Auf den Märkten in Deutschland herrscht ein Kommen und Gehen. Jährlich werden zahlreiche Unternehmen gegründet, aber auch eine Vielzahl verlässt jedes Jahr den Markt. Im Jahr 2009 gab es insgesamt in Deutschland 864.415 Gewerbe-anmeldungen, 728.318 Gewerbeabmeldungen und 32.687 Insolvenzen. Auch in den vorhergehenden Jahren sah die Lage ähnlich aus, wie in Abbildung 1 deutlich wird. Nur ein kleiner Teil schafft es, an den hart umkämpften Märkten in Deutschland zu überleben. Eine Entscheidung bei der Gründung eines Unternehmens ist die Wahl der Rechtsform. Dabei müssen viele rechtsform-spezifische Einzelheiten beachtet werden, um als Unternehmer, mit seiner Wahl, in Zukunft erfolgreich am Markt agieren zu können. Man unterscheidet zwei Gruppen der Unternehmensform: die Einzelunternehmen und Personengesellschaften sowie die Kapitalgesellschaften. Dabei fungieren die Einzelunternehmen und Personengesellschaften als natürliche Person und die Kapitalgesellschaft als juristische Person. Im Laufe meiner Arbeit werde ich speziell die Offene Handelsgesellschaft als Beispiel der Personengesellschaften und die Aktiengesellschaft der Kapital¬gesellschaften betrachten und am Ende die wesentlichen Unterschiede herausarbeiten. Des Weiteren möchte ich im Rahmen einer Nutzwertanalyse feststellen, welche Unternehmensform für das selbstgewählte Beispiel vorteilhafter ist. Die Nutzwertanalyse, auch Scoring-Modell genannt, ist eine quantitativ nicht-monetäre Analysemethode aus der Entscheidungstheorie.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Wahl der Rechtsform: Konstitutive Entscheidungen und die Entscheidungskriterien
2.1 Die Leitungsbefugnis
2.2 Die Haftung
2.3 Die Gewinn- und Verlustbeteiligung
2.4 Die Finanzierungsmöglichkeiten
2.5 Die Aufwendungen der Rechtform und die Publizitätspflicht
2.6 Die Art und der Umfang der Mitbestimmung
3 Die Offene Handelsgesellschaft
3.1 Die Gründung
3.2 Die Leitungsbefugnis
3.3 Die Haftung
3.4 Die Gewinn- und Verlustbeteiligung und die Finanzierungsmöglichkeiten
3.5 Die Aufwendungen der Rechtform, die Publizitätspflicht und die Art und der Umfang der Mitbestimmung
4 Die Aktiengesellschaft
4.1 Die Gründung
4.2 Die Organe
4.3 Die Leitungsbefugnis – Aufgabe des Vorstandes
4.4 Die Aufgaben des Aufsichtsrates und der Hauptversammlung
4.5 Die Rechten und Pflichte der Aktionäre
4.6 Die Haftung und Finanzierungsmöglichkeiten
4.7 Die Gewinnverwendung
4.8 Die Aufwendungen der Rechtform, die Publizitätspflicht und die Art und der Umfang der Mitbestimmung
5 Die Nutzwertanalyse
5.1 Die Verfahrensschritte der Nutzwertanalyse an dem Beispiel: Die Wahl der optimalen Rechtsform
6 Ergebnis des Vergleiches und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Projektarbeit hat das Ziel, die Unterschiede zwischen der Offenen Handelsgesellschaft (OHG) und der Aktiengesellschaft (AG) als Rechtsformen für Unternehmen herauszuarbeiten. Mittels einer Nutzwertanalyse soll für ein praxisnahes Beispiel ermittelt werden, welche der beiden Rechtsformen unter Berücksichtigung spezifischer Kriterien vorteilhafter ist.
