„Meine Eltern sind nicht gläubig und gehen nur zu Weihnachten in die Kirche, aber ich durfte mich trotzdem taufen lassen!“
Kim, ein Kind aus der Kirchengruppe, wurde atheistisch aufgezogen. Sie besuchte kurzzeitig einen integrativen Kindergarten, von dem sie so geprägt wurde, dass sie sich später auf eigenen Wunsch taufen ließ. Anhand dieses Falles lässt sich erkennen, dass man auf verschiedenen Wegen zum Glauben finden kann. Hat sie sich Religion selbst angeeignet? Kann man durch Lernen Religion überhaupt erfahren?
Da die anfangs aufgeführte Problemfrage zu komplex ist, werde ich mich in meinen Ausführungen lediglich auf die Frage, ob Religion lernbar ist, beziehen. Um näher auf diese Kernfrage eingehen zu können, bedarf es der Klärung, was Religion ist, eine Definition. Auf der ganzen Welt existieren viele Religionen, vom Christentum über Buddhismus bis hin zu Naturreligionen. Doch von welcher Religion soll man bei einer allgemeinen Definition ausgehen, von mehreren unterschiedlichen Religionen oder von allen möglichen Religionsarten?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
2. Begriffsbestimmung von Religion
2.1 Pluralität von Religion
2.2 Ansätze der Religionsdefinition
3. Religion und Glaube aus individueller Perspektive
4. Theoretische Grundlagen des Lernens
4.1 Definition von Lernen
4.2 Lerntheorien und -modelle
5. Religiöses Lernen
5.1 Lernen am Modell
5.2 Bedeutung von Erfahrungen
6. Fazit: Ist Religion lernbar?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Fragestellung, ob Religion ein lernbarer Prozess ist. Dabei wird analysiert, wie individueller Glaube entsteht, welche Rolle das soziale Umfeld und verschiedene Lerntheorien bei der Aneignung religiöser Inhalte spielen und inwiefern der Mensch durch persönliche Erfahrungen für religiöse Fragestellungen sensibilisiert werden kann.
- Definition und Pluralität des Religionsbegriffs
- Die subjektive Bedeutung von Glauben und Sinnerfahrung
- Grundlagen des Lernens und klassische Lerntheorien
- Lernen am Modell als Mechanismus religiöser Sozialisation
- Die Rolle von Erfahrung und Betroffenheit im religiösen Kontext
Auszug aus dem Buch
Religiöses Lernen am Beispiel
Religiöses Lernen entsteht m.E. automatisch und unbewusst. Man beobachtet z.B. eine religiöse Person, nimmt das Verhalten dieser Person wahr, denkt darüber nach und man findet Gefallen an diesem Verhalten, dann führt man das zuvor beobachtete Verhalten selbst aus; es entspricht dem Lernen am Modell. Dies kann man auch auf das Eingangsbeispiel, auf Kim beziehen. Sie hörte von Erziehern und Kindern Geschichten von Gott und Religion, machte erste Erfahrungen. Sie beobachtete diese Bezugspersonen im Umgang mit Religion und Glaube. Die Erzieher und Kinder wurden ihre Modelle, sozusagen ihre Vorbilder. Sie eignete sich also das Verhalten ihrer Vorbilder an und ahmte es nach bzw. führte es dann selber aus, so zum Beispiel das selbstständige Beten.
„[…]Erfahrungen müssen die Grundlage bewusster religiöser Prozesse sein[…]“, religiöse „Betroffenheits-Erfahrungen“, lassen Religiosität entstehen. Dieser Aussage stimme ich zu, denn oftmals sieht man in Ausnahmesituationen, z.B. durch einen Schicksalsschlag, das Leben und die Welt anders und wird dadurch erst wieder oder das erste Mal, sensibel für Religion und Glauben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Vorstellung der Fragestellung anhand eines Fallbeispiels über die religiöse Entwicklung eines Kindes.
2. Begriffsbestimmung von Religion: Erörterung der Schwierigkeit, eine allgemeingültige Definition für den komplexen Begriff Religion zu finden.
3. Religion und Glaube aus individueller Perspektive: Reflexion über die persönliche Bedeutung von Glauben als individuelle Sinnerfahrung und Bindung.
4. Theoretische Grundlagen des Lernens: Definition des Lernbegriffs und Vorstellung verschiedener psychologischer Lerntheorien.
5. Religiöses Lernen: Anwendung von Lernmodellen auf religiöse Prozesse und die Bedeutung von Vorbildern.
6. Fazit: Ist Religion lernbar?: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage mit einem Plädoyer für die Vermittlung religiöser Kompetenz.
Schlüsselwörter
Religion, Glaube, Lernen, Lerntheorien, Religionspädagogik, Modelllernen, Sozialisation, Sinnerfahrung, christlicher Glaube, religiöse Entwicklung, Definition, Aneignungsprozess, Erfahrungen, Religionsunterricht, Konfession.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der grundlegenden Frage, ob Religion und religiöses Verhalten erlernbar sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definitionsvielfalt von Religion, der individuellen Glaubensbildung und psychologischen Lernmodellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass Religion durch soziale Interaktion, Nachahmung und persönliche Erfahrungsprozesse lernbar ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine essayistische Auseinandersetzung, die auf einer theoretischen Fundierung durch religionspädagogische Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Lerntheorien wie das Lernen am Modell auf den Kontext religiöser Erziehung und individuelle Erfahrungen übertragen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Religionspädagogik, Modelllernen, Glaubensbildung und Aneignungsprozess beschreiben.
Wie spielt das "Lernen am Modell" eine Rolle für die religiöse Entwicklung?
Durch die Beobachtung religiöser Vorbilder im Umfeld werden Verhaltensweisen wie das Gebet unbewusst wahrgenommen und später eigenständig übernommen.
Warum spielt die "Betroffenheits-Erfahrung" eine zentrale Rolle für den Glauben?
Sie fungiert als emotionaler Auslöser, der Menschen in besonderen Lebenssituationen für die Dimensionen von Glaube und Religion sensibel macht.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Religionsunterrichts?
Der Autor sieht im Religionsunterricht eine wichtige Chance, der jungen Generation den Zugang zu religiöser Geborgenheit zu ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Trine Wenzel (Autor:in), 2011, Untersuchung zur Erlernbarkeit von Religion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211761