Im Michael Glawoggers Film „Megacities. 12 Geschichten von Überleben.“, den er selbst als Dokumentarfilm bezeichnet1, handelt es sich um die Geschichten von Menschen am Rande der Gesellschaft in den vier Großstädten Mumbai, Mexiko-City, Moskau und New York.
In 12 Filmabschnitten begleitet er arme Menschen in ihrem Kampf ums Überleben und zeigt dabei ihre Einzelschicksale. Über jede Großstadt werden jeweils drei Geschichten erzählt.
In der vorliegenden Arbeit werden am Beispiel einer Filmsequenz „Moskau – Für einen Silberrubel“ des Glawoggers Films die Authentisierungsstrategien und Authentizitätsarten in diesem Dokumentarfilm untersucht. An diesem Fallbeispiel soll untersucht werden, ob Glawogger solche Strategien einsetzt und wie diese Strategien auf die Zuschauer wirken können bzw. wie der Regisseur sie zu wirken beabsichtigt. Darüber hinaus werden die Vor- und
Nachteile der Authentisierungsstrategien erörtert.
In den Abschnitten 2.1 und 2.2. werden einführend für die vorliegende Untersuchung wesentliche Begriffe wie „Dokumentarfilm“ und „Authentizität“ erläutert. Abschnitt 2.3. widmet sich den visuellen und den auditiven Authentisierungsstrategien.Im Abschnitt 3.1. wird zuerst eine kurze Beschreibung des Filmprotokolls gegeben. Anschließend werden in Abschnitt 3.2. die von Glawogger eingesetzten auditiven Authentisirungsstrategien analysiert. Abschnitt 3.3. widmet sich den vom Regisseur eingesetzten visuellen
Authentisirungsstrategien, wobei insbesondere die Einstellungsgrößen analysiert werden. Der Abschluss der Untersuchung bildet Abschnitt 4, in dem die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit thesenförmig zusammengefasst und Fragestellungen beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Authentizität im Dokumentarfilm: Begriffserklärung
2.1. Dokumentarfilm
2.2. Authentizität
2.3. Authentisirungsstrategien
3. Sequenzanalyse
3.1. Ausgangsbasis: Filmprotokoll
3.2. Analyse auf auditiver Ebene
3.3. Analyse auf visueller Ebene
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Authentisierungsstrategien und Authentizitätsarten in Michael Glawoggers Dokumentarfilm „Megacities“ anhand der ausgewählten Filmsequenz „Moskau – Für einen Silberrubel“ kritisch zu untersuchen und deren Wirkung auf den Zuschauer zu analysieren.
- Grundlagen der Dokumentarfilmtheorie und Definition von Authentizität.
- Differenzierung zwischen Authentizität der Quelle und Authentizität der Wahrnehmung.
- Analyse auditiver Authentisierungsstrategien (z.B. Originalton vs. künstlerische Montage).
- Untersuchung visueller Strategien unter Einbeziehung von Einstellungsgrößen.
- Kritische Reflexion über die Balance zwischen dokumentarischem Anspruch und subjektiver Regieinszenierung.
Auszug aus dem Buch
3.2. Analyse auf auditiver Ebene
In dem im Rahmen dieser Arbeit untersuchten Filmabschnitt fällt es auf, dass Glawogger auf einen Off-Kommentar des Filmemachers komplett verzichtet hat. Er erklärt also dem Zuschauer nicht explizit, wie er das Gezeigte verstehen soll. Der Regisseur bleibt die ganze Zeit hinter der Kamera und an keiner Stelle im Film zu sehen. Diese Vorgehensweise kann als eine Authentizitätsstrategie angesehen werden, da Glawogger auf diese sehr subjektive Form der Meinungsvermittlung des Regisseurs verzichtet.
