Ökonomische Folgen einer Einheitswährung


Hausarbeit, 2012
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen der Wechselkursregime
2.1 Flexible Wechselkurse
2.2 Feste Wechselkurse
2.3 Einheitswährung

3 Ökonomische Auswirkungen einer Währungsunion
3.1 Ursachen einer Instabilität der Einheitswährung
3.2 Eingriffsmöglichkeiten der Zentralbank

4 Praxisbeispiel - Ökonomische Folgen des EURO
4.1 Analyse der Eurozone als optimaler Währungsraum
4.2 Ökonomische Auswirkungen
4.3 Handlungsalternativen

5 Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Auswirkungen einer expansiven Fiskalpolitik bei fixen Wechselkursen

Abbildung 2: Gesamtwirtschaftliche Lohnstückkosten in ausgewählten Staaten der Eurozone (jährl. prozentuale Veränderung)

Abbildung 3: Anteil der Bauinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt (reale Werte)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Arbeitslosenquoten EU (monatliche Daten)

Tabelle 2: Prozentuale Veränderung der Lohnstückkosten ausgewählter Staaten der Eurozone (in Prozent)

1 Einleitung

Die tagtäglichen Schlagzeilen und Meldungen in Wirtschaftszeitungen und Nachrichten werden derzeit von einem zentralen Thema dominiert: Der Eurokri- se. Die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse, wie etwa „Euro-Krise verbreitet Furcht an den Märkten“1 oder „Unternehmen weltweit senken Gewinnprogno- sen wegen Eurokrise“2 legen den Rückschluss nahe, dass die Einführung der Einheitswährung „Euro“ in der medialen Wahrnehmung hauptsächlich nachteili- ge ökonomische Folgen hat. In der Realität zeigen unter anderem die griechi- sche und spanische Schuldenkrise, dass es tatsächlich negative ökonomische Entwicklungen im Euroraum gibt. Es stellt sich somit die Frage, ob diese nega- tiven ökonomischen Entwicklungen auf die Einheitswährung Euro zurückzufüh- ren sind.

Die vorliegende Seminararbeit hat die Zielsetzung, aufzuzeigen, welche ökonomischen Folgen eine Einheitswährung im Gegensatz zu einem flexiblen Wechselkurssystem hat.

Um diese Fragestellung beantworten zu können, werden im zweiten Kapitel die theoretischen Grundlagen der unterschiedlichen Wechselkursregime „flexibel“, „fix“ und die Sonderform „Einheitswährung“ sowie deren Besonderheiten kurz erläutert. Anschließend werden im dritten Kapitel die positiven und negativen ökonomischen Auswirkungen einer Einheitswährung theoretisch dargestellt. Darüber hinaus werden in diesem Kapital die Ursachen einer möglichen Instabi- lität sowie Eingriffsmöglichkeiten der Zentralbank erörtert. Im vierten Kapitel werden anhand des Praxisbeispiels „Euro“ die in der Gegenwart auftretenden ökonomischen Auswirkungen der Einheitswährung analysiert. Im letzten Kapitel wird abschließend ein Fazit zu den zuvor behandelten ökonomischen Auswir- kungen des Euro gezogen.

2 Theoretische Grundlagen der Wechselkursregime

Als Wechselkurs wird das Umtauschverhältnis zwischen zwei Währungen be- zeichnet.3 Die Angabe eines Wechselkurses erfolgt in der Preis- oder in der Mengennotierung. Die Preisnotierung gibt an, wie viele inländische Geldeinhei- ten eine ausländische Währungseinheit kostet: 1 US-Dollar kostet 0,80 Euro. Die Mengennotierung gibt umgekehrt an, wie viele ausländische Geldeinheiten eine inländische Währungseinheit kostet: 1 Euro kostet 1,24 US-Dollar.4

2.1 Flexible Wechselkurse

Beim rein flexiblen Wechselkurs (engl. Floating) greifen die Zentralbanken nicht in die Wechselkursbildung ein. Der Wechselkurs wird einzig von Angebot und Nachfrage nach der inländischen und ausländischen Währung (Devisen) be- stimmt.5 Die wesentlichen Einflussfaktoren auf Angebot und Nachfrage sind:6

- Die Leistungsbilanz eines Landes:

Hat ein Staat ein Exportüberschuss, findet eine Aufwertung der inländischen Währung statt. Umgekehrt findet bei einem Überhang an Importen eine Abwertung der inländischen Währung statt.

- Staatliche Budgetdefizite:

Ein erhöhter Kreditbedarf eines Staates führt zu einem Zinsanstieg und somit zu einer Aufwertung der heimischen Währung, da die erhöhten Zinsen attraktiv für ausländische Kapitalanleger sind und es dadurch

Nettokapitalimporte gibt. Umgekehrt führt eine Zinssenkung aufgrund ei- nes Budgetüberschusses zu einer Abwertung der heimischen Währung.

- Die relative Position eines Landes im internationalen Konjunkturzyklus.
- Die Nominalzinsdifferenz zum Ausland:

Der Anstieg des inländischen Zinssatzes führt bei gleichbleibendem ausländischem Zinssatz zu einer Aufwertung der inländischen Währung - der Wechselkurs nimmt somit ab.7

- Die Attraktivität einer Währung für ausländische Investoren (subjektive Wahrnehmung).

