Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Situation von Migrantenkindern in Integrationsklassen.
Nach einer grundsätzlichen Definition von "Interkulturell", wird die Situation von Migranten an Förderschulen beleuchtet.
Verschiedene Auffassungen interkultureller Pädagogik werden diskutiert und auf die Realisierung eingegangen.
Schulversagen, Rassismus und die Geschlechterfrage werden ebenfalls angesprochen.
Das Resumée bezieht sich insbesondere auf die Gestaltung der Lehramststudiengänge, ohne das Theorie-Praxis-Problem dabei zu vergessen.
Am Ende wird das Beispiel einer Berliner Schule angeführt, die auf dem Weg zur "Schule für alle Kinder" ist.
Diese Arbeit zeigt wesentliche Gedanken der aktuellen Diskussion auf.
Inhaltsverzeichnis
1 DEFINITION: INTERKULTURELL
2 DIE MULTIKULTURELLE GESELLSCHAFT
2.1 Pädagogische Maßnahmen zur Migrantenpolitik
Phase 1: Ausländerpädagogik als Nothilfe
3 DIE SITUATION DER MIGRANTEN AN SONDERS CHULEN
4 ANSÄTZE UND KONZEPTE ZUR INTERKULTURELLEN PÄDAGOGIK
4.1 Interkulturelle Erziehung als Erziehung zur internationalen Verständigung vor der eigenen Haustür (J. Zimmer, freie Uni Berlin 1988)
4.2 Interkulturelle Bildung als Allgemeinbildungsauftrag (Hans H. Reich, Uni Landau 1993)
4.3 Fremdes verfremden durch interkulturellen Unterricht (J. Schröder, Uni Tübingen 1994)
4.4 Thesen für eine antirassistisch geprägte Schule (D. Pagel, 2.Oberschule Berlin-Kreuzberg 1993)
4.5 Interkulturelle Erziehung als Friedenserziehung und als antirassistische Erziehung (H. Essinger, freie Uni Berlin 1986/1993)
5 KONZEPTIONEN UND MATERIALIEN FÜR DEN INTERKULTURELLEN UNTERRICHT – REALISATION UND WIRKUNG IN DER SCHULE (M. HOHMANN U. W. NIEKE)
6 DIE EINSEITIGE BEARBEITUNG DER „GESCHLECHTERFRAGE“ IN DER INTERKULTURELLEN PÄDAGOGIK
7 URSACHEN UND ERKLÄRUNGSMODELLE FÜR DAS SCHULVERSAGEN
7 DIE PROFESSIONALIS IERUNGSDEBATTEN DER INTERKULTURELLEN ERZIEHUNG
8 RESUMÉE: DIE QUALIFIKATION FÜR DEN ARBEITSPLATZ MULTIKULTURELLE SCHULE BLEIBT EINE ZENTRALE AUFGABE DER LEHRAMTSSTUDIENGÄNGE
8 EMPFEHLUNG FÜR DIE GESTALTUNG DES LEHRAMTSSTUDIUMS
Die Studienbausteine
Voraussetzung für die Abstimmung pädagogischer Profilentwicklung auf die multikulturelle und mehrsprachige Zusammensetzung in Klassen ist:
9 ANFORDERUNGEN AN DIE LEHRER
10 DAS THEORIE–PRAXIS–PROBLEM DER INTERKULTURELLEN PÄDAGOGIK
11 BERLIN AUF DEM WEG ZU EINER SCHULE FÜR ALLE KINDER –EIN BEISPIEL DES GEMEINSAMEN UNTERRICHTS VON SCHÜLERN MIT UND OHNE BEHINDERUNGEN
11.1 INTEGRATION VON KINDERN MIT NICHTDEUTSCHER MUTTERSPRACHE
12 LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und pädagogischen Konzepte im Kontext der interkulturellen Pädagogik in Integrationsklassen an Schulen in Deutschland. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Lehramtsstudiengänge und pädagogische Ansätze auf die zunehmende kulturelle Heterogenität der Schülerschaft reagieren können, um die Überrepräsentation von Migrantenkindern an Sonderschulen zu reduzieren und eine inklusive Schulentwicklung zu fördern.
