Gezielter Einsatz von Bildern im Geometrieunterricht

Hausarbeit anhand eines Unterrichtsentwurfs für die 10. Klasse, Realschule


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

29 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ein „Bild“?
2.1. geschichtliche Entwicklung des Begriffes
2.2 Definitionen unterschiedlicher Disziplinen
2.3 Funktionen und Typen von Bildern
2.3.1 Funktionen von Bildern
2.3.2 Bildtypen nach Lewalter und Weidenmann
2.4 der Begriff der „Visual Literacy“

3. Bildkompetenzebenen nach Posner bzw. Scholz
3.1 Scholz’ Modell
3.2 Posners Modell
3.2.1 grafische Darstellung des Modells nach Posner7
3.2.2 Erklärung der einzelnen Bildkompetenzstufen nach Posner

4. Kernlehrpläne des Faches Mathematik Sek. I
4.1 kurze Erklärung vorab
4.2 Erwartungen des Bildungsministeriums an die Schüler der Klassen 9/10

5. mein Unterrichtsentwurf
5.1 kurze Erklärung vorab
5.2 Unterrichtsentwurf zum Thema „geometrische Körper“, Klasse 10

6. Analyse des Unterrichtsentwurfs
6.1 Bezug zur „Visual Literacy“
6.2 Bildtypen bzw. –funktionen
6.2.1 verwendete Bilder
6.2.2 Beschreibung der Bildfunktionen nach Ballstaedt
6.2.3 Beschreibung der Bildtypen nach Weidenmann
6.3 Bezug zu den Bildkompetenzebenen nach Posner
6.4 Bezug zu den Kernlehrplänen 9. / 10. Klasse Realschule Mathematik
6.4.1 Kategorie „Werkzeuge/Medien“
6.4.2 Kategorie „Problemlösen“
6.4.3 Kategorie „Modellieren“
6.4.4 Kategorie „Geometrie“

7. Fazit

8. Literatur- bzw. Quellenverzeichnis
8.1 Primärliteratur
8.2 Onlinequellen
8.3 Zeitschriften

1. Einleitung

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – so heißt ein altes, deutsches Sprichwort. In der Schule wird jede/r Schüler/in auch mit Bildern konfrontiert. Auf Arbeitsblättern, die die LehrerInnen verteilen, kommen diese ebenso vor, wie abgedruckt in Schulbüchern. Doch was ein „Bild“ ist, definiert jeder Mensch anders. Wie man als angehender Lehrer Bilder in seinen Unterrichtsentwürfen gezielt und sinnvoll einsetzen kann, um Themen einzuführen, die dann den SchülerInnen helfen, diese auch zu verstehen, probiere ich hier in meiner Arbeit darzustellen. Dabei kommt es mir natürlich auch darauf an, den Terminus der „Visual Literacy“ zu definieren, um diesen dann auf meinen Unterrichtsentwurf zu beziehen. Ich werde zudem in meiner Hausarbeit versuchen, meinen eigenen Unterrichtsentwurf für eine Unterrichtsstunde Mathematik zu analysieren bzw. vorzustellen und mich dabei auf die Bildkompetenzebenen nach Posner berufen. Selbstverständlich werde ich den Kernlehrplan der Sekundarstufe I, Realschule, für das Fach Mathematik einbeziehen, die Bildtypen und Bildfunktionen benennen und ein abschließendes Resümee geben.

2. Was ist ein „Bild“?

2.1. geschichtliche Entwicklung des Begriffes

Diese Frage ist so alt, wie die Menschheit selbst. Bereits in der Steinzeit konnten Forscher die uns bekannten Höhlenmalereien entdecken, die als Ur-Form der heutigen Bilder gelten. Mehrere Jahrtausende später trat bei dem griechischen Philosophen Platon der Begriff des „Ikons“ (aus dem Griechischen: εικών, eik ṓ n „Bild“) auf, der später von dem amerikanischen Philosophen Charles S. Peirce weiterentwickelt wurde. Der eigentliche Ausdruck „Bild“ entstammt dabei dem althochdeutschen Terminus „bilidi“[1], der so viel wie ‚Nachbildung’ bedeutete und bis heute in unserem Wortschatz existiert. Heute kann man sagen, dass neben Fotos oder Gemälden auch Comics, Piktogramme, Karikaturen und sogar auch Landkarten und Diagramme/Tabellen zu der Kategorie „Bilder“ gezählt werden.

