Der junge Sigurd in der Dietrichssaga, Lieder-Edda und Völsungensaga

Eine vergleichende Charakterisierung


Hausarbeit, 2011
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Einordnung der Quellen

2. Entwicklung des jungen Sigurd bis zum Drachenkampf

3. Bedeutung und Auswirkung des Drachenkampfes auf Sigurd

4.Schluss

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Auf die Heldengestalten der nordischen Sagen ebenso wie der deutschen Nibelungenerzählungen wird seit Jahrhunderten immer wieder Bezug genommen und sie tauchen bis heute in immer neuen Varianten in vielfältigen Erzählungen auf. Daher ist auch die Analyse der verschiedenen Eigenschaften – physische ebenso wie Charaktereigenschaften – dieser Heldengestalten eine wichtige Fragestellung bei der Beschäftigung mit der altnordischen Literatur.

Die ursprünglich mündlich vorgetragenen Heldengeschichten wollten wohl zunächst einem Publikum, dessen Alltag meist eintönig aussah, durch Erzählungen über die einzigartigen Erlebnisse großer Helden helfen, „sich unterhaltsam über eine graue Normalität hinwegzusetzen.“[1]

Im höfischen Mittelalter waren die Helden der Sagen Vorbilder für die dem Vortrag lauschenden Ritter. Victor Millet bezeichnet die Heldensage als „Darstellung von Handlungsmodellen, die das Publikum, also der mittelalterliche Adel, als Reflexionsgrundlage für eigenes Agieren gebrauchen konnte.“[2] Um ein solches Vorbildmodell zu sein muss der Held strahlend dargestellt werden, sein Charakter, sein Wesen, seine Fähigkeiten tragen zum Gesamtbild bei.

Dem Sigurd der nordischen Sagen gilt genauso wie dem Siegfried der kontinentalen Nibelungenerzählungen eine besondere Aufmerksamkeit bei der Beschäftigung mit den Sagenstoffen des Mittelalters. Dies hat sicher eine Vielzahl von Gründen.

Erwähnt sei hier nur die besondere Rolle, die Sigurd in einigen der nordischen Sagen zukommt: In der Völsungensaga und der in der Handschrift folgenden Ragnarsaga wird er zum Bindeglied zwischen den alten Göttern und dem Norwegischen Königshaus. Er spielt also eine wichtige Rolle in der Genealogie eines Herrschergeschlechts. Sein Wesen und sein Handeln strahlt zwangsläufig auf das Königshaus aus.

In der folgenden Arbeit werde ich mir einige Besonderheiten der Figur des Sigurd in der nordischen Literatur genauer anschauen. Dabei konzentriere ich mich auf die Schilderungen des jungen Sigurd in seiner ersten Lebensphase, die durch den Drachenkampf beziehungsweise den Erhalt des Schwertes Gram und des Pferdes Grani abgeschlossen wird.

1. Einordnung der Quellen

Zu dem Sagenkomplex um den Held Sigurd, der als junger Mann einen Drachen tötet, einen großen Schatz gewinnt, und dann nach einem verstrickten Ränkespiel um Liebe, Macht und vor allem den Schatz schließlich heimtückisch ermordet wird, existieren neben diversen kontinentalen Versionen auch einige nordische Quellen.

Besonders ausführlich sind dabei drei Quellen, mit denen sich diese Arbeit befassen wird: die Dietrichssaga (Ϸiðreks saga af Bern), die Lieder-Edda sowie die Saga von den Völsungen (Vǫlsunga saga).

In der Dietrichssaga wird vom Leben Dietrichs von Bern erzählt, dessen Abenteuer dabei mit anderen Stoffen wie den Geschichten der Burgunden, dem Leben Sigurds und den Erlebnissen von Welent dem Schmied verbunden werden. Es handelt sich bei der Dietrichssaga um eine Kompilation, die am Hofe König Hákons IV. in Bergen um 1250 entstanden ist. Als entfernter historischer Bezug dient das Leben des Ostgotenkönigs Theoderich des Großen (471-526).

Dabei steht die Dietrichssaga zwischen der Gattung der Rittersagas und der der Vorzeitsagas, da sie Geschichten, „die in die ‚Vorzeit’ gehören, […] im Stile derjenigen Sagas, die Übersetzungen höfischer Romane sind“, erzählt.[3] Ihre Handlungsorte befinden sich über ganz Europa verteilt, die erzählten Geschehnisse sollen sich nach dem Tod Kaiser Konstantins begeben haben.[4]

Überliefert ist die Dietrichssaga in einer norwegischen Pergamenthandschrift vom Ende des 13. Jahrhunderts (Sigle Mb). Diese Handschrift stammt von fünf Schreibern (Mb1-Mb5, wobei Mb2 und Mb3 die Hauptschreiber sind). Die Schilderung der Jugend Sigurds befindet sich dabei in einem 40 Kapitel langen Einschub von Mb3 in den ersten, von Mb2 niedergeschriebenen Teil der Saga.[5]

Die Lieder-Edda ist eine Sammlung „erzählerischer Gedichte mythologischer und heroischer Thematik“.[6] Sie ist überliefert im Codex regius (Sigle R), der ca. 1270 entstanden ist, und in mehreren Handschriften aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Codex regius wurde 1643 entdeckt. Die Forschung ging davon aus, dass diese Sammlung der Edda Snorri Sturlusons als Vorlage diente. So wurde die heute Lieder-Edda genannte Sammlung in Analogie zu Snorris Werk zunächst als „ältere Edda“ bezeichnet. Der Codex regius wurde von einem einzigen Schreiber geschrieben, wobei die Lieder teils gar nicht, teils nur durch eine dünne Linie oder eine Initiale voneinander abgetrennt sind. Lediglich einige Lieder enthalten Überschriften.[7]

[...]


[1] Victor Millet, Germanische Heldendichtung im Mittelalter. Eine Einführung. Berlin/New York: de Gruyter, 2008, S. 11.

[2] Ebd.

[3] Millet, Germanische Heldendichtung im Mittelalter, S. 260.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. ebd., S. 268f.

[6] Ebd., S. 286.

[7] Vgl. Millet, Germanische Heldendichtung im Mittelalter, S. 287.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der junge Sigurd in der Dietrichssaga, Lieder-Edda und Völsungensaga
Untertitel
Eine vergleichende Charakterisierung
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Fennistik und Skandinavistik)
Veranstaltung
Helden in der altnordischen Literatur
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V210067
ISBN (eBook)
9783656380344
ISBN (Buch)
9783656381143
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, charakterisierung, sigurd, dietrichssaga, lieder-edda, völsungensaga
Arbeit zitieren
David Felsch (Autor), 2011, Der junge Sigurd in der Dietrichssaga, Lieder-Edda und Völsungensaga, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210067

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