Dieser Aufsatz baut auf dem langfristigen Forschungsprojekt „Berufsbildende Hochschule“ auf. Ein Paradigmenwechsel im tertiären Bildungswesen findet national, europäisch und international zunehmend im 21. Jahrhundert statt. In den 1990er Jahren entstehen, die aus Deutschland kommenden Fachhochschulen in Österreich. Der Bologna-Prozess ist auch dafür verantwortlich, dass zunehmend eine Aufwertung der Berufsbildenden Höheren Schulen erforderlich wird. Die Wirtschafts- und Praxisnähe dieser hierarchisch akademisch-tertiär aufgewerteten
Lehranstalten muss ausgebaut werden. Der Mangel an Fachkräften auf der
Qualifikationsebene Lehr- und Facharbeiterabschluss soll durch die vorhandenen und noch auszubauenden Ressourcen der Berufsbildenden Höheren Schulen vermindert werden. Das vorgeschlagene Zukunftsmodell „Berufsbildende Hochschule“ sollte entsprechend umgesetzt werden. Die allgemeine und bewährte Fachpraktische Bildung an den Berufsbildenden Höheren Schulen soll durch eine vollständige und vertiefende „praktische“ Lehr- und Facharbeiterbildung ergänzt werden. Ein Europakonforme hierarchische Angleichung der Berufsbildenden Höheren Schulen zu den Hochschulen auf nicht-universitärer hätte zu erfolgen. Die internationale Wirtschaftsorganisation OECD bemängelte Anfang der 1990er Jahre, dass der Hochschulbereich in Österreich zu wenig heterogen sei und dieser eigentlich nur durch die Universitäten repräsentiert wird. Diese OECD-Meinung ist mit ausschlaggebender Grund, dass in Österreich die Fachhochschulen eingeführt werden. Einem weisen Entschluss der Politik und der Wirtschaft kann man verdanken, dass die bewährten Berufsbilden Höheren Schulen bei Einführung der Fachhochschulen mit ihren neuen Studiengängen, nicht „zerstört“ werden. Der traditionelle über 250-jährige institutionalisierte Begriff „Ingenieurschule“ aus der
Aufklärungszeit verschwindet dadurch in Westdeutschland und allgemein. Der Europäische Bildungsprozess macht es erforderlich, dass die Berufsbilden Höheren Schulen hierarchisch in den Tertiärbereich gehoben werden. Die „Marke“ Wirtschafts- und Betriebsnähe der BHS soll weiter ausgebaut werden. Im Sinne der OECD muss die Heterogenität des Hochschulbereiches in Österreich bedarfsgerecht erweitert werden. Nach der Qualifikationsebene und Qualifikationsart BHS besteht in der produzierenden und dienstleistenden Wirtschaft ein großer Bedarf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Tertiär-würdige Berufsbildende Höhere Schulen und der Europäische Bologna-Bildungsprozess
2.1 „Allgemeinform“ der Höheren Schule zum Europakonformen Zukunftsmodell Hochschule
2.2 Expansion des bewährten beruflichen höheren Bildungswesens in Österreich
2.3 Wirtschafts- und Bedarfsnahe Integration der t „zweistufigen“ Bachelor-Master Studienarchitektur in das bestehende BHS-Bildungssystem
2.4 Europakonforme zweistufige Berufsbildende Hochschule in Österreich
3 „Berufsbildenden Hochschule“ ein Zukunftsmodell mit einem zweistufigen Europäischen Bologna-Bildungssystem
3.1 „Allgemeinform“ der zweistufigen Bildungsstruktur der Berufsbildenden Hochschulen in Österreich
3.1.1 Hohe Technische, gewerbliche und kunstgewerbliche Schulen als Berufsbildende Hochschulen
3.1.2 Hohe Land-, Forst- und Ernährungswirtschaftliche Schulen als Berufsbildende Hochschulen
3.1.3 Hohe Kaufmännische Schulen als Berufsbildende Hochschule
3.1.4 Hohe Humanberufliche Schulen als Berufsbildende Hochschulen
3.2 „Sonderform“ der Berufsbildenden Hochschulen
3.2.1 Höhere Technische Schulen zu Hohen Technischen, gewerblichen und kunstgewerblichen Lehranstalten
3.2.2 Hohe Land-, Forst- und Ernährungswirtschaftliche Lehranstalten
3.2.3 Hohe Kaufmännische Lehranstalten
3.2.4 Hohe Humanberufliche Lehranstalten
4 „Berufsbildende Hochschule“ ein wirtschafts- und betriebsnahes nahes Bildungsmodell in Österreich
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das österreichische System der Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) als Reaktion auf den europäischen Bologna-Prozess in ein tertiäres Bildungsmodell zu überführen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie durch eine zweistufige Bachelor-Master-Struktur eine Aufwertung der BHS zur „Berufsbildenden Hochschule“ erfolgen kann, ohne deren bewährte Wirtschafts- und Praxisnähe zu gefährden.
- Analyse des Bologna-Prozesses im Kontext österreichischer BHS-Strukturen.
- Entwicklung eines zweistufigen Bachelor-Master-Bildungsmodells für verschiedene Fachrichtungen.
- Integration von fachpraktischer Lehrausbildung in tertiäre Studiengänge.
- Bedarfsgerechte Anpassung des Hochschulraums an die Anforderungen der Wirtschaft.
- Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit durch ein neues Qualifikationsniveau.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Hohe Technische, gewerbliche und kunstgewerbliche Schulen als Berufsbildende Hochschulen
Mit einer zunehmenden Technisierung und Industrialisierung entstehen in den 1870er Jahren die ersten Staatsgewerbeschulen in der Habsburgermonarchie. Diese gewerblichen Mittelpunkts- und Schwerpunktschulen vereinen unterschiedliche Bildungsebenen unter einer Direktion. Die höchste Bildungsebene an den erfolgreichen Staats-Gewerbeschulen sind die vierjährigen „höheren Gewerbeschulen“ als neue Mittelschulform. An diesen Gewerbeschulen findet zunehmend eine Ingenieurbildung. Der Ursprung der heutigen Höheren Technischen Lehranstalten sind die Staats-Gewerbeschulen. Die höheren Gewerbeschulen sind im 19. Jahrhundert noch sehr Theorie orientiert. Auf dringen Wunsch der produktiven Wirtschaft wird Anfang des 20. Jahrhundert flächendeckend der Werkstatenunterricht an den höheren Gewerbeschulen eingeführt. Ein zweiter Betriebs- und Praxisschub erfolgt durch die Ischler Tagung im Jahre 1946, wobei der Werkstattunterricht an der höheren Lehranstalt weiter ausgebaut wird.
Ein weiter Praxisschub soll im Bachelorbereich durch eine zu absolvierende Lehr erfolgen. Die Anrechenbarkeit von Lehrberufen entsprechend der Schulform und des Fachbereiches soll weiter erhalten bleiben. Das Europakonforme Zukunftsmodell „Hohe Technische Lehranstalt“ soll eine Höher und Weiterqualifizierung am Bildungsstandort ermöglichen. Der Technikbereich der Fachhochschulen wird an Bedeutung zunehmen. Es wird daher erforderlich die Spezialbildungsstätten Höhere Technische Lehranstalten gleichwertig, aber nicht gleichartig, parallel zu den Fachhochschulen auf nichtuniversitärer Tertiärebene zu positionieren. Die „Allgemeinform“ einer zweistufigen Bologna-Struktur der Berufsbilden Hochschule wird dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den notwendigen Paradigmenwechsel im tertiären Bildungswesen und begründet die Aufwertung der Berufsbildenden Höheren Schulen vor dem Hintergrund des Bologna-Prozesses.
2 Tertiär-würdige Berufsbildende Höhere Schulen und der Europäische Bologna-Bildungsprozess: Dieses Kapitel analysiert die bildungspolitische Ausgangslage und die Notwendigkeit, das österreichische Schulwesen an die europäischen Standards des Bologna-Prozesses anzupassen.
3 „Berufsbildenden Hochschule“ ein Zukunftsmodell mit einem zweistufigen Europäischen Bologna-Bildungssystem: Der Autor präsentiert ein konkretes Zukunftsmodell, das eine tertiäre Bachelor-Master-Struktur für verschiedene Schultypen (Technik, Wirtschaft, Humanberufe) definiert.
4 „Berufsbildende Hochschule“ ein wirtschafts- und betriebsnahes nahes Bildungsmodell in Österreich: Das letzte inhaltliche Kapitel diskutiert die Auswirkungen des Modells auf die Qualitätssicherung und die Integration von ECTS-Leistungspunkten in einer betriebsnahen Ausbildung.
Schlüsselwörter
Berufsbildende Hochschule, Bologna-Prozess, BHS, Bachelor-Master-Studienarchitektur, Tertiärbereich, Fachpraktische Bildung, Ingenieurbildung, Wirtschaftsnähe, Qualifikationsrahmen, Lehrabschluss, ECTS, Bildungsmodell, Österreich, Sekundarstufe II, Fachhochschul-Äquivalenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwirft ein Konzept, um das österreichische Berufsbildungssystem (BHS) in den tertiären Bildungsbereich zu heben und an die Bologna-Struktur anzupassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Aufwertung der beruflichen Bildung, die Integration von Praxiselementen wie der Lehre in akademische Studienprogramme und die Etablierung eines zweistufigen Bologna-Modells.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Schaffung eines Europakonformen Zukunftsmodells „Berufsbildende Hochschule“, das die Wettbewerbsfähigkeit der Absolventen durch akademische Grade stärkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse bildungspolitischer Rahmenbedingungen, statistischer Daten der Bildungsexpansion und der Ableitung eines zukunftsorientierten Organisationsmodells für das österreichische Bildungswesen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Ausarbeitung der zweistufigen Bildungsstrukturen für technische, kaufmännische und humanberufliche Schulen sowie deren jeweilige Bachelor- und Master-Programme.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Bologna-Prozess, BHS-Aufwertung, tertiäre Bildung und praxisnahe Ingenieurausbildung stehen im Zentrum der Untersuchung.
Welche Rolle spielt die traditionelle Ingenieurbildung in diesem Modell?
Die traditionelle Ingenieurbildung soll durch die Umwandlung der Höheren Technischen Lehranstalten in Berufsbildende Hochschulen auf ein akademisches Bachelor-Niveau gehoben werden.
Wie soll die Verzahnung mit der Wirtschaft konkret gestaltet werden?
Durch Betriebspraktika sowie die Integration einer fachpraktischen Lehrausbildung soll sichergestellt werden, dass die hohe Praxisorientierung der BHS auch im neuen Hochschulmodell erhalten bleibt.
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- Dipl.-Ing. MMag. Dr. Karl Josef Westritschnig (Autor), 2013, „Berufsbildende Hochschule“. Wirtschaftsnahe und bedarfsgerechte Bildung in Österreich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209694