„Nationalsozialistische Sozialpolitik war (…) durch den untrennbaren Zusammenhang von Förderung und Ausgrenzung, von Unterstützung der ‚Wertvollen’ und ‚Ausmerze’ der ‚Minderwertigen’ gekennzeichnet.“
Anhand dieser Hausarbeit versuche ich zu erläutern, inwiefern Soziale Arbeit (S.A) im nationalsozialistischen Deutschland, am Beispiel der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, geleistet wurde, um auch mir selbst einen Einblick in die Geschichte und Entwicklung der Sozialen Arbeit zu ermöglichen.
Zwar waren die Nationalsozialisten nur wenige Jahre an der Macht, aber „sie veränderten […] die politische Situation in Deutschland und später in Europa […] radikal und nachhaltig.“ Die Vorstellung von Wohlfahrtspflege wurde ersetzt durch Fürsorgemaßnahmen, die nur denen zugeteilt wurden, die dem Typus des „Ariers“ entsprachen. Die S.A unter Hitler grenzte aus, sperrte weg und tötete tausende Klienten. Da der gesamte geschichtliche Kontext der SA im nationalsozialistischen Deutschland den Rahmen dieser Hausarbeit überschreiten würde, beschäftige ich mich nur mit der Wohlfahrtspflege der Nationalsozialisten, um zu erörtern, wie die nationalsozialistische Ideologie den Wohlfahrtsgedanken ersetzte. Auch nähere Erläuterungen zur Judenverfolgung, Konzentrationslagern oder die durch den Krieg resultierende Entwicklung der Sozialen Arbeit werden ausgeklammert. Die Hausarbeit umfasst sowohl einen historischen Kontext, als auch die soziale Situation der deutschen Bevölkerung, um hervorzuheben, wie der Alltag während des zweiten Weltkriegs ablief. Um die Wohlfahrtspflege an sich näher erläutern zu können, werde ich außerdem die Etablierung und die Aufgabenbereiche der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt darstellen. So kann ich im weiteren Verlauf der Hausarbeit die wesentlichen Aspekte der Wohlfahrtspflege aufgreifen und am Beispiel des Winterhilfswerks und des Hilfswerks „Mutter und Kind“ explizieren. Abschließend versuche ich, die Soziale Arbeit unter Hitler im Vergleich mit der jetzigen zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition Soziale Arbeit
2. Historischer Kontext
2.1 Historische Einordnung
2.2 Soziale Situation
3. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt
3.1 Etablierung
3.2 Aufgabenbereiche
4. Hilfswerke der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt
4.1 Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes
4.1.1 Winterhilfe vor der Machtergreifung Hitlers
4.1.2 Winterhilfe unter nationalsozialistischem Regime
4.2 Das Hilfswerk „Mutter und Kind“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Ausgestaltung der Sozialen Arbeit im nationalsozialistischen Deutschland. Das primäre Ziel ist es, am Beispiel der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) aufzuzeigen, wie humanitäre Wohlfahrtsgedanken durch ideologische, sozialdarwinistische Ziele ersetzt und zur Ausgrenzung sowie Selektion der Bevölkerung instrumentalisiert wurden.
- Historischer Kontext der Machtergreifung und deren Einfluss auf die soziale Ordnung
- Die Etablierung und ideologische Ausrichtung der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV)
- Funktionsweise und propagandistische Nutzung des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes
- Strukturen und Zielsetzungen des Hilfswerks „Mutter und Kind“ als Instrument der Rassehygiene
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Winterhilfe unter nationalsozialistischem Regime
Gegen Ende des Jahres 1933 eröffnete Adolf Hitler gemeinsam mit Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels das erste Winterhilfswerk, dessen Absicht es war, Not zu bekämpfen und soziale Unruhen zu vermeiden, jedoch allem voran der Selbstdarstellung des nationalsozialistischen Regimes diente. Die NSDAP forderte jetzt nicht mehr nur Unterstützung aus den eigenen Reihen, sondern appellierte an die arbeitende Bevölkerung mit dem „Sozialismus der freiwilligen Tat“ (Zolling, 1986, S. 163) So wurden von Beginn der Winterhilfe an, Randgruppen ausgeschlossen. Sowohl das Deutsche Rote Kreuz, als auch die Caritas und Innere Mission wurden dem WHW angeschlossen und sammelten Spenden in dessen Namen. Aber auch Mitglieder anderer nationalsozialistischer Organisationen, wie der Hitler Jugend, dem Bund Deutscher Mädel oder der SA wurden zum Sammeln beauftragt.
