In seinem Jahresgutachten konstatiert der Sachverständigenrat (SVR) im Jahr 2002: „Bei den Verhandlungen über den Betritt der mittel- und osteuropäischen Länder zur Europäischen Union gehört die Gemeinsame Agrarpolitik zu den schwierigsten und konfliktbeladensten Bereichen.“1
Die Gründe hierfür sind zum einen in der problembeladenen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der jetzigen Europäischen Union (EU-15) zu sehen. Diese ist allein für sich schon extrem reformbedürftig, was unter anderem auch von dem externen Druck herrührt, der von der WTO ausgeht. Zum anderen wirft die Integration der 10 neuen Mitgliedstaaten (NMS) in die GAP der EU-15 viele neue Probleme auf und verstärkt die Wahrnehmung und auch die Dringlichkeit bereits bekannter Probleme.
Vor allem die Problemstellungen, die sich speziell aus der Osterweiterung im Rahmen der GAP ergeben, sollen in dieser Ausarbeitung die zentralen Themen sein. Hierzu kommen wir speziell im Abschnitt 3. Abschnitt 2 beschäftigt sich kurz mit einer Bestandsaufnahme des heutigen Systems der GAP in der EU-15. In Abschnitt 4 werden außerdem noch die entgültigen Beschlüsse der Beitrittsverhandlungen zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gemeinsame Agrarpolitik in der EU-15
3. Gemeinsame Agrarpolitik und EU-Osterweiterung
3.1 Bedeutung der Landwirtschaft für die NMS
3.2 Problemstellungen resultierend aus der Osterweiterung
3.2.1 Problematik der Wettbewerbsfähigkeit
3.2.2 WTO-Problematik
3.2.3 Durchsetzbarkeitsprobleme
3.2.4 Wohlfahrtswirkungen
3.2.5 Finanzierungsproblematik
3.2.6 Direktzahlungen
4. Ergebnisse der Beitrittsverhandlungen
5. Chancen nutzen
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) sowie die Analyse der damit verbundenen Herausforderungen für die neuen Mitgliedstaaten. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie eine Integration der neuen Agrarsektoren gelingen kann, ohne die bestehenden Strukturen der EU-15 zu überlasten oder notwendige Reformprozesse zu behindern.
- Analyse des aktuellen Systems der Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU-15.
- Untersuchung der strukturellen Bedeutung der Landwirtschaft in den neuen Mitgliedstaaten.
- Identifikation zentraler Problemstellungen wie Wettbewerbsfähigkeit, WTO-Konformität und Finanzierungsrisiken.
- Bewertung der erzielten Ergebnisse der Beitrittsverhandlungen und deren Auswirkungen auf die Agrarstruktur.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Problematik der Wettbewerbsfähigkeit
Wenn man die in Abschnitt 3.1 kurz angerissene Situation in den Beitrittsländern betrachtet, zwingt sich einem die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit des dortigen Agrarsektors auf.
Die Löhne für Arbeitskräfte in der Landwirtschaft in den NMS liegen deutlich unter denen in der EU-15. 1998 betrugen sie nur 10 – 20 % des Lohnniveaus der alten Mitgliedstaaten. Die Erzeugerpreise hatten sich im gleichen Zeitraum dahingegen bereits stärker dem EU Niveau angenähert. Für pflanzliche Erzeugnisse lagen sie bei 45 – 95 % und für tierische Erzeugnisse bei 60 – 80 % des Niveaus der EU-15. Nach der Erweiterung im Jahr 2004 werden sich die Erzeugerpreise wahrscheinlich weiter zügig angleichen. Die Löhne jedoch, werden aller Voraussicht nach noch längere Zeit deutlich unter denen in der EU-15 liegen. Diese geringen Lohnkosten und zusätzlich noch die großzügige Ausstattung mit landwirtschaftlicher Nutzfläche sind Wettbewerbsvorteile für die Beitrittsländer, der auch von den hiesigen Bauern stark gefürchtet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten bei den Beitrittsverhandlungen der mittel- und osteuropäischen Länder aufgrund der bereits reformbedürftigen Gemeinsamen Agrarpolitik der EU-15.
2. Gemeinsame Agrarpolitik in der EU-15: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den EU-Agrarhaushalt und zeigt die historische Entwicklung der GAP sowie deren ökonomische Auswirkungen auf.
3. Gemeinsame Agrarpolitik und EU-Osterweiterung: Der Hauptteil analysiert die unterschiedliche Bedeutung der Landwirtschaft in den Beitrittsländern und arbeitet spezifische Problemfelder wie Wettbewerb, WTO-Druck, Verwaltung und Finanzierung auf.
4. Ergebnisse der Beitrittsverhandlungen: Hier werden die konkreten Beschlüsse des Kopenhagener Gipfels zur stufenweisen Einführung von Direktzahlungen und zur Förderung der ländlichen Entwicklung zusammengefasst.
5. Chancen nutzen: Das Fazit bewertet die Chancen der Osterweiterung als Anstoß für eine grundlegende Reform der Agrarpolitik und betont die Notwendigkeit einer nachhaltigen, bäuerlichen Landwirtschaft.
Schlüsselwörter
Gemeinsame Agrarpolitik, GAP, EU-Osterweiterung, Agrarstruktur, Wettbewerbsfähigkeit, Direktzahlungen, WTO, Transformation, Landwirtschaft, Beitrittsverhandlungen, Wohlfahrtseffekte, Finanzierungsproblematik, Agrarhaushalt, Reformbedarf, NMS.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Integration der mittel- und osteuropäischen Staaten in die Gemeinsame Agrarpolitik der EU.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Agrarstruktur der neuen Mitgliedstaaten, die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors, Finanzierungsfragen und die ordnungspolitischen Herausforderungen für die EU.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die neuen Mitgliedstaaten trotz struktureller Unterschiede in die GAP eingegliedert werden können, ohne die Effizienz der Agrarpolitik weiter zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine deskriptive Analyse, die auf Datenmaterial von EU-Kommission, OECD, SVR und verschiedenen agrarwissenschaftlichen Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Bestandsaufnahme des Agrarsektors in den NMS, analysiert Hindernisse wie unklare Besitzverhältnisse und behandelt spezifische Risiken bezüglich WTO-Regelungen und Durchsetzbarkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gemeinsame Agrarpolitik, EU-Osterweiterung, Wettbewerbsfähigkeit, Direktzahlungen und Strukturwandel.
Warum ist die Wettbewerbsfähigkeit der NMS laut Autor ambivalent?
Obwohl niedrige Lohnkosten und hohe Flächenausstattung Vorteile bieten, verhindern mangelnde Kapitalausstattung, technischer Rückstand und Qualitätsdefizite eine unmittelbare Wettbewerbsfähigkeit auf EU-Niveau.
Welche Rolle spielen die "Direktzahlungen" in der Argumentation?
Sie werden als zentraler und zugleich problematischer Reformpunkt diskutiert, da sie einerseits Einkommen sichern sollen, andererseits aber Fehlanreize schaffen und den notwendigen Strukturwandel hemmen können.
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- Arne Ahrens (Author), 2003, Gemeinsame Argrarpolitik nach der EU-Osterweiterung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20875