Die Suche nach dem Ich: Identitätssuche im Jugendalter und die positive Beeinflussung durch Musik


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Selbstkonzept und Identität als zwei wichtige Dimensionen des Jugendalters
2.1 Das Modell des Selbstkonzeptes nach Rosenberg
2.1.1 Das Konzept des aktuellen Selbst
2.1.2 Das Konzept des erwünschten Selbst
2.1.3 Das Konzept des sich darstellenden Selbst
2.2 Zusammenhang zwischen Identität und Selbstkonzept

3. Jugend als Phase der Übergänge
3.1 Neu- und Desorientierungen des Individuums durch Veränderungen
3.1.1 Körperliche Entwicklung
3.1.2 Kognitive Entwicklung
3.1.3 Umstrukturierung der sozialen Beziehungen
3.1.4 Lebensverändernde Entscheidungen
3.2 Jugend als entscheidende Phase bei der Identitätssuche im Identitätsmodell nach Marcia
3.2.1 Die vier Identitätstypen
3.2.2 Das Moratorium als Weg zu einer gelungenen Identität

4. Musik als einflussreiche Unterstützung der Jugendlichen bei der Identitätssuche und der Aufwertung des Selbstkonzeptes
4.1 Das Finden von Vorbildern
4.2 Entstehung von Selbstbewusstsein durch eigenhändiges Spielen von Musik
4.3 Entstehung von Freundschaften und Gruppenzugehörigkeit durch Musik
4.4 Die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben mit Hilfe der Musik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Scharf und milde, grob und fein, vertraut und seltsam, schmutzig und rein, des Narren und Weisen stelldichein: Dies alles bin ich, will ich sein, Taube zugleich, Schlange und Schwein!“

Dieses Zitat von Friedrich Nietzsche beschreibt sehr treffend einen Gefühls- und Denkzustand, den wohl fast jeder von uns in seiner Jugendzeit erlebt hat. Die Frage danach wer wir sind, wer wir sein wollen und wie wir dies erreichen können beschäftigt den Menschen in seinem Leben kaum ein zweites Mal so stark wie in der Phase der Adoleszenz und kein Zeitabschnitt im Leben eines Menschen ist durch mehr Veränderungen der Verhaltensweisen, des Stiles und der Persönlichkeit gekennzeichnet als das Jugendalter. Hatte ein Individuum aus seiner Sicht als Erwachsener früher einmal einen ausgefallenen Modegeschmack oder bereut er heute eine Tätowierung, die er sich in jüngeren Jahren stechen lies, spricht er meistens von einer „Jugendsünde“, von der er sich in späteren Jahren lieber distanziert. Dies alles hängt mit der Entwicklung der Identität zusammen, die in der Jugendphase ihre Hochkonjunktur hat.

Auch umgekehrt ist dies der Fall: zu den am häufigsten benutzten und debattierten Wörtern in der Adoleszenzliteratur gehören Begriffe wie Selbst, Identität, Selbstwert und Selbstkonzept (vgl. Flammer; Alsacker 2002, S. 142). Die Identitätssuche und -entwicklung in der Jugendzeit beschäftigt nicht nur Pädagogen und Psychologen, sondern ist auch in der Öffentlichkeit sehr gefragt und populär und wird in Filmen, Liedern oder Büchern, wie z. B. dem erfolgreichen Roman „der Fänger im Roggen“ von Jerome David Salinger publiziert.

Ein weiteres Stichwort, das man mit der Phase der Jugend verbinden könnte, ist die Musik. Natürlich ist Musik für die meisten Menschen in jedem Alter wichtig, es fällt aber auch, dass sie besonders für Jugendliche auch oft schon existenziell sein kann (vgl. Kopetzky 2000, S. 15). Dabei stellt sich die Frage ob und warum Musik wichtig für die Identitätsbildung und die Stärkung des Selbstkonzeptes der Jugendlichen sein kann.

In meiner Arbeit möchte ich zunächst das Selbstkonzept und die Identitätsfindung als zwei wichtige Dimensionen des Jugendalters vorstellen und die Zusammenhänge zwischen diesen beschreiben. Dann werde ich erklären, warum die Identität und das Selbstkonzept, die als lebenslange Komponenten im Leben eines Menschen gelten, gerade in der Jugend so einen hohen Stellenwert besitzen und welche Phasen der Identitätsentwicklung ein Jugendlicher durchlaufen muss, um schließlich zu einer erfolgreichen erarbeiteten Identität zu gelangen. Wie dies mit Hilfe der Musik unterstützt werden kann, werde ich im 4. Abschnitt erläutern um schließlich im Fazit ein Resümee zu ziehen.

