Ein Vorurteil beschreibt „Eine abwertende Einstellung oder Antipathie gegenüber bestimmten sozialen Gruppen oder ihren Mitgliedern“ (Stroebe & Hewstone, 2007, S. 489), kann aber auch positiv gemeint sein. Da jedoch die Meisten mit dem Begriff ‚Vorurteil‘ etwas Negatives assoziieren, ist in dieser Arbeit das Wort ‚Vorurteil‘ auch stets negativ konnotiert.
Wirft man einen Blick in unsere Gesellschaft, so wird ersichtlich, dass Vorurteile gegenüber den unterschiedlichsten sozialen Gruppen existieren. So herrschen z.B. Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit schwarzer Hautfarbe, bestimmten Studiengängen bzw. Berufszweigen u.v.m.
M.E. ist es so, dass viele Menschen gar nichts bzw. nur sehr wenig mit denjenigen persönlich zu tun haben, über die sie negative vorgefasste Meinungen hegen. Die Vorurteile entstehen meiner Meinung nach auch häufig dadurch, dass Medien über schlechtes Verhalten einer bestimmten Gruppe berichten, so z.B. über türkische U- Bahn- Schläger. Dies stellt m.E. einen Grund dafür da, dass Menschen Vorurteile gegenüber türkischen Mitmenschen entwickeln. Ist dies einmal geschehen, so ist es sehr schwer und oft sogar unerreichbar für einzelne türkische Menschen, sich in unser Leben zu integrieren. Denn wir gehen dann auf einzelne Zugehörige der vorurteilsbelasteten Gruppe mit einer Generalisierung zu und nehmen nicht wahr, dass sich diese Individuen - trotz der Zugehörigkeit - von der Gruppe unterscheiden können (ebd.).
Im Verlauf dieser Arbeit soll auf das Vorurteil im Arbeitsfeld der Schulsozialpädagogik eingegangen werden: ‚Deutsche Schüler halten ihre Klassenkameraden mit Migrationshintergrund für dumm‘.
Nachdem das Arbeitsfeld der Schulsozialpädagogik benannt und das Vorurteil erläutert wurde, werden zwei Erklärungsansätze für dieses Vorurteil dargestellt, sowie Präventions- bzw. Interventionsmaßnahmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Arbeitsfeld der Schulsozialpädagogik
3. Vorurteil: ‚Deutsche Schüler halten ihre Klassenkameraden mit Migrationshintergrund für dumm‘
3.1 Erklärungsansätze
3.1.1 Kognitiver und sozialkognitiver Ansatz
3.1.2 Motivationale Ansätze
3.2 Interventions –und Präventionsmaßnahmen
3.2.1 Die Kontakthypothese
3.2.2 PARTS- Programm zur Förderung von Akzeptanz, Respekt, Toleranz und sozialer Kompetenz
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und der präventiven sowie interventiven Bearbeitung des Vorurteils, dass deutsche Schüler ihre Mitschüler mit Migrationshintergrund für dumm halten, wobei der Fokus auf den Möglichkeiten der Schulsozialpädagogik liegt.
- Psychologische Erklärungsansätze für die Entstehung von Vorurteilen bei Kindern
- Die Rolle der Schulsozialpädagogik im institutionellen Kontext
- Die Kontakthypothese als Interventionsgrundlage
- Das Präventionsprogramm PARTS zur Förderung sozialer Kompetenzen
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Die Kontakthypothese
Diese geht davon aus, dass Vorurteile, welche innerhalb zweier oder mehrerer unterschiedlicher Gruppen übereinander existieren durch einen Kontakt dieser Gruppen vermindert oder sogar komplett aufgehoben werden können. Allport formulierte für einen erfolgreichen Ablauf des Intergruppenkontaktes folgende Voraussetzungen, die während des Zusammentreffens gelten müssen: die Mitglieder der unterschiedlichen Gruppen müssen alle gleichberechtigt sein, keine darf also als besser dargestellt werden als die andere. Außerdem sollen den Parteien gemeinsame Ziele gesteckt werden, welche die Kooperation und Zusammenarbeit der Gruppen erfordern. Auch muss unbedingt darauf geachtet werden, dass unter den Gruppen kein Wettstreit herrscht bzw. entsteht, denn dadurch würde meiner Meinung nach nur unnötiger Ballast bei den unterschiedlichen Parteien entstehen, welcher den harmonisch gedachten Ablauf nur beschweren und evtl. sogar wieder zurückwerfen würde. Desweiteren soll der Intergruppenkontakt durch Regeln in einem gewissen Maße vorgegeben werden, diese dienen aber auch dazu, den friedlichen und zweckvollen Ablauf zu unterstützen und sicherzustellen.
