Die Liturgie des Abendmahls zur Reformationszeit und der Gegenwart


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

27 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Martin Luther: Formula Missae und Deutsche Messe
2.1 Forumla Missae
2.2 Deutsche Messe
2.3 Freiheit der Liturgie
2.5 Das reformatorische Anliegen

3. Abendmahlsliturgie unter Johannes Bugenhagen in Pommern

4. Abendmahlsliturgie heute

5. Abendmahlslieder
5.1 Reformationszeit (Lutheraner)
5.2 Heutige Zeit

6. Vergleich zweier Abendmahlslieder

7. Fazit

8. Anhang

9. Literatur

1. Einleitung

Wenn die „Reformation nicht eine einzige MeGordnung von Dauer hervorgebracht" (Schmidt-Lauber, S. 111) hat, wie sieht die Abendmahlsliturgie heute aus? Im Evangelischen Gesangbuch finden sich heute 17 Lieder unter dem Stichwort „Abendmahl“. Das Evangelische Gottesdienstbuch unterscheidet dazu zwei Grundformen fur die Gestaltung eines Gottesdienstes mit Abendmahl. Laut EKD wird das Abendmahl „in der Regel mindestens einmal im Monat" (Der Gottesdienst, S. 59) gefeiert. Im Mittelalter dagegen feierte man es einmal im Jahr (vgl. Das Abendmahl, S. 46). Fur Martin Luther hingegen war „die sonntagliche Abendmahlsfeier der Gemeinde selbstverstandlich" (Das Abendmahl, S. 46).

Meyer schreibt, dass die Zeit des Mittelalters die Messe „vielfach bereichert und ausgestaltet, andererseits aber und im Zusammenhang damit auch verunklart" hat (Meyer, S. 20). Die „Liturgische Bewegung (...) bemuhte [sich], die Messe wieder aktiv mitzufeiern" (Meyer, S. 16), was aber nicht problemlos umzusetzen war. Luther spielt bei der Entwicklung von Abendmahlsliturgien eine wesentliche Rolle. Mit seinen zwei Formularen, der Formula Missae und der Deutschen Messe hat er wesentliche Veranderungen vorgenommen. Jedoch bemangelt Schmidt-Lauber, dass die Jutherische Kirche (...) seit den Tagen der Reformation in keiner einheitlichen Ordnung ihres Gottesdienstes leben konnen" (Schmidt-Lauber, S. 111).

Inwieweit Luthers Ideen heutzutage noch eine Rolle spielen, soil Teil dieser Hausarbeit sein. Zunachst sollen seine Ordnungen vorgestellt und verglichen werden. Dabei sollen auch die reformatorischen Anliegen herausgestelltwerden. AnschlieGend soil ein Blick auf Bugenhagens zahlreiche Kirchenordnungen fur Norddeutschland und Skandinavien geworfen werden bevor die heutige Abendmahlsliturgie der aus der Reformationszeit gegenubergestellt wird. SchlieGlich sollen Abendmahlslieder betrachtet werden. Dazu wird ein theoretischer Vergleich von Merkmalen reformatorischer und moderner Lieder vorgenommen, der abschlieGend um eine Gegenubergestellung von Beispielen erganzt wird.

2. Martin Luther: Formula Missae und Deutsche Messe

2.1 Forumla Missae

Martin Luthers Neuordnungen der Messe sind essentiell fur der Entwicklung von Abendmahlsliturgien. Mit seiner Formula Missae von 1523 „ordnet und erklart" er den „Verlauf der Messe" (Schmidt-Lauber, S. 85). Vor allem den „Sakramentsteil“ kurzt und verandert er (vgl. (Schmidt-Lauber, S. 85). Die Struktur sieht folgendermaGen aus:

1. Bereitung der Gaben (ohne Gebete),
2. Eucharistischer Dialog,
3. Prafation,
4. Verba testamenti,
5. Sanctus, Elevation beim Benedictus,
6. Paternoster
7. Pax Domini,
8. Vorbereitungsgebet
9. Agnus Dei zur Kommunion
10. Austeilung mit Spendenformel
11. Schlussgebet
12. Salutatio, Benedicamus, Alleluia,
13. Segen.