2. Selbstkonzept und Identität als zwei wichtige Dimensionen des Jugendalters

In der Entwicklung der Adoleszenten haben zwei Begriffe eine besonders wichtige Stellung: Der Begriff der Identität und der Begriff des Selbstkonzeptes. Obwohl beide nicht erst in dieser Lebensphase entstehen, haben die Veränderungen, die der Mensch während seiner Jugend durchmacht, in dieser Zeit besonders viel Einfluss auf diese beiden Komponenten (vgl. Flammer u. a. 2002, S. 142).

2.1 Das Modell des Selbstkonzeptes nach Rosenberg

Ein wichtiges Modell zur Beschreibung des Selbstkonzeptes ist das Selbstkonzept nach Rosenberg, welcher sich in seinen Forschungen zum Selbstkonzept hauptsächlich auf das Jugendalter berufen hat. Das Selbstkonzept ist bei ihm in drei verschiedene Bereiche unterteilt: das „extant self“, auf Deutsch das aktuelle Selbst, also die Selbstwahrnehmung einer Person; das Wunschbild, dass eine Person von sich hat, von Rosenberg „desired self“ genannt, und das sich darstellende Selbst gegenüber anderen Personen, das sogenannte „presenting self“ (vgl. ebd., S. 145).

2.1.1 Das Konzept des aktuellen Selbst

Das aktuelle Selbst enthält unter anderem die soziale Identität, d. h. es enthält alles was uns äußerlich als Individuum ausmacht und womit andere Menschen uns beschreiben könnten, z. B. Alter, religiöser Glauben, Familienstand, Geschlecht, etc. Ebenso fallen sozialen Rollen und soziale Etiketten darunter, kurz gesagt, alle Unterscheidungsmerkmale einer Person von anderen Menschen. Die Bewertung des Selbst und somit das Selbstkonzept hängt insofern von diesen Merkmalen ab, da sie laut Rosenberg in jeder Kultur und Gesellschaft bewertet werden, womit das Prestige der jeweiligen Merkmale eine wichtige Rolle einnimmt. Das aktuelle Selbst beinhaltet außerdem auch innere Einstellungen und Werte, sowie physische Merkmale (vgl. ebd., S. 146). Alle Komponenten des aktuellen Selbst stehen miteinander in nach bestimmten Mustern organisierten Beziehungen, wobei einige Elemente wichtiger sind als andere. Z. B. geht man davon aus, dass in der Adoleszenz die Beurteilung des Körperbaus wichtiger ist als die der sozialen Rollen, während dies später umgekehrt ist (vgl. ebd., S. 146). Ein weiteres Merkmal im aktuellem Selbst sind die Dimensionen, also die Einstellungen des Individuums zu seinem Selbstkonzept. Dabei kommt es vor allem auf die Richtung (positiv oder negativ), die Intensität, die Konsistenz und die Stabilität an.

2.1.2 Das Konzept des erwünschten Selbst

Das erwünschte Selbst kann laut Rosenberg in drei Kategorien unterteilt werden. Die erste ist das Idealselbst, eine meist nicht zu erreichende Idealvorstellung von sich selbst, die Stress, eine hohe Kritik gegenüber der eigenen Person und somit Überempfindlichkeit hervorrufen kann. Realistischer ist hier das verpflichtende Selbstkonzept, das besser erreicht werden kann und trotzdem wünschenswerte Vorstellungen des Individuums über sich selbst beinhaltet. Die dritte Unterkategorie ist das moralische Selbstbild, welches das Gefühl beschreibt, dass dem Individuum zu verstehen gibt wie es sein müsste oder sollte (vgl. ebd., S. 146).

2.1.3 Das Konzept des sich darstellenden Selbst

Das sich darstellende Selbst hängt stark von der jeweiligen Situation und von den sozialen Rollen die eine Person gerade in diesem Moment auszuführen hat, ab. Da die Meinung der Mitmenschen immer für ein Individuum relevant sein wird, wird es für den Menschen auch immer wichtig sein, was er für ein Bild von sich selbst präsentiert (vgl. ebd., S. 146).

