten asymmetrischer Schocks hängt wiederum davon ab, wie diversifiziert die Länder sind und wie ähnlich Produktions- und Exportstrukturen relativ zu den Partnerländern der WU sind.[53]

3.1 Auswahl bestimmter OCA-Kriterien für Afrika

Um ein umfassendes Urteil über die Eignung der UEMOA für eine Währungszone abgeben zu können, werden verschiedene Kriterien zur Eignung eines Gebietes als Währungsunion detaillierter betrachtet.

- Erhöhte Symmetrie bezüglich der Terms of Trade-Schocks der Länder vermindert die Kosten, die dadurch entstehen, dass keine Veränderung des Wechselkurses mehr möglich ist und die Auswirkungen der Schocks anderweitig absorbiert werden müssen
- Arbeitsmobilität: Je höher der Grad der Arbeitsmobilität (wenn Löhne und Peise nicht flexibel sind), umso einfacher ist es, einen gemeinsamen Währungsraum zu bilden bzw. einem beizutreten. Außerdem vermindert hohe Faktormobilität zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten die Kosten einer Währungsunion, da weniger Wechselkursschwankungen zur Anpassung benötigt werden
- Offenheitsgrad: Der Nutzen eines einheitlichen Währungsraumes steigt aufgrund geringerer Transaktionskosten und verminderter Preisschwankungen
- Produktdiversifikation verringert die Auswirkungen von asymmetrischen Schocks und somit den Bedarf für ausgleichende Geld- oder Wechselkurspolitik
- Konjunktursynchronität erhöht die Schocksymmetrie und die gleichmäßige Wirksamkeit fiskalpolitischer Maßnahmen
- Intra-regionaler Handel nimmt zu durch die Bildung einer Währungsunion, wodurch sich die Konjunkturzyklen angleichen und die Schocksymmetrie erhöht wird. Daneben steigen die Vorteile durch Einsparung der Transaktionskosten mit Zunahme des intra-regionalen Handels.

Diesen Ausführungen liegt die Annahme der Gültigkeit der Endogenitätshypothese zugrunde, welche besagt, dass die Mitgliedsländer die Anforderungen zum Beitritt einer Währungsunion ex post stärker erfüllen als ex ante. Demnach werden die Kosten von Währungsunionen den traditionellen Kriterien zufolge tendenziell überschätzt. Der Theorie endogen optimaler Währungsräume zufolge gleichen sich die Konjunkturzyklen an infolge einer Erhöhung des intra-regionalen Handels, welcher durch Wegfall des Wechselkursrisikos und verminderte Transaktionskosten automatisch erfolgt. Ausgangspunkt der Endogenitätshypothese, welche auf Frankel und Rose zurückgeht, sind die aufgrund von Transaktionskostensenkungen eintretenden positiven Handelseffekte einer gemeinsamen Währung. Die Güternachfrage verteilt sich auf das ganze Gebiet der Währungsunion, so dass im Falle eines Nachfragerückgangs alle Länder gleichzeitig betroffen sind, wodurch eine Angleichung der Konjunkturzyklen erfolgt.[54] Diese Sichtweise ist nicht unumstritten. Eichengreen und Krugman gehen beide von einem umgekehrten Zusammenhang aus, nämlich dass sich Währungsunionen mit der Zeit negativ entwickeln. Dieser Hypothese liegt die Annahme zugrunde, dass durch die Senkung der Transaktionskosten ein Prozess der Spezialisierung ausgelöst wird und damit auch eine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit und der Stärke von Schocks. Empirischen Studien zufolge scheint Handelsintegration in der Tat mit stärker korrelierten Konjunkturzyklen assoziiert zu sein. So untersuchten Frankel und Rose zur Unterstützung ihrer Theorie die Konunkturzyklen von 22 Industriestaaten und halten als Ergebnis einen signifikanten Zusammenhang zwischen Konjunkturzyklus und Intensität des bilateralen Handels fest.[55] Tapsoba bestätigt anhand einer umfassenden Studie über die Synchronität der Konjunkturzyklen von 53 afrikanischen Ländern einen signifikant positiven Effekt zwischen Handelsintensität und der Ähnlichkeit ökonomischer Störungen. Dennoch ist den Schätzungen zufolge das Ausmaß dieses Endogenitätseffektes kleiner als in Industrieländern.[56] Rose und Stanley konnten zeigen, dass bilaterale Währungsvereinigung den Handel zwischen 30 und 90 % erhöht.[57]

