Kulturagenda Deutschland 2025


Wissenschaftliche Studie, 2013

53 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS/INDEX

1. Die Kultur als strategische Komponente der nationalen Sicherheit

2. Eine kulturelle Agenda 2025

3. Die deutsche Identität: Gedanken zur Identitätsfrage Deutschlands

4. Kulturelle Interfacing Strategien

1 Die Kultur als strategische Komponente der nationalen Sicherheit

Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?”

[Jesus in Lukas Kapitel 12, Verse 54 - 56]

Solange deutsche Energien landauf-landab durch die Weltkriege, sowie durch den darauffolgenden Wiederaufbau, das heißt, während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, polarisiert waren, hatte man eine Art Gleichausrichtung der Nation, vergleichbar mit einem Laserstrahl, der das Licht bündelt und fokussiert. Mit dem Ende dieser Phase, die etwa drei Generationen umfasste, ist nun eine mit weißem, gestreutem Licht vergleichbare Phase eingetreten, in der Pluralismus, Multikulturalität und multidimensionale Komplexität, wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch, national und international ständig neu und kreativ gemanagt werden müssen.

Und in dieser neuen Lage sind manche Akteure dieser Gesellschaft völlig hilflos, weil sie über Generationen nicht gelernt haben, selbständig zu denken und zu handeln, weil die politische und wirtschaftliche Gleichrichtung nationaler Energien die Menschen gezwungen hat, gleichermaßen im Gleichschritt zu marschieren und zu denken. Das hat ein hohes Maß an Sicherheit und Prognostizierbarkeit mit sich gebracht. Nun erzeugt die pluralistische Gesellschaft, in der diese Gleichrichtung nicht mehr durch das System vorgegeben ist, ein hohes Maß an Verunsicherung und entlarvt die Unfähigkeit vieler Deutscher im institutionellen und organisationalen Bereich, situativ angemessen, ohne vorgefertigte Schablonen, selbst kreativ und selbständig zu handeln, weil sie es über Generationen nicht gelernt haben.

Um dieser Entwicklungserfordernis hin zu einem differenzierteren Intellekt und Verhaltensmodalitäten zu entfliehen, weil er nicht vorhandene Eigenständigkeit erfordert, versucht man, in den einfachen Mustern der Vergangenheit Zuflucht zu nehmen und alles nach einem Einheitsschema zu lösen, indem man es an die Technik oder an die Juristerei delegiert. Der menschliche Pol der Dinge kommt dabei stets zu kurz und lässt Prozesse in Politik, Management und Gesellschaft als bar des Menschlichen erscheinen. Und diese gehen dann wiederum schematisch und prognostizierbar vor und wiegen die Menschen wieder in der erforderlichen, wenn auch Pseudosicherheit, ohne dass man selbständig kreativ denken müsste.

Die Technikgläubigkeit, der Glaube an die Allmacht der Technik erinnert an eine marxistisch-materialistische Kultur, die keine andere menschliche und gesellschaftlichen Werte zuließ als diese, während der exzessive Legalismus an Nordamerikas kulturelle Werte erinnert, in der es die meisten Juristen pro Kopf auf der West gibt, da es eine der universalistischen und individualistischsten Kulturen des Planeten ist, in der jeder sein Recht in die Hand nehmen kann und muss. Und diese führt in einer High-Tech Wirtschaft bei gleichzeitigem „low-tech Sozialstaat“ zu einer Hypertrophie des kapitalintensiven Legalismus, der die Gesellschaft in extrem Reiche einerseits und ausgestoßene und ausgeschlossene Parias andererseits spaltet. Diese Öffnung der sozialen Schere gewinnt auch hierzulande stets profiliertere Konturen. Der Import einer Wirtschafts- und damit einhergehenden Gesellschaftskultur hat vergleichbare Konsequenzen, mit denen die Imitatoren jedoch weniger gut umzugehen wissen, da sie kompatibler mit der Ausgangs- als mit ihrer Zielkultur sind.

Ebenso kann die materialistische Technokratie nationalkulturell weniger gut integriert werden als in den Kulturen ihrer Provenienz, die auch einen starken relationalen Pol zur Integration des ersteren entwickelt haben. Der Transfer von Kultursystemen in fremdkulturelle Kontexte, so lehrt es die interkulturelle Forschung, ist nicht möglich. Wer seine kulturelle Identität nicht besitzt ist korrupt. Und diese Korruptheit durch inkompatible Kulturimporte sanieren zu wollen korrumpiert sie nur weiter. Nichts führt an der Identifikation und Entwicklung der eigenen Kultur und Identität vorbei. Jedes Volk muss sich dieser Aufgabe stellen und darf sie nicht auf Kosten anderer Kulturen lösen wollen, wie zum Beispiel durch Krieg, ethnozentrische Anmaßung und unbotmäßige Belehrung und Bevormundung anderer Kulturen, indem man sich selbst als Maßstab setzt, ohne einen echten Maßstab entwickelt zu haben.