2.2 Zusammenhang zwischen Identität und Selbstkonzept

Um die Schwierigkeit der Identitätsfindung im Jugendalter beschreiben und verstehen zu können, ist es wichtig auf zwei Dimensionen zu achten: Die Identität und das Selbstkonzept. Dabei ist es nicht immer so leicht diese beiden Begriffe zu unterscheiden. Das Selbstkonzept wird als „eine Organisation von hauptsächlich evaluativen Vorstellungen und Überzeugungen, die eine Person von sich selbst hat“ (ebd., S. 148) verstanden, die individuelle Merkmale, Handlungen, Gedanken und Gefühle betreffen. Es bildet sich in einem gewissen sozio-kulturellen Kontext durch zwischenmenschliche Interaktionen und spielt eine wichtige Rolle bei der Informationsauswahl, -verarbeitung und -interpretation (vgl. ebd., S. 148). Einfacher formuliert kann man das Selbstkonzept auch als die Art beschreiben, auf die sich ein Mensch Meinungen und Bewertungen über sich selbst bildet (vgl. ebd., S. 144). Obwohl es viele verschiedene Ansätze über die Bildung des Selbstkonzeptes gibt, besagen alle gemeinsam, „dass das Selbstkonzept als ein komplexes personspezifisches Schema betrachtet wird, das eine organisierende Funktion hat“ (ebd., S. 144), wobei „die Essenz der Persönlichkeit eine implizite Theorie ist, die eine Person über sich selbst und die Welt konstruiert“ (ebd., S. 144). Auch der Begriff der Identität hatte schon immer weit gefächerte Definitionen. So beschreibt Erikson die Identität z. B. als lebenslangen Prozess und als ein Gefühl der Einheit und Kontinuität des Individuums mit sich selbst, welches durch Interaktion mit anderen Personen und im Kontext der Kultur des Individuums entsteht (vgl. ebd., S. 157). Waterman beschrieb die Identität 1985 als eine Identifikation der Menschen mit ihren Werten, Handlungen und Zielen. So gesehen ähneln die beiden Identitätsdefinitionen dem Selbstkonzept, da sie sich über „einige der vielen Vorstellungen und Meinungen die eine Person über sich selbst hat“ (vgl. ebd., S. 157) definieren. Trotzdem sollten Identität und Selbstkonzept nicht als ein und das selbe verstanden werden. Zwar kann eine schwächere Identität mit einem instabilen Selbstkonzept erklärt werden, da das Gefühl der Einigkeit und Kontinuität nicht stark ist, trotzdem dürfen die Begriffe nicht gleichgesetzt werden. Am besten versteht man den Zusammenhang zwischen Identität und Selbstkonzept, indem man die Identität als Zentrum des Selbstsystems ansieht, als das „was dem erlebenden Selbst am meisten entspricht“ (ebd., S. 157). Identität ist also das Ergebnis der für ein Individuum bedeutungsvollsten Definitionen über sich selbst, „welche ihr helfen, Kontinuität und Kongruenz über Zeit und Situationen hinweg zu empfinden“ (ebd., S. 157). Das Selbstkonzept kann also als Beschreibung bzw. Bewertung eines Individuums von sich selbst erklärt werden, während Identität „als Ergebnis einer aktiven Suche oder Konstruktion des selbst“ (vgl. Straßegger-Einfalt 2008, S. 34) angesehen wird. Identität und Selbstkonzept stehen in diesem Sinne so in Zusammenhang, dass ein hohes Selbstkonzept einen Schutzfaktor, bzw. ein geringes Selbstkonzept einen Risikofaktor für eine gesunde Identitätsentwicklung bedeutet (vgl. Flammer u. a. 2002, S. 166). Die Unsicherheit, durch die die Identitätsfindung gekennzeichnet ist, hängt zu einem großen Teil vom jeweiligem Selbstkonzept des Jugendlichen ab.

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Details

Titel
Die Suche nach dem Ich: Identitätssuche im Jugendalter und die positive Beeinflussung durch Musik
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Sozialisationstheorie - Die Suche nach dem Ich
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V213856
ISBN (eBook)
9783656421610
ISBN (Buch)
9783656423577
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
suche, identitätssuche, jugendalter, beeinflussung, musik
Arbeit zitieren
Regina Marsch (Autor), 2011, Die Suche nach dem Ich: Identitätssuche im Jugendalter und die positive Beeinflussung durch Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213856

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