Grundliegende Aspekte des notfallpsychologischen Bereiches "Notfallopfer" mit 3 praxisnahen Unterrichtsentwürfen


Hausarbeit, 2011

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inahltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Notfallopfer: Personengruppen
1.1 Direkte Notfallopfer
1.2 Indirekte Notfallopfer

2. Belastungen
2.1 Primärbelastungen
2.2 Sekundärbelastungen
2.3 Tertiärbelastungen
2.4 Quartärbelastungen

3. Moderatorvariablen
3.1 Biologische Moderatorvariablen
3.2 Soziokulturelle Moderatorvariablen
3.3 Individualpsychologische Moderatorvariablen

4. Verhaltensweisen eines Notfallopfers

5. Risiko- und Schutzfaktoren

6. Folgen

7. Unterrichtsentwurf
7.1 Erster Unterrichtsentwurf
7.2 Zweiter Unterrichtsentwurf
7.3 Dritter Unterrichtsentwurf

8. Fazit

1. Einleitung

Die Schulform Berufskolleg setzt sich aus einem breit gefächertem Klientel zusammen. Schüler aus dem Berufsgrundschuljahr, angehende Abiturienten oder verschiedene Auszubildende besuchen ein Berufskolleg. Viele von ihnen entscheiden sich in ihrer Schullaufbahn dafür das Fach Psychologie zu belegen oder müssen es aufgrund ihres Ausbildungszweiges.

Diese Hausarbeit setzt sich zunächst mit den grundlegenden Aspekten des notfallpsychologischen Bereichs „Notfallopfer“ auseinander.

Insbesondere die Klasse der Erzieher und Erzieherinnen soll berücksichtigt werden und zeigen, wie wichtig für sie das Thema „Notfallopfer“ in Zukunft sein kann. Die drei Unterrichtsentwürfe sollen aufzeigen, wie gut das Thema „Notfallopfer“ in der Schule behandelt werden kann.

Ziel der Hausarbeit ist es, das Thema „Notfallopfer“ anhand verschiedener Literatur darzustellen und aufgrund dessen praxisnahe Unterrichtsentwürfe zu konzipieren, auf die später in der Schullaufbahn zurückgegriffen werden kann.

1. Notfallopfer: Personengruppen

Ein Notfall, wie zum Beispiel ein Amoklauf im Kindergarten, betrifft eine große Anzahl von Menschen, die direkt oder indirekt von dem Notfall betroffen sind und daher zur Personengruppe Notfallopfer gehören.

a. Direkte Notfallopfer

Direkte Notfallopfer, auch Primäropfer genannt, sind Personen, die einen Notfall erlitten haben. Die physische und psychische Verletzung beziehungsweise Beeinträchtigung variiert individuell sehr stark. So kann die physische Verletzung durch einen Unfall im Kindergarten bei den Auszubildenden, die zur Zeit des Geschehens am Ort waren und zum Beispiel von einer Schusskugel getroffen wurden, größer sein als die der Erzieher oder Kinder, jedoch tragen auch die Mitarbeiter und Kinder eine psychische Beeinträchtigung durch den Unfall mit[1].

b. Indirekte Notfallopfer

Indirekte Notfallopfer, auch Sekundäropfer genannt, haben den Notfall nicht direkt miterlebt, sind jedoch an den Konsequenzen beteiligt. So kann eine Passantin und Augenzeugin, die an dem Kindergarten vorbeiging und die Absperrungen und Polizeipräsenz sah, auch von dem Notfall betroffen sein und sogar psychologische Hilfe benötigen. Zu den indirekten Notfallopfern gehören ebenso die Familien und Angehörigen der Involvierten. Erfahren sie aus den Medien von dem Notfall und eilen daraufhin zum Kindergarten, setzen sie sich oft durch die nachträgliche Anwesenheit psychischen Belastungen aus. Bei einem Notfall verursacht durch einen Notfall wie Amoklauf im Kindergarten, sind oft Medienvertreter vor Ort, die ebenfalls als indirekte Notfallopfer gesehen werden können. Trotz ihres Medieninteresses, müssen auch sie das Geschehen verarbeiten. Zuletzt sind die Helfer zu nennen, die aus ihrer Rolle hinaus durch eine Notfallsituation, die psychische Belastungen verarbeiten müssen. Dies nennt man auch Psychohygiene[2].

