Der Hamburger Rahmenplan für das Fach Deutsch der 10. Jahrgangsstufe der Sekundarstufe I (achtstufiges Gymnasium) verlangt, dass „die Schülerinnen und Schüler [...] zeitgenössische Literatur sowie Prosa und Gedichte aus der literarischen Tradition [kennen] (Textinhalte, literarische Formen, Autoren und Bezüge zur Entstehungszeit)“ und „[...] Texte unterschiedlicher Gattungen sinnerschließend lesen [können], grundlegende Form- und Gestaltungselemente identifizieren und in Grundzügen Formen und Strukturen so aufeinander beziehen, dass sie Texte in ihren Aussagen und in ihrer formalen Struktur verstehen und in größere Zusammenhänge einordnen können [...]“ (FREIE UND HANSESTADT HAMBURG 2007: 23). Dies wird hauptsächlich dem Arbeitsbereich »Literatur, Sachtexte und Medien« zugeordnet, dem „es im Wesentlichen darum [geht], Freude am Lesen zu wecken und zu erhalten sowie vorhandene Lesekompetenz zu sichern und zu vertiefen“ (FREIE UND HANSESTADT HAMBURG 2007: 9). Genau diese Ziele können mit der Gattung »Kurzgeschichte/kurze Prosa« erfolgreich und zielorientiert erreicht und tradiert werden. Mit kurzen Prosatexten kann im Unterricht jenen häufig divergenten Zielen nachgegangen werden, zum Beispiel durch die Übung von Lesestrategien, dem Auseinandersetzen mit inhaltlichen Themenkomplexen oder dem Analysieren der Gattungsmerkmale (vgl. SPINNER 2012: 25).
Kurzgeschichten zeichnen sich häufig durch eine minimalistische Erzählweise aus, welche sich »dem Verstehen« entgegenstellt. Dem „vorstellungsintensive[n] Lesen“ bedarf es deshalb einer Unterstützung und ständigen Fortentwicklung, zum Beispiel, indem die Textauswahl bewusst auf die eigenen Vorstellungsdimensionen der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet ist und somit ein Angebot für Identifikation bildet. Dennoch darf das Irritationspotenzial der Kurzgeschichten nicht verloren gehen. Da Kurzgeschichten oft stilistisch hervortretend gestaltet und geschrieben sind, kann gerade an ihnen die sprachliche Gestaltung literarischer Texte beobachtet bzw. wahrgenommen und untersucht werden. Fiktionalität ist in Kurzgeschichten vielfältig integriert und stärkt das Bewusstsein für das Verhältnis von Realität und Fiktionalität sowie das Verständnis der Handlungslogik. Denn gerade in höheren Klassenstufen weicht das »Sich-einlassen« auf den Handlungsrahmen schnell den abstrakten Diskussionen, wodurch nun auch ein Schwerpunkt auf das Bestehenbleiben des bereits Erlerntem gelegt werden muss (vgl. SPINNER 2012: 39f).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung der Unterrichtseinheit
2.1 Lernbedingungsanalyse
2.2 Konkrete Lernziele für die Gesamteinheit
2.3 Sachanalyse
2.4 Didaktische Analyse
2.5 Tabellarische Übersicht der Gesamteinheit
2.6 Ausarbeitung einer Doppelstunde
3. Literaturverzeichnis
4. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Planung einer Unterrichtseinheit zum Thema "Literarisches Lernen mit klassischen Kurzgeschichten der Nachkriegszeit" für die 10. Jahrgangsstufe. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern einen Zugang zu dieser literarischen Gattung zu ermöglichen, ihr Verständnis für historisch geprägte Texte zu vertiefen und ihre Lesekompetenz durch gezielte methodische Ansätze weiterzuentwickeln.
- Literarisches Lernen am Beispiel der Kurzgeschichten der Nachkriegszeit
- Didaktische Aufbereitung klassischer Kurzprosa (Fokus: Wolfgang Borchert)
- Analyse von Gattungsmerkmalen, Figurenkonstellationen und historischem Kontext
- Methoden zur Szenischen Interpretation und Figurencharakterisierung
- Verbindung von inhaltlicher Textarbeit mit lebensweltlichem Bezug
Auszug aus dem Buch
Kurzgeschichten zeichnen sich häufig durch eine minimalistische Erzählweise aus, welche sich »dem Verstehen« entgegenstellt.
