Wenn die „Reformation nicht eine einzige Meßordnung von Dauer hervorgebracht“ (Schmidt-Lauber, S. 111) hat, wie sieht die Abendmahlsliturgie heute aus? Im Evangelischen Gesangbuch finden sich heute 17 Lieder unter dem Stichwort „Abendmahl“. Das Evangelische Gottesdienstbuch unterscheidet dazu zwei Grundformen für die Gestaltung eines Gottesdienstes mit Abendmahl. Laut EKD wird das Abendmahl „in der Regel mindestens einmal im Monat“ (Der Gottesdienst, S. 59) gefeiert. Im Mittelalter dagegen feierte man es einmal im Jahr (vgl. Das Abendmahl, S. 46). Für Martin Luther hingegen war „die sonntägliche Abendmahlsfeier der Gemeinde selbstverständlich“ (Das Abendmahl, S. 46).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Martin Luther: Formula Missae und Deutsche Messe
2.1 Forumla Missae
2.2 Deutsche Messe
2.3 Freiheit der Liturgie
2.5 Das reformatorische Anliegen
3. Abendmahlsliturgie unter Johannes Bugenhagen in Pommern
4. Abendmahlsliturgie heute
5. Abendmahlslieder
5.1 Reformationszeit (Lutheraner)
5.2 Heutige Zeit
6. Vergleich zweier Abendmahlslieder
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Abendmahlsliturgie von der Reformationszeit bis in die Gegenwart, mit einem besonderen Fokus auf die liturgischen Entwürfe Martin Luthers sowie deren Rezeption und Weiterentwicklung. Ziel ist es, die zentralen theologischen Anliegen der Reformationszeit den modernen liturgischen Ausprägungen gegenüberzustellen und dabei insbesondere die Entwicklung der Abendmahlslieder als Ausdruck des jeweiligen Abendmahlsverständnisses zu analysieren.
- Liturgische Entwürfe Martin Luthers (Formula Missae und Deutsche Messe)
- Einfluss der Reformation auf norddeutsche Kirchenordnungen (Johannes Bugenhagen)
- Wandlung des Abendmahlsverständnisses und der liturgischen Praxis in der Moderne
- Vergleichende Analyse von Abendmahlsliedern aus der Reformationszeit und dem 20. Jahrhundert
- Rolle von Sündenvergebung, Realpräsenz und Gemeindeidentität in der Liturgie
Auszug aus dem Buch
2.1 Forumla Missae
Martin Luthers Neuordnungen der Messe sind essentiell für die Entwicklung von Abendmahlsliturgien. Mit seiner Formula Missae von 1523 „ordnet und erklärt“ er den „Verlauf der Messe“ (Schmidt-Lauber, S. 85). Vor allem den „Sakramentsteil“ kürzt und verändert er (vgl. (Schmidt-Lauber, S. 85). Die Struktur sieht folgendermaßen aus:
1. Bereitung der Gaben (ohne Gebete),
2. Eucharistischer Dialog,
3. Präfation,
4. Verba testamenti,
5. Sanctus, Elevation beim Benedictus,
6. Paternoster
7. Pax Domini,
8. Vorbereitungsgebet
9. Agnus Dei zur Kommunion
10. Austeilung mit Spendenformel
11. Schlussgebet
12. Salutatio, Benedicamus, Alleluia,
13. Segen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Abendmahlsliturgie von Luthers Reformen bis zur heutigen Zeit und stellt die Forschungsfrage nach der Relevanz lutherischer Ideen in der heutigen gottesdienstlichen Praxis.
2. Martin Luther: Formula Missae und Deutsche Messe: Dieses Kapitel analysiert Luthers liturgische Neuentwürfe und erläutert seine Intentionen zur Gestaltung des Gottesdienstes sowie die inhaltlichen Schwerpunkte der Formula Missae und der Deutschen Messe.
3. Abendmahlsliturgie unter Johannes Bugenhagen in Pommern: Hier wird der Einfluss von Luthers Ideen auf die norddeutsche Liturgie untersucht, wobei am Beispiel der pommerschen Kirchenordnungen die praktische Umsetzung dargelegt wird.
4. Abendmahlsliturgie heute: Das Kapitel vergleicht die heutige liturgische Gestaltung mit den historischen Vorbildern und diskutiert die Anpassungen an moderne gottesdienstliche Bedürfnisse.
5. Abendmahlslieder: Es erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Theologie evangelischer Abendmahlslieder zwischen der Reformationszeit und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
6. Vergleich zweier Abendmahlslieder: Anhand von zwei konkreten Liedbeispielen (Luther vs. Bücken/Schwarz) werden die unterschiedlichen theologischen Schwerpunkte und Frömmigkeitsformen praktisch verdeutlicht.
7. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass trotz des Wandels über die Jahrhunderte grundlegende reformatorische Impulse in der heutigen Liturgie weiterbestehen.
Schlüsselwörter
Abendmahl, Liturgie, Reformation, Martin Luther, Formula Missae, Deutsche Messe, Kirchenordnung, Johannes Bugenhagen, Abendmahlslied, Realpräsenz, Sündenvergebung, Gottesdienst, Sakrament, Eucharistie, Theologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung und dem Wandel der Abendmahlsliturgie, beginnend bei den Reformen Martin Luthers bis hin zur modernen gottesdienstlichen Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die liturgischen Entwürfe Luthers, deren Adaption in Norddeutschland durch Bugenhagen, der Wandel des Abendmahlsverständnisses sowie die Analyse von Abendmahlsliedern als theologische Dokumente.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Wandel der Abendmahlsliturgie zu erforschen und herauszuarbeiten, inwiefern Luthers reformatorische Anliegen die heutige gottesdienstliche Praxis beeinflussen oder sich verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die liturgische Schriften, Kirchenordnungen und die Texte von Abendmahlsliedern vergleichend gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Luthers Messordnungen, die Adaption in Pommern, die heutige liturgische Praxis und den detaillierten Vergleich von Abendmahlsliedern verschiedener Epochen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Abendmahl, Reformation, Liturgie, Realpräsenz, Sündenvergebung und das Wirken Martin Luthers.
Wie unterscheidet sich Luthers Sichtweise in der Formula Missae von der Deutschen Messe?
Während die Formula Missae noch stark an der Tradition orientiert ist und lateinisch verfasst wurde, zielte die Deutsche Messe auf eine landessprachliche, für die Gemeinde zugänglichere Form ab, wobei der Fokus verstärkt auf die Einsetzungsworte und das Abendmahl als Gedenken gerichtet wurde.
Welche Rolle spielte Johannes Bugenhagen für die Liturgie?
Bugenhagen fungierte als Vermittler von Luthers Ideen in den norddeutschen und skandinavischen Raum und prägte durch seine Kirchenordnungen die dortige gottesdienstliche Praxis maßgeblich.
Warum wird im 20. Jahrhundert der Sakramentscharakter in Liedern teilweise kritisiert?
Die Untersuchung zeigt, dass moderne Abendmahlslieder oft sehr allgemeine Formulierungen wählen, wodurch laut den zitierten Autoren der spezifische Sakramentscharakter und die Frage nach der Sündenvergebung in den Hintergrund treten.
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- Antje Holtmann (Autor), 2012, Die Liturgie des Abendmahls zur Reformationszeit und der Gegenwart, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211628