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Eine gouvernementale Analyse der Hartz-Reform. Das unternehmerische Selbst und sein prekäres Gegenstück

Titre: Eine gouvernementale Analyse der Hartz-Reform. Das unternehmerische Selbst und sein prekäres Gegenstück

Thèse de Bachelor , 2011 , 39 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Martin Hesse (Auteur)

Sciences Sociales générales
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„Obwohl wir zweifellos weder am Anfang eines neuen Zeitalters stehen noch am Ende eines alten, beginnen wir vielleicht das Zerbrechen dieses einst sicheren Raumes des Inneren zu erkennen, das Zertrennen einiger der Linien, die dieses Diagramm zusammengeschnürt haben, die Möglichkeit, dass wir, wenn wir schon die Existenzweisen, die für uns erfunden wurden, nicht aus der Welt schaffen können, zumindest ihre Selbstverständlichkeit erschüttern und anfangen können, uns in unterschiedlicher Weise selbst zu erfinden.“
Das Zitat spiegelt meine persönliche Motivation für das Verfassen dieser Arbeit wider. Ich wollte verstehen, was Michel Foucault dazu bewegte, das Subjekt und seine Bildung zur einzigen Konstante seiner langjährigen und vielschichtigen Arbeiten zu machen. Ich wollte verstehen, was er meint, wenn er uns sinngemäß dazu drängt, uns nicht auf diese oder jene Weise subjektivieren zu lassen. Ich wollte Foucaults Idee von Freiheit verstehen und habe deshalb eine Gruppe von Menschen als Interesse dieser Arbeit gewählt, deren Freiheit prekär erscheint. Gemeint sind EmpfängerInnen von Arbeitslosengeld II bzw. von Hartz IV. Die gouvernementale Perspektive soll dabei zur Analyse eines neoliberalen Zeitgeistes dienen, in den sowohl der bedürftige Arbeitslose als auch ein Unternehmer eingebunden sind. In der speziellen Subjektivierungsweise des Unternehmers werden Parallelen zum Arbeitslosen aufgedeckt und in der speziellen prekären Freiheit des Erwerbslosen Parallelen zu unser aller Freiheit.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzept der Gouvernementalität

3 (Neoliberale) Gouvernementalität der Gegenwart

3.1 Geschichte der Gouvernementalität

3.2 (Neoliberale) Gouvernementalität der Gegenwart

3.2.1 Das Freiheitsdispositiv innerhalb neoliberaler Regierungsrationalität

3.2.2 Neoliberale Subjektivierungsform (Das Unternehmerische Selbst)

4 Anwendungsteil: Neoliberale Subjektivierungsform am Beispiel von Hartz IV und Ihre Auswirkungen

4.1 Neoliberale Subjektivierung am Beispiel der Hartz-Reformen

4.1.1 Die Hartz Kommission (Macht-Wissen-Komplex)

4.1.2 Das Jobcenter als Dienstleistung (Machtbeziehungen und Herrschaftszustände)

4.1.3 Kooperation unter Zwang (Herrschaftstechniken und Techniken des Selbst)

4.2 Hegemoniale Subjektivierungsform und ihre Konsequenzen

4.2.1 Gegenpart des Unternehmerischen Selbst

4.2.2 Utopie der Konsequenzen

5 Schluss

6 Anmerkungen

6.1 Staat und seine Institutionen – Unterscheidung von Machtbeziehungen und Herrschaftszuständen

6.2 Macht-Wissen-Komplex

6.3 Regierungstechniken und Techniken des Selbst

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die neoliberale Gouvernementalität und die damit einhergehende Form der Subjektivierung, konkretisiert am Beispiel der Hartz-Reformen in Deutschland. Ziel ist es, die Verschiebung der Machtlogiken aufzuzeigen, durch die Arbeitslose als „unternehmerische Selbst“ diszipliniert und in das gesellschaftliche Gefüge integriert werden.

  • Analyse des Konzepts der Gouvernementalität nach Michel Foucault
  • Untersuchung des neoliberalen Freiheitsdispositivs
  • Dekonstruktion der Figur des „Unternehmerischen Selbst“
  • Kritische Betrachtung der Hartz-IV-Reformen als Steuerungsinstrument

Auszug aus dem Buch

3.2.2 Neoliberale Subjektivierungsform (Das Unternehmerische Selbst)

Es wird nicht allzu schwer fallen sich unter dem Begriff des Unternehmerischen Selbst etwas vorzustellen. Unternehmerische Praktiken, wie der rationale Umgang mit Zeit, den wir mit Ratgebern über Zeitmanagement zu effektivieren versuchen, zeigt, wie tief diese Praktiken in unserem Alltag eingebunden sind.

Die Entstehung einer solchen Subjektivierungsweise ist eine langwierige komplexe Angelegenheit, die in Abhängigkeit eines Dispositivs steht, in dem Fall des neoliberalen Freiheitsdispositivs. Dieses Dispositiv funktioniert ähnlich wie ein Schwamm; es saugt bestimmte Normen, Praktiken, Reglementierungen und Machtverhältnisse über Diskurse auf. Dispositive können in der Vorstellung Foucaults durch unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen und verschiedenste Diskurse in einer Gesellschaft wandern, somit verfestigen sie sich zu unumstößlichen Grundsätzen, welche von den Individuen oft selbstverständlich in die eigenen Handlungspraxen übernommen werden (vgl. Foucault 1978, S.119).

