Oberflächlich betrachtet spricht man im Alltag ja oft und leicht davon, dass man dieser oder jener Überzeugung sei, doch befasst man sich mit dem Konstrukt der Überzeugung, also möchte man erfassen wie eine Person zu einer Überzeugung gelangt, stellt man schnell fest, dass es wichtig ist, Faktoren zu berücksichtigen, die im Alltag, respektive bei Anwendung einer Überzeugung sicher nicht gegenwärtig sind, da die Bildung einer Überzeugung relativ automatisch zu erfolgen scheint.
So geht der transzendentalphilosophische Ansatz nach C. Asmuth von folgendem aus: „(2) Ein sinnvolles Urteil impliziert die Möglichkeit eines Irrtums. Damit ein Lebewesen eine Überzeugung haben kann, muss die Möglichkeit gegeben sein, dass diese Überzeugung auch falsch sein kann, denn sonst wäre die Anwendung des Begriffs der Wahrheit auf diese Überzeugung unverständlich: Die Überzeugung könnte nicht sinnvoll als wahr gelten und hätte damit keine Bedeutung. Um eine Überzeugung zu haben, muss das Lebewesen wenigstens prinzipiell auch der Meinung sein können, dass diese Überzeugung wahr ist. Dazu bedarf es einer Verfügung über die Begriffe Überzeugung und Wahrheit. Diese beiden Begriffe sind unreduzierbare Grundbegriffe, die unabdingbar sind für Intersubjektivität und können nicht weiter begründet werden. Nur auf der Grundlage einer Theorie der Wahrheitsbedingungen kann überhaupt unterschieden werden zwischen dem Gedanken, etwas sei so, und der Tatsache, dass etwas auch so ist. Würde man nicht über den Wahrheitsbegriff verfügen, wäre gar keine Unterscheidung möglich zwischen einer Überzeugung und ihrem Gehalt bzw. ihrer Erfüllungsbedingung [...]“ (Christoph Asmuth, Transzendentalphilosophie und Person: Leiblichkeit – Interpersonalität – Anerkennung. 2007. S.221)
C.Asmuth erwähnt also den Begriff „Wahrheit“ als zentralen Bestandteil um überhaupt die Möglichkeit bzw. die Fähigkeit zu haben, zu entwickeln, um zu einer Überzeugung zu gelangen. Somit, ohne eine Vorstellung des Begriffs Wahrheit, oder der Wahrheit in Bezug auf einem bestimmten Umstand zu haben, sei keine Überzeugungsbildung möglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Definitionen
1.1 Was ist eine Überzeugung?
1.2 Was sind negative Überzeugungen?
1.3 Abgrenzung bzw. Unterschied zur „sich selbsterfüllenden Prophezeiung“
2. Negative Überzeugung aus psychodynamischer Sicht
3. Negative Überzeugung aus verhaltenstherapeutischer Sicht
4. Wie wirkt sich negative Überzeugung aus bzw. was verursacht Sie? (Krankheitsbilder)
5. Therapeutische Behandlungsansätze – psychodynamisch
6. Therapeutische Behandlungsansätze – verhaltenstherapeutisch
7. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Behandlungsansätze
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konstrukt der „negativen Überzeugung“ und analysiert deren Entstehung sowie Auswirkungen aus der Sichtweise der psychodynamischen Psychotherapie und der Verhaltenstherapie. Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe zu beleuchten, die beiden therapeutischen Ansätze gegenüberzustellen und die Bedeutung dieser Denkmuster für die Entstehung psychischer Störungen aufzuzeigen.
- Definition und philosophische Einordnung des Überzeugungsbegriffs
- Differenzierung zwischen negativen Überzeugungen und sich selbst erfüllenden Prophezeiungen
- Psychodynamische Ursachenforschung (Frühe Kindheit und Objektbeziehungen)
- Verhaltenstherapeutische Konzepte (Irrationale Überzeugungen, kognitive Umstrukturierung)
- Einfluss von maladaptiven Kognitionen auf Krankheitsbilder wie Depressionen und Ängste
Auszug aus dem Buch
1.1 Was ist eine Überzeugung?
Oberflächlich betrachtet spricht man im Alltag ja oft und leicht davon, dass man dieser oder jener Überzeugung sei, doch befasst man sich mit dem Konstrukt der Überzeugung, also möchte man erfassen wie eine Person zu einer Überzeugung gelangt, stellt man schnell fest, dass es wichtig ist, Faktoren zu berücksichtigen, die im Alltag, respektive bei Anwendung einer Überzeugung sicher nicht gegenwärtig sind, da die Bildung einer Überzeugung relativ automatisch zu erfolgen scheint.
