Die Gegend um Leipzig stellt sachsenweit die waldärmste Region dar. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass landesweite Pläne und Programme den Schwerpunkt der Waldvermehrung in Sachsen strikt in diese Region lenken, in der mittlerweile seit über 30 Jahren um mehr Wald gerungen wird. Auch die aktuellste Fassung des Landesentwicklungsplans 2012, gegenwärtig noch als Entwurf vorliegend, verweist auf die Leipziger Region, wenn es darum geht, den im Bundesvergleich unterdurchschnittlichen Waldanteil Sachsens von gegenwärtig 28,5 % auf 30 % der Landesfläche zu erhöhen. Potential wird hierbei vor allem in der sich immer noch in Rekultivierung befindlichen Bergbaufolgelandschaft des Leipziger Südens sowie in der ausgeräumten Agrarlandschaft des ländlich geprägten Raums gesehen. Initiativen und Bestrebungen, den Waldanteil der Region langfristig zu erhöhen, sind tief in der Geschichte verankert und werden von den verschiedensten Akteuren getragen. In den 1970er Jahren waren es die Staatlichen Forstbetriebe, die im Zuge der Sanierung einer devastierten Tagebaulandschaft ausgedehnte Waldgebiete neu entstehen ließen und der Bevölkerung im Ballungsraum Leipzig damit wieder eine attraktive Erholungslandschaft schaffen wollten. Ab Mitte der 90er Jahre ging der Zuwachs neuer Waldgebiete spürbar zurück und beschränkt sich seit dem auf die Aufforstung kleinerer Flächen in Streulagen. Aus der Sicht vieler Forstfachleute wird diese Tatsache als äußerst unbefriedigend eingeschätzt.
Mittlerweile besteht dagegen die Vermutung, dass sich der jährliche Waldflächenzuwachs in der Waage mit einem zunehmenden Waldflächenverlust hält und dass das ursprüngliche Ziel der Waldmehrung dem der Erhaltung des vorhandenen Waldes gewichen ist. Aus diesem Grunde haftet der Region um Leipzig zunehmend das Charakteristikum einer planungsdynamischen Region an, in der in kurzer Zeit Flächennutzungsarten wechseln und Pläne geändert werden. Erschwert wird die Waldvermehrung aber nicht nur durch wirtschaftliche und Gemeinwohlinteressen, sondern vor allem durch naturschutzrechtliche Vorgaben der Europäischen Union, die "runtergebrochen" auf die Regionalebene zu erheblichen Konflikten im Bestreben um mehr Wald führen. Hinzu kommt ein enorm wachsender Flächenverlust, so dass Landwirte der Region zunehmend nicht mehr bereit sind, ihr wertvolles Ackerland für eine Aufforstung bereit zu stellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Problemstellung und Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Material und Methoden
2.1 Dokumentenanalyse
2.2 Experteninterviews
2.2.1 Begriff
2.2.2 Auswahl der Interviewpartner
2.2.3 Interviewleitfaden
2.2.4 Durchführung der Interviews
2.2.5 Auswertung der Interviews
2.3 Daten zur Waldfläche
2.4 Potentialanalyse im Forstbezirk Leipzig
3 Grundlagen und Rahmenbedingungen
3.1 Begriffe
3.2 Waldmehrung - Für und Wider
3.3 Politische Rahmenbedingungen
3.4 Gesetzliche und rechtliche Grundlagen
3.5 Vorgaben der Raumordnung und Landesplanung
3.6 Situation in Sachsen
4 Waldmehrung in der Region Leipzig
4.1 Untersuchungsgebiet
4.1.1 Ballungsraum Leipzig
4.1.2 Südraum Leipzig und Bergbaufolgelandschaft
4.2 Argumente und Motive für mehr Wald in der Region
4.3 Politische und planerische Zielsetzungen
4.4 Instrumente der Waldmehrung
4.4.1 Raum- und Fachpläne
4.4.2 Finanzielle Förderung
4.4.3 Kompensationsmaßnahmen
4.5 Akteure im Waldmehrungsprozess
4.5.1 Träger von Aufforstungen
4.5.2 Flächennutzer
4.5.3 Akteure der Planung
4.5.4 Akteure im Genehmigungsverfahren
4.5.5 Informelle Akteure
4.6 Aufforstungsaktivitäten
4.6.1 Rückblick und Status Quo
4.6.2 Waldverlust durch Waldumwandlung
4.6.3 Waldflächenbilanz und Waldflächenentwicklung
4.6.4 Beitrag der Instrumente
5 Diskussion
5.1 Probleme und Hemmnisse
5.1.1 Flächenverfügbarkeit
5.1.2 Naturschutzfachliche Restriktionen
5.1.3 Verwaltungsstrukturelle Hindernisse
5.1.4 Politische Hemmnisse
5.2 Defizite
5.3 Instrumentenkritik
5.3.1 Raum- und Fachplanungen
