Die Repräsentation der Monarchie in John Drydens „Oedipus: A Tragedy“


Hausarbeit, 2009
14 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Kontextualsierung
2.1. Die politische Situation vor und in der Restaurationszeit
2.2. Das Drama der Restaurationszeit als verarbeitendes und legitimierendes Medium

3. Drydens Oedipus: Die Reflexion des idealen Herrschers
3.1. Versuch einer ersten Einordnung: Oedipus: A Tragedy
3.2. Die intendierte Figurenkonzeption des Oedipus bei Dryden
3.3 König Oedipus: Eine Figurenanalyse

4. Fazit

Literatur

1. Einleitung

John Dryden gilt als einer der prägendsten Autoren der Restaurationszeit und sein Stück „Oedipus: A Tragedy“ von 1679 wurde von ihm auf dem Gipfel seiner Schaffenszeit in Zusammenarbeit mit Nathaniel Lee verfasst.1 Das Stück regt in vieler Hinsicht zur Betrach­tung und Interpretation an, nicht nur, weil sein Plot eine Mischung ist aus denen mehrerer verschiedener - sowohl antiker als moderner - Vorlagen. Gepaart ist diese auch mit typischen Eigenschaften des Dramas der Restaurationszeit und besitzt zwei dicht ineinander verschlungene Handlungsstränge. Die Restaurationszeit selbst gibt Anlass, das Stück genauer in Augenschein zu nehmen, da die Wiedereinsetzung des englischen Monarchen sich beträchtlich ausgewirkt hat auf die Literatur dieser Zeit. Die Legitimität des neuen Stuart-Königs und das Machtverhältnis zwischen Krone und Parlament galt es auf literarischem Wege zu hinterfragen, zu diskutieren und zu unterstützen. Dryden als konservativer Royalist machte hier keine Ausnahme. Seine Oedipus-Version steht ganz im Zeichen der legitimen Monarchie, die es zu verteidigen und zu stützen galt. Seine Figur des Königs Oedipus fungiert hierbei als Abbild des englischen Königs und reflektiert die positiven Eigenschaften, die einem idealen Monarchen, als welcher Charles II. aufgefasst werden sollte, zugeschrieben wurden.

Um zu verstehen, warum es für einen konservativen Poeten der Restaurationszeit wie Dryden angebracht war, die Hauptfigur eines doch eigentlich tragischen Stückes als einen mit positiven Merkmalen ausgestatteten Herrscher „von Gottes Gnaden“ darzustellen, wird es zunächst unerlässlich sein, sich den historischen Kontext zu betrachten und die Voraus­setzungen und Umstände der Restaurationszeit zu klären. Ebenfalls soll das Drama der Restaurationszeit und seine Eigentümlichkeiten untersucht werden, da dies, ebenso wie der historische Kontext, maßgeblich ist für diese Art von Figurenzeichnung. Anhand des Stückes selbst - sowohl sollen die Angaben des Autors im „Preface“ berücksichtigt werden, als auch Drydens Figurenkonzeption - soll anschließend erörtert werden, wie die Intention, mit der er die Oedipus-Figur erschuf, zum Tragen kommt. Auch soll eine Figurenanalyse des Oedipus die Beweise dazu liefern, dass die Figur eine Spiegelung des englischen Königs darstellt. Dabei soll aber nicht nur die Hauptfigur durch ihre expliziten und impliziten Eigencharakterisierungen betrachtet werden, sondern auch sein Verhältnis zu den anderen Figuren und deren explizite und implizite Fremdcharakterisierungen der Hauptfigur. Abschließend soll die Frage aufgeworfen und geklärt werden, ob es sich im Fall von Drydens Oedipus um eine rein positive Spiegelung des idealen Herrschertypus handelt.

2. Kontextualisierung

2.1. Die Politische Situation vor und in der Restaurationszeit

Seit Beginn der Englischen Revolution von 1641 wurde das Land von ständigen Unruhen und einhergehenden politischen und religiösen Veränderungen erschüttert. Daraus folgte die stetige Schwächung des englischen Königtums, da Charles I., um die Gefahren des Bürgerkriegs abzuschwächen, sowohl dem Parlament als auch den radikalen religiösen Gruppierungen im Land Zugeständnisse machen musste. Doch gelang es ihm nicht, sein Königreich zufrieden zu stellen: Die Verknüpfung von religiösen und politischen Forder­ungen war zu eng und unauflösbar. Hinsichtlich des Widerstandes gegen das „Gottes- gnadentum“ des Königs existierten auch Forderungen nach der Begrenzung der Macht der Krone, gegen die sich Charles I. wehrte, gegenüber denen er aber letztendlich nachgeben musste.2 Im Jahr 1647, als der Bürgerkrieg einen erneuten Höhepunkt erreichte, wurde Charles I. von seinen zahlreichen Gegnern für die Ereignisse des Bürgerkrieges verant­wortlich gemacht und sollte zur Rechenschaft gezogen werden. Nach einem Putsch der Armee 1648 unter Oliver Cromwell wurde beschlossen, dem König den Prozess zu machen. Charles I. wurde am 30. Januar 1649 hingerichtet, was ihm aber bei der Bevölker­ung im Nachhinein mehr Verehrung einbrachte, als seinen Bezwingern.3 Er wurde als Märtyrer verehrt, während die neue Regierung unter Cromwell, die aus England ein Commonweath machte, sich vermehrten Widerständen gegenüber sah. Der Sohn des hingerichteten Königs, Charles, musste nach Frankreich fliehen.