Darüberhinaus werden die Aussagen der gezeigten Personen immer in der Original-Sprache gezeigt. „Dem wörtlichen Zitat wird besondere Beweiskraft zugesprochen, weil es direkt und unmittelbarer einen Augenschein vermittelt als der Kommentar eines Reporters.“ (HATTENDORF 1999: 150) Eine Übersetzung erfolgt mithilfe von Untertiteln, sodass eine Verzerrung des Gesagten durch Auslassen bestimmter Aussagen oder eine literarische, subjektive Übersetzung ausgeschlossen wird und der Ton wie ein authentisches Abbild der Realität auf den Zuschauer wirkt. Obwohl die Zuschauer, die jeweilige Originalsprache (Russisch im untersuchten Abschnitt) nicht beherrschen, die Übereinstimmung der Untertitel mit dem Gesagten nicht überprüfen können, scheint der Film unter diesem Aspekt glaubwürdig zu sein. Einige in untersuchtem Abschnitt gezeigte Straßenkinder sprechen auf Russisch mit unterschiedlichen Dialekten oder auf Slang, womit weitere Authentizitätssignale gesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Film „Megacities“ ein und skizziert das Ziel der Arbeit, Authentisierungsstrategien anhand der Moskauer Sequenz zu analysieren.
2. Authentizität im Dokumentarfilm: Begriffserklärung: Hier werden theoretische Grundlagen zu Dokumentarfilm, Authentizitätsbegriffen und verschiedenen Authentisierungsstrategien erarbeitet.
3. Sequenzanalyse: Dieses Kapitel bildet den praktischen Teil, in dem die auditive und visuelle Gestaltung der Filmsequenz „Moskau – Für einen Silberrubel“ analysiert wird.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Glawogger eine subjektive Sichtweise präsentiert, anstatt ein objektives Zeitdokument zu erstellen.
Schlüsselwörter
Authentizität, Dokumentarfilm, Michael Glawogger, Megacities, Authentisierungsstrategien, Sequenzanalyse, Filmprotokoll, Realität, Wahrnehmung, auditiv, visuell, Einstellungsgrößen, Inszenierung, Subjektivität, Filmtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die filmischen Mittel und Strategien, mit denen der Regisseur Michael Glawogger in seinem Dokumentarfilm „Megacities“ einen Anspruch auf Authentizität erzeugt oder bricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die theoretische Herleitung von Authentizität im Dokumentarfilm sowie die empirische Untersuchung von Bild- und Tonmontagen in einer spezifischen Filmsequenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Glawogger durch den Einsatz von Originaltönen, Dialekten und spezifischen Einstellungsgrößen versucht, Glaubwürdigkeit beim Zuschauer zu erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Sequenzanalyse auf Basis eines eigens erstellten Filmprotokolls angewandt, um auditive und visuelle Authentisierungsstrategien zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsklärung und eine detaillierte Analyse der Sequenz „Moskau – Für einen Silberrubel“, unterteilt in auditive und visuelle Ebenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Authentizität, Dokumentarfilm, Regieinszenierung, Filmprotokoll, visuelle Strategien und auditive Wahrnehmung.
Warum wird im Film ein Off-Kommentar komplett vermieden?
Der Verzicht auf den Off-Kommentar dient Glawogger als bewusste Strategie, um nicht explizit zu steuern, wie der Zuschauer das Gesehene interpretieren soll, und um eine subjektive Sichtweise zu wahren.
Welche Rolle spielt das „Filmumspulen“ als Audio-Effekt?
Der Effekt des Filmumspulens suggeriert dem Zuschauer, dass es sich um authentisch aufgenommenes Interviewmaterial handelt, obwohl es sich dabei um einen manipulativen, künstlerischen Audio-Effekt handelt.
Wie wirkt sich die Verwendung der „amerikanischen Einstellung“ aus?
Diese Einstellungsgröße zeigt Personen vom Kopf bis zum Oberschenkel und vermittelt dem Zuschauer einen Eindruck vom räumlichen Umfeld, was die Wirkung des „Dabei-Seins“ unterstützt.
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- Anna Korchagina (Author), 2013, Authentizität in Michael Glawoggers Film „Megacities“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210442