Wurde zu Beginn der WHW noch vermehrt Nahrung, Kleidung, Heizmittel und ähnliches gespendet und gesammelt, wandelten sich diese schnell zu Geldspenden um. Diese finanziellen Mittel verfehlten die Erwerbslosen und Bedürftigen, da sie nur Sachspenden erhielten. Um der ganzen Stadt kenntlich zu machen wer gespendet hat und um so die Bevölkerung unter Druck zu setzen, wurden Plaketten an die Haustüren angebracht. Je nach monatlichem Einkommen musste ein bestimmter Betrag gezahlt werden, stieg das Einkommen wurde nachgefordert. In Spendenlisten wurde veröffentlicht, wer wie viel gespendet hat. Wer sich den Spenden entzog, wurde mit einer Gefängnisstrafe belegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition Soziale Arbeit: Erläutert die historische Entwicklung des Begriffs von der Armenpflege bis zur modernen Sozialen Arbeit und definiert diese als professionelle Unterstützung zur Problembewältigung und sozialen Teilhabe.
2. Historischer Kontext: Analysiert die politische Transformation Deutschlands von der Weltwirtschaftskrise bis hin zur Etablierung des nationalsozialistischen Regimes und dessen verheerende Auswirkungen auf die soziale Situation.
3. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt: Beschreibt die Entstehung der NSV als nationalsozialistische Wohlfahrtsorganisation und beleuchtet deren ideologische Aufgabenbereiche, die auf Selektion und Ausgrenzung basierten.
4. Hilfswerke der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt: Detailliert die Funktionsweise spezifischer Organisationen wie das Winterhilfswerk und das Hilfswerk „Mutter und Kind“ als Instrumente der NS-Ideologie.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Nationalsozialismus, Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, NSV, Winterhilfswerk, Wohlfahrtspflege, Ausgrenzung, Rassehygiene, Mutter und Kind, Propaganda, Sozialdarwinismus, Selektion, Ideologie, Geschichte, Hilfswerke.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Umwandlung der Wohlfahrtspflege unter der nationalsozialistischen Diktatur und die Rolle der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Einordnung, der NS-Ideologie in der Sozialpolitik sowie der spezifischen Ausgestaltung von Hilfswerken wie dem Winterhilfswerk und „Mutter und Kind“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Soziale Arbeit unter den Nationalsozialisten von einem sozialen Unterstützungsauftrag zu einem selektiven, ausgrenzenden Kontrollinstrument umfunktioniert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Facharbeit, die auf Literaturanalyse und der Auswertung von Quellen zur NS-Sozialpolitik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Etablierung und Aufgabenbereiche der NSV sowie die detaillierte Analyse der Hilfswerke WHW und MuK.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentral sind Begriffe wie Nationalsozialismus, NSV, Wohlfahrtspflege, Sozialdarwinismus und Rassehygiene.
Wie unterschied sich die Spendenpraxis des Winterhilfswerks vor und nach 1933?
Vor der Machtergreifung lag der Fokus auf der direkten Unterstützung von Bedürftigen durch Gutscheine und Sachspenden; später wandelte sich dies zu einem propagandistischen Instrument mit sozialem Druck und Zwang, wobei die Mittel primär der Selbstdarstellung des Regimes dienten.
Welche erzieherische Rolle nahm das Hilfswerk „Mutter und Kind“ ein?
Es diente dazu, Mütter ideologisch zu binden, staatstreue Erziehung zu forcieren und durch „Erbgesundheits“-Kriterien gezielte Bevölkerungspolitik zu betreiben.
- Citar trabajo
- Janina Spallek (Autor), 2012, Soziale Arbeit im nationalsozialistischen Deutschland am Beispiel der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210508