Durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologie und die dadurch
verbesserten Interaktionsmöglichkeiten haben Nutzer immer häufiger die Möglichkeiten Produkte nach eigenen, individuellen Wünschen zusammenzustellen. Die genaue Anpassung des Angebots an die Vorstellungen des einzelnen Nutzers ist in der Lage, eine besonders umfassende Bedarfserfüllung zu generieren und somit Entscheidungsprobleme bei der Produktauswahl zu verringern. Die großen Auswahlmöglichkeiten der eingesetzten Produktgeneratoren erzeugen dabei jedoch neue Probleme hinsichtlich der Informationsüberlastung der Konsumenten.
Zielsetzung dieser Arbeit ist es, zunächst eine Aufbereitung der Literatur zum Thema kundenindividuelle Fertigung und Produkt-Konfiguratoren zu liefern. Darüber hinaus sollen die Chancen und Risiken kundenindividueller Fertigung und deren Auswirkungen auf eine mögliche Überlastung der Konsumenten kritisch beurteilt werden. In Verbindung von Literatur- und Internetrecherche sollen unterschiedliche Ansätze der Hersteller kategorisiert werden, mithilfe derer eine mögliche Überlastung bei der Produktzusammenstellung vermindert werden kann. Bei dieser Systematisierung soll der Fokus auf Anbieter der „Online-Umgebung“ gerichtet werden.
Hierzu erfolgt in Kapitel 2 zunächst eine Unterscheidung und Definition der verschiedenen Formen kundenindividueller Fertigung bevor diese in den Kontext des Themas Informationsüberlastung (IÜ) eingeordnet werden. Kapitel 3 setzt sich mit den Chancen und Risiken kundenindividueller Fertigung aus der Sicht der Konsumenten auseinander und reflektiert die Auswirkungen, die diese auf eine „neue“ IÜ ausüben. Im vorletzten Kapitel 4 erfolgt eine Systematisierung von unterschiedlichen Ansätzen der Hersteller in Bezug auf produkt-, system-,anbieter- und kundenbezogene Maßnahmen, die eine mögliche Überlastung bei der Produktzusammenstellung vermindern sollen. Im letzten Kapitel 5 wird ein Resümee gezogen innerhalb dessen Implikationen für Anbieter kundenindividueller Produkte herausgestellt werden, die sich aus dem Kontext der gewonnenen Erkenntnisse ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Veränderungen der Wettbewerbsbedingungen als Kontextfaktor kundenindividueller Fertigung
2 Kundenindividuelle Fertigung im Zusammenhang informationsbezogener Überlastungssituationen des Massenmarktes
2.1 Formen kundenindividueller Fertigung
2.2 Informationsüberlastung auf Massenmärkten
3 Chancen und Risiken kundenindividueller Fertigung aus Konsumentensicht und die „neue“ Informationsüberlastung
3.1 Chancen kundenindividueller Fertigung
3.2 Risiken kundenindividueller Fertigung
3.3 Die „neue“ Informationsüberlastung
4 Ansätze der Hersteller zur Vermeidung möglicher Überlastungsprobleme bei der Produktzusammenstellung
4.1 Produktbezogene Maßnahmen
4.2 Systembezogene Maßnahmen
4.3 Anbieterbezogene Maßnahmen
4.4 Konsumentenbezogene Maßnahmen
5 Resümee und Implikationen für Anbieter
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss kundenindividueller Produkte auf die Entstehung von Informationsüberlastung (IÜ) beim Konsumenten. Ziel ist es, die Chancen und Risiken der kundenindividuellen Fertigung kritisch zu beleuchten und Strategien zu identifizieren, mit denen Online-Anbieter solche Überlastungssituationen während des Konfigurationsprozesses effektiv vermeiden können.
- Analyse der verschiedenen Formen kundenindividueller Fertigung (Varianten-, Einzelfertigung und Mass Customization).
- Untersuchung der "Choice Overload Hypothese" im Kontext moderner Kaufentscheidungen.
- Kritische Gegenüberstellung von Vorteilen (z.B. Nutzensteigerung) und Risiken (z.B. Entscheidungsstress) aus Konsumentensicht.
- Systematisierung von Herstellermaßnahmen in produkt-, system-, anbieter- und konsumentenbezogene Strategien.
- Fallstudien-orientierte Betrachtung anhand der Anbieter "NIKEiD" und "mymuesli".
Auszug aus dem Buch
Die „neue“ Informationsüberlastung
Die vorstehenden Risiken tragen in der Folge dazu bei, dass der Zeitaufwand und die Komplexität des Auswahlprozesses zunehmen, sodass die Informations- und Kommunikationskosten möglicherwiese ein vom Konsumenten anerkennendes Maß überschreiten. Daraus ergibt sich die Gefahr, dass sich der Konsument mit einer neuen IÜ konfrontiert sieht. 88 Zur Bewertung dieser Gefahr können Untersuchungen von Choi und Fishbach herangezogen werden. Diese nehmen eine Unterscheidung zwischen zwei verschiedenen Entscheidungstypen vor, auf welche ein umfassender Auswahlprozess unterschiedliche Auswirkungen ausübt.
