Beiträge zu Feminismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus im 19./20. Jahrhundert: Band 6.
Ob Jerusalem oder Shanghai – in sehr vielen Städten und Ländern außerhalb Deutschlands entstanden ab 1933 Orts- und Landesgruppen der nationalsozialistisch ausgerichteten Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau im Ausland mit Sitz in Berlin. Wer sich mit der Verbreitung des deutschen Nationalsozialismus außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches beschäftigt, stößt dabei auch auf Ausführungen über die Aktivitäten dieser Arbeitsgemeinschaft. Was jedoch bis heute fehlt, ist eine allgemeine Zusammenfassung zu dieser Organisation. Wann und mit welcher Zielsetzung ist diese NS-Frauenorganisation gegründet worden? In welchen Ländern wurde sie tätig? Welches Frauenbild wurde durch sie vermittelt? Die vorliegende Studie will diese Forschungslücke schließen. Sie enthält in ihrem ersten Teil einen Überblick über Gründung und Aufbau der Arbeitsgemeinschaft der Frau im Ausland sowie über deren Tätigkeit und Selbstverständnis. Im zweiten Teil wird den Lesern und Leserinnen anhand von Fotos, Berichten und Zeitungsartikeln auf sehr anschauliche Weise die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau im Britischen Mandat Palästina vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Frauenvereinslandschaft vor 1933
I. Die Organisation der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau im Ausland
1. Gründung und Aufbau
2. Aufgaben und Tätigkeitsbereiche
3. Bestimmungen für Mitgliedschaft und Mitgliedsbeiträge
4. Das Tragen von Abzeichen
5. Schulung der Leiterinnen
6. Selbstverständnis und nationalsozialistisches Frauenbild
II. Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau in Palästina
1. Die Gruppe der Palästina-Deutschen
2. Gründung der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau in Palästina
3. Weitere Entwicklung
4. Programm, Tätigkeiten und Projekte
5. Zum Wohl der 'Volksgemeinschaft'
6. Tausende Kilometer vom Deutschen Reich entfernt...
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Struktur, Zielsetzung und praktische Arbeit der "Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau im Ausland" im Kontext der nationalsozialistischen Frauenpolitik. Zentral ist dabei die Frage, wie diese Organisation deutsche Frauen außerhalb des Reiches ideologisch gleichschaltete, an das NS-System band und als Multiplikatoren für das nationalsozialistische Frauenbild einsetzte, mit einem besonderen Fokus auf das Britische Mandat Palästina.
- Gründung und organisatorischer Aufbau der nationalsozialistischen Frauenarbeit im Ausland.
- Die Rolle der deutschen Frau als "Hüterin der Kultur" und Mutter im Sinne der NS-Ideologie.
- Methoden der ideologischen Einflussnahme durch Schulung, Propaganda und Mitgliedschaftsregeln.
- Fallbeispiel der "Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau in Palästina" und deren operative Tätigkeit.
- Die enge Verknüpfung von privatem Alltag, Ehrenamt und politischer Zielsetzung des NS-Regimes.