Zusammen mit der Hoffnung, dass die Bildung von Währungsunionen auch zu fiskalischer Integration für die beteiligten Länder führt, mag die Endogenitätshypothese der Grund sein, dass Währungsunionen stärker befürwortet werden als dies nach den Kriterien der traditionellen OCA-Theorie der Fall sein sollte. Daneben sollte man sich bewusst machen, dass die OCA-Theorie für Entwicklungsländer andere Gültigkeit besitzt als für Industriestaaten, auf deren ökonomischer Basis sie ursprünglich entwickelt wurde. Probleme der Kreditwürdigkeit und des Missbrauchs nationaler Geldpolitik, welche gerade für Entwicklungsländer relevant sind, werden nicht thematisiert. Dabei wirkt sich speziell für Länder mit undisziplinierter Fiskalpolitik monetäre Integration stabilisierend aus.

Im Gegensatz zur europäischen Diskussion über optimale Währungsräume muss bei der Betrachtung afrikanischer Länder beachtet werden, dass asymmetrische Schocks gravierendere Auswirkungen haben, da die Länder oftmals vom Export weniger Primärgüter abhängen, deren Weltmarktpreise nicht miteinander korreliert sind. Zudem ist das Ausmaß des intraregionalen Handels relativ gering, so dass nur bedingt Transaktionskosten gespart werden können. Djadjaglo merkt an, dass die eingesparten Transaktionskosten andererseits mehr Gewicht haben, da sie in Afrika aufgrund archaischer Infrastrukturen, schlechter Kommunikationswege und aufgrund ständiger Geldumtauschkosten typischerweise besonders hoch sind.[58] Masson unterstreicht weiterhin die Bedeutung afrikanischer Währungsunionen als Motor regionaler Integration, welche ein breites Spektrum an Zielen verfolgt. Dazu gehören die Stärkung von Einfluss und Macht afrikanischer Länder in Verhandlungen über gobalen Handel sowie die Erhöhung des intra-regionalen Handel durch die Ausschöpfung vorhandener economies of scale bzw. Produktionsgewinnen durch Intensivierung des Wettbewerbs. Des Weiteren wird die Festigung politischer Solidarität und Verringerung von Konflikte zwischen den einzelnen Ländern angestrebt. Ferner wird durch die Gewährung der Unabhängigkeit der Zentralbank eine zukunftsfähige makroökonomische Politik unterstützt, da Regierungsentscheidungen einem disziplinierendem Gruppenzwang unterliegen.[59]

Masson zweifelt jedoch an, ob die genannten Ziele nur über währungspolitische Integration erreicht werden können, da auch politische Bündnisse internationale Entscheidungsgewalt verstärken und regionale Konflikte mindern können. Daneben zeige das Beispiel Europas, dass ein gewisses Konfliktpotenzial erst durch Währungsunionen hervorgerufen werde. Die Schaffung einer supranationalen Zentralbank bedeutet nicht unbedingt deren Unabhängigkeit, sie beugt lediglich dem Einfluss einzelner Regierungen vor. Intra-regionaler Handel in Afrika ist trotz währungspolitischer Integration auf einem relativ niedrigen Niveau verblieben, weil das Handelsniveau maßgeblich von der Höhe des Einkommens der einzelnen Länder abhängt. Ethnische Konflikte, fehlende finanzielle Ressourcen und die Wichtigkeit einer stabilen Währung zur Attrahierung von Investoren kennzeichnen die Rahmenbedingungen der afrikanischen Länder.[60]

3.1.1 Korrelation im Fall exogener Schocks

Ein exogener Schock kann als ein nachhaltiger und unerwarteter realwirtschaftlicher Impuls auf der aggregierten Angebots- bzw. Nachfrageseite beschrieben werden. Beispielhaft wäre hier eine massive Verteuerung von Rohöl zu nennen, woraus ersichtlich wird, dass Länder ohne eigene Förderung wesentlich stärker von diesem Impuls betroffen sind als Länder mit nationalem Vorkommen. Aufgrund der unterschiedlichen Wirkung handelt es sich um einen asymmetrischen Schock. Ein symmetrischer Schock dagegen verursacht gleichgerichtete Wirkungen in den Mitgliedsländern einer Währungsunion, da eine hohe Korrelation zwischen den Konjunkturzyklen der Währungsunionsteilnehmer vorliegt.[61]

