Doing Gender in der Schule. Die soziale Konstruktion von Geschlecht in der Schule anhand zweier Studien


Hausarbeit, 2012
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung und Fragestellung

2. Das Konzept des Doing Gender

und dessen Bedeutung in der Jugend

3. Historische Betrachtung von Gleichstellung in der Bildung

4. Doing Gender in der Schule
4.1 Geschlechteralltag in der Schulklasse (Breidenstein/Kelle)
4.1.1 Die Studie und ihre Rahmenbedingungen
4.1.2 „Mädchen“ und „Jungen“ - die Bedeutung
der Zweigeschlechtlichkeit
4.1.3 Geschlechterdifferenzierende Inszenierungen
4.2 Geschlechtergerechtigkeit in der Schule (Budde/Schuland/Faulstich-Wieland)
4.2.1 Vorstellung der Studie
4.2.2 Der Sportunterricht als Differenzierungspraktik
4.2.3 Mögliche Unterschiede in der Bewertung von Leistungsnachweisen
4.3 Vergleich der Studien

5. Fazit und Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

In Schweden sorgte vor einiger Zeit eine Vorschule mit einem ganz besonderen Konzept für ein enormes Medieninteresse, welches sich auch bis nach Deutschland ausbreitete. So titelte die Zeit in ihrem Onlineauftritt „Sei, was du willst“ und beschreibt in einem Artikel die umstrittene Idee: „Egalia ist die umstrittenste Vorschule Schwedens. Ihr Ziel: Eine geschlechtsneutrale Erziehung. [...] Jedes Kind soll sich so entwickeln, wie es möchte, und sich nicht durch geschlechtsspezifische Stereotypisierungen in der Erziehung und die Erwartungen der Gesellschaft in eine bestimmte Rolle gedrängt fühlen.“ (Zeit Online GmbH (Hrsg.)).

Das Konzept führte zu einem ausgedehnten Diskurs über die Möglichkeiten einer geschlechtsneutralen Erziehung, stieß jedoch ebenso auf große Ablehnung. Es stellt sich die Frage, ob und in welchem Umfang Kindern eine Geschlechtsidentität aufgezeigt werden soll. Dazu ist es interessant, einen Blick in die Schulen zu werfen und zu untersuchen, wie dort mit Geschlecht umgegangen wird. Dabei ist vor allem das Konzept des Doing Gender von besonderer Bedeutung und in vielerlei Hinsicht einer genaueren Forschung wert.

Die zwei in dieser Arbeit dargestellten empirischen Studien behandeln genau dieses Konzept des Doing Gender und untersuchen, wie und ich welchem Ausmaß das Geschlecht in der Schule sozial konstruiert wird. Dazu dienen die Vorstellung von Doing Gender und dessen Bedeutung in der Jugend sowie eine kurze historische Rekonstruktion von Gleichstellung in der Bildung als Überblick, bevor im Hauptteil auf die Studien mit ausgewählten Beispielen eingegangen wird. Nach einem Vergleich der unterschiedlichen Forschungsarbeiten wird ein bündiges Fazit gezogen.

2. Das Konzept des Doing Gender und dessen Bedeutung in der Jugend

Um die soziale Konstruktion von Geschlecht in der Schule darstellen und untersuchen zu können, muss zunächst das Konzept des Doing Gender an sich geklärt werden. So besagt dieses, dass Geschlechtsidentitäten und -differenzen nicht als natürlich gegeben anzusehen sind, sondern erst in einer sozialen Interaktion hergestellt werden. Candace West und Don Zimmerman gelten hier als wegweisend, indem sie im Jahr 1987 darauf hinwiesen, dass bei gender von einem Produkt performativer Handlungen ausgegangen werden kann (vgl. Opitz, S.27). Doch warum handelt es sich bei gender genau? Bündig formuliert wird in der Geschlechter-forschung meist von zwei Dimensionen ausgegangen. Dabei handelt es sich zum einen um „sex“ als Geburtsklassifikation des körperlichen Geschlechts auf Grund biologischer Kriterien, welche als sozial vereinbart angesehen werden, wobei es sich um eine Weiterentwicklung der Kategorie „sex“ als natürliche Vorgabe handelt. Zum anderen steht „gender“ für die intersubjektive Validierung in Interaktionsprozessen durch ein situationsbedingtes Verhalten und Handeln auf Basis normativer Vorgaben sowie gleichzeitiger Berücksichtigung der Tätigkeiten, welche der in Anspruch genommenen Geschlechterkategorie angemessen sind. Zudem steht eine dritte „Kategorie“ im Diskurs, nämlich die „sex-category“ als soziale Zuordnung zu einem Geschlecht im Alltag auf Grund der sozial geforderten Darstellung einer erkennbaren Zugehörigkeit zur einen oder anderen Kategorie, d.h. weiblich oder männlich, wobei diese der Geburtsklassifikation nicht entsprechen muss (vgl. Gildemeister, S.138).