(aus: Schmidt-Lauber, S. 85-86)

Im Vergleich mit der romischen Messe wurden hier erhebliche Kurzungen vorgenommen. Luther mochte „alle Worte, die nach Opfer klingen" (Schmidt- Lauber, S, 226) abschaffen. Wahrend die romische Messe zwolf Gebete enthalt, findet sich hier nur noch eins: „die verba testamenti" (Schmidt-Lauber, S. 86). Diese Streichungen bedeuten einen erheblichen „Verlust eines GroGteils des altkirchlichen Eucharistiegebets" (Schmidt-Lauber, S, 226).

Daruber hinaus hat Luther einige Umstellungen vorgenommen. So werden die Einsetzungsworte zwischen Prafation und dem Sanctus Benedictus platziert (vgl. S. Schmidt-Lauber 86). Die Motivation Luthers fur diese Entscheidung ist nicht eindeutig. Schmidt-Lauber meint, dass die Einsetzungsworte „mit dem vorhergehenden Prafations-/Sactus-Teil“ (Schmidt-Lauber, S. 86) verbunden sein sollten, weil alle anderen Gebete weggefallen sind.

Luther entscheidet sich auGerdem fur eine laute Lesung der Einsetzungsworte und keine stille Rezitation (vgl. Schmidt-Lauber, S. 87). Dies ist ihm wichtig, da das „Gotteslob uber den Gaben (...) zentraler und unerlaGlicher Teil des stiftungsmaGigen Handelns der Gemeinde" (Schmidt-Lauber, S, 226) ist. Daneben kurzt Luther die Prafation dahingehend, dass Sondergut und Uberleitung zum Sanctus entfallen (vgl. Schmidt-Lauber 87). Auch das Sanctus wird umgedeutet, sodass es „zum Lobpreis des sakramental kommenden Christus" wird und nicht mehr wie fruher „Lobgesang Gottes des Vaters" (Schmidt-Lauber, S. 87) ist. AuGerdem ist zu sagen, dass Luther im Vaterunser eher die „(Vergebungs-) Bitte" als die „(Brot-) Bitte" betont und somit „innerhalb der Eucharistie die allgemeine Beichte" (Schmidt-Lauber, S. 87). SchlieGlich wird auch das Agnus Dei anders verwendet, indem es nicht „Brechungsgesang, sondern (...) Kommunionsgesang" (Schmidt-Lauber, S. 87) ist, also bei der Austeilung gesungen wird. Insgesamt ist die Formlula Missae also eine neue Ordnung mit einer „zentrale[n] Bedeutung der Verkundigung" (Schmidt-Lauber, S, 226). Dabei wird „vieles von der katholischen Messe" beibehalten, „auGer dem Kanon" und den „Offertoriumsgebete[n]“ (Bergsma, S. 50).

2.2 Deutsche Messe

Die sogenannte Deutsche Messe ist ein zweiter Vorschlag Luthers fur eine Messordnung. Sie wurde im Jahr 1526 veroffentlicht und ist eine „landessprachliche[n] Gottesdienstordnung" (Schmidt-Lauber, S. 99), also in deutsche verfasst. Dabei geht Bergsma davon aus, dass Nikolaus Hausmann Luther dazu gedrangt hatte (Bergsma, S. 50). Herbst stellt den Sachverhalt hingegen so dar, dass Luther ,,aus Furcht vor politischen Unruhen" (Herbst, S. 69) zogerte eine deutsche Ordnung umzusetzen. Der Entschluss es schlieGlich doch zu tun ruhrte von dem „uberraschenden Zulauf (...) den die deutschen Gottesdienste und Gesange Thomas Muntzers" (Herbst, S. 69) fanden. Wahrend Schmidt-Lauber infrage stellt, „ob jemals eine Messe nach ihr gefeiert wurde" (Schmidt-Lauber, S. 88), sagt Bergsma, dass Luther am „29. Oktober [1525], den ersten Versuch mit der neuen Messe" (Bergsma, S. 51) unternahm. Trotz der Deutschen Messe verweist Luther weiterhin auf „den unveranderten Gebrauch der Formula Missae“ (Schmidt-Lauber, S. 88). Er betont auGerdem, dass die Deutsche Messe kein „vollstandiges Formular" (Schmidt-Lauber, S. 88) ist. Auch Bergsma sagt, dass Luther „die lateinische Messe weiterhin empfohlen" (Bergsma, S. 51) hat. Trotzdem war das Interesse an einem deutschen Gottesdienst auGerst groG. Das zeigt sich daran, dass „noch im selben Jahr neben drei Wittenberger Ausgaben noch wenigstens sieben auswartige Drucke erschienen" (Bergsma, S. 51). Allerdings wurde die Messe spater „von keiner lutherischen Kirchenordnung unverandert ubernommen" (Schmidt-Lauber, S. 228). Der „Sakramentsteil“ sieht in der Deutschen Messe folgendermaGen aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus: Bergsma, S. 58)

