Feindbilder und Poster-Propaganda

Die USA im Zweiten Weltkrieg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Das Feindbild
Vorüberlegungen zum Feindbild
Konkrete Beispiele zur Zeit des Zweiten Weltkrieges
„ Kill the Japs! ” - Die Japaner
„ This is the enemy ” - Die Deutschen
Vergleich

Poster-Propaganda der USA
Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg
Koordination der (Poster-)Propaganda
Das OWI
Transportierte Themen
Japaner und Deutsche
Exkurs: Stellenwert des Posters zur Zeit von Radio und Kino

Propaganda entscheidet nicht den Krieg, aber sie lenkt ihn (Fazit)

Literatur

Internet

Einleitung

Eine breite Unterstützung in der Bevölkerung für einen Krieg ist überlebens- wichtig für eine Regierung, besonders und vor allem in einer Demokratie mit einem dem System innenwohnenden Legitimationszwang. Im Krieg muss von den Regierenden klargestellt werden, für was, und somit auch wogegen, sie vorgeben zu kämpfen. Dabei hat es eine Demokratie ungleich schwerer als eine Diktatur, die Menschen zu „überzeugen“. An die Stelle von Akzeptanz der diktatorischen Regierung tritt in der Demokratie die offene Kritik. Und die macht es der Regierung nicht leicht, eigene Beschlüsse sofort und ohne Kompromisse durchzusetzen.

An diesem Punkt kommt die Propaganda in all ihren Ausformungen und mit all ih- ren Inhalten ins Spiel. Sie soll die Bevölkerung davon überzeugen, dass die Ziele und die Wege der Regierung die richtigen sind. Propaganda geht auf das lateinische Wort propagare (ausbreiten) zurück und beschreibt so viel wie die konzeptionelle Be- einflussung der Menschen durch Medien mit dem Ziel, die Öffentlichkeit durch die ideologischen Aussagen zu manipulieren und hinter den Zielen einer Gruppe (in diesem Fall einer Regierung) zu versammeln. Der Begriff geht auf die durch Gregor XV. 1622 verfasste päpstliche „Congregatio de propaganda fide“ (Vereinigung zur Verbreitung des Glaubens) zurück und ist bis heute negativ belegt. Durch ihren appellhaften Charakter versucht die Propaganda meist direkt die Gefühle des Hörers, Zuschauers oder Betrach- ters zu berühren und so Emotionen auszulösen. Wenn ein Poster z. B. Angst, Hoffnung oder Zuversicht weckt, hat es sein Ziel bereits erreicht. Denn die Propagandisten oder Werber müssen letztendlich nur das durchsetzen, was die Politik oder andere Auftragge- ber als Ziel vorgegeben haben.

Propaganda muss dabei nach Möglichkeit Hand in Hand mit der Militärstrategie ge- hen, um die „psychologische Kriegsführung“ zu dem besten Ergebnis zu bringen. Doch vermag sie kaum die militärische Stärke, Strategie und Ressourceneinsatz zu ersetzen, sie kann nur Hilfsmittel sein. Als Beispiel hierfür kann die intensive „Flugblatt-Bom- bardierung“ Italiens durch die Amerikaner seit dem 10. Juli 1943 vor der Invasion der Alliierten in Sizilien dienen. Die Millionen abgeworfenen Flugblätter allein, die die Sol- daten zum Aufgeben bewegen sollten und ihnen meist die Freiheit versprachen, hätten wohl kaum die italienische Armee besiegen können. Doch konnten sie den letzten Willen der Soldaten brechen. Dieselbe Taktik wandten die Alliierten seit Mitte 1944 auch auf Deutschland an. Allerdings muss auch gesagt werden, dass direkte Auswirkungen der Propaganda, gleich welcher Art, nur schwer abzuschätzen und wohl überhaupt nicht zu berechnen sind.

Propaganda hat nach Lerner1 vier verschiedenen Zielgruppen: Feinde, Verbündete, Neutrale und Heimatfront. Die Wirkungsweise und die Ziele unterscheiden sich innerhalb der Gruppen sehr stark und müssen auf den einzelnen Adressaten abgestimmt werden. Dem Feind soll der aussichtslose Kampf klargemacht, den Alliierten der sichere Sieg klargemacht werden. Die Neutralen sollen von den hehren Zielen und die Heimatfront von den zu bringenden Opfern überzeugt werden. Diese Hausarbeit konzentriert sich im Wesentlichen auf den letztgenannten Adressaten.