Es scheint nun so, dass Deutschland im Zuge der politischen, wirtschaftlichen Gleichschaltung des Systems zur Bewältigung des Krieges und des Wideraufbaus seine Seele an den östlichen Materialismus und den westlichen Legalismus zum Preise des Verlustes der eigenen Identität verkauft hat, sodass man plötzlich hilflos wie kleine Künder, die noch keine gereifte Identität haben oder demente Alte, die sie im Begriff zu verlieren sind, vor einfachen menschlichen Herausforderungen teht, die für unsere Nachbarnationen, die ihre kulturelle Identität intakt erhalten haben, ein Kinderspiel sind. Statt Probleme in direkter menschlicher Art anzugehen, schickt man sie in Endloskreisläufe technischer oder juristischer Pseudolösungen, weil man ihnen menschlich nicht gewachsen. Und sie bleiben ungelöst. Da man hilflos vor einfachen gesellschaftlichen Fragen steht und vor ihnen kapituliert, versucht man sie, durch die technisch-juristischen Kulturimporte zu lösen, kann diese aber nicht mit gesundem Menschenverstand anwenden, da sie inkompatibel mit der Zielkultur sind. Sie werden missbraucht und entfremdet, da sie nicht in dem dafür erforderlichen Geist angewandt werden. So versucht man, menschliche und gesellschaftliche Probleme mit unangemessenen Methoden zu lösen, die wirkungslos sind.

Da die Deutschen auf der Suche nach ihrer kulturellen Identität mit den technischen Mitteln des Krieges und im Wege der Profilierung ihrer Identität durch die alleinige Wirtschaftsmacht, diese Identität, auf dieser Suche nach einer Art Ersatzidentität, gänzlich verloren haben, besitzen sie nun nichts, was ihnen selbst und insbesondere dem Heer von Migranten eine wahre Heimat bieten könnte und sie selbst suchen als Tourismusweltmeister und Emigranten einen Heimatersatz in der Fremde. Dann wundert man sich, dass sich die Ausländer nicht eingliedern möchten und die Integration verweigern. Doch kann sich der Mensch nur in einem geistigen Klima beheimaten, das eine möglichst menschliche Identität besitzt und eine relative Wärme, Sicherheit und Zuflucht in der heutigen Welt bietet; also in einer starken Kultur mit möglichst tiefen und gesunden Wurzeln. Da sie dies häufig nicht vorfinden, sehen sie sich in ihre Ausgangs- und Heimatkulturen zurückgeworfen, in denen sie sich dann antagonistisch, in Opposition zur Gastlandkultur verschanzen und opportunistisch nehmen, soviel sie können, um dann wieder wirtschaftlich sanierter in ihre einzig verbindliche Heimatkultur zurückzukehren.

Ebenso entfliehen Deutsch in Scharen ihrer nicht mehr vorhandenen Heimatkultur und suchen Zuflucht in fremden Kulturen wo sie – auch unter Einsatz deutschen Fleißes - eine echte Beheimatung zu erringen suchen. Und schlimmer noch, man kann keine Nachkommen in ein Niemandsland hineingebären, das weder die für gesundes, menschliches Leben erforderliche Identität und seelische Beheimatung bieten kann. Wo kein gesundes Ökosystem mehr vorhanden ist können Organismen eben nicht mehr optimal überleben und gedeihen. Das biologische Unbewusste reagiert darauf mit einer der niedrigsten Geburtenrate der Welt. Doch wenn man eigenen Nachkommen keine Heimat bieten kann, dann kann man auch Immigranten keine bieten und die Rechnung der Deutschen, ihre nationaldemographischen Probleme erneut im Wege des Imports der Ware und des Wirtschaftsfaktors Mensch zu lösen zu beabsichtigen kann daher nicht aufgehen, denn ein Land, das eigenen Nachkommen keine echte heimatbasierte Lebensqualität für Spitzenleistungen bieten kann, kann auch nicht für Immigranten attraktiv sein, es sei denn für zeitlich sehr befristete Einsätze, vergleichbar mit einem kolonialen Einsatz ohne Integration in die Zielkultur. Schließlich ist es derselbe geistige Humus einer wohlentwickelten Kultur, der die Identifikationserfordernisse befriedet, die gedeihliches menschliches Leben erfordert. Und eine rein sachtechnisch-juristische Ersatzkultur, die in der deutschen Kulturmetapher der hochformalisierten, wohlgeölten aber inhumanen Maschine zum Ausdruck kommt, ist nun einmal kein Humus für Menschen, der diese gedeihen ließe und glücklich macht, seien es Autochthone oder Fremdlinge, gleich ob bunte oder kaukasische Weiße. Ohne den erforderlichen Humus, der in einer starken Kultur und Identität besteht, kann es keine Integrität des geistig-physischen Terrains und somit kein normales Leben geben.

