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Machtkampf um Blut und Körper - Rivalität und Zusammenarbeit zwischen gelehrter Medizin und Handwerksärzten in der frühen Neuzeit

Titre: Machtkampf um Blut und Körper  - Rivalität und Zusammenarbeit zwischen gelehrter Medizin und Handwerksärzten in der frühen Neuzeit

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2003 , 18 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Hagen Schönherr (Auteur)

Histoire de l'Europe - Moyen Âge, Temps modernes
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Résumé Extrait Résumé des informations

Der Arzt der Gegenwart ist meist ein hochangesehener Gesundheitsdienstleister mit akademischer Laufbahn und immer ein Spezialist auf seinem Gebiet. Doch neben den akademischen Ärzten, den Medici, wie sie sich nannten, stand das Gesundheitswesen in der frühen Neuzeit auf einem zweiten Bein, das so gar nicht in unser heutiges Ärzteverständnis passt: Der Wundarzt, er entstammte den Badern und Barbieren, war ein handwerklich organisierter Arzt. Für ihn galt Ordnung und Gesetz seiner Chirurgenzunft. Seine medizinischen Fertigkeiten wurden vom Meister an den Gesellen weitergegeben, ganz so wie es auch ein Schmied oder Maurer tat. Diese, oft fälschlicherweise als Laienärzte bezeichneten Wundärzte, deckten in weiten Teilen die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung ab. Vom Aderlass bis zur Amputation kümmerten sie sich um einen Großteil der Krankheitsbilder, mit denen die frühneuzeitliche Bevölkerung Kontakt hatte 1 .

Wundärzte sind seit dem 19. Jahrhundert aus dem Alltag verschwunden und gingen voll in einer akademischen Laufbahn auf. Wichtige Weichenstellungen ihrer Entwicklung nahmen im 16. Jahrhundert ihren Lauf. Von da an kam es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen gelehrt- ärztlichen und wundärztlichen Interessen, die sowohl direkt als auch über die Obrigkeit geführt wurden. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche Dienstleistungen und Kompetenzen die jeweiligen Lager für sich beanspruchen konnten. Konkret also wer welche Art von Krankheiten und Verletzungen behandeln durfte und wer in medizinisches Fragen gesetzgebende Instanz war. Viele Quellen belegen diese Entwicklung, vor allem ab dem 18. Jahrhundert nimmt ihre Dichte stetig zu.

Den Machtkampf zwischen akademischer und handwerklicher Medizin soll diese Analyse beleuchten. Hier ist zu beantworten, welche Art von medizinischen Leistungen die jeweiligen Lager für sich beanspruchten. Danach soll anhand vorhandener Literatur und Quellen untersucht werden, ob sich überhaupt eine ausgeprägte Konkurrenzsituation entwickelt hat oder ob vielmehr ein Austausch unter den Berufsgruppen dominierte. Es stellt sich folglich die Frage, aus welchen Gründen es zu dieser Situation in den vorzufindenden Ausprägungen kam. Ein besonderes Augenmerk soll schließlich auch auf die Rolle der Obrigkeit in diesem Auseinandersetzung gelegt werden. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1. Who is Who?

2. Machtkampf? „Chirurgi“ und „Medici“

1. Freibrief: „mag jederman dem andern helffen“

2. Krise: „soll keiner dem andern Eingriff thun“

3. Teamwork: „in brüderlicher Harmonie“

3. Niederlage: Wundärzte zwischen den Fronten

1. Internes: Bader contra Barbier

4. Schlussbemerkungen

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen akademischen Medizinern („Medici“) und handwerklich organisierten Wundärzten in der frühen Neuzeit, um rivalisierende Interessen, Kompetenzstreitigkeiten sowie Ansätze zur Zusammenarbeit zu analysieren und deren Einfluss auf den Wandel des Medizinalwesens zu bewerten.

