Die Anwendung des hermeneutischen Verfahrens von Wolfgang Klafki anhand eines pädagogischen Textes


Hausarbeit, 2013

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Definition und Verwendung des Begriffs Hermeneutik, die Ziele hermeneutischer Verfahren und deren Bedeutung für die Erziehungswissenschaft

3. Anwendung des hermeneutischen Verfahrens nach Wolfgang Klafki
3.1 Erstellung und Überprüfung der Fragestellung und des darin implizierten Vorverständnisses
3.2 Die Quellen- bzw. Textkritik
3.3 Die Bedeutung des hermeneutischen Zirkels: Die semantische Analyse, der Syntax und die gedankliche Gliederung
3.4 Die kritische Überprüfung des Argumentationsaufbaus und die Hinzuziehung jeweiliger Gegenspieler und weiterer Quellen in die Interpretation
3.5 Die ideologiekritische Fragestellung

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis
5.1 Verwendete Primärliteratur
5.2 Verwendete Sekundärliteratur
5.3 Verwendete Internetquellen

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll es darum gehen, ein Verständnis für den Begriff Hermeneutik zu entwickeln, und anhand eines hermeneutischen Verfahrens zu zeigen, wie dieser im pädagogischen Kontext seine Anwendung findet. Das Wort Hermeneutik lässt sich von dem griechischen Verb hermeneuein ableiten und bedeutet so viel wie: den Sinn einer Aussage zu erklären, auseinanderzulegen und verständlich zu machen.

Ich möchte mich dabei auf Wolfgang Klafki beziehen, der sich im Jahre 1971 mit dem hermeneutischen Verfahren im Rahmen der Erziehungswissenschaft in einem seiner Texte befasst hat. Daher wird im ersten Teil dieser Arbeit zunächst einmal aufgezeigt werden, was er unter dem Begriff Hermeneutik versteht, welche Ziele dieser impliziert und welche Bedeutung ihm im Bereich der Pädagogik zukommt. Anschließend werde ich seine elf methodologischen Grunderkenntnisse, die er ausgearbeitet hat, um hermeneutisch verfahren zu können, vorstellen und erläutern. Zur Anwendung seiner hermeneutischen Methode bedarf es jedoch der Heranziehung eines Textes, mit dem gearbeitet werden kann. Daher werde ich auf einen Essai von Michel de Montaigne zurückgreifen, der mit dem Titel „Über die Erziehung der Kinder“ versehen ist, und im Jahre 1580 erstmals veröffentlicht wurde. Der weitere Aufbau wird durch die methodologischen Arbeitsschritte nach Klafki bestimmt werden, wenn auch die Reihenfolge an manchen Stellen abgeändert vorzufinden sein wird, da es mir teilweise plausibler erscheint, gewisse Grunderkenntnisse gemeinsam oder an anderer Stelle anzubringen.

Ich berufe mich im Rahmen dieser Hausarbeit bewusst auf Wolfgang Klafki, weil ich der Auffassung bin, dass sein hermeneutisches Vorgehen gegenüber jenem von Schleiermacher beispielsweise sehr übersichtlich und verständlich dargestellt ist. Ein weiterer Grund für diese Wahl ist sein deutlicher Bezug zur Erziehungswissenschaft, in deren Kontext die Arbeit geschrieben werden soll.

2. Definition und Verwendung des Begriffs Hermeneutik, die Ziele hermeneutischer Verfahren und deren Bedeutung für die Erziehungswissenschaft

Wolfgang Klafki zeigt in seinem Text „Hermeneutische Verfahren in der Erziehungs-wissenschaft“ aus dem Jahr 1971 zunächst einmal den Unterschied zwischen der Verwendung des Wortes hermeneutisch in einem engeren und in einem weitläufigeren Sinne auf. Ersteres meint die bloße Auslegung einer Bedeutung, die aus Dokumenten − v.a. aus Texten − hervorgeht bzw. sich hinter ihnen verbirgt. Das Verb hermeneutisch in seiner umfassenderen Form hingegen schließt zusätzlich eine kritische Auseinandersetzung mit Aussagen eines auszulegenden Textes mit ein. Klafki selbst verwendet den Begriff in seinem weitläufigeren Sinne und steht dafür ein, dass man auch ideologiekrische Fragestellungen in den Prozess der Auslegung mit einbeziehen soll.
Zudem betont der deutsche Erziehungswissenschaftler, dass hermeneutische Methoden zusammen mit jenen aus der Empirie, dazu beitragen, Erkenntnisse an der Wirklichkeit − bzw. an der Erziehungswirklichkeit in einem pädagogischen Sinne – überprüfen zu können. Um dieses Ziel erreichbar zu machen, ist es jedoch unabdingbar, dass beide Arten von Methoden in einem reziproken Verhältnis zueinander wirken. Somit benötigt also auch die Erziehungswissenschaft u.a. textanalytische Methoden, die es einem ermöglichen, aufkommende Fragen in Erkenntnissituationen zu beantworten (vgl. Klafki 2001, S. 125).

