Die vielfältigen Wandlungsprozesse in der ehemaligen DDR stellten sich für die betroffenen Menschen als ein „[…] Bündel von in Breite und Tiefe nahezu alle Lebensbereiche erfassenden und verändernden Vorgängen von nicht absehbarer Dauer dar“. Unter den zahlreichen Transformationsprozessen, die im Zuge der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern stattgefunden haben, sind diejenigen, die das Bildungssystem betreffen, von großer Bedeutung. Der Begriff der Transformation grenzt sich dabei von einem herkömmlichen Begriff des strukturellen Wandels dahingehend ab, dass sie mit einer definierten Zielvorgabe in Gang gesetzt wird, dass sie politisch geplant wird, dass sie „zurückgestauten“ strukturellen Wandel beschleunigt nachholt und dass sie alle gesellschaftlichen Bereiche umfasst.
Zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung soll diese Arbeit einen Beitrag dazu leisten, eine Bilanz über die bildungspolitischen Strukturveränderungen und ihre Auswirkungen auf die Leistungen des Bildungssystems zu ziehen.
Mit der Wiedervereinigung ergab sich für eine gesamtdeutsche Bildungsstatistik ein Vergleichsproblem, da sich die beiden Systeme in den 40 Jahren des Getrenntseins deutlich auseinander entwickelten. Dabei bestehen vielfältige Äquivalenzprobleme hinsichtlich der Vergleichbarkeit von formalen Bildungsabschlüssen. Diese betreffen beispielsweise die curriculare Ebene und den gesamten Aufbau des Berufsbildungssystems. Trotz dieser Schwierigkeiten soll es gelingen, wenn auch mit Einschränkungen, die unterschiedlichen Bildungssysteme der DDR und der neuen Bundesländer (NBL) zu skizzieren, um sie anschließend gegenüberzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Bildungssystem der DDR
2.1. Die Kinderkrippe
2.2. Der Kindergarten
2.3. Das allgemeinbildende Schulwesen
2.3.1. Die Polytechnische Oberschule (POS)
2.3.2. Die Erweiterte Oberschule (EOS)
2.4. Die berufliche Ausbildung
2.5. Der tertiäre Bildungsbereich
2.5.1. Hochschulen und Universitäten
2.5.2. Ingenieur- und Fachschulen
3. Die Strukturen des Bildungssystems in den neuen Bundesländern
3.1. Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege
3.2. Das allgemeinbildende Schulwesen
3.2.1. Die Grundschule
3.2.2. Schularten mit mehreren Bildungsgängen in der Sekundarstufe I
3.2.2.1. Der Hauptschulabschluss
3.2.2.2. Die Mittlere Reife
3.2.3. Die Voraussetzungen eines FORQ Abschlusses in Brandenburg als stellvertretendes Beispiel für die NBL
3.2.4. Die Gesamtschule
3.2.5. Das Gymnasium
3.2.6. Weitere Schularten in der Sekundarstufe II
3.2.6.1. Die Fachhochschulreife
3.2.6.2. Die Fachgebundene Hochschulreife
3.2.6.3. Die Allgemeine Hochschulreife
3.3. Die berufliche Bildung
3.4. Der tertiäre Bildungsbereich
3.4.1. Universitäten
3.4.2. Fachhochschulen
3.4.3. Berufsakademien
4. Zusammenfassender Vergleich der Bildungssysteme
4.1. Der Elementarbereich
4.2. Der Primarbereich
4.3. Der Sekundarbereich
4.4. Der tertiäre Bildungsbereich
5. Indikatorengestützter Vergleich der Bildungssysteme
5.1. Bildungsausgaben
5.1.1. Bildungsausgaben in der DDR
5.1.2. Bildungsausgaben in den neuen Bundesländern
5.1.3. Zusammenfassender Vergleich der Bildungsausgaben
5.2. Bildungsstand der Bevölkerung
5.2.1. Bildungsstand in der DDR:
5.2.2. Bildungsstand in den neuen Bundesländern
5.2.3. Zusammenfassender Vergleich des Bildungsstandes
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Bildungssysteme der ehemaligen DDR und der neuen Bundesländer (NBL) zu vergleichen, ihre Leistungen zu bewerten und die strukturellen Veränderungen seit der Wiedervereinigung aufzuzeigen.
- Strukturelle Analyse und Vergleich der Bildungssysteme (DDR vs. NBL)
- Untersuchung der Bildungsphasen (Elementar-, Primar-, Sekundar- und tertiärer Bereich)
- Indikatorengestützte Analyse der Bildungsausgaben
- Bewertung des Bildungsstandes der Bevölkerung
- Diskussion von Selektionsmechanismen und Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
2.5.1. Hochschulen und Universitäten
Auf dem Gebiet der späteren DDR bestanden im Jahr 1939 16 Hochschulen. Durch die Gründung neuer Hochschulen und die Rangerhöhung bisheriger Ingenieurschulen, stieg die Zahl bis in die späten 60er Jahre auf 54 Hochschulen und Universitäten. Voraussetzung für ein Studium an einer Universität oder Hochschule war die Hochschulreife. Wie diese erlangt werden konnte, ist in den Kapiteln 2.3.2 nachzulesen. Die Auswahl der Studienbewerber erfolgte anhand der errechneten Abiturdurchschnittsnote und einer Eignungsprüfung. Die Anträge auf Zulassung zum Studium waren über den Direktor der Schule bzw. der Kaderabteilung des Betriebes an die Hochschule zu richten und waren nur für eine Studienrichtung und eine Hochschule möglich. Neben dem Nachweis der Hochschulreife waren außerdem folgende Prämissen zu erfüllen: die aktive Gestaltung und Mitwirkung an der sozialistischen Gesellschaft sowie die „Bereitschaft zur Verteidigung des Sozialismus“. Außerdem waren hohe fachliche Leistungen und das Streben dieses Wissen zu vervollkommnen von Bedeutung. Weiterhin war es unentbehrlich, nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums ein Arbeitsverhältnis entsprechend der „Absolventenordnung“ aufzunehmen. Dadurch war die Zulassung zum Studium an sehr viele Voraussetzungen gebunden und verlangte den Bewerbern ein hohes Maß an Loyalität dem Staat und dessen Ideologie gegenüber ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Transformation des ostdeutschen Bildungssystems nach der Wiedervereinigung und definiert die Zielsetzung eines Leistungsvergleichs der Systeme.
2. Das Bildungssystem der DDR: Das Kapitel beschreibt das einheitliche, zentralistische sozialistische Bildungssystem der DDR, von der Kinderkrippe bis zur Hochschule.
3. Die Strukturen des Bildungssystems in den neuen Bundesländern: Hier werden die nach der Wiedervereinigung neu eingeführten gegliederten Bildungsstrukturen in den fünf NBL detailliert erläutert.
4. Zusammenfassender Vergleich der Bildungssysteme: Dieses Kapitel stellt die Systeme in Tabellenform gegenüber, um Analogien und Unterschiede in den verschiedenen Bildungsbereichen zu verdeutlichen.
5. Indikatorengestützter Vergleich der Bildungssysteme: Die Arbeit nutzt Bildungsausgaben und den Bildungsstand der Bevölkerung als Kennzahlen für eine indikatorengestützte Analyse der Bildungserfolge.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit wägt Vor- und Nachteile beider Systeme ab und diskutiert, ob bestimmte DDR-Strukturen auch für heutige Herausforderungen Anregungen bieten könnten.
Schlüsselwörter
DDR, neue Bundesländer, Bildungssystem, Transformation, Einheitsschule, Bildungsabschluss, Bildungsmonitoring, Bildungsausgaben, Schulselektion, Hochschulreife, Berufsausbildung, polytechnische Oberschule, Bildungsstand, Bildungsberichterstattung, Vergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich der Bildungsstrukturen der ehemaligen DDR und der neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Bildungsphasen (Elementar-, Primar-, Sekundar- und tertiärer Bereich), die Bildungsausgaben sowie den Bildungsstand der Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein Leistungsvergleich der beiden Bildungssysteme sowie eine kritische Bewertung der strukturellen Veränderungen, die durch die Wiedervereinigung initiiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine indikatorengestützte Analyse, wobei insbesondere Daten der Bildungsberichterstattung und des Bildungsmonitorings herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der DDR-Strukturen, die Darstellung der neuen Systeme in den Bundesländern sowie einen systematischen Vergleich dieser Systeme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Transformation, Einheitsschule, Bildungsmonitoring, Bildungsausgaben, Hochschulzugangsberechtigung und Vergleichbarkeit von Abschlüssen.
Wie unterscheidet sich der Zugang zum Studium zwischen DDR und NBL?
In der DDR war der Zugang stark reglementiert und an Systemloyalität gebunden, während in den NBL leistungsbezogene Auswahlkriterien dominieren, wenngleich soziale Herkunft weiterhin eine Rolle spielt.
Welche Rolle spielte der polytechnische Unterricht in der DDR?
Er war ein verpflichtender Bestandteil der Allgemeinbildung und zielte darauf ab, Theorie und produktive Arbeit zu verbinden, was eine frühzeitige berufliche Vorbildung sicherstellte.
Warum wird im Fazit ein Vergleich mit Finnland gezogen?
Finnland gilt als PISA-Sieger und hat sich in den 70er Jahren maßgeblich am DDR-Einheitsschulsystem orientiert, was die Autorin zur Diskussion anregt, ob Reformen in Deutschland voreilig waren.
- Citar trabajo
- Bachelor of Arts Erziehungswissenschaft Carolin Howold (Autor), 2010, DDR und neue Bundesländer: Bildungsstrukturen im Vergleich , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208380