"Das werthvolle an ihnen sind nicht die historischen Details, die er giebt, sondern die eingestreuten Reflexionen, die ethischen Betrachtungen, die er über die einzelnen Personen anstellt, das Eingehen auf individuelle Stimmungen und Leidenschaften der grossen Männer, die er uns vorführt."
Genau das macht Plutarch für die Nachwelt so interessant. Ergeht er sich doch nicht nur in langatmigen Schlacht- und Heeresbeschreibungen und ausführlichen Charakteristiken seiner Protagonisten, sondern versucht ihrem Wesen durch die Schilderungen von Anekdoten und Begebenheiten, denen vielleicht nicht immer große historische Bedeutung zukommt, im Leben berühmter Feldherren, Könige und Anführer auf den Grund zu gehen.
Diese Arbeit will jedoch speziell den Ausführungen über den römischen Bürgerkrieg, die in Plutarchs Caesar beschrieben werden, nachgehen. Damit verbunden soll auch Caesars Charakter und Handeln in diesem Krieg thematisiert werden.
Plutarch gilt als berühmtester Biograf der Antike. Daher soll zunächst Plutarchs Leben und sein literarisches Schaffen näher beleuchtet werden, da er zwar vor allem durch seine Parallelbiografien berühmt wurde, jedoch weit mehr Schriften mit sowohl biografischem als auch philosophischem Charakter geschaffen und veröffentlicht hat.
Folgend soll seine Biografie des Lebens von Iulius Caesar als Hauptthema behandelt werden.
Obwohl diese Biografie Teil einer Parallelbiografie von Alexander dem Großen und Caesar ist, soll hier nur der Caesar und speziell die Darstellung des Bürgerkriegs und Caesars Rolle in ihm behandelt werden.
Der vollständige Inhalt der Caesar Biografie soll zu Beginn zusammengefasst werden, um darauf aufbauend die genaue Beschreibung des Bürgerkrieges zu untersuchen.
Nachfolgend werden dann besondere schriftstellerische Auffälligkeiten dieser Schilderung näher beleuchtet, da dies bei Plutarchs anekdotischem Stil besonders von Bedeutung ist.
Nicht zuletzt soll hierbei auch Plutarchs Urteil über den Bürgerkrieg und Caesar untersucht werden.
Sieht Plutarch Caesar als „Mann der Stunde“, der aufgrund von ungerechter Behandlung und bestehenden Missständen einen Bürgerkrieg provoziert, nur um zu seinem Recht zu kommen und nicht zuletzt dadurch ein ganzes Staatssystem umzustürzen? Oder aber war Caesar in Plutarchs Augen von Anfang an der gewissenlose Machtpolitiker, der nach der Alleinherrschaft strebte und dafür auch über die Leichen seiner Landsleute ging?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Plutarch
Sein Leben
Sein literarisches Werk
Plutarchs Caesar
Inhalt vor und nach dem Bürgerkrieg
Beschreibung des Bürgerkrieges
Der Italische Feldzug und der Feldzug in Spanien
Der Kampf in Griechenland und die Schlacht bei Pharsalos
Der Alexandrinische Krieg und der Krieg gegen Pharnakes
Der Krieg in Afrika und gegen die Söhne des Pompeius
Auffälligkeiten
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung des römischen Bürgerkriegs in Plutarchs Biografie über Julius Caesar, mit dem primären Ziel, sowohl das Bild des Kaisers als auch die erzählerischen Besonderheiten und die moralische Bewertung des Konflikts durch den antiken Biografen zu analysieren.
- Analyse der Biografie "Caesar" von Plutarch unter Berücksichtigung historischer und anekdotischer Elemente.
- Untersuchung der Darstellung des Bürgerkriegs und der Rolle Caesars als machtbewusster Akteur.
- Herausarbeitung von Plutarchs moralischer und pädagogischer Intention bei der Beschreibung historischer Ereignisse.
- Beurteilung der Schreibweise und des Umgangs mit Quellen im Vergleich zu historischen Fakten.
Auszug aus dem Buch
Der Italische Feldzug und der Feldzug in Spanien
Bereits im 13. Abschnitt lange vor dem eigentlichen Beginn des Bürgerkrieges merkt Plutarch an, dass nicht „das Zerwürfnis zwischen Caesar und Pompeius, das am Ausbruch des Bürgerkrieges schuld war, die grundlegende Ursache war, vielmehr ihre Freundschaft […]“ Plutarch vermutet also bei beiden Männern gleichsam einen Willen, das bestehende Staatssystem zu stürzen. 50 vor Christus kam es dann jedoch zu einem Bruch zwischen beiden Männern, da jeder der Mächtigste in Rom sein wollte. Plutarch fasst Caesars Überlegungen mit nur einem Satz zusammen: „Wer der Mächtigste werden wollte, mußte den derzeit Mächtigsten stürzen.“ Caesar musste also Pompeius los werden und dieser wiederum versuchte ähnliches. Beide wollten ihre jeweiligen Provinzen behalten und Caesar besaß immer noch sein Heer in Gallien. Pompeius behielt sein Provinzkommando, doch Caesar sollte Gallien abgeben und seine Truppen entlassen. Caesar wurde ein Frist gesetzt, bis zu der er seine Truppen vollständig entlassen sollte, denn andernfalls würde er zum Staatsfeind erklärt.