Unter dem Begriff Hermeneutik versteht Klafki deshalb die Reflexion des Wissenschaftlers auf die hermeneutischen Verfahren. Die Hermeneutik ordnet er dementsprechend als ein Teilgebiet der wissenschaftlichen Theorie ein (vgl. ebd., S. 126). Ausgangspunkt der Notwendigkeit hermeneutischer Methoden ist für ihn, dass jeder, der erziehungswissenschaftlich forschen will, einer Wirklichkeit begegnet, die bereits durch bestimmte Meinungen, Theorien, Auffassungen usw. vorgegeben ist. Diese sind in der Regel bereits in Textform vorzufinden (vgl. ebd., S. 125 f.). Der forschende Wissenschaftler wird somit vor pädagogische Sachverhalte gestellt, die bereits mit Inhalten gefüllt sind:

„Man trifft auf pädagogische Sachverhalte nicht wie auf ein neutrales Material, pädagogische Sachverhalte sind vielmehr immer von der Art, daß Menschen sie aus irgendeinem Interesse, mit irgendeiner Zielsetzung hervorbringen oder hervorgebracht haben oder daß Menschen zu ihnen aus bestimmten Interessen heraus, mit bestimmten Zielsetzungen und Vorstellungen Stellung nehmen“ (ebd., S. 126).

Um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Texten auf einer methodischen und intersubjektiv überprüfbaren Ebene zu garantieren, bedarf es schließlich der Anwendung hermeneutischer Methoden. Des Weiteren verhelfen die hermeneutischen Verfahren der Auslegung und Interpretation dem Wissenschaftler dazu, selbst zu jener Erkenntnis zu ge-langen, die sich hinter dem Text verbirgt – Aussagen und Auffassungen eines Autors sollen verstanden werden. Demnach trifft man hinsichtlich des Begriffs Hermeneutik auch oft auf die Begriffe Auslegungslehre oder Theorie der Interpretation als synonym verwendete Be-grifflichkeiten (vgl. ebd., S. 126f.).

Nach der Klärung dieser Begrifflichkeiten präsentiert Wolfgang Klafki in seinem Text elf methodologische Grunderkenntnisse bzw. Arbeitsschritte, mit deren Hilfe hermeneutisch gearbeitet werden kann. Diese sollen nun vorgestellt werden und an einem Essai „Über die Erziehung der Kinder“ von Michel de Montaigne ihren Gebrauch finden.

3. Anwendung des hermeneutischen Verfahrens nach Wolfgang Klafki

Wie bereits erwähnt wurde, arbeitet Klafki hermeneutisch, indem er elf Arbeitsschritte an einem Text vornimmt. Diese werden von ihm auch als methodologische Grunderkenntnisse bezeichnet, wobei „[m]ethodologisch denken bedeutet: auf die vom Wissenschaftler verwendeten Methoden zu reflektieren“ (Klafki 2001, S. 132). Die von ihm angebrachten methodologischen Grunderkenntnisse bezeichnet er dabei als das „(…) Ergebnis einer solchen Reflexion (…)“ (ebd.). Im Folgenden sollen diese in ihrem Sinn erläutert und beispielhaft anhand des Essais von Michel de Montaigne angewendet werden. Zudem wird zu diskutieren sein, ob es sinnvoll ist, alle elf Arbeitsschritte auf Montaignes Essai zu beziehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Anwendung des hermeneutischen Verfahrens von Wolfgang Klafki anhand eines pädagogischen Textes
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Pädagogik )
Veranstaltung
Forschungsmethoden I (Hermeneutik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V211740
ISBN (eBook)
9783656394990
ISBN (Buch)
9783656395874
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klafki, Montaigne, Hermeneutik, Pädagogik
Arbeit zitieren
Eva Herrmann (Autor), 2013, Die Anwendung des hermeneutischen Verfahrens von Wolfgang Klafki anhand eines pädagogischen Textes , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211740

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Anwendung des hermeneutischen Verfahrens von Wolfgang Klafki anhand eines pädagogischen Textes



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden