Wissenschaftliches Universitätspersonal hat unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. Eine davon ist die akademische Lehrtätigkeit. Diese stand lange Zeit im Schatten der Forschung – von dieser hing zumeist auch der Berufserfolg von Universitätsbediensteten ab. Erst in den letzten Jahren setzte in der Hochschullehre die Professionalisierung ein. StudentInnen werden immer häufiger mittels Veranstaltungsevaluationen um ihre Meinung bezüglich der akademischen Lehre gebeten. Die Qualität der Lehre rückt somit stärker in den Fokus. Der Stellenwert der Lehre im Vergleich zur Forschung erhöht sich tendenziell. Die Frage, Universtäten als Stätten der Forschung zugunsten der Lehre zu schwächen, stellt sich jedoch nicht. Vielmehr wird versucht, beide Bereiche zu optimieren.
Dabei gewinnt auch die Frage, welche Qualifikationen, Fähigkeiten und nicht zuletzt Kompetenzen Hochschullehrende benötigen, an Bedeutung. Zur Messung von Kompetenzen gibt es bereits unterschiedliche Ansätze und Messmethoden. Aus dieser Vielfältigkeit heraus stellt sich die Frage, welche davon eine geeignete Möglichkeit darstellen, um die für Hochschullehre benötigten Kompetenzen zu messen. Dies führt zur zentralen Forschungsfrage dieser Arbeit:
Wie können Kompetenzen von Hochschullehrenden bestmöglich gemessen werden?
Daraus abgeleitet muss zunächst die Frage beantwortet werden, welche Kompetenzmodelle es für Lehrkräfte in der Hochschule gibt, um den Gegenstand der Messung zu definieren. Dazu sollen Kompetenzmodelle für die allgemeine (bzw. schulische) Lehrtätigkeit möglichst vermieden werden und der Fokus auf die Hochschullehre gelegt werden. In weiterer Folge muss ein kurzer Überblick geschaffen werden, welche Messmethoden zur Kompetenzmessung zum derzeitigen Forschungsstand vorhanden sind. Ein besonderes Augenmerk muss bei der Messung von Kompetenzen auch auf deren Validität gelegt werden. Dabei soll versucht werden die Frage zu beantworten, ob Kompetenzen überhaupt messbar sind und wenn ja, ob und wo es Grenzen sowie Herausforderungen in deren Messbarkeit gibt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung, Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit
2 Akademische Lehrtätigkeit
2.1 Universität als Arbeitsplatz
2.2 Hochschullehrende
2.2.1 Herausforderungen für Hochschullehrende
2.2.2 Spannungsfeld Forschung – Lehre
3 Kompetenzen für die Lehre
3.1 Kompetenzbegriff
3.2 Klassische Kompetenzklassifikation
3.3 Pädagogische Kompetenzen
3.4 Kompetenzen für die Hochschullehre
3.4.1 Lehrkompetenzmodell nach Stahr
3.4.2 Kompetenzmodell von Benz
3.4.3 Kompetenzen guter Hochschullehre nach Reichmann
3.4.4 Lehrkompetenzmodell nach Paetz et al.
3.4.5 Vergleich der Kompetenzmodelle für Hochschullehrende
4 Messung von Kompetenzen
4.1 Allgemeines zur Kompetenzmessung
4.2 Unterscheidung der Kompetenzmessverfahren
4.3 Gründe für Messung von Kompetenzen
5 Kompetenzmessung bei Hochschullehrenden
5.1 Messung der Kompetenzen gemäß Lehrkompetenzmodell nach Stahr
5.1.1 Hochschuldidaktische Fachkompetenz
5.1.2 Sozialkompetenz
5.1.3 Methodenkompetenz
5.1.4 Systemische Kompetenz
5.1.5 Selbstkompetenz
5.1.6 Ganzheitliche Messung
5.2 Grenzen der Kompetenzmessung bei Hochschullehrenden
5.3 Konsequenz aus den gewonnenen Erkenntnissen
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Masterarbeit besteht in der Beantwortung der Forschungsfrage, wie die Kompetenzen von Hochschullehrenden bestmöglich gemessen werden können. Dabei liegt der Fokus auf der Identifikation geeigneter Kompetenzmodelle für die Hochschullehre und der kritischen Analyse bestehender Messmethoden hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit, Validität und Relevanz für den universitären Kontext.
- Stellenwert der akademischen Lehrtätigkeit und Herausforderungen für Hochschullehrende
- Definition und Klassifikation von Kompetenzen im Kontext beruflicher Bildung
- Analyse und Vergleich verschiedener Lehrkompetenzmodelle (Stahr, Benz, Reichmann, Paetz et al.)