- Grundlagen der Rechtsformwahl und konstitutive Entscheidungskriterien
- Detaillierte Analyse der Offenen Handelsgesellschaft
- Detaillierte Analyse der Aktiengesellschaft
- Methodik und Anwendung der Nutzwertanalyse zur Entscheidungsfindung
- Vergleichende Gegenüberstellung der beiden Rechtsformen
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Leitungsbefugnis
Die Leitungsbefugnis kann aus zwei verschiedenen Sichtweisen betrachtet werden: die Geschäftsführungsbefugnis (GF-Befugnis) und die Vertretungsbefugnis (VT-Befugnis). Die GF-Befugnis betrifft die Vertretungsmacht im Innenverhältnis. Sie regelt alle internen Entscheidungen des gewöhnlichen Geschäftsbetriebes, wie zum Beispiel Produktions-, Absatz- und Personalentscheidungen. Die VT-Befugnis spiegelt wieder, wer das Unternehmen im Außenverhältnis, also gegenüber Dritten vertreten darf. Das bedeutet, wer ist berechtigt mit solchen Dritten, wie beispielsweise Kunden, Lieferanten oder Fremdkapitalgebern, im Namen des Unternehmens Verträge rechtswirksam abzuschließen. Die VT-Befugnis und das Ausmaß der Haftung kann auch im Zusammenhang betrachtet werden. Hierbei ist aber zu prüfen inwieweit allgemeine gesetzliche Regelungen durch vertragliche Vereinbarungen abgewandelt sind. Resultierend daraus entsteht die Frage, ob die Unternehmung durch Einzel- oder Gesamtvertretungsmacht Dritten gegenüber agieren soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das dynamische Marktumfeld in Deutschland und begründet die Notwendigkeit einer bewussten Wahl der Rechtsform bei Unternehmensgründungen.
2 Die Wahl der Rechtsform: Konstitutive Entscheidungen und die Entscheidungskriterien: Dieses Kapitel definiert konstitutive Entscheidungen und erläutert relevante Kriterien für die Rechtsformwahl, wie Haftung, Leitungsbefugnis und Finanzierung.
3 Die Offene Handelsgesellschaft: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen, Gründungsvoraussetzungen sowie interne und externe Aspekte der OHG detailliert beschrieben.
4 Die Aktiengesellschaft: Dieses Kapitel widmet sich der Struktur der AG, ihren Organen, der Aufgabenverteilung sowie den Rechten und Pflichten der Aktionäre.
5 Die Nutzwertanalyse: Die theoretischen Grundlagen der Nutzwertanalyse als Entscheidungsmodell werden erläutert und deren konkrete Anwendungsschritte dargestellt.
6 Ergebnis des Vergleiches und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer vergleichenden Synopse der beiden Rechtsformen und der Beantwortung der Forschungsfrage durch das gewählte Fallbeispiel.
Schlüsselwörter
Rechtsform, Offene Handelsgesellschaft, Aktiengesellschaft, Nutzwertanalyse, Haftung, Leitungsbefugnis, Geschäftsführungsbefugnis, Vertretungsbefugnis, Handelsregister, Eigenkapital, Fremdkapital, Publizitätspflicht, Mitbestimmung, Gewinnbeteiligung, Unternehmensgründung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsformspezifischen Vergleich zwischen der Offenen Handelsgesellschaft und der Aktiengesellschaft als Basis für eine fundierte unternehmerische Entscheidung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die rechtlichen Ausgestaltungen der Personengesellschaft OHG sowie der Kapitalgesellschaft AG unter Berücksichtigung von Kriterien wie Haftung, Finanzierung, Publizität und Mitbestimmung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, auf Basis einer Nutzwertanalyse eine Empfehlung für die optimale Rechtsform in einem spezifischen Gründungsszenario zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird die Nutzwertanalyse, auch Scoring-Modell genannt, als quantitativ nicht-monetäre Analysemethode aus der Entscheidungstheorie eingesetzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Erläuterung der Entscheidungskriterien, die detaillierte Darstellung der OHG und AG sowie die praktische Durchführung der Nutzwertanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rechtsformwahl, Haftung, Nutzwertanalyse, OHG und AG sowie unternehmensrechtliche Kriterien charakterisiert.
Welches konkrete Fallbeispiel wird in der Nutzwertanalyse verwendet?
Es wird das Beispiel einer Gründung eines Bauunternehmens durch drei Gesellschafter für PPP-Projekte am Standort München analysiert.
Zu welchem Ergebnis kommt die Nutzwertanalyse für das Fallbeispiel?
Auf Basis der angenommenen Präferenzen der Gesellschafter und der Gewichtung der Zielkriterien ist die Aktiengesellschaft (AG) die optimale Rechtsform für das beschriebene Bauunternehmen.
- Citar trabajo
- Anika Lasseck (Autor), 2011, Konstitutive Entscheidungen durch Nutzwertanalyse. OHG vs. AG, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212433