Didaktische Reduktion und ihre Bedeutung im Unterricht


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Didaktische Reduktion
2.1 Didaktische Reduktion allgemein
2.2 Quantitative Reduktion
2.3 Quantitative Reduktion im Musikunterricht
2.4 Qualitative Reduktion
2.5 Qualitative Reduktion im Mathematikunterricht

3 Probleme didaktischer Reduktion

4 Resümee

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

„Ich bin heute nicht ganz fertig geworden“, nahezu jeder Schüler dürfte diese Äußerung schon einmal am Ende einer Unterrichtsstunde gehört haben. Die Gründe hierfür sind unterschiedlichster Art und reichen von organisatorischen Zeitproblemen bis hin zu einer Überfrachtung des Lehrplans. Aktuell führt die Verkürzung der Schuldauer von 13 auf 12 Jahre zu übervollen Stundenplänen und langen Schultagen. Ebenso dürfte jeder Lehrer, gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern, schon einmal von seinen Schülern erfahren haben, dass man die Inhalte gar nicht auf das Leben übertragen könne, warum müsse man dies also in der Schule lernen? „Können Sie das nicht einfacher erklären?“ ist eine weitere Frage, welche häufig von Schülern gestellt wird. Des Weiteren streben immer mehr Jugendliche den höchsten Schulabschluss, das Abitur an. Dabei sind jegliche soziale Schichten vertreten, Jugendliche aus Akademiker- und Arbeiterfamilien, mit und ohne Migrationshintergrund, die Schülervielfalt wächst immer weiter (vgl. Spiewak 2012, S.81-82). Dazu kommt ein stetig wachsender Wissensvorrat, die Menge an Informationen nimmt immer mehr zu und sowohl aktuelle Forschungsergebnisse aus dem naturwissenschaftlichen Bereich als auch literarische Neuentdeckungen wollen in den Lehrplänen berücksichtigt werden.

Darauf aufbauend ergibt sich die zu erörternde Leitfrage dieser Arbeit. Das Ziel ist es, die didaktische Reduktion vorzustellen und ihre Bedeutung für den Schulalltag zu verdeutlichen. Dabei wird sowohl die quantitative Reduktion als auch die qualitative Reduktion betrachtet, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dazwischen ausgearbeitet sowie ihre jeweilige Notwendigkeit für den Unterricht begründet. Dabei soll sowohl die quantitative als auch die qualitative Reduktion beispielhaft an einem expliziten Unterrichtsgegenstand angewendet werden. Im Anschluss daran werden einige Probleme der didaktischen Reduktion benannt, wobei an dieser Stelle darauf hingewiesen sei, dass eine umfassende Kritik inklusive Verbesserungsvorschlägen im begrenzten Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich ist. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit reflektiert sowie zukünftig noch zu klärende Fragen der didaktischen Reduktion angesprochen.

Sowohl die quantitative als auch die qualitative Reduktion sind für die Unterrichtsplanung wichtig, allerdings geht einer möglichen qualitativen Reduktion immer eine quantitative Reduktion in dem Sinne voraus, dass zuerst der zu vermittelnde Unterrichtsstoff ausgewählt werden muss, bevor er für die Lernenden geeignet aufbereitet und vorbereitet werden kann. Daher wird zuerst die quantitative Reduktion präsentiert, worauf dann die qualitative Reduktion zwar nicht aufbaut, aber in der Praxis chronologisch folgt.

2 Didaktische Reduktion

2.1 Didaktische Reduktion allgemein

Der Begriff der didaktischen Reduktion wurde 1967 von Gustav Grüner geprägt; Grüner führte dabei die von Hering 1958 kreierte didaktische Vereinfachung weiter aus, unterschied zwischen zwei Formen der didaktischen Reduktion bzw. der Vereinfachung und versuchte praxistaugliche Kriterien zu definieren, welche zur Reduktion von Unterrichtsinhalten verwendet werden können (vgl. Lehner 2009, S. 21-22). Auch wenn der Begriff der Reduktion erst in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts konkretisiert und definiert wurde, so gab es schon vorher Ansätze, die sich mit diesem Thema beschäftigten. Johann Amos Comenius stellte bereits um 1650 fünf didaktische Regeln auf.

1. Vom Bekannten zum Neuen
2. Vom Nahen zum Fernen
3. Vom Einfachen zum Komplizierten
4. Vom Leichten zum Schwierigen
5. Vom Konkreten zum Abstrakten

Auch wenn dabei noch Widersprüche zum Prinzip der Wissenschaftlichkeit entstehen können, so war dies ein früher Versuch, die Fasslichkeit im Unterricht zu thematisieren (vgl. Wagner 2011). Ähnliches soll bei der qualitativen Reduktion geschehen.