Der Verlust der deutschen Seele und Identität hat das deutsche Schiff auf Kollisionskurs gebracht und das mögliche Zerschellen auf dem demographischen Riff der Zeit ist in der Tat nur eine Frage der Zeit, wenn man weiterhin auf dem technokratisch-juristisch-bürokratischen Import-Kulturkurs bleibt. Es ist also eine Kurskorrektur erforderlich, damit das deutsche Schiff nicht auf dem demographischen Entwicklungsriff zerschellt. Nun erhebt sich die Frage, wie dieser Kurs korrigiert werden sollte. Mit anderen Worten, wie findet man zurück zu einer kulturellen Identität und Integrität, die das Schiff trägt und zwar in die richtige Richtung. Oder, wie findet man die Seele der Kultur wieder, sofern sie vorhanden war? Das bedeutet, kulturelle Defizite und Versäumnisse von Generationen aufzuarbeiten, und zwar jene der oben erwähnten letzten drei, in denen die autonom denkfähige deutsche Seele der politischen und wirtschaftlichen Gleichrichtung und Gleichschaltung und der damit einhergehenden Einbuße der Autonomie geopfert wurde, um eine überhöhte, machtbasierte Pseudo-Identität rassischer, militärischer, politischer und wirtschaftlicher Natur zu erwerben und in einem verlustreichen Fall endete. Was man zu gewinnen trachtete ging verloren.

Die darauf gründende Identität ist bestenfalls eine Pseudoidentität, der der geistig-seelische Kern fehlt, der die Beheimatungsfähigkeit für Fremde und Autochthone gleichermaßen ausmacht. Die Gegenkulturrevolution, die diese Kultur für zukunftsunfähig hielt und sie daher sogar durch Terror beseitigen und humanisieren wollte und die Grünenbewegung, sowie darauffolgende Extremismen, wie auch die kollektive Integrations- und Immigrationsverweigerung, sind Symptomatiken, die eine wahrgenommene Zukunftsunfähigkeit dieser gegenwärtigen, enthumanisierten Kultur dokumentieren. Auf der Basis einer umfassenden Kulturanalyse müssen daher identifizierte Kollisionskoordinaten des deutschen Schiffes im Steuerprogram von dessen Bordcomputer angemessen umformuliert werden, damit der gegenwärtige Kollisionskurs korrigiert werden kann. Diese Umformulierung der Kollisionskoordinaten ist aber Aufgabe der Politik und der Gesellschaft insgesamt. Solange diese aber in der Pseudo-Import-Identität marxistisch-materialistisch-technokratischen und neoliberalistisch-legalistisch-technokratischen, ost-westlicher Provenienz verharren und die galoppierende Säkularisation fortschreitet, die alle menschlichen Werte ihrem utilitaristischen Materialismus opfert, kann der Kurs nicht korrigiert werden.

Wie schafft man eine nationale kulturelle Persönlichkeit in einem kulturellen Niemandsland mit fremdgeliehenen Artefakten, die nicht humusbildungsfähig und daher lebensabweisend sind? Dies ist eine Frage, die man leider nicht mit der technisch-legalistischen Kulturersatzschablone lösen kann, denn die kennt nur zukunftsunfähige Kontinuität und ermöglicht nicht den erforderlichen kulturellen Quantensprung in die Zukunft, in dem er diese mit den kulturellen Wurzeln von Jahrhunderten verbindet. Es gibt keine Möglichkeit, die kulturelle Seele und Identität, die Beheimatung und lebensförderlichen Humus für Autochthone und Fremde bereitstellen, technisch-legalistisch zu synthetisieren.