So geht der transzendentalphilosophische Ansatz nach C. Asmuth von folgendem aus: „(2) Ein sinnvolles Urteil impliziert die Möglichkeit eines Irrtums. Damit ein Lebewesen eine Überzeugung haben kann, muss die Möglichkeit gegeben sein, dass diese Überzeugung auch falsch sein kann, denn sonst wäre die Anwendung des Begriffs der Wahrheit auf diese Überzeugung unverständlich: Die Überzeugung könnte nicht sinnvoll als wahr gelten und hätte damit keine Bedeutung. Um eine Überzeugung zu haben, muss das Lebewesen wenigstens prinzipiell auch der Meinung sein können, dass diese Überzeugung wahr ist. Dazu bedarf es einer Verfügung über die Begriffe Überzeugung und Wahrheit. Diese beiden Begriffe sind unreduzierbare Grundbegriffe, die unabdingbar sind für Intersubjektivität und können nicht weiter begründet werden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definitionen: Dieses Kapitel erläutert den philosophischen und psychologischen Begriff der Überzeugung und definiert, wie negative Überzeugungen durch verzerrte Wahrnehmung entstehen.
2. Negative Überzeugung aus psychodynamischer Sicht: Hier wird die Entstehung negativer Überzeugungen als Folge früher, negativ introjizierter Objekterfahrungen beschrieben, die das Kind als Überlebensstrategie verinnerlicht.
3. Negative Überzeugung aus verhaltenstherapeutischer Sicht: Das Kapitel fokussiert auf irrationale Überzeugungen und deren Rolle als Ursache für psychische Störungen, basierend auf den Ansätzen von Ellis und Beck.
4. Wie wirkt sich negative Überzeugung aus bzw. was verursacht Sie? (Krankheitsbilder): Es wird der Zusammenhang zwischen maladaptiven Kognitionen, kognitiven Verzerrungen und psychischen Störungen wie Depressionen oder Angststörungen dargelegt.
5. Therapeutische Behandlungsansätze – psychodynamisch: Dieses Kapitel beschreibt das Ziel der psychodynamischen Therapie, durch die Aufdeckung unbewusster Konflikte und eine Ich-Dystonie negative Überzeugungen bearbeitbar zu machen.
6. Therapeutische Behandlungsansätze – verhaltenstherapeutisch: Fokus liegt hier auf der kognitiven Umstrukturierung, Verhaltensänderung und der Arbeit an Schemata, um unangepasste Gedanken kritisch zu prüfen.
7. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Behandlungsansätze: Ein Vergleich, der die Ansätze durch das verbindende Konzept der „Botschaften“ integriert und methodische Unterschiede in der Arbeit mit Einsicht versus Verhaltensmodifikation hervorhebt.
8. Fazit: Die Autorin resümiert, dass trotz methodischer Unterschiede beide Ansätze die Bedeutung frühkindlicher Prägung für die Ausbildung von Schemata und Überzeugungen anerkennen.
Schlüsselwörter
Negative Überzeugung, Psychodynamik, Verhaltenstherapie, Kognitive Umstrukturierung, Objektbeziehung, Irrationale Überzeugungen, Psychische Störungen, Kindheit, Introjektion, Schemata, Lernpsychologie, Psychotherapie, Kognitive Verzerrungen, Identität, Bewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Entstehung und den Auswirkungen von sogenannten negativen Überzeugungen aus zwei unterschiedlichen psychologischen Perspektiven.
Welche zwei therapeutischen Schulen stehen im Mittelpunkt?
Die Arbeit vergleicht die tiefenpsychologisch fundierte (psychodynamische) Sichtweise mit der kognitiven Verhaltenstherapie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe negativer Denkmuster zu verstehen und aufzuzeigen, wie diese in der jeweiligen Therapieform identifiziert und behandelt werden.
Welche zentrale Rolle spielt die „Erwartung“ in dieser Arbeit?
Die Autorin grenzt negative Überzeugungen von der „sich selbsterfüllenden Prophezeiung“ ab und stellt fest, dass falsche Erwartungen bei letzterer sowohl positiv als auch negativ besetzt sein können.
Wie erklärt die Psychodynamik die Entstehung dieser Überzeugungen?
Sie führt negative Überzeugungen auf frühe, oft schmerzhafte Beziehungserfahrungen zurück, bei denen das Kind die negative Behandlung durch Bezugspersonen als Teil seiner Identität verinnerlicht.
Was ist der Kern des verhaltenstherapeutischen Ansatzes in diesem Kontext?
Die Verhaltenstherapie betrachtet diese Überzeugungen als „irrationale“ Schemata, die durch „schädliches Lernen“ entstanden sind und durch kognitive Umstrukturierung korrigiert werden können.
Was ist der wesentliche Unterschied in Bezug auf das Konzept der „Einsicht“?
Während die psychodynamische Therapie Einsicht in unbewusste Ursachen als zentralen Heilungsfaktor ansieht, betrachtet die Verhaltenstherapie bloße Einsicht oft als zweitrangig gegenüber der direkten Verhaltensänderung.
Warum wird die „negative Triade“ von Aaron T. Beck erwähnt?
Die negative Triade dient als verhaltenstherapeutisches Erklärungsmodell für die pessimistische Sichtweise auf sich selbst, die Welt und die Zukunft, welche oft depressiven Störungen zugrunde liegt.
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- Tanja Weigert (Autor), 2013, Negative Überzeugung aus psychodynamischem und verhaltenstherapeutischem Blickwinkel, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213528