Morphologie des Spanischen. Die unterschiedliche Verwendung der präfigierten Verneinungspartikel „in-“ und „no“


Hausarbeit, 2008

13 Seiten, Note: 1,0

Alexander Kraus (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zur Definition von Präfix

2. Formale Analyse
2.1 Das Präfix „in-“
2.1.1 Lateinischer Ursprung
2.1.2 Das Präfix und seine Realisierungen
2.2 Das Adverb „no“
2.2.1 Lateinischer Ursprung
2.2.2 Das Adverb und seine Realisierungen

3. Inhaltliche Analyse
3.1 Semantische Negationskategorien
3.1.1 Kontradiktion
3.1.2 Kontrarität
3.1.3 Privation
3.2 Semantische Klassifikation der Präfigierung
3.2.1 Disponibilität in lexikalischen Feldern
3.2.2 Syntaktische Grenzen von „in-“ und „no“

4. Fazit

Bibliographie

1. Zur Definition von Präfix

“A grandes rasgos, la concepción tradicional de la formación de palabras describe la prefijación como un proceso de creación léxica en el que una partícula, de carácter más o menos independiente, según su origen sea prepositivo u otro, se añade en posición anterior a una palabra preexistente, base y núcleo del proceso de creación léxica.”[1]

Diese komplexe Definition eines Präfixes rechnet den Prozess der Präfigierung der Wortbildung zu, der das Lexikon erweitert, indem ein Wortbildungsmorphem einer bestimmten Basis vorangestellt wird. Des Weiteren wird sowohl das Basislexem als auch das Präfix genauer definiert. Das Präfix kann gebunden sein, also nicht ohne eine Basis existieren. Oder es entstammt dem Bereich der Lexik, kann ungebunden vorkommen und andere Funktionen besitzen. Der Versuch ein Präfix genau zu definieren, ist sehr problematisch, da in vielen Fällen ein Präfix im Wort die Funktion einer Präposition erfüllen kann. Rechnet man die Präfigierung der Wortbildung zu, differenziert man nicht zwischen Derivation und Komposition. Wenn das Präfix also die Funktion einer Präposition erfüllt, steht sie näher der Komposition, ist es gebunden, liegt Derivation vor.

Im Folgenden wird das Präfix „in-“ analysiert und in Opposition zum Verneinungspartikel „no“ gesetzt. Fokus der Analyse liegt also auf dem Präfix in seiner Funktion als Negationspräfix, das je nach Kontext und Base verschiedenartig realisiert wird.

2. Formale Analyse

Bevor diese semantischen Beziehungen geklärt werden, ist es notwendig die Verneinungspartikel formal darzustellen, den etymologischen Ursprung zu nennen und anhand von Beispielen aus der Lexik sowohl auf die verschiedenen Realisierungen einzugehen, als auch Unterschiede in der Graphik der präfigierten Wörter aufzuzeigen.

2.1 Das Präfix „in-“

Das Präfix „in-“ zählt nach den Präfixen „des-“ und „dis-“ in seiner Funktion als Verneinungspartikel zu den häufigsten Wortbildungsmorphemen. Das Präfix kann nach erfolgter Derivation das Derivat semantisch modifizieren und den Bedeutungskern bei Adjektiven, Substantiven und Verben erweitern. In Kombination mit einem Suffix in einer so genannten parasynthetischen Ableitung auch die Wortart verändern.

2.1.1 Lateinischer Ursprung

Bei einer diachronischen Betrachtungsweise des Präfixes „in“ ist zunächst von Bedeutung, dass es lateinischen Ursprunges[2] ist und dass etymologisch gesehen die Präposition „in“ vor dem Präfix existierte. Diese haben sich nichtsdestotrotz in gleicher Weise entwickelt. Schon im Vulgärlatein waren Wortbildungen mit „in“ sehr produktiv und haben sich in den Wortschatz des heutigen Spanisch entlehnt.