- Historische Entwicklung der Ausländerpädagogik und Paradigmenwechsel hin zur interkulturellen Erziehung.
- Analyse der Ursachen für schulischen Misserfolg bei Kindern mit Migrationshintergrund.
- Vorstellung verschiedener Ansätze und Modelle zur interkulturellen Unterrichtsgestaltung.
- Anforderungen an die professionelle Qualifikation und Haltung von Lehrkräften in multikulturellen Klassen.
- Fallbeispiel Berlin: Ansätze für inklusiven Unterricht und die Integration von Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache.
Auszug aus dem Buch
1 Definition: Interkulturell
Vor der Einführung in das Thema möchte ich den Begriff „Interkulturell" erläutern. Inter (lat.) bedeutet: zwischen
Interkulturell bedeutet also zwischen den Kulturen; der Begriff geht also weiter als multikulturell; denn multikulturell besagt nur, dass es viele verschiedene Kulturen gibt, während interkulturell die Kulturen schon miteinander in Verbindung bringt; es birgt schon eine Auseinandersetzung der Kulturen in sich.
1. Micheline Rey-von Allmen, dessen Definition von Kritikern als utopisch bezeichnet wurde, versteht „inter" in seiner ganzen Bedeutung als: Interaktion, Austausch, Entgrenzung (womit wahrscheinlich das Gegenteil von Ausgrenzung bzw. die Auflösung der Grenzen gemeint ist), Gegenseitigkeit, objektive Solidarität.
2. Karl-Heinz Dickopp arbeitet die Uneindeutigkeit des Begriffes „inter" heraus: ist damit etwa gemeint, dass zwischen zwei oder mehreren Kulturen die Erziehung eine vermittelnde, gegenseitiges Verständnis und Toleranz fördernde Aufgabe hat? Oder: Bedeutet „inter", dass zwischen zwei und mehreren Kulturen Gemeinsamkeiten bestehen, auf die Erziehung aufbauen und förderlich einwirken kann? Wobei Interkulturelle Erziehung dann eher auf solidarische Verbundenheit zielt (nicht vorrangig auf Toleranz).
Oder: Bedeutet „inter", dass Erziehung in einem gemeinsamen und für alle Kulturen gleichen Fundament begründet ist? (Dann bräuchte sich Erziehung nicht um kulturelle Differenzierung zu kümmern.)
Anhand dieser Definitionen ist zu erkennen, dass interkulturell auf jeden Fall ein weiterer Begriff ist als multikulturell. Die Erziehung/ Pädagogik ist darin mit angesprochen. Inwieweit und in welche Richtung ist nicht eindeutig festgelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 DEFINITION: INTERKULTURELL: Erläuterung des Begriffs „Interkulturell“ und Abgrenzung zu „multikulturell“ anhand theoretischer Positionen.
2 DIE MULTIKULTURELLE GESELLSCHAFT: Darstellung der historischen Wanderungsbewegungen nach Deutschland und die daraus resultierenden schulischen Entwicklungen.
3 DIE SITUATION DER MIGRANTEN AN SONDERS CHULEN: Analyse der Überrepräsentanz von Migrantenkindern an Sonderschulen und Forderung nach strukturellen Anpassungen.
4 ANSÄTZE UND KONZEPTE ZUR INTERKULTURELLEN PÄDAGOGIK: Vorstellung verschiedener theoretischer und praktischer Ansätze für eine interkulturelle Erziehung.
5 KONZEPTIONEN UND MATERIALIEN FÜR DEN INTERKULTURELLEN UNTERRICHT – REALISATION UND WIRKUNG IN DER SCHULE (M. HOHMANN U. W. NIEKE): Diskussion eines Modells zur konstruktiven Verbindung von Theorie und Praxis im interkulturellen Unterricht.