Durch die Subjektivierungsweise des Unternehmerischen Selbst entsteht eine Art Sog, dem wir uns kaum entziehen können. Ein Sog, der uns zur ständigen Selbstoptimierung zwingt, um unsere „Marke Ich“ besser nach den Regeln des Wettbewerbs verkaufen zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die persönliche Motivation des Autors, sich mit Foucaults Subjektverständnis und der prekären Freiheit der Arbeitslosen unter Hartz IV auseinanderzusetzen.

2 Das Konzept der Gouvernementalität: Dieses Kapitel führt in Michel Foucaults Konzept der Gouvernementalität als „Genealogie des modernen Staates“ ein und erläutert dessen Bedeutung für die Analyse von Machtbeziehungen.

3 (Neoliberale) Gouvernementalität der Gegenwart: Hier wird der historische Kontext der Gouvernementalität beleuchtet und die Transformation zum neoliberalen Freiheitsdispositiv sowie dem „unternehmerischen Selbst“ dargelegt.

4 Anwendungsteil: Neoliberale Subjektivierungsform am Beispiel von Hartz IV und Ihre Auswirkungen: Dieses Kapitel transferiert die theoretischen Grundlagen auf die Hartz-Reformen und analysiert, wie durch Arbeitsmarktpolitik neue Formen der Disziplinierung und Subjektivierung geschaffen werden.

5 Schluss: Das Fazit fasst zusammen, wie das „unternehmerische Selbst“ und die Regierungsmechanismen zu einem regulativen Ideal führen, welches das Individuum in seine eigene Selbstverwaltung einsperrt.

6 Anmerkungen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie Machtbeziehungen, der Macht-Wissen-Komplex und Regierungstechniken detaillierter theoretisch eingeordnet.

Schlüsselwörter

Gouvernementalität, Neoliberalismus, Hartz IV, Unternehmerisches Selbst, Subjektivierung, Foucault, Freiheitsdispositiv, Macht-Wissen-Komplex, Selbstoptimierung, Aktivierung, Arbeitsmarktpolitik, Herrschaftstechniken, Machtbeziehungen, Soziologie der Arbeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie staatliche Macht im Neoliberalismus ausgeübt wird, insbesondere wie das Individuum dazu angehalten wird, sich selbst als Unternehmer zu führen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Theorie der Gouvernementalität von Michel Foucault, die Funktionsweise des neoliberalen Marktes und die Auswirkungen der Hartz-IV-Gesetzgebung auf das Selbstverständnis von Arbeitslosen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Arbeitslose durch neoliberale Regierungsrationalität dazu gebracht werden, ihr eigenes Verhalten im Sinne der Marktlogik zu optimieren und für ihre eigene soziale Situation verantwortlich zu sein.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt die foucaultsche Analyse von Dispositiven und Machtbeziehungen, um die gesellschaftliche Transformation und die Auswirkungen der Arbeitsmarktreformen theoretisch einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der konkreten Anwendung des Konzepts auf die Hartz-Reformen, wobei Themen wie die Hartz-Kommission, die Rolle der Jobcenter und die „Kooperation unter Zwang“ im Detail untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gouvernementalität, unternehmerisches Selbst, Subjektivierung und neoliberale Rationalität geprägt.

Welche Rolle spielt der Begriff „unternehmerisches Selbst“ in der Arbeit?

Dieser Begriff beschreibt eine spezifische neoliberale Subjektform, bei der das Individuum gezwungen ist, sein Leben wie ein Unternehmen zu betrachten und sich ständig selbst zu optimieren.

Wie bewertet der Autor die Rolle der Jobcenter im Rahmen der Hartz-Reformen?

Der Autor interpretiert die Jobcenter als Instrument der neoliberalen Gouvernementalität, das durch spezifische Beratungsstrategien eine „Verzerrung“ erzeugt, die den Zwang zur Arbeit hinter einem kundenorientierten Dienstleistungsbegriff verbirgt.

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Résumé des informations

Titre
Eine gouvernementale Analyse der Hartz-Reform. Das unternehmerische Selbst und sein prekäres Gegenstück
Université
University of Erfurt  (Staatswissenschaftliche Fakultät)
Cours
Soziologie der Arbeit
Note
1,7
Auteur
Martin Hesse (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
39
N° de catalogue
V210587
ISBN (ebook)
9783656418764
ISBN (Livre)
9783656418825
Langue
allemand
mots-clé
Gouvernementalität Michel Foucault Hartz IV Hartz Subjektivierung Grundeinkommen neoliberal Bröckling Freiheit Unternehmer Selbsttechniken
Sécurité des produits
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Citation du texte
Martin Hesse (Auteur), 2011, Eine gouvernementale Analyse der Hartz-Reform. Das unternehmerische Selbst und sein prekäres Gegenstück, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210587
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