Clubs haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze. Wer zum Beispiel in St. Peter Ording in den örtlichen Golfclub eintreten will, wird nicht darum herumkommen, über einen bestimmten Betrag auf dem Konto und ein bestimmtes Ansehen bei den Mitgliedern zu verfügen. Ansonsten heißt es: Zutritt verwehrt. Auch die berühmten Männerclubs in London lassen nicht jeden durch die schwere Eichentüre in ihre exklusive Gemeinschaft eintreten. Auch hier kann es für den, der die Richtlinien nicht erfüllt, heißen: Zutritt verwehrt.
Alle Clubs haben, entweder verschriftlicht oder als inoffizielle Übereinkunft, über die Jahre ihre ganz eigenen Voraussetzungen für den erfolgreichen Eintritt in den exklusiven Kreis der Auserwählten bestimmt. So auch die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft/Europäische Gemeinschaft/Europäische Union (der Einfachheit halber verzichten wir im Folgenden auf die Bezeichnung EWG und EG).
Seit die EU im Jahre 1957 gegründet wurde, haben etliche Antragssteller, wie z. B. 1973 Dänemark, 1981 Griechenland oder 1985/86 Portugal und Spanien, um eine Aufnahme gebeten. Allen Anträgen, bis auf einen (namentlich den der Türkei), wurde bis jetzt der Eintritt in die begehrte Union gewährt. Wie bei den oben erwähnten Clubs mussten auch diese Kandidaten bestimmte Kriterien erfüllen und sich in die festgesetzte Ordnung einfügen. Diese Kriterien, in drei Unterpunkte einteilbar, hat die EU 1993 in Kopenhagen formuliert.
Um diese „Kopenhagener Kriterien“ wird es sich im ersten Abschnitt der Hausarbeit drehen. Wir versuchen, nachdem wir kurz auf Entstehung und Absicht der Kopenhagener Kriterien eingegangen sind, eine Momentaufnahme der türkischen Bemühungen bei der Umsetzung ins nationale Recht darzustellen. Dabei gehen wir, weil die politische Umsetzung in diesem Zusammenhang besonders wichtig und interessant erscheint, mehr auf die politischen als auf die wirtschaftlichen und rechtlichen Belange ein.
Teil zwei stellt andere Regionalunionen, die neben der EU auf der ganzen Welt existieren, vor und erläutert Ziele und Mitglieder. Der letzte Teil vergleicht schließlich die regionalen Organisationen und versucht, verschiedene Typologien von Internationalen Organisationen aufzustellen.
Über allem steht die Frage, welcher Art von Organisation die Türkei beitreten will. Das „Warum?“ wird diese Hausarbeit nicht klären können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Türkei und die Kopenhagener Kriterien
Zu 1
Zu 2
Zu 3
Andere regionale Unionen
Definitionen und Erläuterungen
Asien
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS)
Liga der Arabischen Staaten (Arabische Liga)
Golf-Kooperationsrat (GCC)
Association of Southeast Asian nations (ASEAN)
Afrika
Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC)
Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU)
Nordamerika
Nordamerikanische Freihandelszone (North American Free Trade Agreement, NAFTA)
Südamerika
Gemeinsamer Südamerikanischer Markt (Mercosur)
Türkische Beziehungen mit internationalen Organisationen
Verschiedene Organisationstypen
Übersicht über regionale Unionen und die Art ihres Zusammenschlusses
Name
Wirtschaftlich
Politisch
Kulturell
Bezeichnung
Fazit
Typologisierung von IO
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anforderungen für einen EU-Beitritt der Türkei, indem sie diese in den Kontext anderer regionaler Zusammenschlüsse weltweit stellt. Das primäre Ziel ist es zu ergründen, welcher Art von Organisation die Türkei beitreten möchte und welche Hürden – insbesondere durch die Kopenhagener Kriterien – dabei zu überwinden sind.
- Die Analyse der politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Kopenhagener Kriterien.
- Eine vergleichende Untersuchung internationaler regionaler Organisationen (z.B. NAFTA, ASEAN, Mercosur).
- Die Einordnung der Türkei in das Spektrum internationaler Kooperationsformen.
- Eine Typologisierung internationaler Organisationen zur Veranschaulichung der Komplexität eines EU-Beitritts.
