Die Bedeutung der Spieltheorie zur Modellierung vonLohnverhandlungen hat in
den letzten Jahren und Jahrzehnten stark zugenommen. Aufgabe der vorliegenden
Arbeit ist es, mehrere im Artikel "Game Theoretic Models of Wage Bargaining"
von Paola Manzini vorgestellte Modelle zusammenzufassen und zu erläutern.
Dabei soll besonders Wert auf eine verständliche Darstellung der einzelnen
mathematischen Operationen gelegt werden, jedoch ohne dabei den Blick auf die
Ergebnisse und deren Interpretation zu verlieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Modell von Rubinstein
2.1 Annahmen und Gleichgewichtslösung
2.2 Eigenschaften des Gleichgewichts
3 Modell von Shaked und Sutton
3.1 Gleichgewichtslösung
3.2 Erweiterung: Existenz von Streiks
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit zielt darauf ab, die im Artikel "Game Theoretic Models of Wage Bargaining" von Paola Manzini vorgestellten spieltheoretischen Modelle zu systematisieren und mathematisch nachvollziehbar zu erläutern. Im Fokus steht dabei die Analyse von Verhandlungssituationen unter vollständiger Information, um die Mechanismen hinter Lohnverhandlungen und deren Gleichgewichtslösungen aufzuzeigen.
- Grundlagen spieltheoretischer Lohnverhandlungsmodelle
- Analyse des klassischen Rubinstein-Verhandlungsmodells
- Modellierung von Arbeitslosigkeit und Verhandlungsmacht
- Untersuchung von Streikszenarien bei vollständiger Information
Auszug aus dem Buch
2.1 Annahmen und Gleichgewichtslösung
Das Verhandlungsmodell von Rubinstein wurde erstmals im Jahr 1982 veröffentlicht und betrachtet ein Spiel zwischen zwei Akteuren. Zu allen geraden Zeitpunkten, beginnend bei t = 0, macht Spieler 1 einen Vorschlag, wie ein Überschuss zwischen beiden Spielern aufgeteilt werden soll. Spieler 2 kann dieses Angebot annehmen, was zum Ende des Spiels führt, oder ablehnen. Im Fall der Ablehnung muss Spieler 2 in t = 1 eine Verteilung vorschlagen. Spieler 1 kann diese wiederum ablehnen oder annehmen. Lehnt Spieler 1 ab, ist er in der nächsten Periode t = 2 wieder mit an der Reihe, einen neuen Vorschlag zu machen. Die Verhandlung dauert solange an, bis eine Einigung erzielt wurde.
Die Annahmen, die über die Präferenzen der Spieler getroffen werden, sind von entscheidender Bedeutung für das Verhandlungsergebnis. Rubinstein macht dabei die folgenden fünf Annahmen: 1) Die Akteur möchten für sich einen möglichst hohen Anteil erreichen, 2) Beide Spieler präferieren eine möglichst schnelle Einigung, 3) Kontinunität, 4) Stationarität, 5) Ein größerer Anteil führt zu einem höheren Nutzenverlust durch eine Verzögerung um eine Periode.
Es existiert eine Vielzahl von Nutzenfunktionen, die diese Voraussetzungen erfüllen. Wir beschränken uns jedoch auf Funktionen mit festem Abdiskontierungsfaktor δ. Spieler i (mit i = 1,2) hat eine Nutzenfunktion der Form δ^t*xi mit t als Zeitpunkt und xi als Anteil für Spieler i. Dabei gilt: δ ∈ (0,1).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Spieltheorie für Lohnverhandlungen ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, ausgewählte Modelle von Manzini zu analysieren.
2 Modell von Rubinstein: In diesem Kapitel wird das grundlegende Verhandlungsmodell vorgestellt, die mathematischen Bedingungen für ein Nash-Gleichgewicht hergeleitet und dessen Effizienz diskutiert.
3 Modell von Shaked und Sutton: Hier wird ein fortgeschritteneres Modell betrachtet, das spezifisch die Interaktion zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer inklusive der Möglichkeit von Arbeitslosigkeit und Streiks thematisiert.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Flexibilität des Rubinstein-Modells zur Abbildung realer Arbeitsmarktcharakteristika.
Schlüsselwörter
Spieltheorie, Lohnverhandlungen, Nash-Gleichgewicht, Rubinstein-Modell, Shaked und Sutton, Abdiskontierungsfaktor, Vollständige Information, Streik, Arbeitslosigkeit, Nutzenfunktion, Strategisches Verhalten, Verhandlungsmacht, Tarifverhandlungen, Rückwärtsinduktion, Erster-Zug-Vorteil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht spieltheoretische Modelle, um komplexe Lohnverhandlungsprozesse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern theoretisch abzubilden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf strategischen Verhandlungsmodellen, dem Einfluss von Zeitpräferenzen (Diskontierung) auf den Verhandlungserfolg und der Modellierung von Streiks.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Modelle von Rubinstein sowie von Shaked und Sutton verständlich darzustellen und deren mathematische Gleichgewichte zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Es wird eine modelltheoretische, spieltheoretische Analyse verwendet, die auf der Rückwärtsinduktion basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Herleitung des Rubinstein-Modells für allgemeine Verhandlungen und das erweiterte Modell von Shaked und Sutton für den Arbeitsmarkt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das Nash-Gleichgewicht, der Abdiskontierungsfaktor δ, strategische Verzögerung und der Vorteil des ersten Zuges.
Wie beeinflusst der Diskontierungsfaktor das Verhandlungsergebnis?
Ein höherer Diskontierungsfaktor (höhere Geduld) stärkt die eigene Verhandlungsposition, da man bei Verzögerungen weniger Nutzen verliert und somit eher bereit ist, schlechte Angebote abzulehnen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Firma und Arbeitnehmer in Kapitel 3 eine Rolle?
Im Gegensatz zum allgemeinen Modell von Rubinstein führt die Spezifizierung auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer Kosten bei Verhandlungsabbruch sowie die Möglichkeit von Streiks ein, was die Verteilung des Profits beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- M. Sc. Hendrik-Sebastian Schmitz (Autor:in), 2011, Game Theoretic Models of Wage Bargaining, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210894