Innerhalb des Seminares „Berlin im Nationalsozialismus“ eröffnete sich mir die Möglichkeit mich eingehend mit dem Berliner Schulsystem mit Fokus auf die ehemalige Reichshauptstadt vor und während des Nationalsozialismus´ auseinanderzusetzen. Als Lehramtsanwärter im aktuellen Kombinationsbachelorstudiengang fiel mein Interesse dabei besonders auf die Lehrerschaft und ihr Verhalten in der Zeit des Nationalsozialismus. Hierbei sollten vor allem die oppositionellen Lehrer-Handlungen in das Zentrum meiner Betrachtung rücken. Deutschlandweit gab es in der Tat widerständische Verhaltensweisen seitens der Lehrkräfte, wovon in der folgenden Darstellung ein konkretes Fallbeispiel – der Berliner Lehrer Kurt Steffelbauer – expliziter vorgestellt werden wird.
Ehe die Person Kurt Steffelbauer näher betrachtet und das Charakteristikum seines widerständischen Wirkens gegen das nationalsozialistische Regime auf der Schulebene und darüber hinaus erarbeitet werden können, muss zunächst Klarheit herrschen, was unter dem Begriff „Widerstand“ verstanden werden soll. Dies wird im Anschluss an eine knappe Übersicht der gegebenen Umstände kurz vor und während der Herrschaft des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland sowie ausgewählter markanter Momente der Machtübernahme der Nationalsozialisten auf Schulebene geschehen. Ferner werden an gegebener Stelle der weiteren Ausführungen Einzelheiten aus dem Schulalltag der Berliner Lehrkräfte und Schülerschaft in die Darstellung einfließen, sodass das Verhalten und die Bedeutung des konkreten Handelns Kurt Steffelbauers erfasst kann. Der betrachtete Zeitraum wird sich fortwährend in den dreißiger sowie Anfang vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts bewegen. Dieses Vorgehen ergibt sich aus der persönlichen Biografie Kurt Steffelbauers, dessen widerständisches Wirken im Berliner Raum sinnlogisch in den genannten Zeitraum fällt und im Jahr 1942 gewaltsam beendet wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Motivation
2. Schule und Lehrkräfte im Nationalsozialismus
3. Definition Widerstand und oppositionelles Lehrerverhalten
4. Der Berliner Lehrer Kurt Steffelbauer
5. Fazit
6. Literaturnachweis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das oppositionelle Verhalten von Lehrkräften während der Zeit des Nationalsozialismus am Beispiel des Berliner Lehrers Kurt Steffelbauer, um aufzuzeigen, welche Formen des Widerstands im schulischen und privaten Kontext möglich waren und welche Konsequenzen dieses Handeln für das Individuum hatte.
- Historische Einordnung des Berliner Schulsystems und der Rolle der Lehrerschaft im Nationalsozialismus.
- Wissenschaftliche Definition von Widerstand und oppositionellem Lehrerverhalten anhand systematischer Ansätze.
- Biografische Betrachtung von Kurt Steffelbauer als konkretes Fallbeispiel für aktiven Widerstand.
- Analyse der Widerstandsmethoden, von der Inkonformität im Unterricht bis zur illegalen politischen Tätigkeit.
- Reflexion über die Bedeutung von Zivilcourage und die Vorbildfunktion des Handelns in totalitären Systemen.
Auszug aus dem Buch
Der Berliner Lehrer Kurt Steffelbauer
Nachdem die Umstände und Veränderungen auf Schulebene vor und während des Nationalsozialismus umrissen wurden und geklärt wurde, was unter dem Begriff des Widerstandes bzw. oppositionellen Lehrerverhaltens verstanden werden soll, wird nun ein konkreter Einzelfall betrachtet werden. Diese Betrachtung betrifft den Berliner Lehrer Kurt Steffelbauer, welcher sich im Kleinen wie im Großen dem Nationalsozialistischen Regime widersetzte und dafür alsbald mit seinem Leben bezahlen musste.