Im Folgenden soll versucht werden, die Heimat-Propaganda der Vereinigten Staaten während des Zweiten Weltkriegs darzustellen, zu katalogisieren und zu charakterisieren. Vor allem soll näher auf das Propaganda-Medium „Poster“ eingegangen werden. Welche Voraussetzungen waren gegeben? Welche Inhalte wurden transportiert? Wie wurde die Posteraktionen organisiert? Welchen Stellenwert hatte das Poster am Ende der ersten Hälfte des Jahrhunderts? Warum konnten und wollten der Präsident Franklin Delano Roosevelt (FDR) und seine Strategen nicht auf diese relativ alte Form der Propaganda verzichten, wo doch in der Zwischenzeit modernere und direktere Medien auf dem Vormarsch waren, wie zum Beispiel Radio und Fernsehen?

Diesem konkreten Bereich sollen mehrere Überlegungen über das „Feindbild“ an sich vorangestellt werden. Welche unterschiedlichen Typen von Gegnern existierten schließlich konkret im Amerika der 40er Jahre? Als Beispiel dafür soll das dargestellte Deutschen- und Japanerbild dienen. Dabei soll nicht nur auf die Propaganda eingegangen werden, weil diese Hauptthema im zweiten Teil ist. Vielmehr soll im ersten Kapitel die Bevölkerung Gegenstand der Untersuchung sein. Die Poster spiegeln die Einstellung der Bevölkerung nur wider, sie schaffen sie nicht.

Das Feindbild

Vorüberlegungen zum Feindbild

Feindbilder sind unverzichtbar. Sie erklären, entschuldigen, begründen, steuern, helfen sich orientieren, vereinfachen und werten schließlich die eigene Position auf, indem der Gegner stark verunglimpft wird. Feindbilder bauen auf Stereotypen und Vorurteilen auf, sind also meist lange bestehend und in der jeweiligen Gesellschaft fest verankert. Zumindest muss bereits, aus propagandistischer Sicht betrachtet, eine gewisse negative, abwehrende und abwertende Einstellung zu dem Fremden bestehen, die durch den gezielten Einsatz von Medien zu einem starken Bedrohungsszenario führen kann. Dem Feindbild wohnt also ein durchweg negativer Charakter inne. Propaganda kann diese Feindbilder selbst nicht auslösen, sondern sie nur ausnutzen. Dabei tritt das Feind- bild stark vereinheitlicht auf, Differenzierungen sind kaum vorhanden. Diese Schwarz- Weiß-Malerei (Licht gegen Dunkelheit oder, aktueller, mit oder gegen uns) führt zu einem starken Zwang innerhalb der Bevölkerung, diesem Feindbild zu folgen, Zweifler können so schnell, in einer leichten Form, als unpatriotisch, in der schwereren Form, als Vaterlandsverräter gebrandmarkt werden. Insofern erfüllt das Feindbild auch heute noch (nicht nur in den USA) seinen Zweck.

Besondere Wichtigkeit erfahren die Feindbilder, die in diesem Sinn als eine Zuspitzung von Vorurteilen gesehen werden können, seit der Zeit des industrialisierten Krieges, weil dieser „auf die Mobilisierung der Massen als Soldaten und als Produzenten von Kriegsgerät“2 angewiesen ist.

Generell soll zwischen zwei Adressaten der Feindbilder im Krieg unterschieden werden: zum einen die kämpfenden, zum anderen die unterstützenden Teile der Be- völkerung. Während den Soldaten vor allem Mitleid mit dem Gegner und die Tötungs- hemmung genommen und Hass geschürt werden sollte, der zur Legitimierung des Tö- tens führt, ist an der Heimatfront vor allem ein Verständnis für die Belastungen (wirt- schaftlicher, staatlicher aber auch familiärer Art) und die Bereitschaft zu Opfern zu we- cken. Außerdem kann ein Feindbild die innere Einigkeit innerhalb der Bevölkerung ver- stärken.

Eine historische Erinnerung und Erfahrung des jeweiligen Staates bedingt also im Wesentlichen die Art, wie der Andere gesehen wird.

Eine Schwierigkeit bei der Analyse und Bewertung von Feindbildern ist die nicht messbare Auswirkung dieser Bilder auf den Verlauf des Krieges. Inwieweit hat etwa der Japanhass das Kriegsgeschehen im Pazifik zu Gunsten der Amerikaner beeinflusst? Em- pirisch nachweisbar ist der Anteil des Feindbildes an Erfolg oder Misserfolg nicht.

Konkrete Beispiele zur Zeit des Zweiten Weltkrieges

Deutschland und Japan stellen als Feindbilder besonders eindrucksvolle Beispiele dar, weil bei beiden Nationen die geweckten „ngste und Befürchtungen auf fruchtbaren Boden in der Bevölkerung gefallen sind. Die Deutschen waren noch aus dem Ersten Weltkrieg als Gegner bekannt, die Nationalsozialisten um Hitler wurden zur Bedrohung. Die Japaner hatten mit dem Einmarsch in China und dem Angriff auf Pearl Harbor starke Gefühle freigesetzt und Ressentiments gegenüber dem „Japaner“ gesell- schaftsfähig gemacht.