Auszug aus dem Buch
Die Türkei und die Kopenhagener Kriterien
Die Kopenhagener Kriterien regeln die Umstände, unter denen ein neues Mitglied in die EU aufgenommen werden kann. Sie werden folgendermaßen unterteilt:
1.) Das politische Kriterium
Insgesamt gesehen muss der Bewerber bestimmte politische Standards erfüllen. Hierbei sind besonders der Minderheitenschutz im eigenen Land und somit außerdem die Anerkennung der Menschenrechte wichtig. Zudem muss eine demokratische und rechtsstaatliche Ordnung fest installiert sein.
2.) Das wirtschaftliche Kriterium
umfasst vor allem die Forderung, dass eine funktionierende Marktwirtschaft in dem beitrittswilligen Land existieren muss. Damit einher geht auch, dass es den enormen Wettbewerbsdruck innerhalb der EU aushalten können muss.
3.) Das Aquis-Kriterium
Dieser Punkt regelt die Übernahme des so genannten „Gemeinschaftlichen Besitzstandes“ in das jeweilige nationale Recht. Insgesamt müssen über 80.000 Seiten Rechtstexte, in 31 Kapitel unterteilt, übernommen und auch umgesetzt werden. Sie beinhalten sowohl die bekannten Verträge von z. B. Nizza oder Maastricht als auch unbekanntere Konventionen aus Sicherheits-, Innen-, Außen- und auch Justizpolitik.
Die Bedingungen aus dem ersten Kriterium müssen bereits bei einer Aufnahme in die Union erfüllt sein, während die beiden anderen auch nach dem Beitritt umgesetzt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik der Kriterien für den Beitritt zur EU am Beispiel von Club-Metaphern und Definition der zentralen Fragestellung.
Die Türkei und die Kopenhagener Kriterien: Detaillierte Erläuterung der politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Anforderungen für einen EU-Beitritt sowie eine Analyse der türkischen Reformbemühungen.
Andere regionale Unionen: Überblick über globale Staatenbündnisse, deren Ziele und Organisationsformen zur Einordnung der EU-Strukturen.
Verschiedene Organisationstypen: Systematischer Vergleich der verschiedenen regionalen Unionen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zusammenarbeit.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der türkischen Beitrittsoptionen unter Einbeziehung der Typologisierung von internationalen Organisationen.
Schlüsselwörter
Türkei, Europäische Union, EU-Beitritt, Kopenhagener Kriterien, Regionale Unionen, Internationale Organisationen, Politische Kriterien, Wirtschaftliche Kriterien, Aquis-Kriterium, Demokratie, Minderheitenschutz, Marktwirtschaft, Souveränität, Zusammenarbeit, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Beitrittsbedingungen der Europäischen Union (Kopenhagener Kriterien) im Kontext der Türkei und vergleicht diese mit anderen internationalen regionalen Kooperationsformen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die EU-Beitrittskriterien, die politische und wirtschaftliche Lage der Türkei sowie die vergleichende Analyse internationaler Organisationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit sucht nach Antworten auf die Frage, welcher Art von Organisation die Türkei beitreten will und welche Herausforderungen die spezifischen Beitrittskriterien der EU für das Land darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode (Vergleich von Organisationstypen) sowie die Analyse bestehender Kriterienkataloge und politischer Berichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Kopenhagener Kriterien erläutert, gefolgt von einer Vorstellung diverser regionaler Unionen weltweit und deren anschließender Typologisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe umfassen EU-Integration, Kopenhagener Kriterien, politische Reformen, Regionale Unionen und internationale Organisationen.
Warum wird im Kontext der Kopenhagener Kriterien besonders das politische Kriterium betont?
Weil die Einhaltung demokratischer Standards und der Minderheitenschutz, besonders in Bezug auf die kurdische Minderheit, für die Europäische Kommission die kritischsten Punkte im Beitrittsprozess darstellen.
Inwiefern unterscheidet sich die EU von anderen regionalen Organisationen laut der Arbeit?
Die EU zeichnet sich dadurch aus, dass sie die umfassendste Organisationsform darstellt, die wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenarbeit auf einer tieferen Ebene vereint als die meisten anderen untersuchten Bündnisse.
- Quote paper
- Dennis Schmidt (Author), 2003, Die EU, andere regionale Unionen und die Türkei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208159