Dies soll ebenfalls von den Leitern des Zusammentreffens gefördert werden. Deren Aufgabe liegt überdies darin, die einzelnen Teilnehmer zu unterstützen, zu motivieren und über auftretende Schwierigkeiten hinweg zu helfen (Stroebe & Hewstone, 2007).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Blockseminar ein, definiert den Begriff des Vorurteils und grenzt die Fragestellung auf das spezifische Vorurteil im schulischen Kontext ein.
2. Das Arbeitsfeld der Schulsozialpädagogik: Dieses Kapitel erläutert die Rolle der Schulsozialpädagogik als Vermittler zwischen Schülern, Lehrern und Eltern sowie deren Aufgaben bei der Förderung sozialer Kompetenzen.
3. Vorurteil: ‚Deutsche Schüler halten ihre Klassenkameraden mit Migrationshintergrund für dumm‘: Das Hauptkapitel analysiert das gewählte Vorurteil unter Einbeziehung kognitiver und motivationaler Erklärungsmodelle sowie konkreter Interventionsansätze.
3.1 Erklärungsansätze: Hier werden theoretische Gründe für die Entstehung von Vorurteilen bei Kindern dargelegt, insbesondere unter Betrachtung kognitiver Entwicklungsschritte und sozialer Identität.
3.1.1 Kognitiver und sozialkognitiver Ansatz: Es wird untersucht, wie kognitive Fähigkeiten und Kategorisierungsprozesse zur Bildung von Stereotypen und Vorurteilen bei Kindern beitragen.
3.1.2 Motivationale Ansätze: Dieses Kapitel beleuchtet, wie soziale Identität und die Abwertung von Fremdgruppen zur Festigung von Vorurteilen in Schulklassen beitragen.
3.2 Interventions –und Präventionsmaßnahmen: Das Kapitel stellt Methoden vor, wie die Schulsozialpädagogik aktiv gegen Vorurteile im schulischen Alltag vorgehen kann.
3.2.1 Die Kontakthypothese: Die Theorie nach Allport wird als Mittel vorgestellt, um durch strukturierten Intergruppenkontakt Vorurteile abzubauen.
3.2.2 PARTS- Programm zur Förderung von Akzeptanz, Respekt, Toleranz und sozialer Kompetenz: Das Präventionsprogramm wird als pädagogisches Werkzeug zur frühzeitigen Förderung von Akzeptanz und Empathie bei Grundschulkindern beschrieben.
4. Schluss: Der Schluss reflektiert die persönliche Lernentwicklung der Autorin im Seminar und betont die Notwendigkeit des professionellen Umgangs mit Vorurteilen in pädagogischen Berufen.
Schlüsselwörter
Schulsozialpädagogik, Vorurteile, Migrationshintergrund, Diskriminierung, Interventionsmaßnahmen, Prävention, Kontakthypothese, PARTS-Programm, soziale Kompetenz, Stereotype, kognitive Entwicklung, Identität, Integration, Gruppendynamik, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und der Bearbeitung von Vorurteilen im schulischen Umfeld, insbesondere mit der Abwertung von Mitschülern mit Migrationshintergrund durch deutsche Schüler.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder sind die psychologischen Grundlagen der Vorurteilsbildung bei Kindern, die Rolle der Schulsozialpädagogik als Vermittlungsinstanz und Möglichkeiten der aktiven Prävention und Intervention.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Vorurteile gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund durch gezielte schulsozialpädagogische Maßnahmen wie Kontaktinterventionen oder spezielle Programme abgebaut oder verhindert werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse psychologischer Erklärungsansätze (z.B. kognitive Entwicklungstheorie, soziale Identitätstheorie) und der Evaluierung praktischer Interventionskonzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Vorurteilsbildung bei Kindern sowie die Darstellung konkreter Maßnahmen, wie der Kontakthypothese und dem PARTS-Präventionsprogramm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schulsozialpädagogik, Vorurteilsbildung, Migrationshintergrund, soziale Identität, Kontakthypothese und das PARTS-Programm.
Warum ist das PARTS-Programm für Grundschulen relevant?
Es ist relevant, da es gezielt die sensible Altersphase der kognitiven Entwicklung nutzt, um soziale Kompetenzen wie Empathie und Perspektivenübernahme spielerisch zu fördern und so Vorurteilen entgegenzuwirken.
Wie kann die Kontakthypothese nach Allport in der Praxis angewendet werden?
In der Praxis durch den Schulsozialpädagogen, indem die beteiligten Gruppen (Schüler, Lehrer, Eltern) unter gleichberechtigten Bedingungen und bei Verfolgung gemeinsamer Ziele zusammengeführt werden, um Vorurteile durch gegenseitigen Kontakt abzubauen.
- Citation du texte
- Julia Trebes (Auteur), 2012, Entstehung und Veränderung von Vorurteilen unter Schülern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209211