5.3.2 Erstaufforstungsförderung
5.3.3 Kompensation
5.4 Aufforstungspotential
5.4.1 Kompensationspotential im Forstbezirk Leipzig
5.5 Methodendiskussion
6 Fazit und Ausblick
7 Zusammenfassung
8 Quellenverzeichnis
8.1 Literatur
8.2 Internetquellen
8.3 Gesetze und Richtlinien
8.4 Mündliche und schriftliche Mitteilungen
Anhang I
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Waldmehrungspolitik in der Region Leipzig, beleuchtet die vielfältigen Interessenskonflikte zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Forstwirtschaft und analysiert, warum trotz landespolitischer Zielvorgaben das Potential zur Waldvermehrung nur eingeschränkt realisiert wird. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Wirksamkeit der vorhandenen Instrumente sowie die Frage, ob die politischen Ziele zur Waldmehrung in der Region Leipzig unter den gegebenen Rahmenbedingungen realistische Zielstellungen darstellen.
- Aktueller Stand und historische Entwicklung der Waldmehrung in der Region Leipzig.
- Analyse politischer, gesetzlicher und planerischer Rahmenbedingungen für Erstaufforstungen.
- Identifizierung und Wirksamkeitsprüfung zentraler Instrumente der Waldmehrung (z.B. Kompensationsmaßnahmen, finanzielle Förderung).
- Untersuchung von Konfliktfeldern und Hemmnissen (Flächenkonkurrenz, Naturschutzrestriktionen, Verwaltungsstrukturen).
- Potentialanalyse zukünftig verfügbarer Flächen für Aufforstungen unter Berücksichtigung landwirtschaftlicher und naturschutzfachlicher Interessen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Einführung
Die Gegend um Leipzig stellt sachsenweit die waldärmste Region dar. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass landesweite Pläne und Programme den Schwerpunkt der Waldvermehrung in Sachsen strikt in diese Region lenken, in der mittlerweile seit über 30 Jahren um mehr Wald gerungen wird. Auch die aktuellste Fassung des Landesentwicklungsplans 2012, gegenwärtig noch als Entwurf vorliegend, verweist auf die Leipziger Region, wenn es darum geht, den im Bundesvergleich unterdurchschnittlichen Waldanteil Sachsens von gegenwärtig 28,5 % auf 30 % der Landesfläche zu erhöhen. Potential wird hierbei vor allem in der sich immer noch in Rekultivierung befindlichen Bergbaufolgelandschaft des Leipziger Südens sowie in der ausgeräumten Agrarlandschaft des ländlich geprägten Raums gesehen.
Initiativen und Bestrebungen, den Waldanteil der Region langfristig zu erhöhen, sind tief in der Geschichte verankert und werden von den verschiedensten Akteuren getragen. In den 1970er Jahren waren es die Staatlichen Forstbetriebe, die im Zuge der Sanierung einer devastierten Tagebaulandschaft ausgedehnte Waldgebiete neu entstehen ließen und der Bevölkerung im Ballungsraum Leipzig damit wieder eine attraktive Erholungslandschaft schaffen wollten. Ab Mitte der 90er Jahre ging der Zuwachs neuer Waldgebiete spürbar zurück und beschränkt sich seit dem auf die Aufforstung kleinerer Flächen in Streulagen. Aus der Sicht vieler Forstfachleute wird diese Tatsache als äußerst unbefriedigend eingeschätzt.
Mittlerweile besteht dagegen die Vermutung, dass sich der jährliche Waldflächenzuwachs in der Waage mit einem zunehmenden Waldflächenverlust hält und dass das ursprüngliche Ziel der Waldmehrung dem der Erhaltung des vorhandenen Waldes gewichen ist. Aus diesem Grunde haftet der Region um Leipzig zunehmend das Charakteristikum einer planungsdynamischen Region an, in der in kurzer Zeit Flächennutzungsarten wechseln und Pläne geändert werden. Erschwert wird die Waldvermehrung aber nicht nur durch wirtschaftliche und Gemeinwohlinteressen, sondern vor allem durch naturschutzrechtliche Vorgaben der Europäischen Union, die "runtergebrochen" auf die Regionalebene zu erheblichen Konflikten im Bestreben um mehr Wald führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Ausgangslage der waldarmen Region Leipzig und definiert das Forschungsziel, die Hindernisse und Möglichkeiten der Waldmehrung zu analysieren.