Die Quellenlage zur Person Kurt Steffelbauers birgt dahingehend Schwierigkeiten, als dass sie mit großer Vorsicht betrachtet werden muss. Die Vernichtung vieler (Schul-)Akten während des Krieges, die erschwerte Zugänglichkeit von noch bestehenden Quellen aufgrund von Datenschutzbestimmungen sowie der Umgang mit entsprechenden Quellen während der Zweistaatlichkeit der jüngsten Geschichte der Bundesrepublik Deutschlands, lassen die verfügbaren Quellenbestände enorm zusammenschrumpfen, sodass für die vorliegende Arbeit schnell deutlich wurde, sich vornehmlich auf Literatur, welche ihrerseits auf „gefärbte“ Quellen zurückgreifen muss, stützen zu müssen. Dies meint insbesondere die ideologisch überformte Aufarbeitung - hinsichtlich des heroischen antifaschistischen Widerstandskampfes - in der ehemaligen DDR, die lange Zeit den Hauptschwerpunkt der sekundären Quellen stellte, wobei selbst diese Ausarbeitungen lediglich in ausbaufähigen Maße hinsichtlich der Person Kurt Steffelbauer erfolgten. Daher wurden in neuester Zeit beispielsweise Interviews mit überlebenden Angehörigen des Lehrerkreises um Kurt Steffelbauer geführt, welche aus ihren Erinnerungen berichten, Straf- und Verfahrensakten der Gestapo genutzt, um Aspekte der Verhaftung und des Vorgehens gegen Steffelbauer zu untersuchen oder Reden ehemaliger SchülerInnen, Mitkämpfer oder Historiker der DDR genutzt, um mehr über das Leben und Wirken des Lehrers herauszufinden.
Zusammenfassung der Kapitel
Motivation: Die Autorin legt die persönliche Motivation dar, das Verhalten von Lehrkräften während des Nationalsozialismus am Beispiel Kurt Steffelbauers zu untersuchen.
Schule und Lehrkräfte im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel skizziert die politische Gleichschaltung und die Veränderungen im Schulsystem sowie die Rolle der Lehrervereine unter dem NS-Regime.
Definition Widerstand und oppositionelles Lehrerverhalten: Es erfolgt eine theoretische Einordnung des Widerstandsbegriffs und der verschiedenen Handlungstypen oppositionellen Lehrerverhaltens.
Der Berliner Lehrer Kurt Steffelbauer: Das Kapitel bietet eine detaillierte biografische und historisch-analytische Untersuchung des Wirkens und des Widerstands von Kurt Steffelbauer.
Fazit: Die Arbeit resümiert die Erkenntnisse über Steffelbauers Widerstand und reflektiert dessen Bedeutung als Vorbild für ein handlungskompetentes Individuum.
Literaturnachweis: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Widerstand, Berliner Schulsystem, Kurt Steffelbauer, oppositionelles Lehrerverhalten, Gleichschaltung, NSLB, Antifaschismus, Gestapo, Volksgerichtshof, Zivilcourage, Bildung, Pädagogik, Totalitarismus, Biografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das oppositionelle Verhalten von Lehrkräften im Nationalsozialismus anhand der Biografie von Kurt Steffelbauer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Berliner Schulsystem unter NS-Herrschaft, die Definition von Widerstand in einem totalitären Staat und die Möglichkeiten individueller Opposition.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Widerstand des Lehrers Kurt Steffelbauer greifbar zu machen und sein Handeln in den theoretischen Kontext oppositionellen Lehrerverhaltens einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Fallstudie, die Literaturanalyse, die Auswertung von Strafakten und Zeitzeugenberichten sowie einen begriffsanalytischen Ansatz nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der schulepolitischen Umstände, die Definition der Widerstandstypen und die detaillierte Lebens- und Widerstandsgeschichte von Kurt Steffelbauer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Widerstand, Nationalsozialismus, Lehrerverhalten, Zivilcourage und die spezifische Fallgeschichte des Berliner Pädagogen Kurt Steffelbauer.
Welches Ereignis gilt als Schlüsselerlebnis für Steffelbauers Widerstand?
Als Schlüsselerlebnis wird sein Engagement gegen die Speisegeldverweigerung zugunsten von Rüstungsausgaben in der Weimarer Republik identifiziert.
Wie endete der Widerstand von Kurt Steffelbauer?
Nach seiner Verhaftung durch die Gestapo im Mai 1941 wurde er im Januar 1942 zum Tode verurteilt und im Mai 1942 hingerichtet.
- Citation du texte
- Paul Beilke (Auteur), 2012, Lehrkräfte im Widerstand während des Nationalsozialismus - Das Berliner Fallbeispiel Kurt Steffelbauer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207633