Auf- und Abwertungen einer Währung bewirken einen Ausgleich der Leistungsbilanz eines Landes. Somit werden unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen zweier Länder über den Wechselkurs ausgeglichen.8

2.2 Feste Wechselkurse

Von festen Wechselkursen spricht man, wenn der Wechselkurs zwischen zwei Währungen von den Zentralbanken fixiert ist und es ein festgelegtes Um- tauschverhältnis gibt.9 Die Länder einigen sich in diesem System auf einen be- stimmten Leitkurs oder eine Leitwährung. Um diesen Leitkurs können sich die Währungen der Staaten in einer festgelegten Bandbreite bewegen. Droht eine Währung aus dem Zielkorridor auszubrechen, besteht eine Interventionspflicht der Zentralbanken.10 Steigt beispielsweise die Geldnachfrage nach inländischer Währung, würde dies in einem System flexibler Wechselkurse zu einem Anstieg des inländischen Zinssatzes und somit zu einer Aufwertung der inländischen Währung führen. Dies ist in einem System fester Wechselkurse allerdings nicht möglich, sonst würde die Währung aus dem Zielkorridor ausbrechen. Aufgrund dessen passen die Zentralbanken den Wechselkurs mit Hilfe der Geldmengen- steuerung an.11

2.3 Einheitswährung

Die Extremform des Systems der festen Wechselkurse ist die Einheitswährung. Die Wechselkurse werden unwiderruflich fixiert Währungsunion gegründet. Die Geldpolitik wird an eine gemeinsame Zentralbank übertragen, welche die Preisniveaustabilität gewährleisten soll.12 Die Voraussetzung für eine stabile Einheitswährung ist ein optimaler Währungsraum. Gemäß Mundell gibt es zwei Bedingungen, welche eine Gruppe von Ländern für einen optimalen Währungsraum erfüllen sollte:13

1) Die Länder sollten ähnlichen wirtschaftlichen Schocks ausgesetzt sein - somit ist eine ähnliche Geldpolitik gewährleistet.
2) Wenn dies nicht zutrifft, sollten die Länder einen hohen Grad an Fak- tormobilität aufweisen. Das heißt, die Arbeitskräfte eines Landes, wel- ches sich in einer schlechten wirtschaftlichen Situation befindet, sollten bereit sein, zeitnah in ein Land zu gehen, in dem sich die Volkswirtschaft in einem Boom befindet. Dadurch gibt es keine erhöhte Arbeitslosigkeit, keine Veränderung der Inflation und somit keine Zinsänderung innerhalb des „schlechteren“ Landes.14

3 Ökonomische Auswirkungen einer Währungsunion

In einer Währungsunion gibt es keine Möglichkeit der Zinssteuerung für die Zentralbanken der einzelnen Länder. Für eine gemeinsame Währung sollte der Zinssatz in allen Mitgliedsländern gleich sein.15 Dieser wird von einer gemein- samen Zentralbank festgelegt und gilt für alle Länder. Die einzelnen Staaten können also keine Abwertung ihrer Währung beeinflussen, um beispielsweise schneller aus einer Rezession zu kommen. Zwei wichtige Instrumente der Geldpolitik stehen den Ländern einer Währungsunion also nicht zur Verfü- gung.16

Mittelfristig gibt es allerdings indirekte Auf- oder Abwertungen durch eine An- passung des relativen Preisniveaus zwischen den einzelnen Staaten, wodurch sich die inländische Güternachfrage verändert. Der nominale Wechselkurs bleibt gleich, der reale Wechselkurs passt sich jedoch im Laufe der Zeit an.17 Als positive Folgen einer Einheitswährung können folgende Aspekte genannt werden:

- Es gibt kein Risiko der Kursschwankungen (bei flexiblen Wechselkursen können die Wechselkursschwankungen sehr volatil sein).18 x Sicherheit im internationalen Handel.19
- Niedrige Transaktionskosten (keine Umtauschkosten).20
- Beseitigung einer Preisdifferenzierung: Es gibt eine bessere Preistrans- parenz, da die Umrechnung entfällt. Die Nachfrager kaufen Güter dort ein, wo sie billiger sind. Durch die hohe Nachfrage steigen die Preise an diesen Orten an. Dadurch passen sich die Preise langfristig innerhalb der Währungsunion an.21

3.1 Ursachen einer Instabilität der Einheitswährung

Zu einer Instabilität einer Einheitswährung kann es kommen, wenn in den Ländern der Währungsunion kein optimaler Währungsraum vorliegt. Wenn die einzelnen Länder unterschiedlichen wirtschaftlichen Schocks ausgesetzt sind, gibt es unterschiedliche Anforderungen der Zinssteuerung.22 Diese ist jedoch in einer Währungsunion nicht möglich. Dies lässt sich nur durch eine hohe Faktormobilität ausgleichen. Wenn es jedoch keine Mobilität des Faktors Arbeit gibt, kann es in einer Rezession eines Landes zu einer hohen Arbeitslosigkeit kommen, welche eine hohe Inflationsrate verursacht.23 Der Zinssatz müsste somit gesenkt werden, um die Währung abzuwerten.