Während Cromwell mit Mühe seine Macht im Land zu erhalten versuchte und dabei als Oberbefehlshaber die alleinige Macht wie ein Monarch trug, wurde der englischen Bevölkerung herkömmliche Volksvergnügungen wie das Theater verboten. Durch den neuen „Lord Protector“ hielt eine puritanische Radikalität im Land Einzug, die ihn aber letztendlich innenpolitisch scheitern ließ, da er nur die Unzufriedenheit schürte. Auch sein Sohn, der das Erbe seines Vaters versuchte anzutreten, scheiterte und wurde schon nach kurzer Zeit zum Abdanken gezwungen. Ein anarchischer Zustand beherrschte das Land, Dauerkonflikte zwischen dem Parlament und der Armee und auch innerhalb beider Institutionen waren unvermeidbar. England erschien unregierbar, doch durch Neuwahlen entstand das „Convention Parliament“, welches im Jahr 1660 die Wiederherstellung der Monarchie beschloss. Der im Exil lebende Stuart-Nachkomme Charles wurde auf den englischen Thron gesetzt, jedoch nicht ohne die Bedingung, sich einem parlamentarischen Beschluss zu unterwerfen, der Gewissensfreiheit, Amnestie für die Aufständischen gegen seinen Vater und Eigentumsfragen beinhaltete. Charles II. wurde zwar der nächste Stuart­König auf dem englischen Thron, jedoch war er weitestgehend in den Augen der Engländer eher ein „König von Gnaden der im Parlament repräsentierten Nation“ als ein „König von Gottes Gnaden.“4 Im nächsten so genannten „Kavaliers- Parlament“, in dem die Royalisten dominierten, wurde die „Licensing Act“ von 1662 durchgesetzt, durch die wieder eine staatliche Zensur der politischen Publizistik durchgeführt wurde, was zur Folge hatte, dass nur niedergeschrieben wurde, was im Sinne derwieder hergestellten Monarchie war.5 Zum anderen fand eine Beschneidung der konfessionellen Freiheit statt. Im „Clarendon Code“ von 1661 wurde die Anglikanische Staatskirche fest etabliert. Gegen die ursprüng­liche Absicht des Königs, eine Politik der religiösen Toleranz zu betreiben, wandte sich das Unterhaus des Parlaments mit Forderungen nach religiöser Konformität. Denn „die Diskriminierung der Nonkonformisten und Sekten bedeutete Kontrolle über politische Strömungen und Entwicklungen.“6 Nach der „Act of Unifomity“ verschärften sich die Repressionen gegen Gruppierungen außerhalb der Anglikanischen Kirche, wozu auch die Katholiken zählten. Charles II., obwohl selbst Anglikaner, versuchte, für sie Indulgenz- erklärungen abzugeben, was bedeutete, dass sie in einzelnen Fällen von der geforderten religiösen Toleranz ausgenommen sein sollten, was er wohl im Hinblick auf die Tatsache, dass sein Bruder James selbst bekennender Katholik war, durchzusetzen versuchte. Der König berief sich dabei auf sein Recht, einen Dispens zu erteilen und Einzelpersonen von der Geltung einzelner Gesetze ausnehmen zu können. Dabei traf er aber auf Widerstand im Parlament, da man argwöhnte, der König neige ebenfalls zum Katholizismus. Dieses Gerücht schadete der Reputation Charles’, herrschte doch im Land ein antikatholisches Feindbild vor, geschürt von immer wiederkehrenden Gerüchten papistischer Verschwör­ungen.7 So waren die 1660er Jahre gekennzeichnet von dem Ringen Charles II. mit dem Parlament, welches von ihm forderte, sich unterzuordnen. Er jedoch konnte sich auf die geltende Verfassung berufen, die ein Miteinander von Krone und Parlament vorsah. Andererseits setzte er sich immer öfter über das Parlament hinweg und versuchte, sich von ihm unabhängig zu machen. Im Jahr 1678 begann eine Politik der Eindämmung katholischer Strömungen. Dennoch wendete Charles die Strafgesetze gegen Katholiken kaum an, was den Unmut gegen ihn schürte. Als im selben Jahr die Existenz eines angeblichen papistischen Komplotts enthüllt wurde, dessen Kopf der Bruder des Königs sein sollte und der die Ermordung Charles’ als Ziel gehabt haben sollte, verbreitete sich die Furcht vor dem Katholizismus. Das Parlament wollte einen Eingriff in die Erbfolge unternehmen und Charles’ Bruder James von der Thronfolge ausschließen. In der Zeit der folgenden „Exclusion Crisis“, die eine „Spaltung der politischen Nation in ,Whigs’ und .Tories’“8 hervorbrachte, wurde zwischen 1679 und 1681 das Parlament ständig vom König aufgelöst und wieder neu gewählt. Doch mit den stärkeren Tories im Rücken, die die Erbmonarchie betonten und die königlichen Prärogativrechte und die Stellung der Anglikanischen Kirche gesichert wissen wollten, war sich Charles die Krone sicher.9