Um auf das Konzept des Doing Gender zurückzukommen, so wird wie bereits erwähnt eine Geschlechtsidentität durch ein situationsadäquates Verhalten und Handeln erworben und ausgeübt. Dabei bleibt dies nicht bestehen, sondern wird in jeder Interaktion neu hergestellt (vgl. Opitz, S.27). So beschreiben schon West/Zimmerman 1987 gender als Produkt des „social doing“: „We argue that gender is not a set of traits, nor a variable, nor a role, but the product of social doings of some sort. [...] [The social doing of gender, Anm. d. Autors] is more than the continuous creation of the meaning of gender through human actions [...]. We claim that gender itself is constituted through interaction.“ (West; Zimmerman, S.129).

Nun stellt sich die Frage, welche Ansatzpunkte das Konzept des Doing Gender in der Kindheit und Jugend findet. Besonders während der Jugend spielt die gesell-schaftliche Konstruktion von Geschlecht eine große Rolle. Gründe hierfür sind neben der Herausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, welche zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtlichkeit drängt, auch die sozialen Zuschreibungsprozesse und somit der gesellschaftliche Zwang der Positionierung innerhalb der bestehenden Geschlechterordnung (vgl. Cornelißen, S.23). Kinder wachsen unbewusst in das System der Zweigeschlechtlichkeit hinein und nehmen dieses dadurch als natürlich wahr. Typische Farben für Mädchen und Jungen sind nur ein Beispiel für die frühkindliche Geschlechtsbeschreibung. Im Anschluss versuchen sich Kinder aktiv in der jeweiligen Geschlechterrolle einzufinden, diese auszubauen und Idealen nachzueifern, aber es werden auch Versuche der „Grenzüberschreitung“ unternommen (vgl. Cornelißen, S.27f). Kinder fangen also an, Doing Gender zu praktizieren und auch zu üben, um, banal ausgedrückt, ihren Platz zu finden. Mit besonderen Anforderungen sind sie dabei im Kindergarten oder spätestens in der Schule konfrontiert, wo sie auf eine große Anzahl von gleichaltrigen Vertretern beider Geschlechter treffen. Wie bereits erwähnt erfährt das Doing Gender während der Zeit der Herausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale wieder eine besondere Bedeutung und die Jugendlichen sehen sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Wie Doing Gender in der Schule und somit während der Entwicklungsphase funktioniert, wird im Anschluss anhand eines Vergleichs von zwei Studien veranschaulicht.

3. Historische Betrachtung von Gleichstellung in der Bildung

Die Untersuchung von Doing Gender in der Schule im Hinblick auf die soziale Konstruktion von zwei Geschlechtern setzt voraus, dass Mädchen und Jungen eine gemeinsame Schule besuchen. Das bedeutet nicht, dass in reinen Mädchen- oder Jungenschulen kein Doing Gender stattfindet, denn auch unter diesen Voraus-setzungen werden weibliche oder männliche Handlungen vollzogen und ein soziales Geschlecht hergestellt. Da sich die vorliegenden Studien jedoch mit Ersterem beschäftigen, lohnt sich eine pointierte historische Betrachtung von Gleichstellung in der Bildung.

So stellt sich in Deutschland ab Mitte des 17. Jahrhunderts überhaupt erst die Frage, ob das weibliche Geschlecht überhaupt zu höherer Bildung fähig sei, so unglaublich diese Frage im gegenwärtigen Kontext auch scheinen mag (vgl. Herrlitz et al., S.83). Der Jurist und Kommunalpolitiker Theodor v. Hippel greift dies in Deutschland als einer der Ersten auf und fordert eine „bürgerliche Verbesserung der Weiber“ bezüglich einer Bildung für beide Geschlechter: „Die Scheidewand höre auf! man erziehe Bürger für den Staat, ohne Rücksicht auf den Geschlechtsunterschied, und überlasse das, was Weiber als Mütter, als Hausfrauen wissen müssen, dem besonderen Unterricht, und alles wird zu Ordnung der Natur zurückkehren.“ (Herrlitz et al., S.84). Auch wenn dieses Zitat den Geschlechterunterschied anprangert, so gelten doch die für Frauen typischen Rollenmuster, welche in Form einer gesonderten Unterrichtsform gesichert werden sollen und auch die Sicht des Geschlechts als natürlich gegebene Unterscheidung wird vertreten, was allerdings zu jener Zeit nicht verwunderlich ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Doing Gender in der Schule. Die soziale Konstruktion von Geschlecht in der Schule anhand zweier Studien
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V210432
ISBN (eBook)
9783656386117
ISBN (Buch)
9783656386728
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
doing, gender, schule, konstruktion, geschlecht, studien
Arbeit zitieren
Michael Mühlbauer (Autor), 2012, Doing Gender in der Schule. Die soziale Konstruktion von Geschlecht in der Schule anhand zweier Studien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210432

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