Die Bedeutung konstruktivistischer Ansätze in der Organisationstheorie für die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre


Seminararbeit, 2011
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Unternehmung in der Organisationstheorie
2.1 Abgrenzung Unternehmung zur Organisation
2.2 Begriff der Theorie innerhalb der Organisationstheorie
2.3 Organisationstheorien

3 Konstruktivismus innerhalb der Betriebswirtschaftslehre
3.1 Konstruktivismus insbesondere der Radikale Konstruktivismus als Erkenntnistheorie
3.2 Der Beitrag konstruktivistischer Ansätze in Wissenschaft und Praxis

4 Aufgaben und Ziele der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre als Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre im Unternehmen
4.1 Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre
4.2 Aufgaben der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre
4.3 Ziele der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre

5 Einfluss des Konstruktivismus auf die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Forschung
5.1 Einfluss des Konstruktivismus auf die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre
5.2 Probleme in der Anwendung konstruktivistischer Ansätze in der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre und Ableitung von praktischen Konsequenzen
5.3 Auswirkungen auf die Forschung

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

WIE relativ ist eine Position, die die Realität von Beobachtungstandpunkten und –perspektiven beschreibt?

WAS wissen wir WIE?

WIE können Beobachter das tun, WAS sie tun?

Solche Fragen werden seit dem Beginn der Diskussion zum Konstruktivismus aufgeworfen. Was diese Fragen mit der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre zu tun haben, will der folgende Beitrag beantworten. Aus konstruktivistischer Sicht wird erklärt, warum man sich mit der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre auseinandersetzt. Es wird herausgearbeitet, ob und wie der Konstruktivismus Einfluss auf die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und damit auf den Erfolg des Unternehmens hat und wie gegebenenfalls die Mitarbeiter bzw. das Unternehmen innerhalb der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre etwas verändern können.

WIE funktioniert die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre unter konstruktivistischen Ansätzen in einer Welt mit klassischem Ursachendenken und einer Spaltung von Subjekt und Objekt?

Diese Frage wird beantwortet, indem zuerst das Gebilde Unternehmen in der Organisation erläutert wird, um daraufhin den Begriff Theorie in der Organisationstheorie zu erklären. Im Weiteren werden ausgewählte Organisationstheorien vorgestellt und dort der Konstruktivismus, speziell der Radikale Konstruktivismus als Erkenntnistheorie, eingeordnet. Um den Einfluss des Konstruktivismus auf die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre zu erklären, wird mit einer Einführung in den Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre und einer kurzen Darstellung der Aufgaben und Ziele der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre innerhalb der Betriebswirtschaftslehre begonnen. Es wird herausgearbeitet, welchen Einfluss der Konstruktivismus auf aktuelle Forschungsthemen der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ausübt und welche Probleme und praktischen Konsequenzen sich daraus ergeben.

In dem Wort „Konstruktivismus“ steckt das Wort „konstruieren“. Nach unserem allgemeinen Sprachgebrauch können wir u. a. folgende Bedeutungen ableiten: entwerfen, entwickeln, (er)schaffen, erfinden. Gebhard Rusch[1]) wirft dazu die Frage auf, ob es nicht paradox ist, für eine Position, die die Wirklichkeit als Konstrukt von Beobachtern beschreibt, empirische Relevanz zu fordern? Eine Antwort darauf gibt uns Ernst v. Glasersfeld.[2]) Er behauptet, von der Wirklichkeit wissen wir immer und bestenfalls was sie nicht ist. Das Ziel des Konstruktivismus liegt nicht im Erkennen einer unabhängig vom Bewusstsein existierenden Realität, sondern mit Mitteln wirtschaftlicher Wirklichkeitskonstruktion viable[3]) und vorteilhafte Lösungen zu suchen, welche die Menschen in und mit ihren Wirklichkeiten haben.

2 Unternehmung in der Organisationstheorie

2.1 Abgrenzung Unternehmung zur Organisation

Für die Definition des Begriffes Unternehmung existieren in der wirtschafts-wissenschaftlichen Literatur sehr viele Ansätze. Schon 1970 stellte Ulrich[4]) fest, dass die Unternehmung so definiert werden muss, wie es gerade das zur Diskussion stehende Problem erfordert. Durch folgende Merkmale wird nach Ulrich eine Unternehmung charakterisiert: Die Unternehmung besteht aus Menschen und „Dingen“, sie weist eine Ordnung und Struktur auf, sie ist ein dynamisches Gebilde, sie ist zweck- und zielgerichtet und sie ist ein soziales Gebilde. Diese Vielfalt an Merkmalen macht uns deutlich, dass die Unternehmungsstruktur ein sehr komplexes Wesen darstellt.