2.2. Das Drama der Restaurationszeit als verarbeitendes und legitimierendes Medium

In der Zeit des Commonwealth war England von Puritanischer Literatur dominiert worden. Radikale Zensur wurde durchgeführt aufgrund der hohen moralischen Grundsätze, die sich auch darin äußerten, dass die Volksvergnügungen wie Theater- und Tanzveranstaltungen, Hahnenkämpfe und Pferderennen verboten wurden.10

Während seines Exils in Frankreich erfreute der zukünftige König Charles sich an Theaterstücken und entdeckte seine Vorliebe für Literatur. Als er 1660 den englischen Thron bestieg, erneuerte sich auch die Literatur Englands und mit ihr die Theater­landschaft. Die Position des „Poet Laureate“, des Hofdichters, welche John Dryden zukam, wurde wieder eingeführt und Charles II. investierte in die Eröffnung von Theatern und Förderung der Künste, was nicht ohne Folgen blieb: „Das historische Ereignis, das der Epoche ihren Namen gegeben hat - die Wiedereinsetzung der Stuart-Monarchie im Jahr 1660 - beendete nicht nur das puritanische Interregnum, sondern hatte auch unmittelbare Auswirkungen auf die literarische Landschaft in England. Dies trifft in ganz besonderer Weise auf das Drama zu.“11 Das Drama der Restaurationszeit wurde zu einem wirkungs­mächtigen Medium, das der Verarbeitung der Revolution und der Commonwealth-Zeit und der Reflexion der aktuellen Situation diente. Viele Autoren reagierten mit ihren Stücken auf die Rückkehr Charles’ und der Monarchie. Dementsprechend ist die Literatur der Restaurationszeit sehr speziell, da sie vor allem geknüpft ist an dieses besondere Ereignis der Wiederherstellung der Stuart-Monarchie. Die Persönlichkeit des theaterbegeisterten Königs beeinflusste sowohl die Gesellschaft als auch die Literatur in hohem Maße - besonders das Drama: „Dass sich das Drama der Restaurationszeit zu einer außerge­wöhnlichen Blüte entfaltete, ist nicht zuletzt auf die aktive Förderung der Theater durch den Adel und vor allem durch den König selbst zurückzuführen.“12 Doch nicht nur das rege Interesse des Königs am Theater war der Grund für die neue, vielfältige Dramenproduktion:

[...]


1 Vgl.: Brunkhorst, Martin: Aspekte der “Oedipus”-Adaption bei Dryden und Lee. In: GRM 26, 1976. S. 387.

2 Vgl.: Haan, Heiner/Niedhart, Gottfried: Geschichte Englands, Bd. 2. Vom 16. bis 18. Jahrhundert. München: Beck 1990. S. 170 f./ Stegmann, S. 86.

3 Vgl.: Haan/Niedhart, S. 182.

4 Haan/Niedhart, S. 189.

5 Vgl.: Ebd., S. 191.

6 Ebd., S. 192.

7 Vgl.: Ebd., S. 192 f.

8 Haan/Niedhart, S. 196.

9 Vgl.:Ebd., S. 196 f.

10 Vgl.: Ebd., S. 186.

11 Gymnich, Marion: Das englische Drama der Restaurationszeit aus gattungstypologischer Sicht: Erscheinungsformen und Entwicklungstendenzen. In: Nünning, Ansgar (Hg.): Eine andere Geschichte der englischen Literatur. Epochen, Gattungen und Teilgebiete im Überblick, Handbuch 2. Trier: WVT 1998. S. 43.

12 Gymnich, S. 44.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Repräsentation der Monarchie in John Drydens „Oedipus: A Tragedy“
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Anglistik)
Veranstaltung
Proseminar: Wisdom of the Ancients? Antikenrezeption in der britischen Literatur
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V212903
ISBN (eBook)
9783656409212
ISBN (Buch)
9783656409120
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit auf deutsch!
Schlagworte
Dryden, Oedipus: A Tragedy, Antikenrezeption, 17. Jahrhundert, Restauration, England, Monarchie, Charles II
Arbeit zitieren
Janina Vahrenholt (Autor), 2009, Die Repräsentation der Monarchie in John Drydens „Oedipus: A Tragedy“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212903

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