Die Schulform Berufskolleg setzt sich aus einem breit gefächertem Klientel zusammen. Schüler aus dem Berufsgrundschuljahr, angehende Abiturienten oder verschiedene Auszubildende besuchen ein Berufskolleg. Viele von ihnen entscheiden sich in ihrer Schullaufbahn dafür das Fach Psychologie zu belegen oder müssen es aufgrund ihres Ausbildungszweiges.
Diese Hausarbeit setzt sich zunächst mit den grundlegenden Aspekten des notfallpsychologischen Bereichs „Notfallopfer“ auseinander.
Insbesondere die Klasse der Erzieher und Erzieherinnen soll berücksichtigt werden und zeigen, wie wichtig für sie das Thema „Notfallopfer“ in Zukunft sein kann. Die drei Unterrichtsentwürfe sollen aufzeigen, wie gut das Thema „Notfallopfer“ in der Schule behandelt werden kann.
Ziel der Hausarbeit ist es, das Thema „Notfallopfer“ anhand verschiedener Literatur darzustellen und aufgrund dessen praxisnahe Unterrichtsentwürfe zu konzipieren, auf die später in der Schullaufbahn zurückgegriffen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Notfallopfer: Personengruppen
1.1 Direkte Notfallopfer
1.2 Indirekte Notfallopfer
2. Belastungen
2.1 Primärbelastungen
2.2 Sekundärbelastungen
2.3 Tertiärbelastungen
2.4 Quartärbelastungen
3. Moderatorvariablen
3.1 Biologische Moderatorvariablen
3.2 Soziokulturelle Moderatorvariablen
3.3 Individualpsychologische Moderatorvariablen
4. Verhaltensweisen eines Notfallopfers
5. Risiko- und Schutzfaktoren
6. Folgen
7. Unterrichtsentwurf
7.1 Erster Unterrichtsentwurf
7.2 Zweiter Unterrichtsentwurf
7.3 Dritter Unterrichtsentwurf
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, das notfallpsychologische Spektrum rund um "Notfallopfer" wissenschaftlich aufzuarbeiten und didaktische Unterrichtskonzepte zu entwickeln, die insbesondere Erzieher und Erzieherinnen auf den Umgang mit Krisensituationen in ihrem beruflichen Alltag vorbereiten.
- Differenzierung zwischen verschiedenen Personengruppen von Notfallopfern.
- Analyse der vier Belastungsstufen (Primär- bis Quartärbelastungen) im Kontext von Notfällen.
- Identifikation von Moderatorvariablen und Risiko- bzw. Schutzfaktoren bei Traumatisierungen.
- Darstellung vielfältiger psychologischer Verhaltensreaktionen auf Ausnahmesituationen.
- Konzeption praxisorientierter Unterrichtsentwürfe zur Vermittlung psychologischer Kompetenzen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Primärbelastungen
Unter Primärbelastungen versteht man Vorgänge, die reflektorisch im Organismus eines Notfallopfers passieren. Hiervon werden zwei Hirnbereiche betroffen. Einerseits der Thalamus sowie das limbische System im Zwischenhirn, wo physiologisch-biologische Abläufe stattfinden, andererseits die Großhirnrinde, in der das mehr oder weniger bewusst Geschehene repräsentiert wird. Zunächst stuft der Thalamus die Relevanz eines vorhandenen Reizes ein: Auszubildender sieht maskierten Mann. Hierbei spielen das biologische Erbe, die Vorerfahrungen und der aktueller Motivationszustand eine Rolle. Nachdem zwischen „relevant“ und „nicht relevant“ unterschieden wurde, urteilt das lymbische System – insbesondere Amygdala – über den Gefährlichkeitsgrad des Reizes. Die Großhirnrinde vereint hierbei vier aufeinanderfolgende Instanzen: Instanz der bewussten Wahrnehmungsprozesse, Gedächtnis- und Erkenntnisinstanz, Moderationsinstanz und Entscheidungs- und Handlungsinstanz. Da beide Hirnregionen in Kommunikation zueinander stehen, werden bei einem Urteil von „relevant und gefährlich“ weitere Reaktionen stattfinden. Jedoch können Thalamus und Amygdala teilweise auch als Antagonisten gesehen werden. Während der Thalamus „Schmerz“ sendet, schüttet die Amygdala parallel dazu schmerunterdrückende Endorphine aus. Daher empfinden manche Notfallopfer trotz Verletzung keinen Schmerz. Der Auszubildende könnte also trotz einer Schussverletzung den Schmerz zu dem Zeitpunkt kurz nach der Attacke nicht wahrnehmen.