2.2 Definitionen unterschiedlicher Disziplinen

In den verschiedenen Wissenschaften existieren viele unterschiedliche Definitionen des Begriffes „Bild“, d. h., dass eine eindeutige Definition nicht besteht, zumal Bilder auch kulturspezifisch geprägt sind. So haben also, in anderen Worten gesprochen, verschiedene Kulturen auch verschiedene Auffassungen einer Begriffsbestimmung.

Der Werbepsychologe Werner Kroeber-Riel meinte, „ein Bild [sei] die Aufzeichnung eines realen oder fiktiven Gegenstandes, die dem Gegenstand ähnlich [sei] und deswegen wie der Gegenstand wahrgenommen werden k[ö]nn[e].“ (Kroeber-Riel, 1993).

In der kunsthistorischen Disziplin sagte der amerikanische Kunsthistoriker William J. T. Mitchell einst"Bilder [seien] nicht bloß eine spezielle Art von Zeichen, sie s[eien] vielmehr so etwas wie ein Schauspieler auf der Bühne der Geschichte, eine Gestalt oder ein Charakter von legendärem Status in einem historischen Zusammenhang, der den Geschichten entspr[e]ch[e] und an ihnen beteiligt [sei], die wir uns über den Gang unserer Entwicklung erzähl[t]en: einer Entwicklung von Geschöpfen, die 'nach dem Bilde' eines Schöpfers geschaffen [seien], zu Wesen, die sich selbst und ihre Welt nach ihrem eigenen Bilde schaff[t]en." (Mitchell, 2008, S. 19).

Aber auch Künstler wie Pablo Picasso definierten indirekt den Begriff „Bild“, ohne diesen in einer Definition zu nennen:

"Ich male nicht, was ich sehe, ich male, was ich denke." (Greenaway, 2005).

Bezieht man sich z. B. auf die Mathematik, so erhält man folgende völlig andere Definition: „Bei einer mathematischen Funktion f ist das Bild bzw. die Bildmenge oder der Bildbereich einer Teilmenge M des Definitionsbereichs die Menge der Werte aus der Zielmenge Y, die f auf M tatsächlich annimmt.“, also besser gesagt ist ein Bild in der Mathematik ein „Abbild einer Funktionsmenge“[2].

Laut dem berühmten Grafiker Karl-Heinz Drescher sei „[e]in Bild […] eine konkrete oder abstrakte Darstellung einer rezipierbaren Realität bzw. eines Realitätsausschnittes mit poten[z]iell Sinn konstituierender Funktion“ (Drescher,

1997). In der Onlineausgabe des Gabler Wirtschaftslexikons ist vermerkt, ein Bild sei die „Aufzeichnung eines realen oder fiktiven Gegenstandes, die dem Gegenstand ähnlich [sei] und deswegen wie der Gegenstand wahrgenommen werden k[ö]nn[e].“[3]. Diese Definition wird heute bei (urheber-)rechtlichen Problemen verwandt und kommt einer germanistischen Definition sehr nahe.

Der Leser sieht nun, dass es keine eindeutige Definition des Begriffes „Bild“ gibt, sodass er sich eventuell mithilfe der Bildfunktionen der wahren Definition nähern kann, um eventuell eine genauere Definition zu erhalten.

2.3 Funktionen und Typen von Bildern

2.3.1 Funktionen von Bildern

Bilder stellten bereits während der Steinzeit eine Form der Kommunikation dar; der Alltag der Jäger und Sammler wurde in den Malereien verarbeitet. Gleichzeitig wurden Bilder, genauer gesagt die Höhlenmalereien, zur Erziehung nachfolgender Generationen (z. B. wurden die „essbaren“ Tiere an die Höhlen gemalt, um die Kinder aufzuklären) und auch zur Verehrung der getöteten Tiere eingesetzt. Bilder hatten damals schon eine gewisse Funktion (hier: Informationsfixierung) im Alltag der Steinzeitmenschen. Auch bei den Funktionen von Bildern gibt im heutigen Kontext diverse Ansätze.