2. Belastungen

Die Reaktionen der Kinder und Erzieher sind in einem solchen Notfall sehr individuell. Dennoch können grundsätzliche Aussagen über Belastungen die auf einem Menschen während eines Notfalls einwirken, getroffen werden. Die folgenden vier Belastungsstufen sollen sich hierbei wenn möglich an dem Beispiel Amoklauf im Kindergarten orientieren.

2.1 Primärbelastungen

Unter Primärbelastungen versteht man Vorgänge, die reflektorisch im Organismus eines Notfallopfers passieren. Hiervon werden zwei Hirnbereiche betroffen. Einerseits der Thalamus sowie das limbische System im Zwischenhirn, wo physiologisch-biologische Abläufe stattfinden, andererseits die Großhirnrinde, in der das mehr oder weniger bewusst Geschehene repräsentiert wird. Zunächst stuft der Thalamus die Relevanz eines vorhandenen Reizes ein: Auszubildender sieht maskierten Mann. Hierbei spielen das biologische Erbe, die Vorerfahrungen und der aktueller Motivationszustand eine Rolle. Nachdem zwischen „relevant“ und „nicht relevant“ unterschieden wurde, urteilt das lymbische System – insbesondere Amygdala – über den Gefährlichkeitsgrad des Reizes. Die Großhirnrinde vereint hierbei vier aufeinanderfolgende Instanzen: Instanz der bewussten Wahrnehmungsprozesse, Gedächtnis- und Erkenntnisinstanz, Moderationsinstanz und Entscheidungs- und Handlungsinstanz. Da beide Hirnregionen in Kommunikation zueinander stehen, werden bei einem Urteil von „relevant und gefährlich“ weitere Reaktionen stattfinden. Jedoch können Thalamus und Amygdala teilweise auch als Antagonisten gesehen werden. Während der Thalamus „Schmerz“ sendet, schüttet die Amygdala parallel dazu schmerunterdrückende Endorphine aus. Daher empfinden manche Notfallopfer trotz Verletzung keinen Schmerz. Der Auszubildende könnte also trotz einer Schussverletzung den Schmerz zu dem Zeitpunkt kurz nach der Attacke nicht wahrnehmen.[3]

Neben dem Unterdrücken von vegetativen und motorischen Reaktionen, verursachen die beiden Hirnregionen eine hormonelle Reaktion, die Cannon-Reaktion. Energiereserven werden durch Blut- und Zuckerzufuhr in den Muskeln aktiviert, die Sensitivität der Sinnesorgane, Blutdruck sowie die Atemfrequenz steigen an, indem Adrenalin ausgeschüttet wird. Das Cortisol führt dazu, dass die Aktivitätsbereitschaft gehemmt wird, wodurch das Stressempfinden und die Gedächtnisleistungen reduziert werden. Die beiden Hormone treten jedoch nicht parallel auf. Dies könnte als Erklärung dafür gelten, wieso manche Notfallopfer in Krisensituationen adrenalin-gesteuert – schreien, laufen – andere cortisol-gesteuert – verstecken, unansprechbar – reagieren. So rennen Erzieher und Kinder aus dem Kindergarten und schreien nach Hilfe, andere wiederum bleiben wie erstarrt und quasi mit offenen Mund regungslos stehen oder verstecken sich hinter einem Gegenstand, um dort zusammengekauert auf Hilfe zu warten.

2.2 Sekundärbelastungen

In Abhängigkeit der Notfallsituation, wirken verschiedene Sekundärbelastungen auf ein Notfallopfer ein. Hierzu zählen:[4]

1. Temperatur: Kälte bei einem Lawinenunfall, Hitze bei Verbrennungen
2. Akustik: Stille bei Verschütteten oder Lärm durch das Schießen mit
einer Pistole, Schreie der Erzieher und Kinder
3. Optik: Dunkelheit durch Hauseinstürze, die die Lichtzufuhr nehmen,
Helligkeit, Lichtwährend einer Explosion oder Scheinwerfern bei Rettungsmaßnahme
4. Körperlage: Gefühl des „gelähmt seins“ durch Einklemmen in Lawine,
Verstecken hinter Gegenständen, die wenig Körperfreiheit zulassen
5. Geruch: Rauch, Desinfektionsmittel