Neben dem Unterdrücken von vegetativen und motorischen Reaktionen, verursachen die beiden Hirnregionen eine hormonelle Reaktion, die Cannon-Reaktion. Energiereserven werden durch Blut- und Zuckerzufuhr in den Muskeln aktiviert, die Sensitivität der Sinnesorgane, Blutdruck sowie die Atemfrequenz steigen an, indem Adrenalin ausgeschüttet wird. Das Cortisol führt dazu, dass die Aktivitätsbereitschaft gehemmt wird, wodurch das Stressempfinden und die Gedächtnisleistungen reduziert werden. Die beiden Hormone treten jedoch nicht parallel auf. Dies könnte als Erklärung dafür gelten, wieso manche Notfallopfer in Krisensituationen adrenalin-gesteuert – schreien, laufen – andere cortisol-gesteuert – verstecken, unansprechbar – reagieren. So rennen Erzieher und Kinder aus dem Kindergarten und schreien nach Hilfe, andere wiederum bleiben wie erstarrt und quasi mit offenen Mund regungslos stehen oder verstecken sich hinter einem Gegenstand, um dort zusammengekauert auf Hilfe zu warten.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz des notfallpsychologischen Themas für die Ausbildung angehender Erzieher und definiert das Ziel der Arbeit, praxisnahe Unterrichtsentwürfe zu konzipieren.
1. Notfallopfer: Personengruppen: Das Kapitel differenziert zwischen direkten Primäropfern, die den Notfall erlitten haben, und indirekten Sekundäropfern, die durch die Konsequenzen oder das Umfeld belastet werden.
2. Belastungen: Hier werden vier Stufen der Belastung (Primär-, Sekundär-, Tertiär- und Quartärbelastungen) definiert und anhand eines Amoklauf-Szenarios illustriert.
3. Moderatorvariablen: Dieses Kapitel beschreibt biologische, soziokulturelle und individualpsychologische Faktoren, die das unterschiedliche Erleben und die Bewältigungsstrategien von Notfallopfern erklären.
4. Verhaltensweisen eines Notfallopfers: Die Vielfalt menschlicher Reaktionen, wie Schock, Überaktivität, Lähmung oder Weinen, wird als Ergebnis unterschiedlicher psychologischer und physiologischer Determinanten dargelegt.
5. Risiko- und Schutzfaktoren: Es wird diskutiert, welche Variablen – wie soziale Unterstützung oder psychische Struktur – über das unbeschadete Überstehen oder das Entstehen von Folgestörungen entscheiden.
6. Folgen: Dieses Kapitel beleuchtet kurz- bis langfristige physische und psychische Folgen, einschließlich der Entstehung von posttraumatischen Belastungsstörungen.
7. Unterrichtsentwurf: Es werden drei konkrete Unterrichtsstunden für angehende Erzieher präsentiert, die theoretisches Wissen mit praktischen Übungen wie der Erstellung eines "Notfallkoffers" verknüpfen.
8. Fazit: Das Fazit unterstreicht die Notwendigkeit der Integration notfallpsychologischer Inhalte in Lehrpläne, um jungen Menschen Handlungsmuster für den Krisenfall zu vermitteln.
Schlüsselwörter
Notfallpsychologie, Notfallopfer, Primärbelastung, Trauma, Stressreaktion, Coping-Strategien, Krisenintervention, Erzieherausbildung, Unterrichtsentwurf, Adrenalin, Cortisol, Psychohygiene, Posttraumatische Belastungsstörung, Resilienz, Notfallkoffer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den psychologischen Auswirkungen von Notfällen auf Betroffene und dem Transfer dieses Wissens in die schulische Ausbildung von Erziehern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Kategorisierung von Notfallopfern, die Analyse verschiedener Belastungsstufen, psychische Bewältigungsmechanismen sowie die didaktische Aufbereitung für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die theoretische Aufarbeitung des Themas Notfallopfer und die Erstellung praxisnaher Unterrichtsentwürfe, um Erzieherinnen und Erzieher auf den Notfallalltag vorzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse notfallpsychologischer Fachliteratur, die für die Zielgruppe der Berufsschüler didaktisch reduziert und in Unterrichtskonzepte übersetzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Belastungsarten, individuellen Moderatorvariablen, Verhaltensreaktionen, Risikofaktoren für Folgeschäden sowie die Ausarbeitung dreier spezifischer Unterrichtsstunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff "Notfallpsychologie" sind "Notfallopfer", "Belastungsstufen", "Coping-Strategien" und "Krisenintervention" entscheidend.
Was ist das Besondere am "Notfallkoffer" in den Unterrichtsentwürfen?
Der Notfallkoffer ist ein praktisches Werkzeug, das Schüler im Unterricht selbst gestalten, um sich mit den notwendigen Ressourcen und Funktionen zur Bewältigung von Krisen im Kindergarten auseinanderzusetzen.
Wie unterscheiden sich direkte und indirekte Notfallopfer laut der Arbeit?
Direkte Notfallopfer erleben den Notfall physisch oder psychisch unmittelbar, während indirekte Opfer (Sekundäropfer) durch Konsequenzen, Medienberichterstattung oder als Helfer psychologisch belastet werden.
Warum ist das Verständnis der biologischen Reaktion (Cannon-Reaktion) für Erzieher wichtig?
Das Verständnis hilft Erziehern zu akzeptieren, warum Kinder oder Kollegen in einer Krise völlig unterschiedlich – etwa in völliger Erstarrung oder hyperaktiv – reagieren können, und ermöglicht so eine angemessenere Hilfe.
- Citar trabajo
- Ines Schulte (Autor), 2011, Grundliegende Aspekte des notfallpsychologischen Bereiches "Notfallopfer" mit 3 praxisnahen Unterrichtsentwürfen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212544