Um dem entgegenzuwirken, sollte eine Harmonisierung der Stabilitätspolitik der Mitgliedsländer der Währungsunion stattfinden, um die Inflationsraten der ein- zelnen Staaten aneinander anzupassen. Dies bedeutet, dass die Defizitländer eine höhere Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen, um eine Stabilisierung der Währung zu erreichen.24

3.2 Eingriffsmöglichkeiten der Zentralbank

In einer Währungsunion gewährleistet die Zentralbank die Stabilität der Währung. Als Anpassungsinstrument steht der Zentralbank die Geldmengensteuerung zur Verfügung.

Bei einem Aufwertungsdruck der Währung entgegnet die Zentralbank der ge- stiegenen Geldnachfrage durch eine Ausweitung der Geldmenge.25 Die Fiskalpolitik ist mit fixen Wechselkursen oder einer Einheitswährung effekti- ver als in einem System flexibler Wechselkurse. Mit dem IS-LM-Modell von Keynes kann dies veranschaulicht werden (siehe Abb. 1). Die IS-Kurve stellt das Gütermarktgleichgewicht dar und die LM-Kurve das Geldmarktgleichge- wicht.26

Bei einer expansiven Fiskalpolitik verschiebt sich die IS-Kurve nach rechts (neue Position: IS‘). Dadurch bildet sich ein neues Gleichgewicht (Punkt B). Es gäbe bei flexiblen Wechselkursen eine Erhöhung des Zinssatzes und somit eine Aufwertung der inländischen Währung. Bei einer Einheitswährung ist dies nicht möglich, da der inländische und der ausländische Zinssatz innerhalb der Wäh- rungsunion gleich sind. Daher weitet die Zentralbank die Geldmenge aus, wodurch sich die LM-Kurve nach rechts verschiebt und sich ein neues Gleich- gewicht (Punkt C) bildet. Das Gleichgewicht bewegt sich also von Punkt A nach Punkt C. Der Zinssatz und der Wechselkurs bleiben gleich, es gibt allerdings eine erhöhte Produktion YC. Eine expansive Fiskalpolitik ist somit unter festen als unter flexiblen.27

[...]


1 Vgl. SPIEGEL ONLINE: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/spanien-und-zypern-euro- krise-laesst-kurse-an-boersen-fallen-a-840888.html, Abruf am 26.06.2012, 18:50 Uhr.

2 Vgl. Burritt, C.: http://www.welt.de/newsticker/bloomberg/article107270909/Unternehmen-weltweit- senken-Gewinnprognosen-wegen-Eurokrise.html, Abruf am 26.06.2012, 19:00 Uhr.

3 Vgl. Rübel, G. (2009), S. 53.

4 Vgl. Wildmann, L. (2010), S. 203.

5 Vgl. Dorn, D., Fischbach, R., Letzner, V. (2010), S. 230f.

6 Vgl. Caspers, R. (2002), S. 55ff.

7 Vgl. Blanchard, I., Illing, G. (2004), S. 581.

8 Vgl. Kampmann, R., Walter, J. (2010), S. 225f.

9 Vgl. Samuelsen, P.A., Nordhaus, W.D. (2010), S. 819.

10 Vgl. Kampmann, R., Walter, J. (2010), S. 237f.

11 Vgl. Blanchard, I., Illing, G. (2004), S. 593.

12 Vgl. Kampmann, R., Walter, J. (2010), S. 240.

13 Vgl. Blanchard, I., Illing, G. (2004), S. 623.

14 Vgl. Mankiw, N.G., Taylor, M.P. (2008), S. 929.

15 Vgl. Blanchard, I., Illing, G. (2004), S. 593.

16 Vgl. Blanchard, I., Illing, G. (2004), S. 604.

17 Vgl. Blanchard, I., Illing, G. (2004), S. 605ff.

18 Vgl. Caspers, R. (2002), S. 151.

19 Vgl. Dorn, D., Fischbach, R., Letzner, V. (2010), S. 234.

20 Vgl. Blanchard, I., Illing, G. (2004), S. 624.

21 Vgl. Mankiw, N.G., Taylor, M.P. (2008), S. 922.

22 Vgl. Mankiw, N.G., Taylor, M.P. (2008), S. 931.

23 Vgl. Caspers, R. (2002), S. 152.

24 Vgl. Caspers, R. (2002), S. 152.

25 Vgl. Blanchard, I., Illing, G. (2004), S. 595.

26 Vgl. Welfens, P.J.J. (2010), S. 283-287.

27 Vgl. Blanchard, I., Illing, G. (2004), S. 594f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Ökonomische Folgen einer Einheitswährung
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management Essen, Standort Duisburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V208293
ISBN (eBook)
9783656357056
ISBN (Buch)
9783656358848
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Euro, Einheitswährung, Ökonomische Folgen
Arbeit zitieren
Bettina Walczyk (Autor), 2012, Ökonomische Folgen einer Einheitswährung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208293

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