Organisationen sind von herausragender Bedeutung für unsere modernen Gesellschaften. Menschen werden ihr Leben lang von ihnen begleitet, sind ihnen sozusagen ausgeliefert. Unter Organisationen können wir die verschiedensten Begriffsinhalte verstehen. Menschen erleben Organisationen als ein System von Regeln. Diese Regeln sollen zur Koordination von Handlungen, meist für eine Gruppe von Individuen, beitragen und der Erfüllung von Zielen dienen. Der Unternehmensführung dienen Organisationen als Instrument zur Zielerreichung, Strukturgestaltung, Organisationsentwicklung und Organisations-forschung.[5])

Bezogen auf die Unternehmung und den beobachteten Objektbereich in einer Organisation lassen sich nun folgende Aussagen formulieren: Die Unternehmung ist eine Organisation, sie hat eine Organisation und sie wird organisiert. Die Unternehmung stellt ein zielgerichtetes, produktives und soziales System dar. In ihr ist ein System von Regelungen und Handlungsvorschriften integriert und in der Unternehmung werden Aufgabeninhalte und Aktivitäten geordnet. Zusammenfassend kann man feststellen, dass der Begriff Unternehmensorganisation Beziehungen zu allen getätigten Aussagen aufweist.[6])

2.2 Begriff der Theorie innerhalb der Organisationstheorie

Unter dem Begriff Theorie[7]) versteht man ein System aus mehreren Hypothesen oder Gesetzen.[8]) Schon 1960 hat Schreiber[9]) den Erkenntniswert von Theorien für die Betriebswirtschaft erkannt. Er schreibt, dass eine Theorie ein System von wissenschaftlichen Sätzen über einen bestimmten Bereich darstellt. Er macht das deutlich an der Gegenüberstellung von verschiedenen Bilanztheorien.[10])

Theorien müssen widerspruchsfrei sein. Eine Theorie entsteht, indem eine Wahrheit immer auf eine vorhandene Wahrheit aufbaut. Die wahrheitsgemäßen Aussagen werden in Beziehung gesetzt.[11]) Für die Aufstellung von Theorien ist deskriptives (beschreibendes) Wissen über die Situation notwendig. Zu Beginn muss der Istzustand diagnostiziert werden. Dazu wird der Zielzustand hypothetisch oder real definiert. Abweichungen zwischen Istzustand und Zielzustand werden festgestellt, um bei Abweichungen die Skripten, Leitbilder und subjektiven Theorien zu vereinheitlichen.[12]) Nun ist zu klären, welche Aussagen manipulierbar sind. Dazu ist spezielles Wissen über Gesetze, Hypothesen und Prognosen und die daraus resultierenden Merkmalsausprägungen notwendig. Mit der Festlegung von Kriterien und Schritten für den Transformationsprozess wird im letzten Schritt das Aussagensystem erarbeitet.[13])

Theorien lassen sich formal drei Ebenen zuordnen, der Mikro-, Meso- und Makroebene.[14]) Kieser versucht diese Ebenen am Beispiel von Organisationstheorien zu verdeutlichen. Die Mikroebene ist am ‚human relations‘-Ansatz mit Antworten auf folgende Fragestellungen erklärbar: „Welche Konflikte sind für welche Organisationen charakteristisch?“, und „Beeinflusst die jeweilige soziale Rolle das Entscheidungsverhalten von Managern?“. Das entspricht Theorien, die sich mit dem Verhalten von Individuen in Organisationen beschäftigen. Die Mesoebene lässt sich am situativen Ansatz u. a. mit folgenden Fragestellungen erklären: „Worin unterscheiden sich Organisationen strukturell?“, und „Welche Faktoren beeinflussen die Entscheidung für oder gegen eine Struktur?“. Sie beschäftigt sich mit dem Verhalten ganzer Organisationseinheiten und ihrer Strukturen. Auf der Makroebene werden die Beziehungen zwischen den Organisationen betrachtet. Anhand der ‚Neuen Institutionentheorie‘ werden Antworten auf die Fragen: „Wie kooperieren Organisationen?“, und „Wie sind Netzwerke organisiert?“, erklärt. Auf die verschiedenen Ebenen wird im Abschnitt 3.1 und 5.1 im Bezug zum Konstruktivismus eingegangen.