Im Sinne einer „Instrumental Choice“ werden durch den Auswahlprozess vorbestehende Konsumziele befriedigt. Die Entscheidung für eine Auswahl liefert hier einen externen Nutzen, der sich aus der Zweckmäßigkeit der ausgewählten Alternative ergibt. Der extrinsisch motivierte Konsument möchte mit seiner getroffenen Auswahl seinen persönlichen Geschmack zum Ausdruck bringen, weshalb er sich mit den verfügbaren Optionen umfassend auseinandersetzt.
Im Gegensatz dazu steht die „Experimential Choice“, bei welcher der Auswahlprozess dem Selbstzweck dient. Sie ist gekennzeichnet durch das Nichtvorhandensein externer Bedürfnisse, weshalb sich der Konsument folglich weniger kritisch mit den zur Auswahl stehenden Alternativen beschäftigt, als dies bei einer „Instrumental Choice“ der Fall ist. Den Nutzen liefert in diesem Fall also der Auswahlprozess an sich (intrinsisch motivierte Konsumenten).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Veränderungen der Wettbewerbsbedingungen als Kontextfaktor kundenindividueller Fertigung: Dieses Kapitel erläutert den Wandel von klassischen Massenmärkten hin zu individualisierten Angeboten aufgrund technologischer Fortschritte und veränderter Kundenwünsche.
2 Kundenindividuelle Fertigung im Zusammenhang informationsbezogener Überlastungssituationen des Massenmarktes: Hier werden die verschiedenen Formen der kundenindividuellen Fertigung definiert und die Choice Overload Hypothese sowie deren Relevanz für Konsumenten diskutiert.
3 Chancen und Risiken kundenindividueller Fertigung aus Konsumentensicht und die „neue“ Informationsüberlastung: Dieses Kapitel stellt eine differenzierte Abwägung der Vor- und Nachteile individueller Produkte gegenüber und analysiert den Zielkonflikt zwischen verschiedenen Motivationstypen bei der Produktauswahl.
4 Ansätze der Hersteller zur Vermeidung möglicher Überlastungsprobleme bei der Produktzusammenstellung: Hier werden konkrete Maßnahmen von Online-Anbietern in vier Kategorien systematisiert, um die Komplexität und den Entscheidungsstress für Kunden zu reduzieren.
5 Resümee und Implikationen für Anbieter: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und leitet Handlungsempfehlungen für Unternehmen ab, um Kunden durch Hilfestellungen im Konfigurationsprozess zu binden.
Schlüsselwörter
Mass Customization, Informationsüberlastung, Choice Overload, Konsumentenverhalten, Produkt-Konfigurator, Individualisierung, Kundenbindung, Online-Handel, Principal-Agent-Theorie, Entscheidungspsychologie, Kundenorientierung, Prozessqualität, Nutzwertanalyse, Vertrauensbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht, wie sich die verstärkte Möglichkeit der kundenindividuellen Fertigung von Produkten auf die Informationsverarbeitung des Konsumenten auswirkt und ob dabei ein Überlastungsphänomen auftritt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten der Mass Customization, der psychologischen Wirkung von Auswahlmöglichkeiten (Choice Overload) sowie den Strategien, mit denen Unternehmen ihre Kunden bei komplexen Entscheidungsprozessen unterstützen können.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Chancen und Risiken, die mit kundenindividuellen Produkten einhergehen, und untersucht, wie Hersteller eine drohende "neue" Informationsüberlastung durch gezielte Maßnahmen im Rahmen der Produktzusammenstellung minimieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturrecherche sowie einer Internetrecherche zur Systematisierung von Best-Practice-Beispielen (insbesondere NIKEiD und mymuesli) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen verschiedener Individualisierungsformen, die Vor- und Nachteile für Konsumenten sowie eine Kategorisierung von Herstellerstrategien in produkt-, system-, anbieter- und konsumentenbezogene Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Mass Customization, Informationsüberlastung, Choice Overload, Kundenentscheidung und Konfigurationsmanagement.
Welche Rolle spielt die "Instrumental Choice" bei der Kaufentscheidung?
Die "Instrumental Choice" bezeichnet eine Entscheidung, bei der ein vorbestehendes Konsumziel verfolgt wird. Da dies extrinsisch motivierte Konsumenten sind, empfinden sie einen zu komplexen Auswahlprozess häufig als lästige Pflicht, was das Risiko für Informationsüberlastung erhöht.
Wie unterscheidet sich die Online-Umgebung aus Sicht des Autors?
Online-Umgebungen ermöglichen durch interaktive Tools, Feedback-Mechanismen und eine gewisse Anonymität den Aufbau von Kompetenzen, was die psychologischen Fehlerkosten im Vergleich zur "Offline-Umgebung" senken kann.
- Quote paper
- Philipp Paulus (Author), 2012, Der Einfluss kundenindividueller Produkte auf eine Informationsüberlastung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209593