- Methodische Ansätze zur Kompetenzmessung und deren Anwendbarkeit im Hochschulwesen
- Kritische Reflexion der Grenzen und Möglichkeiten der Kompetenzdiagnostik
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Lehrkompetenzmodell nach Stahr
Stahr hat in seinem Lehrkompetenzmodell für Hochschullehrende eine Aufteilung in fünf Kompetenzdimensionen vorgenommen: Hochschuldidaktische Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Systemkompetenz und Selbstkompetenz. Diese Unterteilung basiert auf einem Vorschlag der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik und eigenen weiterführenden, praxeologischen Gedanken von Fachexperten und ähnelt der in Kapitel 3.2 beschriebenen klassischen Kompetenzklassifikation. Die Begrifflichkeiten der systemischen Kompetenz sowie der hochschuldidaktischen Kompetenz werden in Kapitel 3.2 jedoch nicht genannt. Dies wird in Abbildung 6 dargestellt.
Im Mittelpunkt dieses Kompetenzmodells steht die Selbstkompetenz. Darunter versteht Stahr (2009) die Entwicklung einer individuellen Lehrpersönlichkeit. Dies hat den Grund, dass gemäß Stahr (Hochschul-)lehrende im besonderen dann überzeugend sein können, wenn sie in der Lage sind, ihre eigenen Stärken und Überzeugungen in den Unterricht mit einzubringen. Nur die gemäß Curriculum wichtigen Grundqualifikationen anzuwenden reicht nicht, um Selbstkompetenz zu besitzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung, Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit: Vorstellung des Themas, der zentralen Forschungsfrage zur Messbarkeit von Lehrkompetenzen an Hochschulen sowie der methodische Aufbau der Arbeit.
2 Akademische Lehrtätigkeit: Analyse der Universität als Arbeitsplatz und der spezifischen Anforderungen sowie Rollenvielfalt von Hochschullehrenden im Spannungsfeld zwischen Forschung und Lehre.
3 Kompetenzen für die Lehre: Theoretische Grundlegung des Kompetenzbegriffs und Darstellung diverser Kompetenzmodelle, die speziell für den Kontext der Hochschullehre entwickelt wurden.
4 Messung von Kompetenzen: Überblick über allgemeine Ansätze, Verfahren und Gründe der Kompetenzdiagnostik sowie deren zunehmende Bedeutung im Personalwesen.
5 Kompetenzmessung bei Hochschullehrenden: Praktische Anwendung und kritische Reflexion ausgewählter Messmethoden für die identifizierten Lehrkompetenzdimensionen sowie eine Diskussion der Grenzen dieser Messverfahren.
6 Zusammenfassung: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse zur Beantwortung der zentralen Forschungsfrage und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Hochschullehre, Kompetenzmessung, Lehrkompetenz, Kompetenzmodell, Didaktik, Kompetenzdiagnostik, Selbstkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Systemische Kompetenz, Hochschuldidaktik, Qualitätssicherung, Evaluation, Personalentwicklung, Berufsqualifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der professionellen Lehrtätigkeit an Universitäten und der Frage, wie die dafür notwendigen Kompetenzen der Lehrenden identifiziert und gemessen werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit umfasst die Analyse des universitären Arbeitsumfelds, die theoretische Bestimmung von Lehrkompetenzen sowie die Untersuchung verschiedener diagnostischer Messverfahren für diese Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage: "Wie können Kompetenzen von Hochschullehrenden bestmöglich gemessen werden?"
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und dem Vergleich bestehender Kompetenzmodelle und diagnostischer Messmethoden, die auf ihren Einsatz im Hochschulkontext geprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Kompetenzbegriffs, die Vorstellung vier verschiedener Lehrkompetenzmodelle sowie die detaillierte Beschreibung und kritische Würdigung konkreter Messverfahren für die verschiedenen Kompetenzbereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Hochschullehre, Kompetenzmessung, Lehrkompetenz, Kompetenzmodell, Didaktik, Kompetenzdiagnostik und Qualitätssicherung.
Warum spielt das Modell von Stahr in dieser Arbeit eine besondere Rolle?
Das Modell von Stahr wird bevorzugt, da es spezifisch auf die Anforderungen an Hochschullehrende zugeschnitten ist und die für die Autorin relevantesten Kompetenzdimensionen umfassend abbildet.
Ist Kompetenzmessung an Hochschulen Ihrer Meinung nach vollumfänglich objektiv möglich?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Kompetenzen zwar messbar sind, jedoch bei der Messung stets Grenzen bestehen, da die subjektive Komponente (z.B. Selbsteinschätzung) und die Schwierigkeit der Beobachtung in nicht standardisierten Situationen eine vollkommene Objektivität erschweren.
- Citation du texte
- Verena Tscherk (Auteur), 2013, Kompetenzmessung bei Hochschullehrenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214282