2.1.2 Das Präfix „in-“ und seine Realisierungen

Auch schon im Lateinischen haben sich Allomorphe, also bestimmte Realisierungen in bestimmten lautlichen Umgebungen des Präfixes „in-“ herausgebildet:

(1) incapaz, indecible, insospechado, indocumentado, inútil, infeliz

(2) imbedible, imposible, imborrable, impagable

(3) ilógico, ilegible, ilegítimo, ilícito

(4) irrepetible, irremediable[3]

Beispiel 1 zeigt das Präfix in seiner normalen lautlichen Umgebung. In den folgenden Beispielen 2,3 und 4 kommt es zu regressiven Assimilationen aufgrund von bilabialen Lauten (Beispiel 2) bzw. Liquiden (Beispiel 3 und 4) am Basenbeginn. In Beispiel 3 geht das <n> verloren, während sich in Beispiel 4 das <r> verdoppelt. Des Weiteren können im Basislexem Unregelmäßigkeiten auftreten, d.h. nach erfolgter Präfigierung fanden in der Sprachgeschichte im Basislexem bestimmte Assimilationen statt, die heute meist in phonetischer Hinsicht die Artikulation des Derivats erleichtern:

(5) escribir → inscibir, evolución → involución, apto → inepto, doliente → indolente[4]

Außerdem zeigt Beispiel 6, dass einige Wörter unterschiedlich assimiliert wurden, deren verschiedene Formen allerdings erhalten blieben und heute synonym gebraucht werden.

(6) noble → ignoble/ignóbil/innoble,

ordenado → inordinado/inordenado4

Die Beispiele demonstrieren, dass das Präfix „in-“ einerseits der Negation des Basislexems dient, andererseits sich hauptsächlich an adjektivische Basen knüpft. Beispiel 7 zeigt, dass das Präfix „in-“ auch Verben modifizieren kann und diese dadurch eine bestimmte Richtung angeben oder auch eine augmentative Wirkung haben können (Beispiel 8).

(7) inducir, impulsar

(8) incrementar

(9) infidelidad, inconstancia, impiedad[5]

(10) pío > impío > impiedad

Auch Substantive können durch Präfigierung verändert werden und geben somit den Mangel des im Basislexem Bezeichneten an (Beispiel 9). Etymologisch gesehen vollzieht sich in den meisten Fällen die Präfigierung über ein Adjektiv, aus dem anschließend mittels Suffigierung ein Nomen entsteht (Beispiel 10). Man spricht hier von einer sekundären Ableitung. Somit ist die Beliebtheit der Kombination Präfix „in-“ und adjektivischer Basis wiederum bewiesen. Somit hat das Präfix in den vorausgehenden Beispielen die Basislexeme immer verändert, aber die Wortart erhalten. Sind am Wortbildungsprozess sowohl Präfigierung als auch Suffigierung beteiligt, spricht man von einer parasynthetischen Ableitung.[6] Einerseits kann das Basislexem nur mit beiden Affixen gleichzeitig eine Verbindung eingehen, andererseits wird hierbei die Wortart durch das Suffix verändert:

(11) insecable → in + seco + able, incansable → in + cansar + able[5]

Die Frage, warum die Bildung von *secable nicht möglich ist, wird in der semantischen Analyse dieser Arbeit näher erläutert.

[...]


[1] Berlanga de Jesús (2000): 193

[2] Alemany Bolufer (1920): 195

[3] Vera-Morales (2004): 752

[4] Carreras (2004): 20

[5] Aliaga López (2001)

[6] Alemany Bolufer (1920): 196

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Morphologie des Spanischen. Die unterschiedliche Verwendung der präfigierten Verneinungspartikel „in-“ und „no“
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V209516
ISBN (eBook)
9783656374572
ISBN (Buch)
9783656375043
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verwendung, verneinungspartikel, morphologie, spanischen
Arbeit zitieren
Alexander Kraus (Autor), 2008, Morphologie des Spanischen. Die unterschiedliche Verwendung der präfigierten Verneinungspartikel „in-“ und „no“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209516

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