2.3 Tertiärbelastungen

Unter Tertiärbelastungen versteht man innerpsychische Belastungen. Dabei unterscheidet man die Persönlichkeitspsychologische von der Sozialpsychologischen Kategorie.[5]

Persönlichkeitspsychologie

1. Neuheit

Ein Notfall wird als erlebte subjektive Neuheit empfunden und es kommt zu unbekannten Empfindungen, Gedanken und Gefühlen. Ein emotional verwirrter Zustand entsteht. Obwohl man in den Medien oft Amokläufen hört, ist der Moment in dem man selber Teil dieses Szenarios wird, unbekannt und neu.

2. Informationsbedürfnis

Ein kognitiv verwirrter Zustand tritt ein. Das Informationsbedürfnis des Opfers ist jedoch immer vorhanden, sodass eine informatorische Klärung der Helfers gegenüber dem Opfer mindestens genauso wichtig ist wie Empathie gegenüber dem Opfer. Der Auszubildende will in solch einer Situation wissen, ob der Täter gefasst, die Schusswunde gefährlich ist, ein Kind fragt sich, ob die Polizei informiert wurde, ob der Täter ein böser Mann ist, eine Erzieherin stellt sich die Frage, ob der Räuber weiter um sich schießen wird.

3. Kontrollverlust

Das Grundbedürfnis der Situationskontrolle ist in Notfallsituation selten gegeben. Die Erzieher, Auszubildenden und Kinder haben keine Kontrolle mehr, fühlen sich dem Amokläufer ausgeliefert. Ein Regenschirm in der Hand haltend, während man unter dem Tisch auf Hilfe wartet, kann als Ersatz-Kontrolle gesehen werden.

4. Unterbrochene Handlung

Eine unerledigte Handlung, wie das Basteln mit den Kindern, führt zu interner psychischer Spannung(Lewin).

5. Belastende Gedanken

Manche Notfallopfer machen sich sofort Gedanken über die Auswirkungen des Notfalls. Die Auszubildenden könnensich Sorgen darum machen, wie ihre Eltern reagieren werden, wenn sie im Fernsehen oder Radio von dem Amoklauf hören.

6. Bewusstseinstrübung

Damit ist die Einschränkung des Bewusstseins, der Denk- und Wahrnehmungsfunktion gemeint. Ohnmacht kann vor Belastungsstörungen helfen. Die Auszubildendenkönnen in dem Moment des Amoklaufs vergessen, dass in ihrer Hosentasche ein Handy ist oder der Ausgang nur wenige Schritte entfernt ist.

7. Atmenot

Diese wird als sehr bedrohlich erlebt, daher sollten Atemwege immer freigelegt werden. Erzieher, Auszubildende oder Kinder, dieunter Asthma leiden, können durch diese Notfallsituation Atemnot bekommen.

[...]


[1] Lasogga/Gasch: „Notfallpsychologie“, Seite 26

[2] Lasogga/Gasch: „Notfallpsychologie“, Seite 26 f.

[3] Lasogga/Gasch: „Notfallpsychologie“, Seite 37-40

[4] Lasogga/Gasch: „Notfallpsychologie“, Seite 40f

[5] Lasogga/Gasch, „Notfallpsychologie“, Seite 41-45

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Grundliegende Aspekte des notfallpsychologischen Bereiches "Notfallopfer" mit 3 praxisnahen Unterrichtsentwürfen
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Psychologie)
Veranstaltung
Notfallpsychologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V212544
ISBN (eBook)
9783656407812
ISBN (Buch)
9783656408482
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit umfasst eine detaillierte Darstellung von Notfallsituation, Notfallopfer, Helfer und Moderatorvariablen. Im Anschluss daran wird ein Unterrichtsentwurf für das Berufskolleg vorgestellt. Ein Anhang mit dem konkreten Entwurf kann gerne zusätzlich erworben werden.
Schlagworte
grundliegende, aspekte, bereiches, notfallopfer, unterrichtsentwürfen
Arbeit zitieren
Ines Schulte (Autor), 2011, Grundliegende Aspekte des notfallpsychologischen Bereiches "Notfallopfer" mit 3 praxisnahen Unterrichtsentwürfen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212544

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