  • Soziale und berufliche Segregation zwischen gelehrter Medizin und Handwerkschirurgie
  • Analyse regionaler Unterschiede (Schweiz vs. Württemberg) im Umgang mit beruflichen Kompetenzen
  • Die Rolle obrigkeitlicher Regulierungen und zunftinterner Strukturen
  • Die Entwicklung von Korrespondenznetzwerken und deren Beitrag zur Professionalisierung
  • Das allmähliche Verschwinden der Wundärztzünfte und der Übergang zur akademischen Medizin

Auszug aus dem Buch

2. Krise: „soll keiner dem andern Eingriff thun“

Im Winterthur des frühen bis mittleren 18. Jahrhunderts bestand eine traditionsreiche und gefestigte Zunft der Wundärzte sowie eine zahlenmäßig erstarkende akademische Ärzteschaft. Da hier sowohl zuverlässige Zahlen als auch umfangreiches Quellenmaterial vorliegen, soll eine exemplarische Untersuchung von Kompetenzstreitigkeiten an diesem Beispiel vorgenommen werden. In den 1730er Jahren kam es in Winterthur zu einem Disput in dem die Medici den Wundärzten eine Überschreitung der ihnen zugestandenen Kompetenzen vorwerfen. Sie berufen sich dabei auf die 1738 gültige Zunftordnung der Wundärzte in der es heißt:

„[...]1. In hitzigen fieberen, Waßersucht und Schwindsucht, auch bey verdächtigen Weibspersohnen soll keinem Barbier ohne vorwüßen eines verständigen Medici, ader zu laßen erlaubt sein.

2. Es sollen die Doctores und Chirurgi keiner dem anderen Eingriff thun, sondern ein jeder sich seines Berufs helfen.[...]“

Die ansässigen Medici hatten starke Zweifel daran, ob sich die Wundärzte tatsächlich an die festgesetzte Ordnung hielten. Sie beschuldigten die Wundärzte sich regelmäßig mit der Heilung innerer Krankheiten zu befassen, vor allem das Aderlassen wurde regelmäßig ohne ärztliche Anordnung praktiziert. Nach heutigem Kenntnissstand wurden die Wundärzte zurecht beschuldigt: Da sie für weite Teile der Bevölkerung die einzig erreichbare wie auch nutzbare Quelle medizinischer Hilfeleistung waren, nahmen sie auch oft die Aufgaben war, die laut geltendem Recht von einem Medici durchgeführt werden sollten. Sie verabreichten Tränke und Tinkturen und bereiteten Arzneimittel, die ursprünglich nur von Apothekern und Medicis hergestellt wurden. In einem dringlichen Brief an den Stadtrat schlagen die Medici deshalb expliziter geregelte neue Verordnungen vor, wagen aber gleichzeitig einen dreisten Vorstoß in das Arbeitsgebiet der Wundärzte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Abgrenzung zwischen akademischen Medici und handwerklichen Wundärzten dar und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der Konkurrenzsituation und dem Einfluss der Obrigkeit.

1. Who is Who?: Dieses Unterkapitel klärt die verwirrenden Berufsbezeichnungen des frühneuzeitlichen Gesundheitswesens und definiert die Begriffe Wundarzt und Medici für die weitere Untersuchung.

2. Machtkampf? „Chirurgi“ und „Medici“: Das Kapitel analysiert die Monopolbildung in medizinischen Fragen und zeigt anhand von Zunftordnungen, dass eine direkte Konfrontation zunächst ausblieb.

1. Freibrief: „mag jederman dem andern helffen“: Hier wird die Phase der frühen, kaum reglementierten medizinischen Ausübung im 15. Jahrhundert und die spätere Zunftbildung behandelt.

2. Krise: „soll keiner dem andern Eingriff thun“: Anhand des Winterthurer Beispiels aus dem 18. Jahrhundert werden Kompetenzstreitigkeiten zwischen Akademikern und Wundärzten exemplarisch untersucht.