Der Versuch, die Kultur und somit das Volk durch interne Revolution und Terror von links und rechts zu retten, sowie der implizite Versuch, eine fremde Parallelkultur als Gegenkultur, in der Hoffnung eines langfristigen Kippens des Gleichgewichtes zugunsten der Kolonisierenden zu etablieren, was man auch noch durch die nun erfahrungsbasiert fragwürdige Hybris einer massiven Immigration fördern möchte, sind klare Signale des Siechtums einer Kultur, während sie sich ihrem materiellen Zenit zu nähern scheint. Doch dieser Aufstieg und Niedergang von Kulturen, der auf innerer Schwäche gründet, ist geschichtlich nicht neu, sondern vielmehr eine gewisse Gesetzmäßigkeit und scheint ein mögliches Zukunftsszenario auch dieser Pseudokultur zu sein, falls ihre Kursdaten nicht kulturkollisionsabwendend korrigiert werden können.

Kulturelle Kraft und Stärke besiegeln den Aufstieg und deren Abwesenheit den Niedergang einer Kultur. Die starke chinesische Kultur unserer Tage ist dabei dieses Land an die Spitze der Welt zu katapultieren, während die kulturelle Schwäche und Adoption fremdkultureller marxistischer Artefakte zur Auflösung des sowjetisches geführt hat. Die historischen europäischen Nachbarkulturen Spaniens, Englands und Frankreichs, ja selbst kleiner Beneluxstaaten, die kulturelle Kraft besaßen, haben allesamt Kolonialreiche geschaffen. Das ultrakatholisch, asketische Spanien hat es sogar geschafft, die Mauren in ihre Wüsten zurückzuverbannen und Südamerika zu kolonisieren, während der heutige säkularisierte Westen, der seine geistig-kulturelle Kraft verliert, dem Islamismus bisweilen ohnmächtig ausgeliefert zu sein scheint. Deutschland war nichts den Nachbarnationen Vergleichbares vergönnt, weil es keine mächtige Kultur entwickelt hat, die ihrerseits weltweite Strahlkraft hätte entwickeln können, obwohl es sektoriell durchaus brillierte, aber offenbar nicht die innere Kraft einer großen Kultur entwickeln konnte, die für eine internationale Führungsrolle und den Aufstieg zu einer Weltmacht erforderlich ist. Hier bedarf es geistig-kultureller, materielle Macht transzendierender Kraft.

Wohin man blickt, lehrt die Geschichte, dass ein solider kultureller Kern da sein muss, der fähig ist, intrakulturell und interkulturell polarisierend zu wirken. Doch wie gelangt man zu dieser kulturellen Kernenergie? Dies ist eine weitere metaphorische Formulierung der obigen Frage. Ja vielleicht bedarf sie vielfacher Umformulierungen, um eine Antwort zu bewirken, denn viele Probleme sind, laut einem Giganten unser Kultur, nur in einer gegebenen Formulierung nicht lösbar und bedürfen daher einer Umformulierung. Doch hierfür kann man nur Anstöße bieten, da die Frage die Gesellschaft insgesamt tangiert und nur von ihr und mit ihr gelöst werden kann, da Kultur ein soziales Phonemen par excellence ist.

Erkenntnistheoretisch ist es nicht so wichtig, ein neues Konstrukt auf der Basis des Bekannten in die Welt zu setzen, als vielmehr das zu sehen, was eigentlich der Fall ist. Daraus kann sich dann etwas Neues ergeben, das sich nicht im Bereich des Alten, der geborgten Ersatzkultur befindet und somit die alten Kulturkurskoordinaten, die auf Kollision zeigen, umschreiben kann. Daher möchte ich im dritten Kapitel einen Aufsatz über die kulturelle Selbsterkenntnis einfügen, der eine kulturelle Standort und Koordinatenbestimmung bewirken kann, die der erste Schritt für die Generierung und Einfütterung neuer Zieldaten in den kulturellen Bordcomputer des nationalkulturellen deutschen Schiffes sind, die das kulturelle Riff umschiffen und zu neuen, kulturell lichtvolleren Horizonten führen können.

2 Eine kulturelle Agenda 2025

Im Bann des technokratisch-materialistischen Liberalismus kann man keine starke Kultur und Identität entwickeln, da diese die Peripherie des Lebens und nicht den Kern tangieren, während das Leben vom impliziten Kern einer kulturellen Kraft her gelebt werden muss, die identitätskonsolidierend wirkt und dem Leben der Menschen Kontinuität, innere und relationale Sicherheit verleiht und somit auch die materielle Prosperität und den sozialen Frieden sichert und nicht zuletzt auch jenen Hort und jene Heimat bietet, ohne die das Lebens seines unabdingbaren Humus entbehrt und wittert und welkt und alsbald von der Zeit und der Erde verschlungen wird.