Laut dem Psychologen Steffen-Peter Ballstaedt besäßen Bilder fünf Funktionen (Ballstaedt, 1997):

1. Reduzierung von Komplexität (z. B. Konzentration auf das Wesentliche, Unwichtiges werde weggelassen und Wichtiges hervorgehoben)
2. Steuerung der Informationsaufnahme (z. B. Hervorhebung bestimmter Bereiche durch Details, Farbe, Form, Größe, etc.)
3. Motivation und Stimulation (z. B. zögen Bilder die Aufmerksamkeit auf sich und würden durch die Rezipienten positiver eingeschätzt als unanschauliche Texte)
4. Veranschaulichung (z. B. dienten Bilder als Realitätsersatz bzw. stellten die Realität modellhaft dar)
5. Räumliche Orientierung (z. B. unterstützten Bilder den Aufbau mentaler Modelle und erzeugten Räumlichkeit durch Schatten, die durch den Einsatz dunkler Flächen dargestellt würden).

Ein anderer Psychologe, Bernd Weidenmann, wiederum spricht bei Bildern in Verbindung mit textuellen Inhalten von

1. der Dekorationsfunktion (z. B. erhöhten Bilder die Attraktivität eines Textes, weckten das Interesse des Lernenden und lenkten die Aufmerksamkeit auf die Textinformationen)
2. der Abbildungsfunktion (z. B. würden textuelle beschriebene Informationen visualisiert, wodurch sich die Veranschaulichung des Textes verbessern könne)
3. der Organisationsfunktion (z. B. verbesserten Bilder die Struktur bzw. den Überblick bei einem Text)
4. der Interpretationsfunktion (z. B. verdeutlichten Bilder durch bildhafte Analogien abstrakte Sachverhalte) und
5. der Verwandlungs- bzw. Transformationsfunktion (z. B. seien hiermit Eselsbrücken gemeint, die zum besseren Behalten von Lerninformationen dienten) (vgl. Pohl, 1999, S. 121 f.; Weidenmann, 1997, S. 108 ff.).

Auch in diesem Bereich „Bildfunktionen“ ist eine Einschätzung und Einordnung sehr schwierig, da sie nicht eindeutig ist.

2.3.2 Bildtypen nach Lewalter und Weidenmann

Welche Bildtypen es gibt, versuchten bereits einige Gelehrte darzustellen. Der studierte Psychologe Bernd Weidenmann unterscheidet drei Typen von Bildern, nämlich die „informierenden“, „künstlerischen“ sowie „unterhaltenden“ Bilder (Weidenmann, 1994). Die „informierenden Bilder“ grenzt er so ab, dass er den Einsatz dieser Bilder in der Wissensvermittlung oder des -erwerbs bzw. der Vermittlung oder des Erwerbs von Können sieht (dies seien z. B. Fotos, realistische Gemälde, Strichzeichnungen, Cartoons, Piktogramme, Zeichnungen, etc.). Die Bilder seien ein Lerngegenstand, daher seien diese „informierenden Bilder“ eher eindeutig in ihrer Aussage. Zudem unterscheidet Weidenmann nach „künstlerischen“ Bildern, in denen die ästhetische Dimension im Vordergrund stehe. Die letzte Kategorie sind die „unterhaltenden“ Bilder, also Bilder, die in Massenmedien auftauchten und Emotionen auslösten.

Die Erziehungswissenschaftlerin Doris Lewalter katalogisiert Bilder in „Abbilder“ (z. B. Fotos, Filme), die Realitätsausschnitte darstellten, in „Logische Bilder“ (z. B. Diagramme, Mind-Maps), die Sachverhalte strukturieren sollten und eine kulturelle Erfindung zur Visualisierung von Abstraktem veranschaulichten, sowie „Schematische Bilder“, die der Darstellung konkreter Realitätsausschnitte mit konventionalisierten Zeichen (z. B. Landkarten) dienten (Lewalter, 1997).

Ein allgemeines Problem, Bilder zu kategorisieren besteht in der eigentlichen Abgrenzung bzw. Einteilung in Bildklassen. Dies gestaltet sich mühevoll, da jeder Mensch eine andere Perspektive auf Bilder besitzt und man somit fragen müsste, wo z. B. Frau Lewalter Kunstbilder bzw. Porträts einordnen würde. Diese Diskussion führt nun zu dem Begriff der „Visual Literacy“.