In zahlreichen Untersuchungen über die Asymmetrie von Schocks werden vektorauto-regressive Modelle (VARs) verwendet, welche systematische Fluktuationen des Outputs aufdecken, indem die Residuen als Schocks interpretiert werden. Durch die Schätzung von Gleichungen für Outputlevel und Preisniveau nach der Blanchard-Quah-Methode können Schocks in Angebots- und Nachfrageschocks aufgespaltet werden. Eine solche Differenzierung ist wichtig, da nur letztere eine massive Bedrohung für Währungsunionen darstellen. Während Angebotsschocks sich annahmegemäß durch eine gemeinsame Geldpolitik annähern, trifft dies auf Nachfrageschocks nicht zu.[62]

Fielding und Shields liefern in einer detaillierten Analyse Ergebnisse über Inflations- und Outputschockkorrelation der gesamten CFA-Länder. Der umfassenden Betrachtung zufolge sind Inflationsschocks eindeutig positiv korreliert, was sowohl auf alle Länder innerhalb als auch zwischen den zwei CFA-Zonen zutrifft und wonach eine Teilung in zwei Zonen nicht notwendig wäre. Konträre Ergebnisse liefert die Betrachtung der Korrelation bezüglich des Outputwachstums, wonach zwei Gruppen von Ländern existieren, welche nicht mit den zwei Währungszonen übereinstimmen. Die Outputschocks sind überwiegend positiv miteinander korreliert, negative Resultate werden für Côte d‘Ivoire, Kongo und Mali errechnet.[63]

Masson, Pattillo und Debrun identifizieren Outputschocks dagegen, indem Schwankungen der Terms of Trade auf Korrelationen hin untersucht werden.[64] Terms of Trade-Schocks kommen zustande durch Schwankungen der einzelnen Weltmarktgüterpreise, wobei diese typischerweise nicht miteinander korreliert sind, da die Weltmarktpreise der einzelnen Rohstoffe sich unabhängig voneinander entwickeln. Einige Primärgüter werden in mehreren Mitgliedsstaaten der UEMOA exportiert wie beispielsweise Baumwolle oder Kakao in Côte d’Ivoire und Togo, andere finden sich nur in einzelnen Ländern, wie zum Beispiel Uranium in Niger. Die Terms of Trade von Entwicklungsländern stellen für die betroffenen Länder eine Quelle von Instabilität dar, da sie aufgrund der geringen Exportdiversifizierung, dem hohen Anteil der Primärgüterexporte und der geringen Substituierbarkeit der Importe direkt von Weltmarktpreisentwicklungen betroffen sind. Dies ist bedingt durch geringe Angebotspreiselatizität von Primärgütern, Naturkatastrophen und politischen Ereignissen auf der Angebotsseite sowie durch die stark konjunkturabhängige Nachfrage nach Primärgütern, welche sich durch technischen Fortschritt tendenzielle verringert.[65]

Bei Betrachtung der Standardabweichung von Veränderungen der Terms of Trade und der daraus berechneten Korrelationen der einzelnen Länder zeigen sich bemerkenswerte Befunde. Zunächst zeigen sich große Unterschiede im Ausmaß der Schocks, die die einzelnen Länder treffen, wobei UEMOA-Länder geringere Standardabweichungen im Vergleich mit ECOWAS-Ländern aufweisen. Letztere sind typischerweise wenig oder selten sogar negativ korreliert, was hauptsächlich von zu unterschiedlichen Exportsektoren und daneben von der Tatsache abhängen, dass die einzelnen Exportgüter preislich nicht voneinander abhängig sind. UEMOA-Länder sind untereinander stärker korreliert als Länder der UEMOA mit Ländern der WAMZ oder WAMZ-Länder untereinander.[66]

Zur Veranschaulichung der unterschiedlichen Preisabhängigkeiten der Länder von ihren Exportgütern dient Tabelle 3.1, welche die Auswirkungen von Nahrungsmittel- und Ölpreisveränderungen auf die BIP der afrikanischen Länder zeigt. Die Berechnungen beziehen sich alle auf Preisveränderungen im Jahr 2008 und werden auf Basis der Preise von 2007 gebildet. Nigeria als Westafrikas einziger Nettoölexporteur erfährt einen Aufschwung, alle anderen Länder sind negativ von den fallenden Preisen ihrer Exportgüter betroffen. Côte d’Ivoire kann den negativen Effekt etwas abschwächen, da das Land in geringem Maße Öl exportiert. Überdurchschnittlich stark negativ betroffen sind die ECOWAS-Mitglieder Liberia, Gambia und Ghana.