Was eigentlich erforderlich wäre, um diesen diagnostizierten Sachverhalten strategisch zu begebenen, ist eine kulturelle Agenda 20XX, in der man von einer Standortbestimmung des Kulturstandorts Deutschland ausgehend, möglichst tief in die Geschichte zurückgreift, da die historische Tiefe der kulturellen Wurzeln ihre kulturelle Widerstandskraft und Solidität bestimmen. Auf dieser tausendjährigen Zeitachse kann man die kulturellen Juwelen der deutschen Kultur aufreihen, mit denen man, das kulturelle Niemandsland des Faschismus und anderer Phasen überbrückend, neue kulturelle Ufer erreichen kann.

Mit der Hypothese der Planbarkeit und Beherrschbarkeit vieler Bereiche durch IT basierte Modellierungen kann man demographische Zukunftsszenarien und kulturelle Zielsetzungen priorisieren, die man für erstrebenswert hält, damit das multikulturelle Schiff Deutschland weder kentert, noch kollidiert, noch geentert und einer Zersetzung anheimfallen kann. Hier muss eben kreative menschliche Intelligenz zum Einsatz kommen, die über den quantitativen Utilitarismus und Merkantilismus hinausgeht, da es um die Existenz und die Permanenz und andernfalls schlicht das Zerschellen des deutschen kulturellen Schiffes auf den Riffen des kulturellen Astigmatismus im Ozean der Zeit geht. Die Frage des Seins kultureller und somit gesamtgesellschaftlicher Art per se darf nicht länger vor sich hergeschoben werden in der Hoffnung, dass sich die nationalen und kulturellen Dinge wie die Waren und Dienstleistungsmärkte von selbst regeln und stabilisieren werden.

Es kann keinen kulturellen Marshallplan geben, da jedes Volk die Verantwortung für sein spezifisches Schicksal trägt und die Aufgabe dieses zu leben nicht fremddelegieren kann, sodass es national und international gesellschaftsfähig wird. Es ist dazu verurteilt, sich und sein Geschick selbst in die Hand zu nehmen und seine Kultur zu humanisieren. Daran führt kein Weg vorbei.

Die Hoffnung auf abwartende Autoregulation lässt das Schiff triften und sogar schlingern. Dies ist ein Zeit- und Machtgewinn für alle Antagonisten dieser Kultur, die davon überzeugt sind, dass die Zeit und das demographische Schwinden einer ohnehin schwachen Kultur für sie arbeiten und dass die Früchte von tausend Jahren Blut, Schweiß und Mühen ihnen ohnehin zufallen werden, weil die Kultur ihnen korrupt und ohne Kern erscheint. Die Kultur ist somit eine strategische Komponente der nationalen Sicherheit und der Zukunft insgesamt.

“Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen.
und es kommt so.
Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß.
Und es trifft ein.
Ihr Heuchler!

Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten.
Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?”
[Jesus in Lukas Kapitel 12, Verse 54 - 56]

3 DIE DEUTSCHE IDENTITÄT GEDANKEN ZUR IDENTITÄTSFRAGE DEUTSCHLANDS

Befasst man sich mit diesem Thema, das von eminenter Tragweite für jeden Einzelnen ist, so läuft man Gefahr, in eine politische Nische gerückt zu werden. Das zeugt häufig von einem ungelösten Identitätsproblem seitens jener, die einem in eine ideologische Schublade stecken möchten. Die verschiedenen kulturbedingten Wahrnehmungsfilter eines jeden, wie auch die des Schreibers selbst, werden ohnehin zu verschiedenen Interpretationen der einen und derselben Worte führen. - Jemand ein Etikett aufkleben und ihn dadurch zu kategorisieren bedeutet nicht selten, dass jene, die dies für nötig halten, möglicherweise ihre eigene vermeintliche, wahrscheinlich schwache Identität auf Kosten anderer konsolidieren wollen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Kulturagenda Deutschland 2025
Autor
Jahr
2013
Seiten
53
Katalognummer
V214890
ISBN (eBook)
9783656428572
ISBN (Buch)
9783656567035
Dateigröße
1368 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsche Kulturanalyse, Kulturpolitik, Zukunftsfähigkeit, Kultur/Sicherheit, Kulturagenda, Gesellschaftliche Zukunfstmodellierung, Migration, Demografie, Kultur/Identität, kulturelles Interfacing/Management, intrakulturelles Management, Kulturstandort Deutschland, soziales Gewebe, Partizipation, Multikulturalität, Kulturstrategie, Integrationspolitik, Ausländerbehörde
Arbeit zitieren
D.E.A./UNIV. PARIS I Gebhard Deißler (Autor), 2013, Kulturagenda Deutschland 2025, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214890

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