Agos – Zeitung der armenischen Minderheit in der Türkei


Hausarbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Die Zeitung Agos
2.1 Geschichte, Erscheinungsbild und Auflagenstärke
2.2 Inhalte der Zeitung
2.3 Agos im Vergleich zu anderen armenischen Zeitungen der Türkei

3. Der Fall Hrant Dink

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
4.1 Sekundärliteratur
4.2 Internetquellen

Anhang: Übersetzung des Abschnittes „Agos ’un Yayınlandığı Dönem“ aus Agos (1996-2005). Türkçe-Ermenice Bir Gazetenin Tarihi.

1. Einleitung

Die Armenier sind – mit weitem Abstand hinter der zahlenmäßig stärksten Minderheit, den Kurden – eine der größeren ethnischen (und weitestgehend auch religiösen) Minderheiten der Türkei. Die armenische Buchkunst und der Buchdruck haben eine lange Tradition[1], sodass es nicht verwunderlich ist, dass es im weiten Feld der türkischen Presse auch mehrere Zeitungen und Zeitschriften gibt, die von Armeniern herausgegeben werden und sich in erster Linie auch an die Gemeindemitglieder richten. Unter den derzeit mindestens drei Zeitungen und zwei Zeitschriften sticht die Zeitung Agos nicht nur aufgrund ihrer im Vergleich zu den anderen Zeitungen höheren Auflagenstärke hervor. Besonders hervorzuheben ist die Zweisprachigkeit der in Istanbul herausgegebenen Zeitung. Damit erreicht sie nicht nur die Mitglieder der armenischen Gemeinde, sondern auch interessierte Türken, die dem Armenischen nicht mächtig sind.

In dieser Hausarbeit geht es um die Entstehung ebendieser Wochenzeitung Agos und ihren allgemeinen Daten wie Auflagenstärke und Umfang. Es wird ein Überblick über die Themen gegeben, die in der Agos veröffentlicht werden und auch die Besonderheiten und Unterschiede gegenüber anderen armenischen Presseerzeugnissen in der Türkei dargestellt. Da der Name Hrant Dink mit der Zeitung Agos untrennbar verknüpft ist, muss auch auf den Journalisten Dink und seine Ermordung eingegangen werden. Denn nicht zuletzt auch durch diesen Mordanschlag geriet die Zeitung stärker in das Blickfeld der türkischen und internationalen Öffentlichkeit. Somit wird auch die gegenwärtige Situation der türkisch-armenischen Zeitung Agos in dieser Arbeit thematisiert.

Des Weiteren befindet sich im Anhang meine Übersetzung eines Kapitels aus der für diese Arbeit relevantesten Sekundärquelle Agos (1996-2005). Türkçe-Ermenice Bir Gazetenin Tarihi. Bei dem Buch von Hülya Eraslan handelt es sich um eine Arbeit zur Erlangung der Lehrgenehmigung. Im übersetzten Text „Agos ’un Yayınlandığı Dönem“ wird die Gründung von Agos in das politische Umfeld ihrer Zeit eingeordnet.

2. Die Zeitung Agos

2.1 Geschichte, Erscheinungsbild und Auflagenstärke

Agos ist nicht die erste von Armeniern herausgegebene Zeitung der Türkei, doch das derzeit mit Abstand bekannteste der in der Türkei erscheinenden armenischen Presseerzeugnisse. Die Zeitung wurde 1996 in Istanbul gegründet und erscheint seitdem wöchentlich in türkischer und armenischer Sprache in der Türkei und ist auch in sehr geringem Umfang in anderen Staaten erhältlich.[2] Wie etliche andere Zeitungen und Einrichtungen von Minderheiten in der Türkei wurde Agos als eine Stiftung mit privatem Kapital (vakıf)[3] gegründet. Zu den Gründern und ersten Journalisten der Zeitung zählen Hrant Dink, Oşin Çilingir und Setrak Davuthan.[4]