Tabelle 3.1: Auswirkungen von Veränderungen der Preise für Exportgüter von 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Comité de Convergence (2008), S. 20, eigene Modifizierung und Übersetzung

Eine alternative Methode zur Ermittlung der Korrelation bezüglich Schocks verwendet Houssa, wodurch er Informationen zu aggregierten Angebots- und Nachfrageschocks für jedes einzelne der ECOWAS-Länder erhält. Schocks, die das Angebot betreffen, sind demzufolge gering oder negativ miteinander korreliert. Nachfrage-Schocks dagegen weisen eine höhere Korrelation innerhalb der UEMOA auf, was die Existenz der einheitlichen Währung widerspiegelt. Insgesamt tritt nicht eindeutig hervor, ob der Grad der Asymmetrie von Schocks größer in Westafrika oder in Europa ist, was die geplante westafrikanische Währungsunion zu einer sehr anspruchsvollen Herausforderung macht.[67]

[...]


[1] Masson/ Pattillo (2005), S.34

[2] Vgl. Yehoue (2005), S. 3

[3] Vgl. Djadjaglo (2009), S. 207

[4] In englischsprachigen Publikationen wird die Gemeinschaft „West African Economic and Monetary Union“ (WAEMU) genannt.

[5] Vgl. Revelas (1980), S. 17

[6] Die CEMAC steht für „Communauté Économique et Monétaire de l’Afrique Centrale“ (englisch CAEMU für „Central African Economic and Monetary Union“). Die zentralafrikanische Währungsunion ist unter ähnlichen Voraussetzungen unter französischer Kolonialherrschafft entstanden und umfasst die Staaten Guinea Äquatorial, Gabun, Kamerun, Kongo, Tschad und Zentralafrika.

[7] Vgl. Cernicky (2008), S. 38 f.

[8] Vgl. Biley, S. 86

[9] Vgl. Mair (1999)

[10] Mair (2000), S. 31

[11] Vgl. Mair (2000), S. 31 f.

[12] http://data.worldbank.org

[13] http://data.un.org

[14] Die UNO nimmt eine Klassifizierung der Entwicklungsländer vor nach folgenden wirtschaftlichen und sozialen Kriterien: 1.Pro-Kopf-Einkommen, 2.Human Asset Index = Messgröße aus Kalorienverbrauch, Kindersterblichkeit, Einschulungsrate in Sekundärschulen und Alphabetisierungsrate, 3. Economic Vulnerability Index = Messgröße aus Abgelegenheit, Exporten, Instabilität aus Exporterlösen, Anteil von verarbeitender Industrie und Dienstleistungen am BIP und Bevölkerungszahl. Entwicklungshilfe kommt verstärkt und zu günstigeren Konditionen den als LDC eingestuften Ländern zugute.

[15] Der Human Development Index gilt als Index zur menschlichen Entwicklung: Messgröße aus BIP, Lebenserwartung und Bildungsgrad.

[16] Kwak (2004), S. 18

[17] Vgl. Konersmann (2010), S. 43

[18] Vgl. Kohnert (2004)

[19] Die Franc Zone insgesamt setzt sich zusammen aus den beiden eigenständigen Währungsunionen UEMOA und CEMAC (Communauté Économique et Monétaire de l’Afrique centrale): Äquatorialguinea, Gabun, Kamerun, Republik Kongo, Tschad, Zentralafrikanische Republik sowie den Komoren

[20] Vgl. UEMOA (2003), Art. 9 und Cernicky (2008), S. 186

[21] Vgl. Kohnert (2005), S. 3

[22] Vgl. Cernicky (2008), S. 187

[23] Neben den frankophonen UEMOA-Staaten und Guinea sowie den anglophonen WAMZ-Staaten umschließt die ECOWAS noch Cap Verde, welches ehemals portugiesische Kolonie war.

[24] Debrun/ Masson/ Pattillo (2010), S. 25

[25] Die Bezeichnung geht auf eine Darstellung der World Bank von Schiff/Winters (2003)zurück, welche in Anlehnung an Darstellungen des indischen Handelstheoretikers Bhagwati die wirtschaftliche Landschaft Afrikas als „spaghetti and rigatoni bowl“ bezeichnet.