2 Material und Methoden: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, insbesondere die Durchführung von Experteninterviews und die Analyse von Fachdokumenten zur Datenerhebung.
3 Grundlagen und Rahmenbedingungen: Hier werden zentrale Begrifflichkeiten definiert sowie die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen für Waldmehrung in Sachsen dargelegt.
4 Waldmehrung in der Region Leipzig: Dieser Hauptteil analysiert die spezifische Situation in der Region Leipzig, stellt die Akteure vor und bewertet bisherige Aufforstungsaktivitäten sowie Instrumente.
5 Diskussion: In der Diskussion werden die identifizierten Probleme, Hemmnisse und Defizite analysiert, die Wirksamkeit der Instrumente kritisch betrachtet und das Potential für zukünftige Aufforstungen bewertet.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung und die Notwendigkeit politischer Nachsteuerung.
7 Zusammenfassung: Das Kapitel bietet eine prägnante Zusammenfassung der zentralen Arbeitsschwerpunkte und Erkenntnisse der Masterarbeit.
8 Quellenverzeichnis: Dies umfasst eine detaillierte Auflistung der verwendeten Literatur, Internetquellen, Gesetze und Mitteilungen.
Schlüsselwörter
Waldmehrung, Region Leipzig, Erstaufforstung, Aufforstung, Waldflächenbilanz, Forstbezirk Leipzig, Bergbaufolgelandschaft, Kompensationsmaßnahmen, Regionalplanung, Waldumwandlung, Sachsenforst, Naturschutz, Landwirtschaft, Flächenkonkurrenz, Planungsinstrumente.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit analysiert die Waldmehrungspolitik in der Region Leipzig, identifiziert Hindernisse bei der Umsetzung politischer Ziele und untersucht die Rolle verschiedener Akteure und Instrumente im Prozess der Waldvermehrung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Flächenverfügbarkeit, der Konkurrenz zwischen Landwirtschaft und Forstwirtschaft, der Rolle von Kompensationsmaßnahmen sowie der Bedeutung der Bergbaufolgelandschaft für zukünftige Aufforstungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, warum landespolitische Ziele zur Erhöhung des Waldanteils in der Region Leipzig nur in geringem Umfang umgesetzt werden und ob die aktuellen Zielsetzungen unter Berücksichtigung der komplexen Rahmenbedingungen realistisch erreichbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die Methode der qualitativen Experteninterviews sowie eine tiefgehende Dokumenten- und Literaturanalyse, um ein Gesamtbild der Waldmehrungssituation zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil (Kapitel 4) wird die Waldmehrungssituation in der Region Leipzig detailliert erläutert, inklusive der Vorstellung des Untersuchungsgebiets, der Analyse der Akteure sowie der Bewertung bisheriger Aufforstungsaktivitäten und der verschiedenen Planungsinstrumente.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Waldmehrung, Region Leipzig, Erstaufforstung, Bergbaufolgelandschaft, Kompensationsmaßnahmen, Regionalplanung und Flächenkonkurrenz.
Warum ist die Bergbaufolgelandschaft so wichtig für die Untersuchung?
Sie gilt als das größte Potentialgebiet für Aufforstungen in der Region Leipzig, steht jedoch gleichzeitig in einem Spannungsfeld zwischen der Sanierung durch die LMBV, Ansprüchen des Naturschutzes und neuen Freizeitnutzungen.
Welche Rolle spielt die Landwirtschaft bei der Waldmehrung?
Die Landwirtschaft ist einer der Hauptakteure, da Erstaufforstungen primär auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen stattfinden. Die hohe Bodengüte in der Region macht diese jedoch zu einem knappen Gut, was zu erheblichen Nutzungskonflikten führt.
Inwiefern beeinflusst der Naturschutz die Aufforstungsziele?
Naturschutzfachliche Restriktionen, insbesondere in Natura-2000-Gebieten oder durch die Besiedlung mit seltenen Offenlandarten auf Brachflächen, führen häufig zu Zielkonflikten, bei denen geplante Aufforstungen verzögert oder ganz verhindert werden.
- Citation du texte
- Hermann Schneider (Auteur), 2012, Waldmehrungspolitik in der Region Leipzig, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207997