Auszug aus dem Buch
3. Bestimmungen für Mitgliedschaft und Mitgliedsbeiträge
Die Bedingungen und Regelungen einer Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft können u. a. im Nachrichtendienst der NS-Frauenschaft vom 15. November 1935 nachgelesen werden. Im Vergleich mit anderen NS-Gliederungen fällt dabei auf, dass sowohl Frauen, die der NSDAP angehörten, als auch Nicht-Parteimitglieder der NS-Frauenorganisation im Ausland beitreten durften. Der Parteistatus war jedoch entscheidend für die Form der Antragstellung und über die Beitragspflicht bzw. die Befreiung von der Zahlung eines monatlichen Mitgliedsbetrags. Auch deutschstämmigen und 'reichsdeutschen' Frauen, die die deutsche Staatsangehörigkeit durch Heirat erworben hatten, stand eine Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau offen. Diese Bestimmungen lassen die NS-Frauenorganisation bei einem ersten, schnellen Lesen beinahe offen und tolerant erscheinen. Jedoch wurde gleich in dem anschließenden Nebensatz die Einschränkung hinzugefügt: "... wenn sie arischer Abstammung sind." So fand auch hier wie in anderen NS-Organisationen für den Beitritt in die Arbeitsgemeinschaft der Arierparagraph seine Wirksamkeit. Ganz selbstverständlich und ohne jede erforderliche Erklärung teilte Wera Behr im Nachrichtendienst 1935 mit, dass deutsche Frauen, die mit Juden, Farbigen oder anderen 'nicht-arischen' Männern verheiratet waren, von einer Mitgliedschaft ausgeschlossen waren. Ebenso waren Angehörige eines Geheimbundes oder einer Loge ausgeschlossen, und auch Frauen, die dem Nationalsozialismus gegenüber feindlich eingestellt waren, galten in der Arbeitsgemeinschaft als unerwünscht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Frauenvereinslandschaft vor 1933: Skizziert die Entwicklung deutscher Frauenorganisationen seit dem 19. Jahrhundert und den Übergang zur nationalsozialistischen Unterordnung der Frauenbewegung.
I. Die Organisation der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau im Ausland: Beschreibt Gründung, Aufbau, Hierarchie sowie die Bestimmungen und ideologischen Grundlagen der Organisation.
II. Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau in Palästina: Analysiert spezifisch die deutsche Siedlung in Palästina, die Gründung und Arbeit der lokalen Arbeitsgemeinschaft sowie deren Rolle in der NS-Propaganda.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau im Ausland, NS-Frauenschaft, Palästina-Deutsche, Tempelgesellschaft, Auslands-Organisation, Frauenbild, Volksgemeinschaft, Gleichschaltung, Arierparagraph, Mutterkreuz, Schulung, Propaganda, Nationalismus, Auslandsdeutsche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die "Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau im Ausland" als ein Instrument des NS-Regimes zur ideologischen Durchdringung der im Ausland lebenden deutschen Frauen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen den organisatorischen Aufbau der NS-Frauenarbeit, die ideologische Schulung, das nationalsozialistische Frauenbild und die konkrete Umsetzung in ausländischen Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, eine Forschungslücke zu schließen und darzulegen, wie diese Organisation die Verbindung zwischen den deutschen Frauen im Ausland und dem NS-Staat herstellte und festigte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf eine Analyse zeitgenössischer Dokumente, wie Jahrbücher der Auslands-Organisation, Mitteilungsblätter und Archivbestände aus Israel und Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die allgemeine organisatorische Struktur der Arbeit weltweit und eine detaillierte Fallstudie zur Situation im Britischen Mandat Palästina.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Nationalsozialismus, Volksgemeinschaft, NS-Frauenschaft, Palästina-Deutsche und Ideologisierung.
Welche Bedeutung hatten die "Eintopfsonntage" für die Organisation?
Diese dienten als Gemeinschaftsfeste und Zeichen der Solidarität mit der "Volksgemeinschaft", wobei die Einnahmen dem Winterhilfswerk zugutekamen.
Warum war der Nachweis "arischer" Abstammung für die Mitglieder so wichtig?
Der Nachweis war die Voraussetzung für eine Mitgliedschaft und unerlässlich für berufliche Karrieren oder Ausbildungen im NS-System.
Wie reagierten die Palästina-Deutschen auf die Gründung der Arbeitsgemeinschaft?
Die Gründung stieß auf überwiegend positive Resonanz, wobei der bestehende Frauenverein der Tempelgemeinde weitgehend "gleichgeschaltet" wurde.
Welche Rolle spielte die Tempelgesellschaft in Palästina bei der NS-Durchdringung?
Die Mitglieder der Tempelgesellschaft bildeten einen Großteil der Palästina-Deutschen und stellten somit die Basis für die NSDAP-Netzwerke vor Ort dar.
- Citation du texte
- Dr. Heidemarie Wawrzyn (Auteur), 2013, Arbeitsgemeinschaft der deutschen Frau. Berlin, Jerusalem, Shanghai ..., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209823