6 DIE EINSEITIGE BEARBEITUNG DER „GESCHLECHTERFRAGE“ IN DER INTERKULTURELLEN PÄDAGOGIK: Problematisierung der defizitären Wahrnehmung von Migrantinnen als Sondergruppe.
7 URSACHEN UND ERKLÄRUNGSMODELLE FÜR DAS SCHULVERSAGEN: Untersuchung der soziologischen und individuellen Faktoren, die zu Lernbeeinträchtigungen bei Migrantenkindern führen.
7 DIE PROFESSIONALIS IERUNGSDEBATTEN DER INTERKULTURELLEN ERZIEHUNG: Kritische Auseinandersetzung mit der universitären Qualifikation für interkulturelle Pädagogik.
8 RESUMÉE: DIE QUALIFIKATION FÜR DEN ARBEITSPLATZ MULTIKULTURELLE SCHULE BLEIBT EINE ZENTRALE AUFGABE DER LEHRAMTSSTUDIENGÄNGE: Fazit zur notwendigen Verschränkung von Theorie und beruflicher Praxis im Studium.
8 EMPFEHLUNG FÜR DIE GESTALTUNG DES LEHRAMTSSTUDIUMS: Konkrete Vorschläge für Studienbausteine und Kompetenzen zur Vorbereitung auf multikulturelle Klassen.
9 ANFORDERUNGEN AN DIE LEHRER: Darstellung der hohen Belastung und notwendigen Kompetenzanforderungen an das Lehrpersonal.
10 DAS THEORIE–PRAXIS–PROBLEM DER INTERKULTURELLEN PÄDAGOGIK: Reflexion über die bestehende Distanz zwischen erziehungswissenschaftlicher Forschung und Schulpraxis.
11 BERLIN AUF DEM WEG ZU EINER SCHULE FÜR ALLE KINDER –EIN BEISPIEL DES GEMEINSAMEN UNTERRICHTS VON SCHÜLERN MIT UND OHNE BEHINDERUNGEN: Fallstudie zu integrativen Schulversuchen in Berlin.
11.1 INTEGRATION VON KINDERN MIT NICHTDEUTSCHER MUTTERSPRACHE: Spezifische Regelungen zur schulischen Integration von Schülern nichtdeutscher Herkunft in Berlin.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Pädagogik, Migration, Inklusion, Integrationsklassen, Schulerfolg, Sonderschule, Lehrerbildung, Multikulturelle Gesellschaft, Schulentwicklung, Theorie-Praxis-Transfer, Diversität, Sprachförderung, Antirassistische Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Gestaltung von Schule und Unterricht in einer multikulturellen Gesellschaft, speziell im Kontext von Integrationsklassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Interkulturellen Pädagogik, die Gründe für schulische Misserfolge von Migrantenkindern, die Lehrerbildung sowie schulische Integrationsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer durch eine bessere theoretische und praktische Vorbereitung auf die Bedürfnisse heterogener Klassen reagieren können, um Chancengleichheit zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und die Auswertung bestehender Konzepte und Modellversuche zur interkulturellen Erziehung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Konzepte (z.B. von Hohmann, Nieke, Reich), Ursachen für Sonderschulüberrepräsentanz und Anforderungen an die Qualifizierung von Lehrkräften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Interkulturelle Pädagogik, Migration, Inklusion, Integrationsklassen und Lehrerbildung charakterisiert.
Warum ist die Überrepräsentation von Migrantenkindern an Sonderschulen ein zentrales Thema?
Die Arbeit identifiziert diese Überrepräsentanz als Ausdruck eines Bildungssystems, das den Anforderungen einer multikulturellen Schülerschaft noch nicht gerecht wird und zur Selektion beiträgt.
Welche Rolle spielt der Berliner Ansatz für die Argumentation der Autorin?
Der Berliner Schulversuch dient als praktisches Beispiel, um zu zeigen, dass die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderungen sowie mit und ohne Migrationshintergrund strukturell möglich ist.
- Citation du texte
- Dorothee Schnell (Auteur), 2003, Interkulturelle Pädagogik in Integrationsklassen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20738