2.3 Organisationstheorien

Es gibt nicht die Organisationstheorie, sondern wie am Abschnitt 2.2 schon deutlich wurde, eine Vielzahl dieser. Kieser und Ebers geben ihr Werk ‚Organisationstheorien‘ mittlerweile in der 6. Auflage heraus.[15]) Eine Erklärung für die Vielzahl von Organisationstheorien ist, dass Organisationen einer starken Dynamik unterliegen und hochkomplexe soziale Gebilde mit vielen Problemen darstellen. Diese Probleme wollen theoretisch erkannt werden. Jeder Teilaspekt kann wiederum unter verschiedenen theoretischen Perspektiven betrachtet werden.[16])

1979 haben Burrell und Morgan versucht, Organisationstheorien nach den zugrundeliegenden Methoden sowie den Erkenntnisinteressen der Forscher zu systematisieren.[17]) Die Grundthese der beiden Autoren geht davon aus, dass sich alle Organisationstheorien auf eine Erkenntnistheorie und eine Gesellschaftstheorie stützen. Nach weiteren Untergliederungen unterscheiden sie vier Paradigmen[18]) sozialwissenschaftlicher Theorienbildung: das funktionalistische, das interpretative Paradigma, den Radikalen Humanismus und den Radikalen Strukturalismus. Das funktionalistische Paradigma zählt z. Zt. zum bedeutendsten. Der situative Ansatz ist ein Beispiel für dieses Paradigma. Es orientiert sich an der Vorgehensweise der Naturwissenschaften bzw. am kritischen Rationalismus.[19]) Das interpretative Paradigma sieht dagegen soziale Realitäten nicht als gegebene Fakten an, somit sind diese auch nicht erforschbar. Soziale Realitäten werden von den Mitgliedern einer Gemeinschaft konstruiert und interpretiert. Zu einem dritten Paradigma zählt der Radikale Humanismus. Ziel des Radikalen Humanismus ist es, das System zu kritisieren und zu verändern. Gegenstand des radikalen Strukturalismus ist, die seiner Auffassung nach gegebenen Strukturen der sozialen Welt zu verstehen, erklären und kritisieren, um deren Wandel zu bewirken. Die Annahme dieses Paradigmas liegt darin, dass der fundamentale Konflikt zwischen sozialen Einheiten in den tieferen Strukturen der Welt angelegt ist und nicht im Bewusstsein der handelnden Menschen.

[...]


[1] Vgl. Rusch, G. (2006), S. 7-9.

[2] Ernst v. Glasersfeld, ehemaliger Professor für kognitive Psychologie an der Universität von Georgia, begründete in den 80-ziger Jahren gemeinsam mit Heinz von Foerster die philosophische Richtung des „radikalen Konstruktivismus“.

[3] Anstelle der „Wahrheit“ von wissenschaftlichen Theorien prägte E. v. Glasersfeld den Begriff der „Viabilität“. Das Wort „viabel“ bedeutet: zunächst gangbar, passend, brauchbar, funktional. Wer eine Lösung für ein Problem entdecke, dürfe sich nie einbilden, die einzig mögliche Erkenntnis gefunden zu haben, sondern eben nur einen gangbaren Weg von vielen.

[4] Vgl. Ulrich, H. (1970), S. 154 ff.

[5] Vgl. Schertler, W. (1998), S. 13.

[6] Vgl. Schertler, W. (1998), S. 20.

[7] griechisch: ‚theorein‘ = beobachten, betrachten, (an)schauen oder ‚theoria‘ = Überlegung, Erkenntnis

[8] Vgl. Kornmeier, M. (2007), S.84.

[9] Vgl. Schreiber, R. (1960), S. 14.

[10] Man unterscheidet u.a. die statische, die dynamische, die organische Bilanztheorie.

[11] Vgl. Schreiber, R. (1960), S. 50.

[12] Zu Skripten, Leitbilder, subjektive Theorien ausführlicher in Abschnitt 3.1, S.11.

[13] Vgl. Nienhüser, W. (1989), S.126.

[14] Vgl. Kieser, A. (2006), S. 21.

[15] Vgl. Kieser, A., Ebers, M. (2006).

[16] Vgl. Scherer, G. (2006), S. 20 f.

[17] Vgl. Scherer, G. (2006), S. 34ff sowie Burrell, G., Morgan, G. (1979).

[18] Hier Bedeutung für Paradigma: Beispiel, Schema, Muster.

[19] Der Kritische Rationalismus (prominentester Vertreter: Popper) unterstellt die Existenz einer empirischen Wahrheit, der sich der Mensch im Erkenntnisprozess annähern kann.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung konstruktivistischer Ansätze in der Organisationstheorie für die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V207907
ISBN (eBook)
9783656355755
ISBN (Buch)
9783656356875
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Betriebswirtschaftlich, Steuerlehre, Konstruktivismus, Organisationstheorie, Betriebswirtschaftslehre
Arbeit zitieren
Dipl.-Kff. Yvonne Stöcklein (Autor), 2011, Die Bedeutung konstruktivistischer Ansätze in der Organisationstheorie für die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207907

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