Dem „vorstellungsintensive[n] Lesen“ bedarf es deshalb einer Unterstützung und ständigen Fortentwicklung, zum Beispiel, indem die Textauswahl bewusst auf die eigenen Vorstellungendimensionen der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet ist und somit ein Angebot für Identifikation bildet.
Dennoch darf das Irritationspotenzial der Kurzgeschichten nicht verloren gehen. Da Kurzgeschichten oft stilistisch hervortretend gestaltet und geschrieben sind, kann gerade an ihnen die sprachliche Gestaltung literarischer Texte beobachtet bzw. wahrgenommen und untersucht werden.
Fiktionalität ist in Kurzgeschichten vielfältig integriert und stärkt das Bewusstsein für das Verhältnis von Realität und Fiktionalität sowie das Verständnis der Handlungslogik (SPINNER 2012: 25ff). Denn gerade in höheren Klassenstufen weicht das „Sich-einlassen“ auf den Handlungsrahmen schnell den abstrakten Diskussionen, wodurch nun auch ein Schwerpunkt auf das Bestehenbleiben des bereits Erlerntem gelegt werden muss (vgl. SPINNER 2012: 39f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Kurzgeschichte im Deutschunterricht der 10. Klasse basierend auf den Anforderungen des Hamburger Rahmenplans und didaktischen Kriterien.
2. Darstellung der Unterrichtseinheit: Dieses Kapitel umfasst die detaillierte Planung, angefangen bei der Lernbedingungsanalyse über die Lernziele und Sachanalyse bis hin zur konkreten Verlaufsplanung der Unterrichtseinheit.
3. Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen, Lehrpläne und fachdidaktische Literatur aufgelistet.
4. Anhang: Der Anhang enthält ergänzende Materialien, wie Arbeitsblätter zur Textuntersuchung und Charakterisierung, die den direkten Unterrichtsbezug illustrieren.
Schlüsselwörter
Deutschunterricht, Kurzgeschichte, Nachkriegszeit, Wolfgang Borchert, Literarisches Lernen, Didaktische Analyse, Lesekompetenz, Unterrichtsplanung, Gattungsmerkmale, Figurencharakterisierung, Szenische Interpretation, Sekundarstufe I, Trümmerliteratur, Sinnkonstruktion, Textanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt ein Konzept für eine Unterrichtseinheit, in der Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse Kurzgeschichten der deutschen Nachkriegszeit analysieren und interpretieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit der Gattung Kurzgeschichte, der historische Kontext der Nachkriegszeit und die Förderung der Lesekompetenz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Lernenden zu zeigen, wie literarische Texte der Nachkriegszeit durch eine methodisch strukturierte Unterrichtsreihe sowohl inhaltlich verstanden als auch stilistisch und historisch eingeordnet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt dem Prinzip der didaktischen Analyse nach Wolfgang Klafki, ergänzt durch fachdidaktische Ansätze zum literarischen Lernen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bedingungsanalyse der Lerngruppe, eine sachanalytische Definition der Kurzgeschichte, die didaktische Begründung nach Klafki sowie die konkrete tabellarische Verlaufsplanung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind: Kurzgeschichte, Nachkriegszeit, Lesekompetenz, didaktische Analyse, Szenische Interpretation und Wolfgang Borchert.
Welche besondere Bedeutung kommt der Kurzgeschichte „Das Brot“ zu?
„Das Brot“ von Wolfgang Borchert dient als exemplarisches Hauptbeispiel, um die typischen Merkmale wie den minimalistischen Stil, das offene Ende und die menschlichen Konflikte der Nachkriegszeit greifbar zu machen.
Wie soll die Figurencharakterisierung laut der Planung erfolgen?
Die Schülerinnen und Schüler sollen zwischen direkter und indirekter Charakterisierung unterscheiden und sich szenisch in die Figuren (Mann/Frau) hineinversetzen, um deren Handlungslogik nachzuvollziehen.
- Quote paper
- Sander Kebnier (Author), 2013, Literarisches Lernen mit klassischen Kurzgeschichten der Nachkriegszeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211714