3. Teamwork: „in brüderlicher Harmonie“: Dieses Kapitel widerlegt die These vom pauschalen Medizinerkrieg durch die Darstellung kooperativer Strukturen, wie der Helvetischen Gesellschaft correspondierender Ärzte und Wundärzte.

3. Niederlage: Wundärzte zwischen den Fronten: Die kontrastierende Entwicklung in Württemberg zeigt den Druck durch Obrigkeiten und Collegia Medica, der die Wundärztezunft in die Defensive drängte.

1. Internes: Bader contra Barbier: Hier werden die zunftinternen Separationsbestrebungen zwischen Barbieren und Badern beleuchtet, die die Handlungsfähigkeit der Wundärzte schwächten.

4. Schlussbemerkungen: Zusammenfassend wird festgestellt, dass die Entwicklung regional stark variierte, wobei die Schweiz ein kooperatives Modell und Württemberg ein restriktives Extrem darstellte.

Schlüsselwörter

Frühe Neuzeit, Wundarzt, Medici, Medizin, Zunftwesen, Gesundheitswesen, Kompetenzstreit, Obrigkeit, Helvetische Gesellschaft, Handwerkschirurgie, Professionalisierung, Aderlass, Medizingeschichte, Soziale Segregation, Medizinische Versorgung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die Interaktion zwischen akademisch ausgebildeten Medizinern und handwerklich organisierten Wundärzten in der frühen Neuzeit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die soziale und fachliche Abgrenzung der beiden Gruppen, die Rolle von Zünften und Zunftordnungen, die Einmischung der Obrigkeit sowie die Entwicklung von Kooperationsmodellen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit analysiert, ob zwischen den beiden Berufsgruppen eine ausgeprägte Konkurrenzsituation oder vielmehr ein Austausch dominierte und welche Faktoren zum allmählichen Verschwinden der Wundärztzünfte führten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine sozialgeschichtliche Analyse durch, die auf der Auswertung von Literatur und historischem Quellenmaterial aus regionalen Archiven, insbesondere der Schweiz und Württembergs, basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Machtverhältnisse, der beruflichen Krisen durch Kompetenzüberschreitungen sowie der friedfertigen Kooperationen durch neugegründete Ärztevereinigungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Wichtige Begriffe sind Medizingeschichte, Handwerkschirurgie, frühneuzeitliche Medizin, Zunftwesen, Arzt-Wundarzt-Beziehung und Professionalisierung.

Warum unterscheidet der Autor zwischen der Schweiz und Württemberg?

Der Vergleich dient dazu, das breite Spektrum der Entwicklungen aufzuzeigen, wobei die Schweiz als Beispiel für einen einvernehmlichen Übergang und Württemberg als Beispiel für restriktive, zunftfeindliche Politik dient.

Welche Bedeutung hatten die inneren Konflikte bei den Wundärzten?

Die Separationsbestrebungen zwischen Barbieren und Badern trugen laut der Arbeit zur Zersplitterung der Interessen bei, was die Wundärzte gegenüber der geschlossenen Strategie der Medici zusätzlich schwächte.

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Résumé des informations

Titre
Machtkampf um Blut und Körper - Rivalität und Zusammenarbeit zwischen gelehrter Medizin und Handwerksärzten in der frühen Neuzeit
Université
University of Freiburg  (Institut für Geschichte der Medizin)
Cours
Seminar: Ärzte, Heiler und Patienten in der frühen Neuzeit
Note
1,3
Auteur
Hagen Schönherr (Auteur)
Année de publication
2003
Pages
18
N° de catalogue
V21207
ISBN (ebook)
9783638248754
Langue
allemand
mots-clé
Machtkampf Blut Körper Rivalität Zusammenarbeit Medizin Handwerksärzten Neuzeit Seminar Heiler Patienten Neuzeit
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Hagen Schönherr (Auteur), 2003, Machtkampf um Blut und Körper - Rivalität und Zusammenarbeit zwischen gelehrter Medizin und Handwerksärzten in der frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21207
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Extrait de  18  pages
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