2.4 der Begriff der „Visual Literacy“

Der Begriff „Visual Literacy“, zu dem es bis heute keine einheitliche deutsche Übersetzung gibt, wurde im Jahr 1969 durch den amerikanischen Linguisten John Debes erstmalig erwähnt und wie folgt definiert: “Visual Literacy refers to a group of vision-competencies a human being can develop by seeing and at the same time having and integrating other sensory experiences. The development of these competencies is fundamental to normal human learning. When developed, they enable a visually literate person to discriminate and interpret the visible actions, objects, symbols, natural or man-made, that he encounters in his environment. Through the creative use of these competencies, he is able to communicate with others. Through the appreciative use of these competencies, he is able to comprehend and enjoy the masterworks of visual communication.” (Avgerinou, M. & Ericson, J., 1997). „Visual Literacy“ kann also laut Debes als die „Fähigkeiten und Fertigkeiten, Bilder und visuelle Aussagen in verschiedenen Medien bewusst wahrzunehmen, kritisch zu rezipieren, angemessen und sinnvoll zu nutzen sowie aktiv und kreativ zu gestalten“[4] verstanden werden. Diese Definition war die erste ihrer Art, jedoch nicht die einzige, zumal Bilder in vielen Kontexten, wie z. B. der Kunstgeschichte, der Psychologie, der Linguistik oder auch der Ästhetik eine Rolle spielen und jede dieser Disziplinen ihre eigene gültige Definition des Begriffes beansprucht.

So definierten Ausburn und Ausburn 1978 „Visual literacy […] als eine Gruppe von Fertigkeiten […], die es einem Individuum ermöglichen, visuelle Produkte zu verstehen und sie zu verwenden, um mit anderen zu kommunizieren“ (nach Ausburn & Ausburn, in Weidenmann, 1994).

Heinich, Molenda & Russell definierten den Begriff folgendermaßen: “Visual literacy is the learned ability to interpret visual messages accurately and to create such messages” (Seels, 1994, S. 104), während Braden & Hortin den Ausdruck so definierten: “Visual literacy is the ability to understand and use images, including the ability to think, learn, and express oneself in terms of images“ (Seels, 1994, S. 104; Pettersson, 1994, S. 218).

Considine (1986, S. 40) erläuterte: „Visual literacy bezieht sich auf die Fähigkeit, Bilder in verschiedenen Medien zu verstehen und zu konstruieren, um effektiver kommunizieren zu können“ (Pettersson, 1994, S. 219).

Lacy erläutert (1987, S. 46): „Visual literacy kann als die Fähigkeit definiert werden, visuelle Botschaften zu erkennen, zu analysieren, zu evaluieren und zu produzieren“ (Pettersson 1994, S. 219).

Auch hier existiert keine eindeutige Definition, sodass die Problematik des Bildverstehens bzw. eine endgültige Bestimmung des Begriffes „Bild“ nicht abschließend geklärt werden kann. Jeder Mensch definiert den Terminus „Bild“ und versteht den Gebrauch von Bildern anders (z. B. löst bei dem einen Menschen ein Bild Trauer aus, während ein anderer Mensch fröhlich ist).

Diese Unterschiede sind kulturspezifisch und in gewissen Teilen auch historisch (z. B. durch die ’moralischen’ Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs) bedingt. „Visual Literacy“ kann als die Kompetenz verstanden werden, die man benötigt, um Bilder begreifen zu können. Im Bereich der Bildkompetenz haben der Linguistik-Professor Roland Posner und der Philosoph Oliver Scholz jeweils ein Modell entwickelt, die bis heute in Gebrauch sind.

[...]


[1] siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Bild

[2] = http://de.wikipedia.org/wiki/Bild_(Mathematik)

[3] http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/5281/bild-v7.html

[4] http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000000331/02_Kap1.pdf.pdf?hosts= (S. 6)

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Gezielter Einsatz von Bildern im Geometrieunterricht
Untertitel
Hausarbeit anhand eines Unterrichtsentwurfs für die 10. Klasse, Realschule
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Bilder im Schulbuch
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
29
Katalognummer
V212268
ISBN (eBook)
9783656403494
ISBN (Buch)
9783656405634
Dateigröße
974 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
analyse, verwendung, bildern, unterrichtsentwurf, thema, einführung, körper, realschule, fach, mathematik, klasse
Arbeit zitieren
Knut Kumpe (Autor), 2012, Gezielter Einsatz von Bildern im Geometrieunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212268

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