Das Problem zu großer Stoffmengen, welches in der quantitativen Reduktion behandelt wird, wurde bereits etwa 1886 von Ernst Mach und 1920 von Hilda Geiringer angesprochen (vgl. Lehner 2009, S. 29). Schließlich ist auch die „didaktische Analyse“ nach Klafki ein Beitrag zur Diskussion, welche Bildung für Schüler relevant ist. Auch wenn Klafkis Ausführungen zur didaktischen Analyse vielfach kritisiert und von ihm selber überarbeitet und weiterentwickelt wurden, so enthalten sie mit den fünf Hauptfragen erste Kriterien, nach denen Unterrichtsinhalte ausgewählt und gerechtfertigt werden können (vgl. Aschersleben 1993, S. 25) Trotz dieser frühen Ansätze ist die didaktische Reduktion ein neues Gebiet der didaktischen Diskussion, welches bisher eher vernachlässigt worden ist (vgl. ebd., S. 138). Mit der Verkürzung von Schul- und Studiendauer, gewinnt dieses Gebiet aber immer mehr an Bedeutung, „Viel Stoff – wenig Zeit ist eine Herausforderung, die sich im gesamten Bildungsbereich stellt“ (Lehner 2009, S. 10).

Didaktische Reduktion wird oft auch als didaktische Vereinfachung bezeichnet, Hering sprach in seiner Habilitationsschrift von der „Fasslichkeit naturwissenschaftlicher und technischer Aussagen“. Auch der Begriff der Elementarisierung ist ein häufig verwendetes Synonym (vgl. Wagner 2011). Gemeint ist damit die Rückführung komplexerer Sachverhalte auf ihre wesentlichen Elemente und Zusammenhänge; der Unterrichtsgegenstand soll damit für die Schüler überschaubar begreifbar bzw. fassbar gemacht werden. Dabei wird zwischen quantitativer und qualitativer Reduktion unterschieden. Beide sollen im Folgenden vorgestellt werden:

2.2 Quantitative Reduktion

„Mein zwölfjähriger Bruder kam kurz nach mir nach Hause, warf seinen Rucksack in die Ecke. […] Hastig löffelte er seine Suppe, […] legte seinen Löffel neben den noch halb vollen Teller, zog einige Bücher aus seinem Rucksack, meine Mutter reichte ihm andere, dann rannte er zur Tür hinaus.“ (Cismak 2012, S. 74)

Solche Situationen haben viele Schüler, die von der Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre betroffen sind, auch erlebt. Die Verkürzung der Schuldauer ohne einen anfangs angepassten Lehrplan führte zu einer deutlich erhöhten Stundenanzahl und Nachmittagsunterricht. Grund dafür ist, dass die gleiche Stoffmenge in verkürzter Zeit vermittelt werden sollte bzw. musste. Somit werden Unterrichtsinhalte der Oberstufe bereits in der Mittelstufe eingeführt, Unterrichtsinhalte der Mittelstufe werden wiederum in der Unterstufe eingeführt was stufenübergreifend zu einer höheren Stundenanzahl pro Woche führt (vgl. Lehner 2009, S. 15). Des Weiteren führt die stetig wachsende Anzahl an neuen Erkenntnissen etwa in den Naturwissenschaften zu einer immer größer werdenden Menge an Wissen, welches in den Lehrplänen berücksichtigt werden will. Außerdem entwickeln sich neue Teildisziplinen in den einzelnen Fächern, welche entsprechend auch in den Lehrplan aufgenommen werden wollen (vgl. Aschersleben 1993, S.63). Auch in den geisteswissenschaftlichen Fächern gibt es regelmäßig Veränderungen und Neuerungen; sei es die Aufnahme neuer Literatur in den Literaturkanon des Deutschunterrichts oder wichtige politische Ereignisse der Gegenwart, die dann Einzug in den Geschichtsunterricht halten (der Fall der Berliner Mauer wäre hier als passendes Beispiel zu nennen). Zeitgleich gibt es aber in jedem Fach auch Inhalte, die mit der Zeit an Relevanz verlieren und dementsprechend aus dem Schulalltag verschwinden bzw. verschwinden sollten (vgl. ebd., S. 141).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Didaktische Reduktion und ihre Bedeutung im Unterricht
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Erziehungswissenschaft Lehr- und Forschungsgebiet Allgemeine Didaktik mit dem Schwerpunkt: Technik- und Medienbildung)
Veranstaltung
Grundlagen der Didaktik
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V214490
ISBN (eBook)
9783656427452
ISBN (Buch)
9783656436836
Dateigröße
1762 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, Didaktische Reduktion, Fachdidaktik, Allgemeine Didaktik, Unterricht, Vereinfachung, Erziehungswissenschaften
Arbeit zitieren
Markus Jansen (Autor), 2012, Didaktische Reduktion und ihre Bedeutung im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214490

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