Die Wochenzeitung erscheint als eines der wenigen Presseerzeugnisse zweisprachig: von den acht Seiten sind sechs in Türkisch und zwei in Armenisch, wobei in beiden Sprachen der Politikteil den breitesten Raum einnimmt.[5] Ebenfalls mehrsprachig ist der Internetauftritt der Zeitung, der in türkischer, armenischer und englischer Sprache zu denselben Themen informiert und u.a. auch Abonnementmöglichkeiten für außerhalb der Türkei lebende Leser anbietet.[6] Wie bei der Zeitung auch, überwiegt auf der Internetseite die Zahl der Artikel in türkischer Sprache gegenüber jenen in Armenisch.

Die Auflagenstärke, die im Vergleich mit den meisten anderen türkischen Zeitungen sehr gering ist, beträgt etwa 5.000 bis 6.000 Stück pro Woche. Nach der Ermordung ihres Chefredakteurs Hrant Dink Anfang 2007 konnte die Zeitung jedoch mehrere Monate lang um die 10.000 Exemplare pro Woche verkaufen, ehe sie sich wieder bei ihren normalen Zahlen einpendelte.[7]

Derzeit ist der armenisch-türkische Journalist Etyen Mahçupyan[8] der Chefredakteur

und Herausgeber von Agos.[9]

2.2 Inhalte der Zeitung

Da mir keine Druckausgabe von Agos zur Verfügung stand, beschreibe ich die Inhalte der Zeitung im Folgenden anhand des Aufbaus der Website.[10] In der Onlineausgabe finden sich folgende Rubriken: Güncel (Aktuelle Nachrichten), Toplum (Gesellschaft), Kültür Sanat (Kultur und Kunst), Basından (Aus der Presse), Tarih Defteri (Geschichtshefter), Hrant Dink Davası (Der Fall Hrant Dink), Okurlardan (Von den Lesern) und Misafirane (Gästebuch). Außerdem gibt es ein Nachrichtenarchiv und Abonnementmöglichkeiten (v.a. an Exil-Armenier gerichtet).

Unter den Rubriken findet sich ein breites Feld an Themen, die hauptsächlich auf armenische bzw. armenischstämmige Leser abgestellt sind. So stechen folgende Themenkomplexe hervor: a) Armenische Kultur und Religion in der Türkei (ein Beispiel hierfür ist ein Artikel vom 14.8.2010; der Nachruf auf einen armenisch-türkischen Theaterregisseur)[11]. b) Armenische Kultur und Religion in Armenien (z.B. ein Bericht zum Jerewaner Filmfestival) und c) Armenische Kultur und Religion außerhalb Armeniens und der Türkei (z.B. Restaurierung der verfallenen armenischen Kirche Surb Gevorg Mughnitzi in der georgischen Hauptstadt Tiflis). Außerdem sind typischerweise die Nachrichten aus der Politik fast ausschließlich zu Themen, die Armenien, die Türkei und teilweise auch noch Russland betreffen. Zwar schafften es die Proteste gegen den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak als ein Aufmacher auf die Startseite des Internetauftrittes der Zeitung, doch überwiegen Meldungen von Geschehnissen, bei denen Türkei und Armenien direkt involviert sind. Seien es nun Gespräche zwischen den Präsidenten Armeniens und Russlands, Sargısyan und Medwediyev, über Maßnahmen zur Bekämpfung der Waldbrände in Russland oder

Übergriffe kurdischer Separatisten gegen Polizeieinrichtungen und daraus folgende Ausschreitungen von Ultranationalisten gegen kurdischen Einwohner in Dörtyol (Hatay ili).

Des Weiteren findet man bei Agos auch Sportnachrichten, wobei der Fokus hier auf armenischem Sport liegt; so wird über armenische oder armenischstämmige Sportler, die in der Türkei oder anderen Ländern aktiv sind, berichtet und Ergebnisse der ersten armenischen Fußball- und Basketballliga usw. gebracht.