Bei der Aufstellung der Messe war Luther wohl „besonders von der musikalischen Seite" (Bergsma, S. 50) her uberfordert und wollte auch Karlstadts Bestrebungen nach ausschlieGlich deutschen „Zeremonien“ nicht unterstutzen (vgl. Bergsma, S. 50). Schmidt-Lauber dagegen sagt, dass Luther „wohl deutsche Lieder [wunschte]" (Schmidt-Lauber, S, 226), es aber zu bis dato nur wenige gab. Vielleicht betont Luther auch auf Grund der musikalischen Defizite die Unvollstandigkeit der Ordnung.

Es fehlen auGerdem wichtige Elemente, die fur eine Eucharistie eigentlich unverzichtbar sind, wie das Vaterunser, welches hier nur in paraphrasierter Form auftaucht (vgl. Schmidt-Lauber, S. 88). Auch die Prafation und der Kanon, bis auf die Einsetzungsworte, fallen weg (vgl. Schmidt-Lauber, S. 88). Wie bei der Formula Missae wird auch hier das Agnus Dei als Kommunionsgesang verwendet (vgl. Schmidt-Lauber, S. 88). Auch das Sanctus erhalt diesen Charakter. AuGerdem werden ihnen „andere deutsche Lieder beigesellt" (Schmidt-Lauber, S. 88). Die Elevation wird besonders wichtig und erfullt eine „echte eucharistitische Funktion, die einer zeichenhaften Anamnese" (Schmidt- Lauber, S. 88). Luther lasst das Anamnesemandat sonst weg, obwohl es in der „mittelalterlichen Theologie (...) die Interpretation der Mahlworte" (Schwarz, S. 23) bestimmt. Fur Luther wird das Opfer also nicht im Abendmahl wiederholt (und deshalb vermeidet er auch diesen Ausdruck), sondern „die Mahlgaben" sind eher„Gedenkzeichen“ (Schwarz, S. 24).

Die erheblichen Kurzungen zeigen, dass „nur die wichtigsten Stucke aus der Liturgie" (Schmidt-Lauber, S. 88) aufgenommen wurden. Daruber hinaus ist es moglich, dass noch andere Elemente enthalten waren, die „als selbstverstandlich vorausgesetzt wurden" (Schmidt-Lauber, S. 89). Die Kurzungen setzen das Hauptaugenmerk auf „das Wesentliche, das Konstitutive der Sakramentshandlung" (Schmidt-Lauber, S. 89) und damit auf die Einsetzungsworte. Die Einsetzungsworte sind Luther also so wichtig, dass sie das „Hauptstuck der Messe" (Lohse, S. 48) sein sollen. Deshalb sollen sie auch direkt mit der Austeilung verbunden werden, sodass es zu einer Zweiteilung der Einsetzungsworte kommt (vgl. Schmidt-Lauber, S. 89), d.h. erst Brotwort und Austeilung,dann Kelchwort und Austeilung. Auch in der Formula Missae wurden die Einsetzungsworte bereits herausgehoben. Allerdings hat die Formula Missae insgesamt ,,eine reichere Liturgie" (Schmidt-Lauber, S. 88), wahrend in der Deutschen Messe „die ganze eucharistische Handlung (...) nur noch aus den verba testmenti und der Austeilung" (Schmidt-Lauber, S. 89) besteht. Genau darauf will Luther mit dieser neuen Ordnung den Fokus richten, wobei „alles andere zweitrangig" (Schmidt-Lauber, S. 89) ist. Auch die Lieder haben keinen konstitutiven Charakter, dienen aber dem „preisenden Gedachtnis" (Schmidt- Lauber, S. 89). Deshalb wird die Gemeinde aktiv „an der ganzen (gesungenen) Liturgie" (Schmidt-Lauber, S, 228) beteiligt.