Zu den Japanern hatten die Amerikaner wie auch der große Rest der westlichen Welt ein herablassendes Verhältnis. Dieses unterscheidet sich in wesentlichen Zügen von dem des Deutschen. Die Gründe dafür liegen in sehr unterschiedlichen geschichtlichen Entwicklungen der Länder.

„ Kill the Japs! ” - Die Japaner

Ein wichtiger Grund für die tiefe Feindschaft gegenüber Japan ist der schnelle Aufstieg dieses Landes zur Industrienation. Zur Jahrhundertwende hatten die anderen Industriestaaten Japan mit 50 Millionen Einwohnern als willkommene Absatzquelle für die eigenen Produkte auserkoren. Doch die Japaner emanzipierten sich schnell, besetzten bisherige Absatzmärkte des Westens und unterboten schließlich die Preise für deren Erzeugnisse - eine beleidigende Kränkung insbesondere für die amerikanische Wirtschaft. Beschleunigt wurde der Prozess der sich verschlechternden Beziehungen durch die Besetzung Chinas im Jahr 1931. Die damit auftretenden Spannungen endeten schließlich im Austritt Japans aus dem Völkerbund.3

Ein letzter Punkt: Die schlichte Unwissenheit über das Land Japan verhalf den Pro- pagandisten zu schnellen Erfolgen. Eigene Kontakte mit der fremden Kultur waren äußerst selten und die Medien berichteten wenig über Japan. Spector spricht sogar von einer „long tradition of American racial prejudice, ignorance, and misinformation about Asians“4. Diese Tatsache und die daraus resultierenden „ngste vor dem Fremden konnten die Kriegsführer geschickt ausnutzen. Denn widersprüchliche Informationen, die den Japaner in humaneres Licht hätten rücken konnen, konnten so vermieden werden, vor allem zur Zeit der starken Informationssteuerung im Krieg. Dazu passt auch die Tatsache, dass die Amerikaner japanischer Herkunft seit 1942 in internment camps festgehalten und so von der übrigen Bevölkerung getrennt wurden.

Besonders nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor und den darauffolgenden Attacken der Kamikaze-Flieger „erfuhr die Feindschaft gegen alles Japanische einen ersten Höhepunkt“5 und prägte das Feindbild aus. Zusätzlich geschürt wurden Hass, Ab- scheu und Rassismus durch bewusst ausgewählte Zeitungsberichte der amerikanischen Medien über japanische Greueltaten. Ein wichtiger Akteur in diesem Spiel war auch das War Department , das in regelmäßigen Abständen Berichte über japanische Misshand- lungen an amerikanischen Soldaten freigab und so die Erinnerung an die Grausamkeit der Japaner in der Bevölkerung wachhalten wollte. Wichtiges Indiz für die Heftigkeit, mit der den Japanern der Hass entgegenschlug, ist die immer stärker werdende Dehu- manisierung des Japaners in der Propaganda (s.u.); dem Gegner wurden kaum mehr menschliche Züge zugestanden.

„ This is the enemy ” - Die Deutschen

Auch lange nach dem Kriegseintritt der Amerikaner war das Feindbild der Deut- schen nicht genau umrissen, es fehlte im „an scharfen Konturen“6. In der Öffentlichkeit konnte Deutschland deshalb nicht kurzerhand als Feind dargestellt werden. Dies ist einer der wichtigsten Unterschiede zu der Darstellung der Japaner. Dies hat mehrere Gründe.

Zwar sahen die Amerikaner seit 1933 mit großer Sorge auf Deutschland, doch ver- band die beiden Staaten eine lange intensive Beziehung. Die Werte und Vorstellungen waren (zumindest bis zum Ende der Weimarer Republik) dieselben oder wenigstens ähnliche gewesen. Deutschland war Teil der westlichen Zivilisation und aus diesem Grund schlecht als das unablässig Böse darzustellen.

[...]


1 Lerner, Daniel, Der psychologische Krieg gegen Deutschland von der Invasion bis zum Sieg, in: Propaganda (283 - 290).

2 Feindbilder im Wandel (27).

3 Die in den Überschriften verwendeten Zitate sind Original-Slogans von amerikanischen Plakaten.

4 Spector, Ronald H, The Pacific War and the Fourth Dimension of Strategy (44), in: Pacific War Revisit- ed.

5 Feindbilder im Wandel (7).

6 Feindbilder im Wandel (21).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Feindbilder und Poster-Propaganda
Untertitel
Die USA im Zweiten Weltkrieg
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V208144
ISBN (eBook)
9783656355175
ISBN (Buch)
9783656355311
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Propaganda, USA, Weltkrieg, Poster, Roosevelt
Arbeit zitieren
Dennis Schmidt (Autor), 2004, Feindbilder und Poster-Propaganda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208144

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