Unter der Rubrik Basından sind Stimmen anderer Presseorgane zu lesen. Dieser Pressespiegel konzentriert sich auf politische Themen wie die türkisch-armenischen Beziehungen mit Kommentaren aus international bekannten Zeitungen wie der New York Times oder The Guardian.

Unter dem Geschichtshefter Tarih Defteri muss man in erster Linie eine Sammlung von Daten aus der türkischen und armenischen Geschichte verstehen – so wird u.a. die Historie der Hagia Sophia dargestellt – aber man findet auch eine Abfolge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Armee und der Hamas im Gazastreifen im Jahr 2008.

Schließlich ist auch noch die Darlegung des Falls Hrant Dink, auf den ich im dritten Kapitel noch ausführlich eingehen werde, ein wichtiges Anliegen der Zeitung. Unter der dazugehörigen Rubrik finden sich eine Abfolge der Geschehnisse und aktuelle Entwicklungen im Prozess gegen den Mörder Hrant Dinks. [12]

2.3 Agos im Vergleich zu anderen armenischen Zeitungen der Türkei

Bei Agos handelt es sich zwar mit Sicherheit um die wichtigste armenische Zeitung der Türkei, allerdings keineswegs um die einzigste ihrer Art. Außer Agos gibt es zwei weitere Zeitungen; zum einen die Jamanak (übersetzt „Zeit“) und zum anderen Nor Marmara (Übersetzung: „Neue Marmara“).[13] Erstere ist eine rein armenischsprachige, seit 1908 in Istanbul erscheinende, heute nur vierseitige Zeitung mit Informationen zur armenischen Kultur in v.a. der Türkei, deren Politikteil ohne Kommentare auskommt.

[...]


[1] Seit etwa 500 Jahren ist der Buchdruck in Armenien bekannt, als Pionier gilt dabei Akop Megapart (Vgl. Goetheinstitut : http://www.goethe.de/ins/ru/lp/prj/vfb/lnd/de5066842.htm (abgerufen am 08.02.2011)).

[2] Eraslan 2007, S. 27.

[3] Ebd., S. 154-156.

[4] Ebd., S. 39-40.

[5] Ebd., S. 33.

[6] Agos: http://www.agos.com.tr/ (abgerufen am 07.02.2011).

[7] Gottschlich in: Die Tageszeitung, 18. Januar 2008.

[8] Etyen Mahçupyan (geb. 1950 in Istanbul) ist seit 2007 Chefredakteur und Herausgeber der Agos. Er schreibt

auch für Taraf. Eigentlich ist er studierter Chemieingenieur, aber wurde bald danach Mitarbeiter an der Fakultät für Politikwissenschaften in Ankara. Seit 1996 ist er Kolumnist (erst für Radikal, dann Yeni Binyıl, Zaman, Taraf). Vgl. Biyografi.NET: http://www.biyografi.net/kisiayrinti.asp?kisiid=1386 (abgerufen am 02.12.2010).

[9] Agos: http://www.agos.com.tr/index.php?cat_id=27 (abgerufen am 07.02.2011).

[10] Agos: http://www.agos.com.tr/ (abgerufen am 07.02.2011).

[11] Agos: http://www.agos.com.tr/index.php?module=news&news_id=15097&cat_id=1 (abger. am 02.12.2010)

[12] Agos: http://www.agos.com.tr/ (abgerufen am 07.02.2011).

[13] Eraslan 2007, S. 25-26.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Agos – Zeitung der armenischen Minderheit in der Türkei
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Orientalisches Institut)
Veranstaltung
Lektürekurs: Geschichte der türkischen Presse
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V207428
ISBN (eBook)
9783656345749
ISBN (Buch)
9783656346524
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
agos, zeitung, minderheit, türkei
Arbeit zitieren
Göran Janson (Autor), 2011, Agos – Zeitung der armenischen Minderheit in der Türkei, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207428

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