2.3 Freiheit der Liturgie

Zunachst muss festgehalten werden, dass Luther „keine «neue» Messe schaffen" wollte und es sich deshalb bei seinen Gottesdienstordnungen auch nicht urn „Neuschopfungen“ handelt (Meyer, S. 17). Das vorhandene Messschema wurde als Vorlage verwendet und Luther hat es durch „Auslassungen und Umstellungen" (Meyer, S. 17) verandert. Dabei betont Luther, dass dies ,,eine Ordnung fur die Wittenberger Kirche" ist und sagt „jede andere konne daraus nehmen, was ihr passe" (Bergsma, S. 50). Das heil3>t, Luther sieht seine Messordnung „keineswegs als allgemein verbindlich" (Schmidt-Lauber, S. 108) an. Es ist nicht in seinem Sinn, dass die Ordnung zu einem Gesetz wird (vgl. Schmidt-Lauber, S. 108). Wesentlich sind fur ihn nur die Einsetzungsworte, alles andere jedoch kann frei gestaltet werden (vgl. Schmidt- Lauber, S. 108). Damit ist allerdings auch nicht „Willkur des einzelnen" gemeint, sondern „gegenseitige[r] Rucksichtnahme" (Schmidt-Lauber, S. 109). Luther selbst erstellte seine neue Ordnung auch frei nach dem Vorbild der romischen Messe, aus der er „soviel er fur angemessen halt [nimmt], besonders die musikalischen Teile" (Schmidt-Lauber, S. 109) ubernahm. Er selbst sagt „Und daher acht ich, das viel gesang jnn der Messe so fein und herrlich vom dancken und loben gemacht und bis her blieben ist" (Schmidt-Lauber, S. 109). Dabei taucht spater auch wieder die Prafation auf, was zeigt, dass Luther „wieder zu einer mehr traditionellen Gestaltung der Messe" (Schmidt-Lauber, S. 109 ) zuruckkehrte.

2.5 Das reformatorische Anliegen

Das reformatorische Anliegen hinsichtlich der Liturgie war „die Sicherung des Stiftungsbezugs angesichts der den Sinn der Eucharistie verdunkelnden MeGinterepretation" (Schmidt-Lauber, S, 229). Deshalb bekamen die Einsetzungsworte eine zentrale Stellung. Dieses Anliegen ist dabei allerdings nicht neu, sondern folgt der „im 4. Jahrhundert angelegten abendlandischen Tradition", die eine „immer starkere[n] Hervorhebung der Herrenworte als der verba consecrationis“ (Schmidt-Lauber, S, 228) erkennen lasst. In der Reformation wird diese Tendenz zugespitzt indem die Abendmahlsliturgie nur auf Einsetzungsworte und Austeilung reduziert wird (vgl. Schmidt-Lauber, S, 228).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Liturgie des Abendmahls zur Reformationszeit und der Gegenwart
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Theologie)
Veranstaltung
Abendmahl - Geschichte, Frömmigkeit und Theologie
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
27
Katalognummer
V211628
ISBN (eBook)
9783656394129
ISBN (Buch)
9783656394341
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
abendmahlsliturgie, wandel, heute, reformationszeit
Arbeit zitieren
Antje Holtmann (Autor), 2012, Die Liturgie des Abendmahls zur Reformationszeit und der Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211628

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