Anhand der Werke und der Einstellung Thomas Manns zur Politik (hier: Der Bajazzo, der Tod in Venedig, Der kleine Herr Friedemann, Mario und der Zauberer, die Rundfunkaufzeichnungen und politisch motivierten Texten ) wird das Verständnis der dynamischen Veränderung der Bürgertums in das Verhältnis zum Künstler gesetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bürger-Künstler bei Thomas Mann
2.1. Bürgerbegriff bei Thomas Mann
2.2. Künstlerbegriff bei Thomas Mann
3. Der kleine Herr Friedemann
4. Der Bajazzo
5. Tristan
6. Der Tod in Venedig
7. Mario und der Zauberer
8. Thomas Mann und die Politik
9. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Identität als Bürger und als Künstler im Werk von Thomas Mann, um daraus ein tieferes Verständnis für die Entwicklung seiner politischen Ansichten abzuleiten.
- Analyse der bürgerlichen und künstlerischen Identität in den frühen Erzählungen
- Einordnung der ästhetischen Konzepte im Kontext von Nietzsche, Schopenhauer und Wagner
- Untersuchung der politischen Wandlungsprozesse Thomas Manns im 20. Jahrhundert
- Gegenüberstellung von apollinischen und dionysischen Elementen in der Charakterzeichnung
- Interpretation der Künstler-Außenseiterrolle als Motor für Thomas Manns Weltanschauung
Auszug aus dem Buch
2.2. Künstlerbegriff bei Thomas Mann
Der frühe Künstlerbegriff bei Thomas Mann ist nicht ganz so eindeutig, da dieser sich im Laufe der Zeit verändert hat. Der junge Thomas Mann, der von seinem Vater als kaufmännisch wohl nicht gut genug befunden wurde, um das Unternehmen weiterzuführen, wählte dann die Rolle eines produktiven Künstlers.
Die Entwurzelung als Großbürger hin zu einem Künstler führten zu Außenseiterrolle, die in seinen Werken immer wieder ein wichtiges Motiv darstellen.
In den theoretischen Schriften „Geist und Kunst“ (1910), „Auseinandersetzungen mit Wagner“ (1911) und „Der Künstler und der Literat“ (1913) hat Thomas Mann seine Vorstellung eines Künstlers bzw. der Kunst vorgestellt.
In diesen Aufsätzen setzt sich Thomas Mann mit der Frage auseinander, ob ein Künstler „nicht ein Betrüger sei“, denn „Kunst soll im Irrationalen beheimatet sein(...), soll eine inspirierte Schöpfung sein und ein Künstler kein Macher, (...) der mit Tricks und Effekten Beifall erhascht und das Publikum manipuliert, also an die Manipulation des Publikums denkt und nicht an die Kunst selbst.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Bürger-Künstler-Konflikts ein und skizziert die methodische Vorgehensweise anhand ausgewählter Werke und politischer Schriften.
2. Bürger-Künstler bei Thomas Mann: Hier werden die Grundbegriffe des Bürgertums und des Künstlertums erarbeitet, die das Fundament für die weitere Analyse der literarischen Figuren bilden.
3. Der kleine Herr Friedemann: Das Kapitel beleuchtet das Schicksal eines körperbehinderten Außenseiters und analysiert den Zusammenbruch seiner apollinischen Lebensordnung durch dionysische Einflüsse.
4. Der Bajazzo: Diese Analyse beschreibt den Typus des Künstlers als Imitator, dem die produktive Kraft fehlt und der an der Diskrepanz zwischen bürgerlichem Anspruch und eigener Lebensuntüchtigkeit scheitert.
5. Tristan: Im Zentrum steht die Gegenüberstellung von bürgerlicher Vernunft und künstlerischer Dekadenz, verkörpert durch die Figuren Detlev Spinell und Gabriele Klöterjahn.
6. Der Tod in Venedig: Das Kapitel untersucht den Verfall des Schriftstellers Aschenbach, bei dem sich die Grenzen zwischen bürgerlicher Disziplin und dionysischem Rausch auflösen.
7. Mario und der Zauberer: Hier wird die Erzählung als literarische Kritik am aufkommenden Faschismus gelesen, wobei Cipolla als dekadente Künstlerfigur fungiert.
8. Thomas Mann und die Politik: Diese Sektion zeichnet die politische Entwicklung Thomas Manns nach, von den unpolitischen Anfängen bis zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.
9. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Synthese aus bürgerlichem Ethos und künstlerischer Sensibilität der Schlüssel zum Verständnis von Thomas Manns politischer Philosophie ist.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Bürgerlichkeit, Künstlertum, Apollinisch, Dionysisch, Dekadenz, Außenseiter, Friedrich Nietzsche, Richard Wagner, Arthur Schopenhauer, Politische Identität, Ästhetik, Literaturanalyse, Ideengeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen der bürgerlichen Herkunft Thomas Manns und seiner Identität als Künstler.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Bürger- und Künstlertum, die philosophische Beeinflussung durch Nietzsche und Wagner sowie die politische Entwicklung des Autors.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aus der Analyse der Künstler-Bürger-Problematik in den literarischen Werken das Verständnis für Thomas Manns politische Einstellung zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Primärwerke mit zeitgenössischen Briefwechseln, Tagebüchern und philosophischen Schriften kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise die Erzählungen „Der kleine Herr Friedemann“, „Der Bajazzo“, „Tristan“, „Der Tod in Venedig“ und „Mario und der Zauberer“ hinsichtlich ihrer Figurenpsychologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bürgerlichkeit, Künstlertum, Apollinisch, Dionysisch, Dekadenz und politische Identität.
Warum spielt das „apollinische“ und „dionysische“ Prinzip eine solche Rolle?
Diese Begriffe von Nietzsche dienen als Werkzeug, um die inneren Zerrissenheiten der Protagonisten zwischen Ordnung und Rausch greifbar zu machen.
Inwiefern beeinflusste die politische Situation Thomas Mann?
Die politische Radikalisierung der Zwischenkriegszeit zwang Thomas Mann dazu, seine anfänglich als „unpolitisch“ verstandene Haltung kritisch zu hinterfragen und sich schließlich gegen den Nationalsozialismus zu positionieren.
- Arbeit zitieren
- Alexander Klawitter (Autor:in), 2010, Die Bügerlichkeit bei Thomas Mann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213165