Es kam dann zu längeren Verhandlungen zwischen Caesar und Pompeius, die jedoch im Sand verliefen, da Pompeius zwar Caesars Forderung zustimmte, dies Caesar aber nicht reichte. Zudem glaubte niemand an einen baldigen Kriegsbeginn, da ein Großteil von Caesars Truppen noch hinter den Alpen stand und erst herüber geholt werden musste. Caesar marschierte mit seinen wenigen Truppen bis zum Rubikon. Dort unterstellt Plutarch ihm ein gewisses Zögern.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung Plutarchs als Biograf heraus und umreißt die Absicht, die Darstellung des Bürgerkriegs und Caesars Charakter in dessen Biografie kritisch zu untersuchen.
Plutarch: Dieses Kapitel widmet sich der Biografie Plutarchs, seinem Leben, seinen Reisen und seinem umfangreichen literarischen Werk sowie seiner Bedeutung als Biograf der Antike.
Plutarchs Caesar: Hier wird die Biografie "Caesar" in den Kontext von Plutarchs Schaffen gesetzt und der inhaltliche Fokus auf Caesars Leben vor und nach dem Bürgerkrieg dargelegt.
Beschreibung des Bürgerkrieges: Dieser zentrale Abschnitt analysiert detailliert die verschiedenen Feldzüge, von Italien über Griechenland bis nach Afrika, und bewertet die Erzählweise Plutarchs.
Auffälligkeiten: In diesem Kapitel werden formale und inhaltliche Besonderheiten von Plutarchs Werk, wie seine Quellenwahl und der anekdotische Erzählstil, diskutiert.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet Plutarchs ambivalentes Caesar-Bild sowie dessen pädagogische Zielsetzung.
Schlüsselwörter
Plutarch, Caesar, Bürgerkrieg, Pompeius, Römische Geschichte, Biografie, Antike, Machtpolitik, Clementia, Schlachten, Pharsalos, Alexandria, Historische Quellen, Moralische Wertung, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Darstellung des römischen Bürgerkriegs in Plutarchs Biografie über Julius Caesar.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen Caesars Charakter, seine Rolle im Bürgerkrieg sowie die methodische Arbeitsweise Plutarchs bei der Vermittlung historischer Ereignisse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, wie Plutarch Caesar darstellt, ob er ihn als bewussten Machtpolitiker zeichnet und welche moralischen Urteile der Autor dabei trifft.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer philologisch-historischen Analyse der Primärquelle (Plutarchs "Caesar") unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur römischen Geschichte.
Welche Inhalte deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil behandelt chronologisch die Feldzüge des Bürgerkriegs und analysiert dabei spezifische Anekdoten, politische Schachzüge und Plutarchs eigene Kommentare dazu.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Caesar, Plutarch, Bürgerkrieg, Machtpolitik, Clementia und antike Biografie.
Wie bewertet Plutarch Caesars Verhalten im ägyptischen Feldzug?
Plutarch bewertet diesen Feldzug kritisch und greift dabei auf zeitgenössische Berichte zurück, die Kleopatra oder die Berater des ägyptischen Königs für den Konflikt verantwortlich machten.
Welchen Stellenwert räumt der Autor der Schlacht bei Pharsalos ein?
Plutarch misst dieser Schlacht eine zentrale Bedeutung bei, da sie den Wendepunkt im Bürgerkrieg markiert und den weiteren Verlauf der Biografie maßgeblich bestimmt.
Wie geht Plutarch mit den Anekdoten über Caesar um?
Plutarch nutzt Anekdoten gezielt, um den Charakter Caesars zu verdeutlichen, auch wenn diese historisch nicht immer als gesichert gelten können.
Was schließt die Arbeit über Plutarchs Sicht auf Caesar als Diktator?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Plutarch Caesars spätere Alleinherrschaft als "Joch" für das römische Volk betrachtet und sein Handeln kritisch hinterfragt.
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- Roxana Romahn (Author), 2013, Der Bürgerkrieg in den Darstellungen von Plutarchs "Caesar", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210612