[26] Vgl. Asche (2009), S. 73

[27] Cernicky (2008), S. 78

[28] Van de Boogaerde/ Tsangarides (2005), S. 6

[29] Auswärtiges Amt / http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Senegal/Wirtschaft.html (18.10.2010)

[30] Sieveking, Fauser (2009), S. 27

[31] Auswärtiges Amt / http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/CoteDIvoire/Wirtschaft.html (18.10.2010)

[32] Auswärtiges Amt / http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Togo/Innenpolitik.html (18.10.2010)

[33] Auswärtiges Amt / http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/GuineaBissau/Wirtschaft.html (18.10.2010)

[34] Auswärtiges Amt / http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Benin/Wirtschaft.html (18.10.2010)

[35] Auswärtiges Amt / http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/BurkinaFaso/Wirtschaft.html (18.10.2010)

[36] Auswärtiges Amt / http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Mali/Wirtschaft.html (18.10.2010)

[37] Auswärtiges Amt / http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Niger/Wirtschaft.html (18.10.2010)

[38] Vgl. Kaufmann/ Kraay/ Mastruzzi (2010), S. 4

[39] Vgl. Züger (2008), S. 25

[40] Vgl Mair (2000), S. 37

[41] Vgl. Hallet (2008), S. 8

[42] Vgl. Goretti/ Weisfeld (2008)

[43] Vgl. Hadjimichael/ Galy (1997), S. 8

[44] Vgl. Van de Walle (1991), S. 383

[45] An der Entwicklung der Terms of Trade kann abgelesen werden, wie sich die Austauschverhältnisse der exportierten und importierten Waren verändern Steigen die Terms of Trade eines Staates, was entweder eine Preissteigerung der eigenen Exportgüter und bzw. oder eine Preissenkung der Importgüter beinhaltet, verbessert sich damit die außenwirtschaftliche Position, da sich die Fähigkeit erhöht, mit dem gleichen Exportvolumen mehr Güter zu importieren (Vgl. BPB (2010), S. 23)

[46] Vgl. UNCTAD (1998), S. 121

[47] Vgl. Djadjaglo (2009), S. 147-154

[48] Die Länder der Eurozone sind nach wie vor die Haupthandelspartner der UEMOA, wenngleich ihr starker Anteil im Zeitraum von…bis…von 50% auf etwa 28% gesunken ist, was an sich intensivierenden Handelsbeziehungen zu asiatischen und anderen afrikanischen Ländern liegt.

[49] Vgl. Goretti/ Weisfeld (2008), S. 3 f.

[50] Hallet (2008), S. 11

[51] Cernicky (2008), S. 212

[52] Vgl. Cernicky (2008), S. 212 f.

[53] Vgl. Masson/ Pattillo (2003) S. 32

[54] Vgl. Frankel/ Rose (1998)

[55] Vgl. Baas (2010), S. 193-197

[56] Tapsoba (2008)

[57] Vgl. Rose/ Stanley (2005)

[58] Djadjaglo (2009), S. 39

[59] Vgl. Masson (2006), S. 94

[60] Vgl. Masson (2006), S. 94 ff.

[61] Siebert (2008), S. 509

[62] Vgl. Debrun/ Masson/ Pattillo (2010), S. 7

[63] Vgl. Fielding/Shields (2001)

[64] Siehe Anhang Tabelle A.12

[65] Vgl. Mühlich( 2004),S. 63

[66] Vgl. Debrun/ Masson/ Pattillo (2010)

[67] Vgl. Houssa (2004)

Ende der Leseprobe aus 117 Seiten

Details

Titel
Monetäre Integration in Westafrika. Das Potenzial der UEMOA als optimales Währungsgebiet
Untertitel
Eine detaillierte Betrachtung der wirtschaftspolitischen Situation der UEMOA-Staaten im Rahmen der OCA-Theorie sowie eine empirische Clusteranalyse der Staaten der ECOWAS im Hinblick auf deren währungspolitische Zukunft
Hochschule
Universität Mannheim  (Fakultät für internationale Wirtschaftsbeziehungen)
Veranstaltung
Optimal Currency Areas
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
117
Katalognummer
V207092
ISBN (eBook)
9783668712041
ISBN (Buch)
9783668712058
Dateigröße
1552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
monetäre, integration, westafrika, potenzial, uemoa, währungsgebiet, eine, betrachtung, situation, uemoa-staaten, rahmen, oca-theorie, clusteranalyse, staaten, ecowas, hinblick, zukunft
Arbeit zitieren
Carolin Lukitsch (Autor:in), 2011, Monetäre Integration in Westafrika. Das Potenzial der UEMOA als optimales Währungsgebiet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207092

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